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Was ist das für ein Leben?

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Gast

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Hallo!
Heute ist wieder mal so ein Tag, wo ich das Gefühl habe: Ich kann nicht mehr! In meiner Verzweiflung bin ich auf das Forum gestoßen und möchte mir einfach mal alles von der Seele schreiben!

Schon mein ganzes Leben habe ich das Gefühl, dass bei mir nie etwas zu 100% rund läuft. Meine Eltern haben in meiner Kindheit viel gestritten, ich kann mich erinnern dass mich das sehr belastet hat und ich oft deshalb geweint und zu Gott gebetet habe. Ich weiß auch noch, dass wir nicht gerade gut situiert waren, aber meine Eltern haben sich trotzdem immer bemüht, uns alles was eben in ihren Möglichkeiten stand, zu bieten. Meine Eltern hatten beide eine schwierige Kindheit, grade meiner Mutter ist es oft schwer gefallen, Gefühle zu zeigen, denke ich, heute habe ich das Gefühl, dass sie uns gegenüber oft distanziert war.
Ich war als Kind schon unzufrieden mit meinem Leben, habe mich geschämt für meine Familie und unsere Lebensumstände. Habe mich dann immer in Traumwelten geflüchtet, Geschichten geschrieben in denen ich die Hauptrolle spielte und alles so lief, wie ich es mir wünschte. Ich habe damals auch viel gelogen, wollte vor meinen Freunden einfach besser dastehen. Hatte immer das Gefühl, schlechter als andere zu sein, dass unsere Familie schlechter als andere Familien ist.

Heute bin ich 26, wohne seit 3,5 Jahren mit meinem Freund zusammen. Ich habe eine relativ gute Ausbildung gemacht, habe einen eigentlich guten Job bei dem ich auch gut verdiene. vor 1,5 Jahren hab ich mir meinen Kindheitswunsch erfüllt und mir ein Pferd gekauft. Wir haben ein schönes Haus, fahren beide relativ gute Autos und können uns auch sonst relativ viel leisten, weil wir so gut wie keine Miete oder sonstiges bezahlen. Nicht einmal für mein Pferd muss ich viel hinlegen, da es bei uns im Stall steht.
Trotzdem kann ich nicht gut mit meinem Geld haushalten, erst seit ein paar Monaten bemühe ich mich wieder mal zu sparen.

Ich bin momentan mega unglücklich in meinem Job. Ich kann mit den Leuten nicht mehr, ich komme jetzt nach fast 7 Jahren in diesem Unternehmen drauf, wie manche Menschen eigentlich wirklich sind. Musste mich von Anfang an schon durchkämpfen, da ich nie wirklich jemanden hatte in der Firma, was schwer für mich war da ich ein unsicherer Mensch bin mit wenig Selbstvertrauen. Ich hatte immer das Gefühl, keine Daseinsberechtigung zu haben, das habe ich eigentlich privat auch wenn ich so drüber nachdenken. Nun ja im Job ist es besser geworden, ich bin viel selbstbewusster als zu Anfang, bin natürlich auch älter geworden. Ich finde vieles einfach eine Sauerei und ich kann vieles nicht mit meiner Einstellung vereinbaren. Heute würde ich am liebsten rausspazieren und nie mehr zurückkommen.
Den Job wechseln geht auch nicht wirklich, erstens weil ich nirgend wo anders so viel verdienen würde und 2. weil ich eigentlich bald schwanger werden möchte. EIGENTLICH.

