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Wer kann mir sagen, ob ein Manuskript gut ist – habt ihr Erfahrungen?

kakadu1982

Mitglied
Ich sitz gerade auf einem Haufen Seiten, die mir irgendwie nah sind – und gleichzeitig trau ich mich nicht recht, sie jemandem zu zeigen. Kennt ihr das? Es ist so eine Mischung aus Stolz und dieser nagenden Frage: Ist das jetzt wirklich „gut“ oder gefällt’s nur mir, weil ich halt weiß, wie’s gemeint ist?

Was mich interessiert: Wie bekommt man eigentlich eine halbwegs ehrliche Einschätzung, ob ein Manuskript Potenzial hat – also nicht im Sinne von „verlagstauglich“, sondern eher: Könnte das was für andere sein? Habt ihr da Erfahrungen? Zeigt ihr sowas Bekannten, Unbeteiligten oder vielleicht sogar Profis?

Ich merk selbst, wie schnell man sich da verrennt, vor allem wenn man monatelang an was arbeitet und nicht mehr objektiv draufschauen kann. Und irgendwie ist der Moment, es rauszugeben, auch total verletzlich. Trotzdem wär’s schön, wenn man ein bisschen Orientierung bekäme – ob’s in eine Richtung geht oder eher ins private Regal gehört.

Vielen Dank vorab für eure Gedanken – ich freu mich über jede Rückmeldung.
 
Also für eine erste Einschätzung kannst du schon auch Freunde und Verwandte fragen. Zumindest grobe Fehler können die ja aufdecken. Natürlich wissen die nicht, was gerade am markt gefragt ist (sofern keiner in dem Bereich arbeitet). Aber wenn du da jemanden hast, der dir wirklich Feedback gibt, ohne Kritik zurückzuhalten, dann hilft das auch.
Du könntest auch Auszüge in Literaturforen posten - dort hält jedenfalls keiner seine Kritik zurück und ist aus meiner Sicht auch oft übertrieben. Ich habe dort auch schon einige Geschichten gelesen, nicht um sie zu kritisieren, einfach nur zu sehen, wie weit die anderen sind. Da kam dann oft überzogene Kritik. Aber einige Punkte trifft man so natürlich auch. Denke nur, das darf man sich dann nicht zu Herzen nehmen.
Du könntest halt auch mal einfach dein Manuskript an einige Verlage senden und schauen was passiert. Mehr als eine Ablehnung kannst du nicht bekommen.

ob es für dieses Thema überhaupt "Publikum" gibt
Naja ich denke es gibt für alles ein Publikum. Die Frage ist dann halt ob dem Verlag diese Gruppe groß genug erscheint. Aber heutzutage könnte man auch bei recht kleinen und speziellen Gruppe gut Marketing betreiben. In Sozialen Medien oder diversen Spezialforen. Wenn es Treffen gibt oder etwas in richtung messen,.... Vielleicht wäre es für einen Verlag uninteressant aber da könnte ich mir dann sehr gut Selfpublishing vorstellen.
 
Um was geht es grob gesprochen und was wünscht du dir, was daraus entstehen könnte?
Ich würde den Text nicht einfach hier einstellen.
 
Hallo kakadu,
ich habe Leute, denen ich meine Texte zeige. Eine gute Freundin, zwei gute Bekannte, und früher eine Schreibgruppe, wo wir uns gegenseitig Texte (oder Auszüge), und nur, wenn man wollte, vorgelesen und (achtsam!!) kommentiert haben. Das war superschön.
Man kann sich auch Testleser im Internet suchen, aber da gibt es auch immer ein Risiko. Zum einen, dass Texte "geklaut" werden (d. h. man sollte sich vorher das Copyright sichern, so gut das geht) und zum anderen, dass man eben die Personen nicht kennt und es dann schon auch hart zugehen kann. Ich war mal auf einem Forum für Leute, die schreiben, und da wurde kein Blatt vor den Mund genommen, gelinde ausgedrückt...
Wenn ich nicht mehr objektiv drauf schauen kann, dann mache ich ganz bewusst Pause. Z. B. wenn ich einen neuen Text geschrieben habe und ich ihn quasi auswendig kann, dann muss ich ihn, mindestens vor dem letzten Bearbeitungsdurchlauf, noch mal komplett wegtun und ignorieren, richtig ins "normale" Leben eintauchen, bis ich nach ein paar Wochen richtig "weg" davon bin. Dann lese ich ihn noch mal und mir fallen wieder Sachen auf und ich kann (so gut es halt geht bei eigenen Texten) objektiv drauf schauen.
Ich finde übrigens auch, man macht sich verletzlich, wenn man Texte teilt, besonders, wenn es sehr persönliche sind. Es ist aber auch eine schöne Erfahrung, wenn man dann eine achtsame Rückmeldung bekommt, oder der Text beim anderen "richtig" ankommt, einschlägt, im positiven Sinn. Man könnte ja beim Zeigen auch langsam anfangen. Erst mal einen Absatz und, je nach Reaktion, später noch einen, oder eben nicht. Oder noch was schreiben, woran das Herz nicht ganz so hängt, und das mal zeigen und schauen, wie der andere reagiert...
 
