Anzeige(1)

was ist eigentlich jammern?

grisou

Aktives Mitglied
viel wird hier geredet über jammern in letzter zeit.

ich frage also mal: was ist das eigentlich? was versteht ihr darunter?


hier die synonyme dafür:

Bedeutung: klagen [v]
beklagen, betrauern, beweinen, flennen, greinen, heulen, jaulen, lamentieren, ächzen, maunzen, plärren, quäken, quengeln, schluchzen, sich beschweren, jammern



also was ist es für mich?

betrauern und beweinen gehört zu meinem leben. jammern heißt dann eben. aufmerksam werden auf schmerz, auf dinge die laufen nicht gut.

in diesen gefühlen dann hängen bleiben. nein. das ist nicht meins. wahrnehmen und ändern. also wieder kraft sammeln. und das kann ich nicht aus meinem leid heraus. für mich kommt diese kraft daraus wenn ich anderen ein lächeln schenken kann. wenn ich dieses lächeln in der natur finde. die schönheit. wenn ich den reichtum sehe in meinem leben.

es scheint mir. es gibt menschen die können diese perspektive nicht einnehmen. und darum fehlt die kraft dann für änderungen. und wenn ich die dinge nicht ändern will. ich muss dann ja auch nicht jammern.

für mich hat leben viel mit verantwortung zu tun. anderen gegenüber. auch mir gegenüber.

jammern kostet energie und kraft. und entweder ich jammere oder ich ändere etwas. beides zugleich. ich denke das geht nicht. hintereinander okay. wobei idealerweise erst jammern dann die veränderung zu einem zustand der besser ist.

interessant dazu finde ich diesen artikel:

Wenn schon jammern, dann bitte bewusst!


ich sehe es so dass manche menschen auch merken. ihr jammern, damit bekommen sie aufmerksamkeit. und das mag eine weile auch so sein. nur irgendwann schlägt das um.

ich kann das nicht ständig nur hören. weil es zieht meine energie. und es konzentriert mein denken auf das negative. vielleicht geht es vielen menschen so.

und dann wenn das muster jammern nicht mehr funktioniert. dann setzt man neue energie darein andere "fans" zu finden die trösten und mitleid geben. die füttern dann wieder das verhalten.

so besteht dann nie die notwendigkeit die strategie, das muster zu ändern.
 

Anzeige(7)

Nordrheiner

Urgestein
Lieber Nicclas,

ich finde es gut, dass Du das Jammern nicht zum Selbstzweck erklärst sondern lediglich als einen Punkt, ab dem die aktive Hinwendung zur positiven Gestaltung der Situation beginnt.

Ich wünsche Dir viel Kraft sowie die Fähigkeit, sich auf die nächste Verbesserung zu freuen.

LG, Nordrheiner
 
A

Archeo

Gast
Die Frage ist- ab wann bleibt jemand im Jammern hängen. Wer von aussen kann das beurteilen,wann einer hängen bleibt?

Wer von ausen, kann und darf sich ein Urteil erlauben,ab wann einer taff seinen Weg geht oder ab wann der andere fest steckt? Nimand kann beurteilen,ab wann genug vomSchmerz oder was auch immer raus ist.

Meiner Meinung nach kann das und darf es nimand und doch wird es hier immer gern betrieben.
Es könnte höchstens ein nahestehender, der alles von dem Menschen mit bekommt, oder ein Therapeut.
Meiner Meinung nach kann man diese Frage nur für sich selbst beantworten. Oft kommt der Impuls etwas zu tun ja viel früher als der Moment in dem man das von außen wahrnimmt.