Mein Freund und ich lieben uns und wir haben eine ganz besondere Beziehung. Sie ist nicht oberflächlich und wir sind kein Pärchen, dass in der Öffentlichkeit mit Gewalt eine glückliche Beziehung vorspielt, so wie ich es oft in meinem Bekanntenkreis erlebe. Wir sind, wie wir sind und verstellen uns eigentlich nie. Wir haben immer mal wieder Auseinandersetzungen, er ist kein einfacher Mensch und ich auch nicht. Ich hab das Gefühl, obwohl wir zu 100% zueinander stehen, uns lieben und wir unser Leben miteinander teilen wollen, finden wir nicht so richtig unsere Balance, oder eine dauerhafte Harmonie. Ich komme mit seiner Familie nicht gut klar, ich verabscheue seinen Vater weil er ein Narzisst ist. Er lebt nebenan, respektiert unsere Privatsphäre nicht (dh er betritt jeden Tag mind. 2 Mal unseren Teil vom Haus wenn wir arbeiten sind), mischt sich gerne überall ein, macht meinen Freund regelmäßig schlecht, traut ihm nichts zu. Er liegt den ganzen Tag nur herum, hat nichts zu tun weil er schon in Pension ist. Freunde oder Hobbys hat er keine, weil er sein ganzes Leben lang nur Frauen und Alkohol im Kopf hatte, weshalb sich die Mutter meines Freundes auch von ihm scheiden lies. Mein Freund war da 7 Jahre alt. Gewalt war an der Tagesordnung. Heute tut er sich selber Leid, alles ist ihm sofort zu viel und man kann mit ihm keine normalen Gespräche führen. Es wagt keiner, wirklich Kritik an ihm zu üben, weil jeder vor seinen kolerischen Anfällen Angst hat. Er fängt einfach an zu schreien und wird ausfällig. Ich hab das ein paar Mal erlebt, ich bin vor Angst innerlich erstarrt und konnte gar nichts mehr machen. Einmal hat er mir vorgeworfen, ohne ihn wären wir NICHTS. Ohne ihn könnten wir nicht mal leben. Ich hab dann weinen angefangen und daraufhin ist er einfach abgehauen. Wir hatten da ziemlich viel getrunken. Am nächsten Tag tat er so als ob er von nichts mehr wüsste, saß bei uns auf der Couch, hat die Tränen rausgedrückt und sich entschuldigt. Mein Freund ist absolut nicht Herr der Lage, kann diesem Menschen seine Grenzen nicht aufzeigen, kann ihm nicht Paroli bieten in diesen Situationen in denen er austickt. Was ich verstehe, da auch ich einfach Angst vor dieser Person habe in diesen Situationen. Andererseits ist er immer wieder total nett, tut einem alles, man kann von ihm alles haben. Dieser Mensch ist nicht rational! Ich empfinde Ärger, weil ich meine Eltern sehr schätze und ich finde, dass sie super Eltern sind, auch wenn nicht immer alles glatt gelaufen ist. Aber ich finde es ungerecht, dass ich mich mit dem verrückten Vater meines Freundes auseinandersetzen muss (er wohnt ja nebenan, ist quasi ein Doppelhaus). Ich hab dann oft Heimweh und wünsche mir, dass wir wenigstens mit meinen Eltern unter einem Dach wohnen könnten.
Der Rest der Familie ist zwar ganz ok, aber ich komme nicht so richtig ran, ich habe das Gefühl, die sprechen eine andere Sprache. Man merkt einfach, dass die alle keine schöne Kindheit hatten, teilweise hatten seine Geschwister gar keinen Kontakt zum Vater. Sie sagen auch heute noch, dass er krank ist. Und das ist er.

Unsere besten Freunde bekommen jetzt ein Kind. Ich wünsche mir auch so sehr schwanger zu werden. Aber ich kann einfach nicht, nicht in dieser Lebenssituation in der ich mich befinde, ich würde das unverantwortlich finden. Ich habe das Gefühl, nichts läuft so richtig rund, so wie es eben sein sollte, wenn man sich ein Kind wünscht. Ich bin eifersüchtig auf unsere Freunde, weil bei ihnen alles so schön läuft (oder sie zumindest so tun) und sie ein Kind erwarten. Manchmal bin ich so neidisch, dass ich es ihnen gar nicht gönne. Ich weiß, es ist ganz schlimm.

Freunde habe ich auch nicht wirklich welche. Früher hatte ich viele Freundinnen, doch mit den meisten kann ich mich heute nicht mehr identifizieren. Ich bin kein Fan von vorgetäuschtem, glücklichen Leben, ständiger Prahlerei... dieses Oberflächliche, ich könnte da echt Kotzen. Leider sind viele Menschen so in meinem Umkreis. Ich habe keine Lust, mich so zu verstellen und zu verbiegen, dass ich da dazu passe. Da bin ich lieber allein. Aber jetzt bin ich halt mehr oder weniger ohne Freunde. Ich habe eigentlich nur noch 2, die eine ist aber weggezogen, mit der hab ich nur tel. Kontakt und bei der anderen ists auch nicht immer so 100% wo ich sage, das ist wirklich wahre Freundschaft.

Unsere besten Freunde, die die ein Kind erwarten, machen uns oft schlecht. Sie bringen es zwar als Scherz daher, aber ich weiß, dass sie es wirklich so meinen. Ich habe das Gefühl, dass sie selbst oft unzufrieden sind, deshalb immer wieder betonen müssen wie super alle bei ihnen läuft, damit sie es auch selbst glauben deshalb immer wieder "Fehler" bei uns suchen. Im Grunde mag ich die beiden echt gerne, ich finde es nur schade, dass sie sich nicht trauen, ihre Fassade mal ein bisschen bröckeln zu lassen und einfach mal sie selbst sind. Früher war das irgendwie anders, bevor sie schwanger wurde. Irgendetwas hat sich jetzt geändert. Auf jeden Fall ist es so, dass er (also der Freund von der Schwangeren) immer mal wieder zu meinem Freund so Dinge sagt wie: Du musst erstmal ein Kind zusammen bekommen ... oder... wer weiß ob du überhaupt "scharf schießen" kannst.. usw... Ich finde das irgendwie schlimm, denn was, wenn wir wirklich keine Kinder bekommen können? Ich finde das sehr taktlos... Wenn man dann aber was sagen würde, würde alles sofort als Scherz abgetan und beteuert dass wir uns nicht so anstellen sollen. Scherz hin oder her, so etwas sagt man doch nicht.
Ich habe das Gefühl, dass sie meinen, im ständigen Konkurrenzkampf mit uns zu stehen.