P. S. Übrigens: Wenn du mit dem Gedanken spielst, zu veröffentlichen, wenn auch erst später oder vielleicht, dann würde ich dir den Tipp geben, deinen Text nicht online zu stellen (auch nicht in Foren). Denn Texte gelten meiner Erfahrung nach als "veröffentlicht", wenn sie im Internet stehen (außer es sind z. B. abgeschlossene Foren wie z. B. bei einer Schule fürs Kreative Schreiben, wo nur die Eingeschriebenen Zugang haben). Und die meisten Verlage oder andere Institutionen, die Schreibwettbewerbe oder Ausschreibungen veranstalten, achten darauf, dass die Texte, die sie annehmen, noch nicht veröffentlicht sind.
 
@Ausnahmsweise: Ja, „Testleser“ ist tatsächlich so ein Begriff, der mir dauernd begegnet, aber ich frag mich immer, wo genau man da Leute findet, die nicht einfach höflich durchwinken oder alles zerpflücken wollen. Hast du selbst mal jemanden darüber gefunden?

@BesserLeben: Ich hab's mit KI probiert – aber das ist für mich eher so als würd ich mit’m Spiegel reden. Irgendwie keine echte Resonanz. Thema ist so ein Zwischenstück – Identität, Alltag, Beobachtung. Aber nicht greifbar als Plot. Denkst du, für sowas gibt’s draußen überhaupt Leute?

@EmmaB: Das mit den Foren kenn ich – ich les manchmal still mit und merke dann, wie hart das Feedback da knallen kann. Ich glaub, ich müsste sehr genau wissen, was ich will, bevor ich mich dem aussetz. Deine Idee mit dem Verlagsversuch klingt irgendwie mutig – hast du das mal gemacht?

@HeartAttack: Es ist schwer, das in zwei Sätzen zu sagen. Es geht nicht um eine Geschichte im klassischen Sinn. Eher so… Stimmen im Kopf, Spaziergänge mit Erinnerungen, kleine Situationen, die kippen. Zu abstrakt?

@Jana1980: Ich wünsch mir, dass jemand es liest und nicht das Gefühl hat, etwas lesen zu müssen, sondern dass es ihn/sie reinzieht. Und ja, veröffentlichen ist für mich so ein entferntes Wort – wie was, das „anderen“ passiert. Aber gleichzeitig wär’s schön, wenn es wenigstens bei einem Menschen was auslöst.

@Penny: Deine Beschreibung dieser Schreibgruppe klingt fast… heimelig. Und der Gedanke, dass man bewusst auf Pause drücken kann, hat bei mir grad richtig was zum Klingen gebracht. Ich sitz da nämlich und dreh seit Tagen an denselben Absätzen rum. Vielleicht ist „Nichtlesen“ wirklich der nächste Schritt. Wie hast du denn deine Gruppe damals gefunden?

Und danke auch für den Hinweis zur Online-Veröffentlichung – ich hatte ehrlich gesagt gar nicht auf dem Schirm, dass das schon als „veröffentlicht“ gelten kann. Dann wär’s wahrscheinlich wirklich besser, vorsichtig zu sein mit dem Teilen im Netz.
 
Ja, „Testleser“ ist tatsächlich so ein Begriff, der mir dauernd begegnet, aber ich frag mich immer, wo genau man da Leute findet, die nicht einfach höflich durchwinken oder alles zerpflücken wollen. Hast du selbst mal jemanden darüber gefunden?

Brauchte ich nicht. Mir reichte mein Bekanntenkreis.
Ich wählte 4 Leute aus der Zielgruppe, einen Germanistikprof und einen Autor.

Ungeplant kamen am Ende noch ein paar dazu, just for fun. Hatten dieselben wohl, was mich sehr freute! Da ging es aber auch schon nicht mehr um erbetene Kritik, da war das Ding im Grunde bereits fertig.

Jetzt müsste ich mich nur noch überwinden, diese Fassung einzureichen, die nicht meinem ursprünglichen Plan entspricht. Geht mir gegen den Strich, so dämlich das ist. Muss aber wohl.

Alles zerpflücken finde ich persönlich gar nicht so verkehrt. Daraus kann man mit Glück gute Ansätze mitnehmen. Durchwinken als (bezahlter?) Testleser bringt natürlich gar nichts. Sollte sich aber auch herumsprechen, wer so verfährt. Man kann da auf Bewertungen achten.
 

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