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Was kann ich noch tun?

jo2899

Mitglied
Hallo liebes Forum,
ich bin einfach am Verzweifeln. Ich habe eine so lange psychische Odyssee hinter mir, die mir alles nichts geholfen hat. Als Kind bin ich von Psychologe zu Psychologe ohne dass irgendwas brauchbares dabei rausgekommen wäre. Zwischenzeitlich hieß es, ich sei hochbegabt, davon wurde später nie wieder gesprochen. Dann wurde vor einigen Jahren eine Verdachtsdiagnose des Asperger-Syndroms bei mir gestellt. Daraufhin kam ich über das Jugendamt in eine Hilfegruppe für Kinder und Jugendliche mit dem Asperger-Syndrom. In dieser Gruppe bin ich heute immer noch. Ich habe allerdings nicht das Gefühl dass mir diese Gruppe je viel gebracht hätte. Das hat aber denke ich auch damit zu tun, dass die Ausprägungen und Erscheinungsbilder des Syndroms so vielfältig sind, wie die jeweiligen Menschen. Wir haben aktuell auch eher mehr schwerere Fälle in der Gruppe, die noch mit Komorbiditäten zu tun haben wie dem "Fragiles X-Syndrom". Diese Menschen sind anders als ich kognitiv gehandicapt.
Letztes Jahr war ich für ca. 8 Wochen in einer tagesklinischen Behandlung, die mir zusammenfassend eigentlich nichts gebracht hat, außer, dass ich einen geregelten Tagesrhythmus hatte. Dort wurde auf meinen Wunsch hin eine erneute Asperger-Diagnostik durchgeführt, mit dem Ergebnis, dass ich vermutlich doch kein Asperger habe. Depressionen und eine ängstlich vermeidende Persönlichkeit wurden mir diagnostiziert. Nach der Klinik versuchte ich eine ambulante Therapie, die ich für ca. 5 Monate gemacht habe, bis meine Therapeutin mir sagte, sie könne mir vermutlich nicht so helfen, wie ich es brauche. Sie konnte mir allerdings auch leider nicht sagen, ob es da einen Therapeuten/eine Therapeutin gäbe, die mir besser helfen könne, bzw. ob es eine Therapieform gibt, die besser zu mir passt.
Ich hasse es. Es kann doch nicht sein, dass keine vernünftige halbwegs gesicherte Diagnose gestellt werden kann, die dann therapiert wird. Unter meinen Depressionen und meiner Ängstlichkeit leide ich sehr. Ich tue mich schwer neue Leute kennenzulernen obwohl es mir auch Spaß macht. Ich fürchte Ablehnung und werde quasi in einer selfullfilling prophecy (selbst-erfüllenden Prophezeiung) darin bestätigt. Ich halte mich selbst für einen sozialen Versager, obwohl ich objektiv gesehen einige Freunde habe aber gerne mehr gute soziale Kontakte hätte. Dabei versuche ich und würde mich als einen sympathischen, höflichen, humorvollen jungen Mann (bin bald 21) beschreiben. Aber ich bin von den Interessen her und dadurch, dass ich aufgrund von vermutlich psychisch bedingtem Schwindel das Haus kaum verlassen kann einfach zu anders als die anderen. Außerdem neige ich dazu, meist ausgerechnet zu den Menschen eine Freundschaft aufbauen zu wollen, die mich nicht mögen und keine Freundschaft mit mir wollen. Dadurch fühle ich mich im Enddefekt wieder zu unfähig. Ich muss meine eigenen Glaubenssätze endlich mal in den Griff kriegen aber schaffe es nicht. Andererseits, therapierbar bin ich ja anscheinend auch nicht. Ich hätte mit meinen fast 21 Jahren auch gerne mal eine gesunde Beziehung. War bisher erst 3 Monate in einer Beziehung die aber alles andere als gesund war, sprich ich glaube meine Partnerin war nur aus Mitleid mit mir zusammen.

Ich bin dankbar, dass ich mich hier auslassen konnte und freue mich über JEDE ANREGUNG von euch bitte euch allerdings auch so Sprüche wie "Du wirst schon die Richtige finden" oder "Es wird alles wieder" zu lassen. Von solchen Sprüchen hab ich echt genug.
Danke fürs Lesen und für Antworten. Es grüßt herzlich
jo2899
 

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Werner

Sehr aktives Mitglied
Hallo jo2899,
du schreibst, dass du als Kind schon Therapie-
versuche unternommen hast. Bedeutet das, dass
du damals schon "Depressionen und Ängstlichkeit"
als Therapiegrund hattest?