Alles in allem, finde ich dass ich nichts in meinem Leben mit mir selbst, meiner Einstellung und meinem Gefühl vereinbaren lässt. Ich fühle mich unverstanden, manchmal frage ich mich, ob ich auf dem richtigen Planeten geboren wurde.
 

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GrayBear

Gast
Hallo liebe Gast-Schreiberin,

ich kenne keinen Menschen, bei dem es "rund läuft", wie Du schreibst. Kann es sein, dass Du noch einige überholte und kindliche Vorstellungen vom Leben hast? Verzeih mir, das ist nicht als Kritik gemeint, sondern eine wirklich ernst gemeinte Frage. Glücklich zu sein, ist eine recht kurzlebige Angelegenheit. Wenn es mal nicht hagelt und donnert, ist das schon Grund zur Zufriedenheit, denke ich. Ich habe einige Bekannte, die nach außen hin ein super luxuriöses und unbeschwertes Leben führen, aber eben auch mit Depressionen, Mißerfolgen und Schicksalsschlägen zu kämpfen haben, wie viele andere auch. Jeder Mensch hat Stinkstiefel in seinem Umfeld und mit seinen Mitmenschen klug, umsichtig und mit wachen Augen und Verstand umzugehen, ist leider eine Notwendigkeit. Und ich kann für Dich nur hoffen, dass wenn ihr in eurer Ehe eine Balance und Harmonie finden solltet, dann seit ihr hoffentlich jenseits der 70, sonst wird es sterbenslangweilig.

Ich verstehe sehr gut, dass man von Zeit zu Zeit einfach "die Schnauze voll hat". An einem Tag wie heute sogar mehr, als mir lieb ist. In aller Regel geht es mir dann so, wenn ich schlechte Entscheidungen getroffen, faule Kompromisse gemacht, oder mich schlicht überfordert habe. Zum Beispiel würde ich die Schlösser eures Hauses austauschen, wenn der Opa keine Privatsphäre akzeptiert. Du musst schon selbst Grenzen setzen und dann damit leben. Auf die Einsicht der Anderen zu warten, kann eine unerfreuliche Dauerbeschäftigung werden. Echt? Sind Menschen ratinale Wesen? Oft eher nicht.

Ich möchte Dich ein wenig schütteln und Dich bitten, Dir die Menschen um Dich herum genauer anzuschauen, dann wirst Du nicht mehr so oft enttäuscht. Tue was Gutes für Dich und frage nach dem, was Du brauchst. Von allein kommen die lieben Anderen oft nicht darauf. Prüfe, welche "unrealistischen" Erwartungen Du in Deinem Herzen trägst, denn nur, wer etwas erwartet, kann auch enttäuscht werden. Ist es schlimm, neidisch zu sein? Eher nicht, solange Du das noch merkst und Du damit umgehen kannst. Neid ist eine Mischung aus Wut, Angst und Trauer: Wut auf sich und andere, es nicht selbst erreicht zu haben, Angst, es nicht hinzubekommen und Trauer, dass es vielleicht nie soweit kommen wird. Was immer "es" auch sein mag. Nur wenn Du daraus schlimme Taten ableitest, dann wird es schlimm. Warum machst Du Dich noch immer klein und trampelst auf Dir rum? Das solltest Du Dir wirklich anschauen.

Und leider gibt es gegen die Dummheit noch immer kein Mittel. Das Rezept gegen blöde Sprüche lautet: Grenzen setzen. Steh hin und sage, dass Du solche Sprüche nicht duldest und warum Du das nicht willst. Wird ein guter Freund darauf nicht eingehen?

Träum nicht einem Trugbild hinterher, dass es nicht gibt. Du scheinst ein gutes Herz zu haben, aber in dieser Welt geht es ohne Dein Selbstwertgefühl und Dein Rückgrat nicht ab. Deine Wut ist ein untrügliches Signal für überschrittene Grenzen, das kannst Du nutzen. Nein, es geht nicht darum, dass Köpfe rollen sollen, das wäre ein schlechter Rat, aber wenn Dich etwas wütend macht, dann hat der Nachbar vielleicht den Fuß im Gemüsebeet und da gehört er nicht hin und das darf er ruhig wissen, mit klaren und wohl gesetzten Worten.

Ich wünsche Dir und Deiner Familie alles Gute, Du wirst das schon schaffen.
 

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