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Warum gerade diese Firma?

G

Gelöscht 58773

Gast
Also ich bin ja ein eher ehrlicher Mensch. Das heißt nicht, dass ich nie lüge, sondern, dass ich es so wenig wie möglich tun möchte. Dazu zählt auch, dass ich nichts vorspiele, was gar nicht da ist und dass ich authentisch bin. Das heißt z.B., dass ich niemanden danach frage wie es ihm geht, wenn ich es eigentlich gar nicht wissen möchte, weil es halt eine Floskel ist, die von mir erwartet wird.

Mein weiterer beruflicher Weg wird mich wahrscheinlich in ein Studium als Ingenieur für energieeffiziente Systeme führen und dafür brauche ich ein Vorpraktikum, d.h. ich muss mich bewerben. Zwar ist ein Bewerbungsgespräch für ein Praktikum wohl nicht so "wichtig", bzw ernst wie eines um eine richtige Arbeitsstelle, aber man spielt es ja trotzdem mal im Kopf vor. Vor allem, weil ich noch nie eines hatte. Da man Bewerbungsgespräche aber sein ganzes Leben wohl benötigen wird, stelle ich das Thema trotzdem mal in den Raum, obwohl diese Fragen in diesem Bezug wohl nicht vorkommen werden, aber eben irgendwann schon.

Es gibt da zwei Fragen, die ich nicht beantworten könnte, so dass sie ehrlich wären, oder sie mein Ziel unterstützen würden. Die eine Frage wäre:

"Warum gerade unsere Firma?"

Das Thema Bewerbungen hatte ich das letzte mal aktiv in der Schule, aber ich denke, ich liege richtig mit der Annahme, dass diese Frage in der Bewerbungswelt oft gestellt wird. Und ich kann sie ehrlich gesagt nicht wirklich beantworten. Würde ich ehrlich antworten, würde ich sagen "Ja, sie haben das was ich suche, evtl passen wir zusammen, oder eben nicht und dann gehe ich wieder". Würde ich lügen und auf den Erfolg hinarbeiten, würde ich natürlich sagen "Sie sind so zukunftsorientiert, Sie sorgen für ihre Mitarbeiter, Ihnen ist ihr Image und die Umwelt so wichtig, Sie haben gute Weiterbildungsmassnahmen und Ihre Mitarbeiter sind total motiviert". Gleichzeitig weiß ich aber im Idealfall, dass die Wahrscheinlichkeit mit der Betriebsgröße steigt, dass sie mit Tricks legal Steuern hinterziehen, Leiharbeiter beschäftigen und dich raus schmeißen würden, würde einer die Arbeit für die Hälfte des Lohns tun. Die Wahrscheinlichkeit, dass gemobbt wird ist auch gegeben. Also theoretisch kann beides passieren. Ich bin negativ überrascht, oder ich bin positiv überrascht. Letzteres ist wohl genau das was ich mir wünsche.

So, jetzt stehe ich da mit diesem Wissen. Ich kenne die Firma wahrscheinlich nicht, sie bietet mir an eine Tätigkeit auszuführen, die ich im Idealfall mag und dafür noch Geld bekomme. Das ist das was ich weiß. Alles was ich zu wissen glaube ist das Image, also faktisch Lügen, bzw einseitig. Ist ja nachzuvollziehen, dass ich auch nicht in ein Bewerbungsgespräch gehe und sage, ich habe morgens unheimliche Probleme aufzustehen, die Wahrscheinlichkeit, dass ich verschlafe ist sehr hoch. Es geht ja bei beiden Seiten um Werbung. Also möglichst viele Leute positiv zu erreichen. Da geht natürlich Mercedes jetzt nicht hin und sagt "Unsere Autos sind super billig und qualitativ hochwertig, sie haben trotzdem öfters Probleme mit den Bremsen und aus Kostengründen haben wir 3000 Leiharbeiter beschäftigt, die die gleiche Arbeit verrichten, aber weniger verdienen als die Stammangestellte"

Natürlich würde ich mir am Liebsten auch eine Firma aussuchen, in der es kein Mobbing gibt, in der keine Leiharbeiter beschäftigt werden, aber ich muss nunmal Kompromisse machen, die Arbeitswelt ist voller Konkurrenz und die reale Welt ist nunmal nicht perfekt.

Angenommen ich bewerbe mich bei Mercedes als Ingenieur. Die Gründe dafür sind erstmal, dass mir der Beruf wohl Spaß macht, ich ausreichend verdiene und Mercedes gerade eine Stelle hat und unter anderen Firmen die etwas weißere Weste hat.