Meine Anregung bzw. Frage wäre, ob es denn mal
bessere Zeiten gegeben hat, an denen diese Be-
schwerden schwächer waren oder sogar ganz weg.

Ich mag – gerade bei solch "untherapierbaren"
Diagnosen – den lösungsorientierten Ansatz: Der
fragt nicht nach den Ursachen der Probleme, son-
dern sucht nach Ausnahmen, in denen sich womög-
lich Ansätze für eine dauerhafte Besserung finden
lassen.

Ein Beispiel: Eine junge Frau hat seit sieben Jahren
Depressionen inkl. Suizidgedanken und -versuchen.
Auf die Frage, wann es zum letzten Mal besser war,
erzählt sie von einem ganzen Ausnahmejahr. Und
nach einiger Recherche und mit etwas Glück kommt
heraus, dass sie in dieser Zeit eher zufällig täglich
ein Zinkpulver genommen hatte. Der Wiederholungs-
versuch mit einem Zinkpräparat bewirkt das Gleiche
und es geht ihr binnen kurzer Zeit wieder gut. So
lässt sich dann auch die Ursache der Beschwerden
ermitteln (also über die Besserung): Sie hatte sich
durch Drogen auf einer Auslandsreise einen großen
Teil ihres körpereigenen Zinks entzogen und darauf
hat ihr Gehirn mit Depressionen und dem Verlust
des Lebenswillens reagiert.

Hätte niemand nach der Ausnahmezeit gefragt und
hier nachgeforscht, wäre man auf diesen Unterschied
vermutlich eher nicht gekommen.

Paul Watzlawick, einer der Väter des lösungsorien-
tierten Ansatzes in der Psychologie, gab irgendwann
die Suche nach den Ursachen der Probleme ganz auf
und widmete sich mit seinem Klienten der Suche nach
solchen "Unterschieden, die einen Unterschied aus-
machen". Dabei beobachtete er, dass es oft nur ganz
kleine Unterschiede waren, die letztlich selbst große
Probleme (oder lange bestehende) veränderten bzw.
lösten. Ähnliches hat Steve de Shazer, ein Familien-
therapeut aus Milwaukee, in den 1980er- und 90er-
Jahren berichtet und beschrieben. Von ihm stammt
auch der Ausnahme-Ansatz.

Nach meiner Beobachtung findet sich bei intensiver
Suche fast immer irgend eine Möglichkeit, einen Un-
terschied zum Besseren bei diesem Beschwerden-
kreis zu bewirken. Denn in aller Regel übersehen oder
vergessen die klassischen Therapeuten oder Psychia-
ter irgend etwas, das noch versucht werden könnte,
z. B. die Verbesserung des Mineral- und Vitaminstatus
(also nicht nur von Zink, sondern auch von den B-Vita-
minen, von Magnesium, Jod oder Lithium; hier liegt bei
"psychischen Beschwerden" nämlich häufig ein unent-
deckter Mangel vor, wie Ärzte in den USA schon vor
über 30 Jahren bemerkt hatten).

Wir können also gerne zusammen suchen, mein Reper-
toire (also was versucht werden kann) ist ziemlich groß.

Alles Gute!
Werner
 

jo2899

Mitglied
Hallo zusammen,
erstmal danke lieber Werner für diese ausführliche sehr interessante Antwort. Da ich generell durch meine therapeutischen Erfahrungen nicht mehr viel von Therapien halte, finde ich deinen Ansatz auf jeden Fall sehr spannend und werde mich da mal weiter mit beschäftigen. Naja damals war ich eher in Behandlung, weil ich mit meinen Mitschülern nicht klar kam und mich selbst ausgegrenzt habe. Zwischenzeitlich ging das dann soweit, dass ich mich mit einem Mitschüler sogar etwas gekloppt hatte, weshalb mein Klassenlehrer mir dann ein Gespräch mit dem Jugendamt empfohlen hatte. In der Kindheit werden halt Depressionen meist noch nicht diagnostiziert, weil man es ein Stück weit der Entwicklung zuschreibt und vermutet, dass es sich quasi mit der Entwicklung auflöst.
Leider kann ich mich aktuell nicht wirklich an Situationen erinnern, wo es jemals besser gewesen wäre als jetzt. Die Theorie mit den Mineralsalzen und Vitaminen finde ich spannend und sehr logisch allerdings bin ich wegen meines Schwindels schon so oft bei Ärzten gewesen, die mir regelmäßig Blut abnahmen. Dort wurde nie eine Art Mangelerscheinung gefunden.