Wie Nicclas schön formuliert hat, liegt es hier ganz stark in der Verantwortung für einen selbst, zu erkennen, ok so wie es jetzt läuft komme ich keinen Schritt weiter.
 

kiablue

Aktives Mitglied
Ich finde, genau das, was DU machst, zeigt, was Jammern NICHT ist. Jedenfalls für meine Begriffe. Du beschreibst, wie es Dir geht, Du zeigst Deinen Ist-Zustand, der in ein paar Stunden schon wieder ein ganz anderer sein kann. Du achtest auf Dich genau so weit, wie es auch notwendig ist und kreiselst nicht nur um Dich selbst herum. Was ich selbst als Jammern bezeichnen würde, ist das ewige Lamentieren, wie schlecht doch alles ist und warum es auch nicht anders werden kann. Das macht hilflos und - wie Du schon sagst - es zieht Energie.

Jammern und nur reden, aber sich nicht selbst helfen oder Hilfe holen, um etwas zu verändern, das empfinde ich als sinnloses Jammern auf die Dauer. Es ist nicht immer falsch. Hab mal gelesen, Jammern an der richtigen Stelle kann auch Depressionen verhindern. Aber dafür muss eben beim/nach dem Jammern Platz sein für Veränderungen.
 
M

Mr. Pinguin

Gast
Leider besteht dieses "helfen wollen" oft nur aus Vorwürfen und derben Sprüchen wie "beweg deinen *rsch". Und dann erwartet man allen ernstes, dass jetzt die Glühbirne aufleuchtet, "hey *bing*, ich muss ja nur meinen Hintern bewegen". ;) So klappt das nicht. Da ist dann wenn schon einsehen auf beiden Seiten erforderlich.

Nach vielen Fehlschlägen befindet man sich dann eben in einem Tief, man ist niedergeschlagen, da braucht man keine "schlauen Sprüche". Ich stimme @Spoony hier zu: "Manchmal muß man einfach nur da sein. Dann hilft das schon." Und ich finde auch, wenn man merkt, dass es einem Energie absaugt, dann kann man es doch auch lassen.

An der Stelle möchte ich - mal wieder :) - auf die HR-Tipps verlinken:

http://www.hilferuf.de/forum/inhalt/28-wie-mit-depressionen-umgehen-teil-2.html
Zusammengefasst: Sagen Sie also bitte nie so etwas wie...
  • "Hör doch einfach mit dem Jammern auf."
Außerdem glaube ich, dass hier ein zu hohes Maß an Konformität vorausgesetzt wird. Wenn man diese in einer Normalverteilungskurve abbilden würde, dann hätten die ca. 70% in der Mitte es relativ leicht, sich anzupassen, links und rechts davon würden aber diejenigen stehen, die damit Probleme haben. Vielleicht weil sie zu autistisch verlanlagt sind, oder zu hochsensibel. Da bringt es nichts zu wettern. Oder das, was man meint, was bei einem selber hilft, auf andere zu übertragen. Bisschen Verständnis üben könnte aber helfen. Sonst führt es nur zu Missmut, auf beiden Seiten.
 
G

Gast

Gast
Danke dafür, dass du die Frage gestellt hast! Ich habe mich das auch schon oft gefragt und werde daran erinnert als mein Ex-Freund mir oft vorgeworfen hat ich würde jammern. Das hat mich ziemlich verletzt, weil ich in einer sehr schwierigen familiären Situation war, ziemlich verzweifelt, nach einer Lösung suchend, um mein Seelenheil kämpfend... ich habe mir den Schuh dann auch angezogen, habe meine Gefühle möglichst für mich behalten, und damit ging es mir dann noch schlechter.
Meine Therapeutin sagte zu mir: "Ich finde nicht, dass sie jammern! Sie sind in einer extremen Situation und teilen ihr Befinden mit." Das hat mich zwar beruhigt, aber dieses Gefühl, ich sei eine Jammerliese hat mich nie wieder ganz verlassen.
Was ich sagen will ist, dass es ein verdammt schmaler Grad ist, ob man jammert oder seine Befindlichkeit mitteilt. Jammern ist ein einfach ein negativ besetzter Begriff, d.h., es gibt kein gutes Jammern. Wer das Wort jammern verwendet, bewertet automatisch und WILL auch bewerten. Es bedeutet wahlweise "Lass mich mich deinem Scheiß in Ruhe", "Beklage dich nicht, sondern tue endlich was" oder auch "Sei doch nicht so sensibel/empfindlich". Wenn sich jemand immer und immer wieder über etwas beklagt, nichts dafür tut, dass sich seine Situation ändert, obwohl es Möglichkeiten gäbe, dann jammert er. Was ist aber, wenn es keine wirkliche Lösung gibt? Wenn es "nur" um das Akzeptieren einer Situation gibt? Ist dann das Darüberreden wie schwer dieser Prozess ist auch Jammern?
 