Wie soll ich diese Frage ehrlich beantworten? Würde eine ehrliche, pragmatisch Antwort wie "Sie haben einen Job, ich suche einen" vllt sogar positiv ankommen? Oder muss man, um damit positiv anzukommen schon eher Glück haben und den Richtigen erwischen? Wie habt ihr diese Frage beantwortet?


Eine andere Frage, die ich auch nicht beantworten könnte und ansprechen möchte, ist:

"Warum gerade Sie?"

Also ich denke, das ist auch eine realistische Frage, die man in den meisten Gesprächen erwarten kann. Und auch darauf weiß ich keine wirkliche Antwort. Im Idealfall habe ich mich ja schon vorher beschrieben. Das heißt, warum ich gerne den Job machen wollen würde, warum ich mich als geeignet sehe und was meine Stärken und Schwächen sind. Und ich finde, das ist eine Antwort, die ich gar nicht beantworten kann. Warum sollte er mich wollen? Ja, weil ich wahrscheinlich von allen Bewerbern der Beste bin. Aber ob ich der Beste bin, das kann ich doch ohne Vergleich, also ohne die anderen zu kennen gar nicht sagen. Also ich weiß doch, dass ich kein Stephen Hawking bin, der mal eben rein spaziert und sagt "Ja, dann finde doch was besseres". Und ich kann auch nicht sagen "Ja ich passe besser, weil ich die Eigenschaft X habe, die mein Konkurrent y nicht hat, ich das aber für sehr wichtig für den Job halte"

Ich finde, das muss doch der Personalchef beantworten und nicht ich. Er kennt mich doch nun ein bisschen und nur er weiß, ob ich denn in das Team oder für den Job passe. Ich bin ein Mensch wie jeder andere und jeder hat Stärken und Schwächen und bestimmte Stärken passen zu bestimmten Jobs und wenn ich eine gewisse Mischung von bestimmten Dingen habe, dann passe ich da, fertig. Und im Idealfall sehe ich mich ja schon als geeignet an, sonst würde ich mich ja nicht bewerben. Außer ich brauche den Job halt dringend und sehe mich selbst nicht als geeignet, aber das ist ja wieder was anderes.

Wie habt Ihr diese Frage beantwortet? Bzw wie würdet Ihr sie an meiner Stelle beantworten?
 
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Kylar

Sehr aktives Mitglied
Mit Ehrlichkeit kommt man in dieser Welt nicht weiter. Vor allem nicht in Vorstellungsgesprächen. Da muss man das sagen, was der potentielle Chef hören will.
Den absoluten Traumjob bekommt doch kaum jemand. Dann muss man sich was anderes suchen, aber sag das mal im Bewerbungsgespräch "meine Traumstelle habe ich leider nicht bekommen, aber irgendwo muss ich ja arbeiten, also versuche ich es mal hier".
Ich hab einfach im Internet Infos über die Firma gegoogelt und dann irgendwas rausgesucht, wo ich so tun konnte, als ob mich das total beeindruckt und ich deswegen UNBEDINGT in dieser Firma anfangen will. Musst du dann natürlich auch gut rüber bringen.
Ich finde diese Frage an sich total unrealistisch. In Zeiten, wo viele Leute 30 Bewerbungen oder mehr schreiben müssen, um überhaupt einen Job zu bekommen, ist es von den Personalern unrealistisch zu glauben, dass die sich tatsächlich nur bei einem melden, weil sie die Stelle so super traumhaft finden. Viele sind einfach nur froh, überhaupt einen Job zu bekommen.
Aber in dieser Geschäftswelt ist eh alles mehr "Schein als Sein", da muss man alles psychologisch hinterfragen. Hinter den gestellten Fragen steckt eh meist was ganz anderes. Ist wie diese Arbeitszeugnisse, die immer positiv klingen müssen, obwohl jeder weiß, dass eigentlich was negatives damit gemeint ist. Bloß kein ehrlicher Klartext. Das ist nicht erwünscht. Man muss immer zwischen den Zeilen lesen.
 

bird on the wire

Aktives Mitglied
Wir stellen beide Fragen in unseren Vorstellungsgesprächen.

Wir wollen aber auch wirklich die Antworten hören. Wir versuchen uns einen ehrlichen Eindruck von dem Menschen zu verschaffen.

Es gibt da eigentlich kein Richtig und kein Falsch auf die Fragen. Wir fragen ja kein Wissen ab.