Bin euch weiterhin sehr dankbar für weitere Anregungen.
Es grüßt herzlich und wünscht einen schönen Sonntag,
jo2899
 

Shira

Mitglied
Speziell beim Asperger-Syndrom finde ich schon auch wichtig, dass man feststellt, ob es vorliegt oder nicht. Beim Asperger-Syndrom ist die Wahrnehmung und die Reizverarbeitung anders (neurologisch bedingt), und wenn das in Therapien nicht berücksichtigt wird, dann kann es passieren, dass man falsche, nicht hilfreiche Therapievorschläge bekommt. Aber das gilt genauso, wenn kein Asperger-Syndrom vorliegt und man Ratschläge bekommt, die bei Asperger-Syndrom sinnvoll wären, aber nicht das richtige, wenn jemand kein Asperger hat. Eine falsche Asperger-Diagnose kann auch in der Entwicklung sehr behindern, weil man sich womöglich Defizite einredet, die gar nicht da sind.

Was denkst du denn?
Hast du den Eindruck, dass deine Probleme (Wahrnehmung, Umgang mit anderen Kindern) zuerst da waren und dein Umfeld dann darauf reagiert hat? Oder eher, dass Probleme im Umfeld zuerst da waren und du dann darauf reagiert hast?
Haben deine Eltern dein Selbstvertrauen gestärkt? Wie sind deine Eltern selbst so?

Ich habe eine Asperger-Diagnose erst im höheren Alter bekommen, und da besteht natürlich auch noch viel Unsicherheit, ob das zutrifft oder nicht. Vielleicht lässt es sich nicht mit 100%iger Sicherheit klären, aber ich versuche, mich darauf einzulassen, in meinem Fall, daran zu glauben, dass es stimmt. Ich habe nach meiner Erstdiagnose noch eine andere Psychiaterin und zwei Psychotherapeuten gefragt, sie meinten alle, es würde stimmen. Daher versuche ich, mich auf deren Urteil zu verlassen. Ist bei dir schwierig, da du zwei unterschiedliche Meinungen hast.
Du könntest eventuell noch eine dritte Meinung in einer Autismus-Ambulanz einholen. Da es lange Wartezeiten gibt, bist du dann schon 21, bis der Termin stattfindet..... oder du gehst noch in eine Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie, die sich mit Asperger gut auskennt.

Auch wenn es Asperger ist, solltest du dich nicht von vermeintlichen Defiziten aufhalten lassen. Man kann auch viel lernen oder Menschen finden, die sich an den Besonderheiten nicht stören. Stehe dazu, wie du bist, passe dich nicht zu viel an. Wenn du freundlich bist, reicht das aus, du musst nicht deine Persönlichkeit bis zur Unkenntlichkeit verbiegen, nur damit du nicht negativ auffällst. Es ist wichtig, mit den eigenen Kräften zu haushalten und immer auf genug Pausen und Entspannung zu achten.

Mir hilft es, andere Asperger zu sehen, sei es in Filmen und Serien als auch im echten Leben. Du hast ja welche in deiner Wohngruppe, aber in Selbsthilfegruppen für erwachsene Asperger könntest du eventuell weniger stark beeinträchtigte Asperger treffen, mit denen du dich eher identifizieren kannst. Hast du das schonmal probiert?
 

Bergkristall000

Aktives Mitglied
Vitamin D Mangel ist weit verbreitet und kann zu Depressionen führen, wird aber nicht immer von Ärzten getestet. ...

Du sagst du "Außerdem neige ich dazu, meist ausgerechnet zu den Menschen eine Freundschaft aufbauen zu wollen, die mich nicht mögen und keine Freundschaft mit mir wollen." So viele Ablehnungen führen zwangsläufig zu Minderwertigkeitsgefühlen. Überlege mal wie du herausfinden kannst, ob dich jemand mag, BEVOR du anfängst, eine Freundschaft zu der Person aufzubauen.
 