G

Gast

Gast
Jammern ist ein Charakterzug und eine Lebenseinstellung.
Oft ein Teil des Selbstmitleids.
Reservatio mentalis. - Das ehrlichste Mitleid ist doch das Selbstmitleid.
Es ist der Zwilling der Schadenfreude.
Selbstmitleid ist eine Ohrfeige für die, denen es wirklich schlechter geht.
Nichts auf der Welt vermag etwas gegen das Selbstmitleid auszurichten.
Allenfalls der Tod könnte es kurzfristig unterbrechen.
Die Hölle würde es zu seiner Vollendung führen.
 

Nordrheiner

Urgestein
Was ist aber, wenn es keine wirkliche Lösung gibt? Wenn es "nur" um das Akzeptieren einer Situation gibt? Ist dann das Darüberreden wie schwer dieser Prozess ist auch Jammern?
Liebe Gast-Schreiberin,

Deine Gedanken empfinde ich als sehr wichtig.
Wenn ich gefragt werde, wo der Unterschied ist zwischen "jammern" und "seine Befindlichkeit mitteilen", so würde ich sagen: Jammern drückt lediglich Hoffnungslosigkeit aus.

Seine Befindlichkeit mitteilen jedoch ist "für mich" mein Ansatz, mit der Bearbeitung der Situation anzufangen. Dann reden wir Menschen über Unglück, um es zu verarbeiten, um einen Weg der Verbesserung oder der Akzeptanz zu finden. Dafür nutzen wir die Sprache. Das Suchen nach Antworten bekommt eine Stimme. Der unglückliche Ton dieser Stimme hängt mit dem Keller zusammen, aus dem die Stimme nach oben schallt.

Deine Frage "was aber, wenn es keine wirkliche Lösung gibt?" möchte ich aus meiner Sicht und meinem persönlichen Erleben wie folgt beantworten:

Es gibt immer eine Lösung. Lediglich ist die vielleicht einzige gute Lösung nicht die, die wir gerne hätten.

LG, Nordrheiner
 

PsychoSeele

Urgestein
Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.

Albert Einstein


Dieser Spruch drückt für mich das typische Jammern aus,wenn die Person dauerhaft klagt und nichts an der Situation ändert.


Liebe Grüße
SchwarzeSeele
 
M

Mr. Pinguin

Gast
Dieser Spruch drückt für mich das typische Jammern aus,wenn die Person dauerhaft klagt und nichts an der Situation ändert.
Wieder so ein schlauer Spruch, und dann noch von Albert Einstein. Hat er den auch im Zusammenhang mit Jammern gemeint?

Ich denke fürs Jammern sollte kein Limit gesetzt werden. Für mich ist das Leben wie ein Sammeln von Puzzleteilen, und es dauert, leider jahrelang.

Es hat nun mal jeder andere Voraussetzungen, teils vom Umfeld, teils Erziehung/Vergangenheit, teils Veranlagung. Schuldvorwürfe helfen nicht. Sie bewirken höchstens, dass das Jammern noch länger dauert.
 

Anzeige (6)

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Gastraum
Regeln Hilfe Benutzer
  • Im Moment ist niemand im Chat.

    Anzeige (2)

    Oben