Deine Antworten, Schatten, wären in unserem Betrieb sehr gut angekommen.

Wichtig ist uns, daß jemand sich zumindest mal mit der Firma auseinandergesetzt hat und weiß, bei wem er sich bewirbt. Es läßt nämlich tief blicken, wenn jemand die Frage "Warum diese Firma" deswegen nicht beantworten kann, weil er sich nicht ordentlich auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet hat und daher gar nichts über die Firma weiß. Da interpretiere ich u.a. mangelnde Einsatzbereitschaft und Desinteresse rein.

Und bei der anderen Frage "Warum ich" ist es tatsächlich interessant, wie die Menschen reagieren und manchmal gelingt es nicht nur den glattgebügelten Bewerber, sondern ein bißchen den Menschen zu sehen. Und natürlich ist es aufschlußreich, welche Punkte jemand in seiner Antwort nennt. Je nachdem, was er hervohebt, kann das zumindest einen Hinweis geben, welche Werte demjenigen wichtig sind im Beruf.
 
G

Gast

Gast
Was einer erzählt ist ja grade mal eine Momentaufnahme von was?
Seiner Vergangenheit nach seiner Beurteilung, sonst nichts.
Was gefragt ist, ergibt sich aus der Stellenbeschreibung.
Warum diese Firma grade dich braucht, wie sollst du das wissen.
Es muß ersichtlich werden, zu was du bereit bist, was du leisten willst.
Besonders die vermeintlichen Schwächen, wie z. B. eine Lücke im Lebenslauf oder ein schlechtes Zeugnis, werden im Gespräch gerne thematisiert.
Solche Situationen werden auch gerne benutzt, um dich zu provozieren und deine Körpersprache und Reaktionsfähigkeit zu testen.
Ein weiteres wichtiges Kriterium für das Gelingen eines Vorstellungsgespräches ist das "Outfit" des Bewerbers.
Du sollest sehr gut überlegen, welche Kleidung du hier tragen willst.
Dein Outfit sollte unbedingt auf die jeweilige Position abgestimmt sein.
Als Praktikant sollte man besser keinen teuren Anzug tragen.
Bewirbst du dich auf eine Position mit Kundenkontakt, ist ein Anzug Usus.
Bewerbungsgespräch - Fragen und Antworten
 
G

Gelöscht 58773

Gast
Dass es bei der Antwort kein richtig und falsch gibt ist klar. Dazu sind Firmen und die Menschen dahinter zu verschieden. Aber meine Antworten waren mir zu extrem. Die eine zu abwertend und die andere wider meiner Natur. Ich wollte einfach mal andere Antworten hören.

Eine wirkliche Antwort habe ich auch nicht gegeben finde ich, eher einen Gedankengang darüber, dass ich die Antwort nicht wirklich zufriedenstellend geben kann
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

Smilla74

Aktives Mitglied
Lieber TE,

diese Frage habe ich mir auch schon oft gestellt und konnte für mich keine wirklich gute Antwort finden.

Überhaupt finde ich den gesamten Bewerbungsprozess sehr schwierig und dass, obwohl ich über viele Jahre Berufserfahrung verfüge.

Einerseits soll man als Bewerber mit einer sehr guten Wortwahl und einem selbstbewussten Auftreten Punkten und zudem noch viel interessanter sein, als die Mitbewerber und andererseits soll man aber wiederum keine 0815-Floskeln benutzen (wie sie aber in sämtlichen - auch aktuellen - Bewerbungsratgebern zu finden sind) und weder "zu gewagt", noch "einfach" oder "ehrlich" sein. Das Ganze hat mehr etwas von einem Eiertanz oder Theaterstück.

Nur leider kommt man nicht drum herum, wenn man eine Arbeit sucht - und auch bekommen möchte.

Wäre es nicht schön, wenn man einfach sagen könnte:

"Warum ich mich bei Ihnen beworben habe? Ganz einfach, Sie bieten eine gute Stelle an und ich Ihnen mit mir die dazu passende Arbeitskraft! ;)

Oder

"Ich bin gut, im besten Alter und ich brauche das Geld" ;)

LG
Smilla74
 

bird on the wire

Aktives Mitglied
Also ich bin ja ein eher ehrlicher Mensch. Das heißt nicht, dass ich nie lüge, sondern, dass ich es so wenig wie möglich tun möchte. Dazu zählt auch, dass ich nichts vorspiele, was gar nicht da ist und dass ich authentisch bin.

"Ja, sie haben das was ich suche". Also theoretisch kann beides passieren. Ich bin negativ überrascht, oder ich bin positiv überrascht. Letzteres ist genau das was ich mir wünsche.