jo2899

Mitglied
Hallo liebes Forum,
schon mal ganz lieben Dank für eure Antworten.
@Shira : Ich hatte schon das Gefühl, dass meine Probleme zu Gleichaltrigen erst da waren und dass dann versucht wurde, darauf zu reagieren. Meine Eltern insbesondere mein Vater haben mein Selbstvertrauen leider nie besonders gestärkt, da mein Vater für solche Erkrankungen auf psychischer Ebene nicht besonders viel Verständnis aufbringen kann. Dabei denke ich manchmal, dass mein Vater psychisch vielleicht auch gewisse Erkrankungen so in Traumata-Richtung haben könnte. Ich denke dabei an seine Erziehung die vermutlich relativ streng gewesen sein dürfte. Sein Vater war Soldat und auch er war mehrere Jahre bei der Bundeswehr.
Ich glaube dass bei mir viel auch durch die Glaubenssätze ausgelöst wird, die ich in der Grundschulzeit in mir aufgebaut habe. Ich ertappe mich öfter dabei, mir selbst einzureden, dass mich niemand mag und keiner mit meinen Schwächen klarkommt und dass ich einfach zu anders bin um akzeptiert werden zu können. Ich trinke z.B. anders als die meisten anderen die ich kenne keinen Alkohol und gehe auch nicht in Clubs oder so. Dabei hätte ich sogar gerne mal eine Beziehung, möchte gerne Nähe haben und vor allem eine Person finden, die ihr Leben mit mir teilen will und mich wirklich liebt aber ich hab das Gefühl dass man mich einfach nicht lieben kann.
Ich habe in meiner Asperger-Gruppe zumindest 2 Menschen kennengelernt, mit denen ich eine durchaus echt gute Freundschaft aufbauen konnte. Jedenfalls habe ich mit ihnen schon einiges unternommen und gemacht.
@Bergkristall000 : Zu ergründen, ob mich jemand mag bevor ich versuche eine Freundschaft aufzubauen habe ich schon oft probiert. Leider ist das auch oft schiefgegangen, deswegen vertraue ich meinem Bauchgefühl tendenziell nicht mehr. Das mit dem Vitamin D ist eine sehr gute Anregung. Werde das das nächste Mal bei meinem Arzt mal ansprechen. Danke schön.

Ich freue mich über weitere Anregungen von euch.
Es grüßt herzlich und wünscht einen schönen Sonntagabend,
jo2899
 

Werner

Sehr aktives Mitglied
Die Theorie mit den Mineralsalzen und Vitaminen finde ich spannend und sehr logisch allerdings bin ich wegen meines Schwindels schon so oft bei Ärzten gewesen, die mir regelmäßig Blut abnahmen. Dort wurde nie eine Art Mangelerscheinung gefunden.
Das Problem mit den Blutuntersuchungen ist,
dass der Arzt nur findet, was er auch (unter-)
sucht.

Nach meinen Erfahrungen werden weder Lithium,
B6 oder Magnesium automatisch untersucht, und
beim Zink ist es sogar sinnlos, weil der Zinkwert im
Blut nicht relevant für den Rest des Körpers ist.
Deshalb muss man da "ex juvantibus" vorgehen,
d.h. man probiert aus, ob eine Erhöhung der Zink-
aufnahme (egal jetzt ob aus Lebensmitteln oder
Präparaten) einen Unterschied bewirkt. Die Regel
(nach Dr. H. P. Bertram) lautet: Wenn Zink hilft,
war es ein Zinkmangel.

Das Problem ist hier auch strukturell angelegt:
Wenn ein Arzt oder Apotheker oder Psychiater
dich über einen so simplen Hinweis "heilt", weil
dein Mineralienhaushalt wieder dem entspricht,
was dein Körper und speziell dein Gehirn braucht,
beraubt er sich 1. einem Patienten, der ihm ein
gutes Honorar bringt und 2. müsste er eingestehen,
dass die Psychologie der letzten 120 Jahre schlicht
übersehen oder ignoriert hat, dass einfache Nähr-
stoffe einen enormen Einfluss auf die psychische
Befindlichkeit haben. Und dass Psychotherapie im
klassischen Sinne bei vielen Fällen überhaupt nicht
zielführend ist, weil man eher die Biochemie mal
in Ordnung bringen müsste.

Darüber wissen aber die wenigstens Behandler
Bescheid und belächeln es lieber.

Es liegt aber an jedem Einzelnen, also auch an dir,
dich hier zu informieren bzw. auszuprobieren, ob
du hier eine Besserung deines Befindens erreichen
kannst.

Gerade Zinkmangel ist oft schon von Kindheit an
vorhanden, weil es genetisch bedingte Aufnahme-
störungen für Zink gibt, so dass selbst aus zink-
reicher Nahrung viel zu wenig aus dem Dünndarm
ins Blut übergeht. Da müssen dann Infusionen oder
auch Lutschtabletten (gibt es in jedem Drogerie-
markt für wenig Geld) aushelfen. Die kann der Arzt
aber nicht verschreiben, da auch die Krankenkassen
hier "blind" sind für die Realitäten.
 

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