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Wie der Boreout mein Leben bestimmte...

G

Gast

Gast
Hallo an Alle!

Jetzt gesellt sich noch ein weiterer Boreout- Fall zu euch.
Ich habe meine Story mal kurz und knapp zusammen gefasst ;-)
Wenn ihr Fragen haben solltet, scheut euch nicht sie mir zu stellen.



Nach meiner kaufmännischen Ausbildung ging ich am 01.10.2007 zur Bundeswehr. Die Grundausbildung, war bis dato die tollste Zeit. Ich war offen für jeden möglichen Standort den die Bundeswehr mir anbot, denn zu Hause hielt mich nichts.

Ich wurde dann nach Rheinland-Pfalz versetzt, hin zu einem Ort dessen Namen ich lieber nicht nennen möchte. Es war/ist aber wohl einer der totesten und überflüssigsten Orte Deutschlands! Dort möchte ich nicht mal begraben sein! Ich saß dort im Geschäftszimmer. Hauptsächlich kümmerten wir, also ich 1 Stabsunteroffizier und noch 2 Mannschaftsdienstgrade um die Post, Urlaubsanträge und Krankenmeldungen. 2-mal am Tag war noch ein Postgang zu erledigen, viel mehr war es nicht! Zusätzlich hatten wir auch noch eine zivile Angestellte und nur an die 70 Mann um die wir uns kümmern mussten…wir waren also chronisch unterfordert.

Es gab über 2 Jahre lang keine Arbeit für mich, es war ein leidiges Zeitabsitzen! Ich konnte meinem Leben dort keinen Inhalt geben! 18 Jahre war ich damals und vegetierte einfach so dahin. Ich war dort zusammen mit ein paar anderen Leuten, die aber auch zum Teil da wohnten bzw. keine 781 km bis nach Hause hatten. Ich versuchte dort irgendwie Kontakt aufzubauen, aber es waren so gut wie keine jungen Leute zu finden und selbst die paar die ich fand, waren perspektivlos und gelangweilt und wussten ebenfalls nicht was sie dort unten sollten. Meine Tage verliefen nach dem Motto "Und täglich grüßt das Murmeltier" Nach 8-9 Std. im Büro voller Langeweile und Freizeit, stündlichen rauchens, wenn nicht sogar halbstd., ging ich hoch auf meine Stube, ich wohnte direkt über meinem Büro. Ich duschte mich und legte mich schlafen bis ich abends irgendwann wieder aufstand. Ernährt habe ich mich in der ganzen Zeit nur von Döner, Chinesischem Essen, Pizza und Eis! Man konnte es eine echte Frustfresserei nennen.

Trotz allem, habe ich abgenommen anstatt zugenommen. Ich litt an Herzrasen, hatte stetig einen Ruhepuls von 140-150! Wegen diesem konnte ich auch ab dem Zeitpunkt wo es dort richtig schlimm für mich wurde ( im 2 Jahr), über 8 Monate lang nicht schlafen. Ich litt an Panikattacken, die mich innerlich zerrissen, ich war einfach am Ende! Ich hatte riesige Angst, wollte einfach nur weg! Am Besten bis ans Ende der Welt und weiter. Ich habe mich nur nach Ruhe und sinnvoller Tätigkeit gesehnt und alles was ich fand,war ein große Leere die alles nur schlimmer machte… Die ständige Suche nach Beschäftigung brachte mich fast um. Ich war einfach nur noch eine leere Hülle, total abwesend, befand mich in meiner kleinen verlorenen von Angst beherrschten Welt, ich war unkonzentriert und redete immer nur darüber wie schlecht es mir geht. Ich versuchte mich irgendwie zu arrangieren… Aus Verzweiflung fuhr ich, als ich dann im Juli 2008 ein eigenes Auto hatte, fast jedes We die 7 std meist aber eher 9 bis 13 Std nach Hause. Bei Schnee-/Sturm, Glatteis, Platzregen ganz egal welches Wetter. Da war ich schon lange Depressiv... ich muss sagen ich hab es wirklich spät erkannt, genau das ist das tückische daran.