Die Gründe dafür sind erstmal, dass mir der Beruf wohl Spaß macht, ich ausreichend verdiene und Mercedes gerade eine Stelle hat und unter anderen Firmen die etwas weißere Weste hat.



Im Idealfall habe ich mich ja schon vorher beschrieben. Das heißt, warum ich gerne den Job machen wollen würde, warum ich mich als geeignet sehe und was meine Stärken und Schwächen sind. Aber ob ich der Beste bin, das kann ich doch ohne Vergleich, also ohne die anderen zu kennen gar nicht sagen.
Das meinte ich mit Antworten, die bei uns gut ankommen würden, weil sie ehrlich sind und mir keinen Schwätzer und Schaumschläger zeigen.

In anderen Firmen kann das gerade nicht gut ankommen, weil die einen anderen Typ Mitarbeiter suchen.

Aber ich habe die Erfahrung in vielen, vielen Vorstellungsgesprächen gemacht, daß es gut ist, wenn die Bewerber zwar gut vorbereitet aber eben auch authentisch sind. Alles Rumgeiere, Lügen und Schleimen spürt man und hinterläßt einen negativen Beigeschmack.
 

Aline

Mitglied
Wenn ich mich bei einer Firma bewerbe, hat das drei Gründe: 1. hat mich die Stellenausschreibung gereizt, 2. hat mir die Firma gefallen, über die ich mich zum Beispiel über deren Webseite informiert habe 3. glaube ich, dass ich aus bestimmten Gründen gut zu der jeweiligen Aufgabe und Firma passen würde. Diese drei Gründe stellen meine Motivation dar, warum ich die Bewerbung überhaupt losschicke, und wenn man das im Vorfeld klar hat, kann man das dann doch auch genauso im Vorstellungsgespräch erzählen. Und was die andere Frage angeht, "warum sind gerade Sie die Richtige für uns?" Ich würde dann ganz einfach meine besonderen Stärken aufzählen, die ich zweifelsohne habe, die mich zu einer Bereicherung für die Firma machen, das alles ohne Arroganz und auch nicht mit dem Seitenblick auf andere Bewerber und der Überlegung, dass man sich mit anderen gar nicht vergleichen kann, weil man sie nicht kennt. Denn ums Vergleichen geht es doch an der Stelle nicht, sondern darum, zu zeigen, dass man sich seiner selbst, seiner Stärken bewusst ist.
 
G

Gastkatze

Gast
Also ich bin ja ein eher ehrlicher Mensch. Das heißt nicht, dass ich nie lüge, sondern, dass ich es so wenig wie möglich tun möchte. Dazu zählt auch, dass ich nichts vorspiele, was gar nicht da ist und dass ich authentisch bin. Das heißt z.B., dass ich niemanden danach frage wie es ihm geht, wenn ich es eigentlich gar nicht wissen möchte, weil es halt eine Floskel ist, die von mir erwartet wird.
Ich danke dir. Mir geht es nach mehr als zehn Berufsjahren immer noch so.

Ich versuche, das Vorstellungsgespräch wie ein Schauspiel zu sehen. Jeder versucht, eine möglichst gute Figur zu machen. Dabei geht es (leider) nicht ehrlich zu.

"Warum gerade diese Firma?"

Diese Frage finde ich heutzutage schon ziemlich arrogant. (Ihr habt einen Job, ich brauche einen und Jobs wachsen nicht auf Bäumen. ;-))
Ich sehe das mehr als eine Umformulierung der Frage "Was wissen Sie über uns?" Ein Blick in z.B. den Firmenblog oder die "Über uns"-Seite hilft da meistens weiter. Irgendwas wirst du bestimmt finden, was dir tatsächlich gefällt. ("Sie bauen aktuell den Bereich XY aus, der meiner Meinung nach in den nächsten Jahren zunehmend wichtig wird." Blablabla....)

"Warum gerade Sie?"

Für einen Praktikanten, der noch am Anfang seines Berufsweg steht auch eine ziemlich dämliche Frage. Die kann man aber auch über setzen mit "Erzählen Sie etwas über sich".
Also am besten etwas von deinen Stärken erzählen, die tatsächlich etwas mit dem Berufsfeld zu tun haben. (Hier dann auch auf die Rückfrage nach den Schwächen gefasst sein.)

Ach ja, die erste Frage bekomme ich so tatsächlich ziemlich oft gestellt, die zweite noch nie.

Viel Erfolg.
 

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