Man hat natürlich irgendwo immernoch die Hoffnung das sich alles von alleine legt. Und das ist der größte Trugschluss. Ich gab alles dafür, dass ich von diesem Ort wegkomme und hingegen aller negativen Meinungen schaffte ich es mit Hilfe des Militärpfarrers und einem Kameraden aus Köln. Seit 2010 bin ich nun in Köln. Mein Arbeitsbereich hatte sich etwas geändert...anfangs hatte ich noch viel zu lernen und gut zu tun, doch nach einem halben Jahr war ich auch mit dieser Büroarbeit wieder total unterfordert und langweilte mich, das ich fast noch depressiver wurde. Es dauerte ewig bis mein falscher Stolz es zuließ zum Doktor zu gehen und mir Pillen verschreiben zu lassen… mit denen es mir dann auch bald besser ging.

Ich fuhr regelmäßig zu diesem Psychiater um mit ihm Gespräche zu führen, auch in der Dienstzeit. Jedenfalls kamen noch einige Ups and Downs, mal lief es besser mal schlechter. Ich entschied mich dann so Mitte diesen Jahres auszusteigen! Nach einem ewigen hin und her und nicht wissen ob es nun klappt oder nicht, konnte ich am 30.09.2011 endlich die Bundeswehr verlassen. Ich bin nun schon einige Wochen ohne Tabletten und ziehe auch nicht mehr in Erwägung diese Hammerdinger zu nehmen. So hilfreich wie sie auch waren, die Nebenwirkungen und Entzugserscheinigung waren teilweise nicht ohne. Ich bewerbe mich nun um eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker, ich denke, dass genau das, der richtige Beruf sein wird. Alleine schon wegen der Abwechslung, meinem Interesse der Kfz-Technik gegenüber und der körperlichen Tätigkeit die dieser Beruf mit sich bringt.

Eins weiß ich jedenfalls ganz genau: Ab jetzt muss alles stimmen! Nie wieder werde ich einen Fuß in ein Büro setzen!

Das Büroleben hat mir fast all meinen Lebensmut genommen. Heute frage ich mich manchmal wie ich das alles „so gut“ überstehen konnte und ehrlich gesagt weiß ich es nicht genau... Vllt. war es doch das kleine Fünkchen Hoffnung in mir, das mich am Leben erhielt und zum weiter machen "zwang".

Liebe Grüße
Nadine
 

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Gast

Gast
Hallo Nadine,

danke für Deinen Text! Ob Du es glaubst oder nicht: Damit hast Du mir schon sehr geholfen...

Bin ebenfalls als Personalunteroffizier bei der Bundeswehr eingesetzt und seit Jahren unterfordert. Habe vor der Bundeswehr eine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht und hatte ebenso wie Du nach der Grundausbildung richtig Lust loszulegen.

Am Anfang war noch alles toll und vieles neu. Aber nach wenigen Monaten stellte sich auch bei mir die Routine ein und ich arbeitete (und arbeite immer noch) effektiv, vielleicht eine Stunde am Tag. Wenn ich das hier schreibe, dann muss ich wirklich sagen, dass ich mich schäme. Ich bekomme jeden Monat wirklich gutes Geld, aber muss fast nichts dafür tun.

Ich gehe nächstes Jahr in den Vollzeit-BFD. Erst jetzt, nach über fünf Jahren Dienstzeit, komme ich der Sache langsam auf dem Grund und würde mir gern helfen lassen. Andererseits denke ich mir: "Das eine Jahr schaff ich auch noch..." Ich weiß nicht so recht, was ich tun soll....

Danke für Deine Offenheit!
 

JeanMoreau

Mitglied
Hallo Soldaten! ;-)

Ich glaube nicht, dass sich jemand dafür schämen muss, wenn er aus Unterforderung und Mangel an externer Motivation nicht mehr effektiv arbeitet und krank wird!

Bei der Bundeswehr habe ich solche Erfahrungen zwar nicht gemacht (ich war im Stabsdienst und habe häufig Überstunden gemacht - das glauben mir nur wenige!), aber später in meinem Beruf. Meiner Meinung nach ist es die Aufgabe der Vorgesetzten (nicht nur die bei der Bundeswehr, sondern auch im zivilen Bereich), die Motivation ihrer Mitarbeiter zu fördern und sinnvoll zu nutzen! U.a. macht das einen guten Vorgesetzten aus.
Leider habe ich diesbezüglich bisher nur wenige gute Vorgesetzte kennengelernt. Das ist schade, denn erstens wird viel Zeit und Geld verschwendet und, was natürlich viel wichtiger ist: Es macht viele Beteiligte krank (was abgesehen vom persönlichen Leid auch wieder viel Geld kostet!).
Wir leben schon in einer verrückten Welt!

Rührt Euch! ;-)

Jean
 

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