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Völlig verzweifelt: Keinerlei Freunde und von Freundin verlassen (30 Jahre alt)

Elis

Mitglied
Hallo,

obwohl ich nur eine Person von unzähligen anderen bin, die hier schon von ihren Konflikten oder sonstigen psychischen Problemen berichten, hoffe ich, dass mir hier irgendjemand helfen kann, obwohl ich nicht weiß, wie man mir helfen kann, da ich mich sozial völlig isoliert fühle und daher sehr verzweifelt bin.

Ich habe kurz gesagt seit Jahren in meinem Wohnort (in Ostwestfalen) keinerlei Freunde, also weder flüchtige Bekanntschaften noch sonstige feste Freundschaften, lebte aber seit über sechs Jahren in einer Fernbeziehung.

Diese wohlbemerkt einzige Person, mit der ich über persönliche Dinge sprechen konnte, war meine über 600 km entfernt lebende Freundin, die ich über dieses Forum im Jahr 2009 kennengelernt habe, welche mir jedoch gestern telefonisch mitgeteilt hat, dass es wohl nicht so gut sei, wenn ich zum geplanten Treffen an Sylvester zu ihr reise, weil sie sich in jemanden verliebt hat und ich auch wieder normal mit meiner Schwester Kontakt haben solle (was die Jahre davor unmöglich war, da ich aufgrund einer extrem ausgepägten Eifersucht seitens meiner Freundin - mit diesbezüglich vielen Tiefpunkt-Episoden - den Kontakt zu meiner Schwester sechs Jahre lang auf Eis legen musste, damit die Beziehung nicht zusammenbricht).

Heute bestätigte sie mir per SMS nochmal die Trennung: dass sie so nicht weitermachen könne (unabhängig davon, ob sie mit dem besagten Typen näher etwas zu tun haben werde oder nicht) und sie nicht mehr diejenige sei, die ich mal kennengelernt habe und welche verliebt in mich war. Ich solle mich räumlich und gedanklich von ihr lösen und ohne sie einen Neuanfang machen.

Das Schlimme (abgesehen von den Gesamtumständen) daran ist, dass ich nun völlig ohnmächtig gegenüber diesen Verlust bin und aus Verzweiflung seit gestern immer wieder weinen muss, weil ich nun kurz vor Weihnachten ganz allein bin (unabhängig davon, dass ich bei meinen Eltern wohne, die mich kein bisschen verstehen) und keinerlei Aussicht darauf habe, dass ich es diesmal noch retten kann, weil es sehr ernst von ihrer Seite aus klingt.
Ich war über sechs Jahre lang treu, habe immer wieder extrem um ein Fortbestehen der Beziehung kämpfen müssen, als meine Freundin aus Eifersucht (bezogen auf meine Schwester) zwischenzeitig den Kontakt abbrach und stehe nun wieder mal als riesiger Verlierer da. [...Stichwort "wieder mal": Meine ganze Lebensgeschichte würde den Rahmen dieses Threads sprengen, ich habe in früheren Threads hier ausführlich darüber berichtet]

Zum Stichwort "Gesamtumstände", die meine Verzweiflung nähren:
Ich leider seit meiner Kindheit unter sozialer Phobie und zunehmenden Depressionen, bin u.a. deswegen seit Ende letzten Jahres in Verhaltenstherapie und habe gegenwärtig auch existenziell momentan keinerlei Perspektive, zumal ich noch nie einer Erwerbsarbeit nachgegangen bin und schon dreißig Jahre alt bin.

Nun weiß ich gar nicht, wie man mir helfen soll. Eigentlich wollte ich den platonischen Kontakt zu meiner Freundin weiterhin aufrechterhalten und mir in meiner Wohnumgebung ein irgendwie geartetes "soziales Netz" aufbauen, wie es mein Therapeut nennt. Aber Stand heute habe ich 0,0 Freunde und könnte glatt wieder in eine Depression abrutschen, obwohl mir mein Therapeut schon gewisse Fortschritte bescheinigt hat.

Gibt es hier im Forum irgendwelche Menschen, die Ähnliches durchmachen/vereinsamt sind oder Kontaktmöglichkeiten zu Gleichgesinnten?

Eigentlich bräuchte ich ja Freunde, also echte und nicht rein virtuelle Freunde.
Im realen Leben traue ich mich aber nie, jemanden in meinem Alter anzusprechen, da ich keine "coolen" Interessen habe.

Leider weiß ich auch vor allem nicht, wie sehr ich mich anderen Leuten gegenüber öffnen kann, da ich eben Angst vor Gesprächen und der Weiterentwicklung eines sozialen Kontakts habe und somit "reale" = physische Kontakte für mich eine immense Herausforderung darstellen, weil ich wohl wegen meiner Psyche ein schwieriger Mensch und obendrein aus ethischen Gründen Veganer bin, was ja auch für viele Menschen eine beliebte Zielscheibe für Spott oder Häme darstellt.
Außerdem meide ich bewusst seit jeher Parties, trinke niemals Alkohol (diesbezüglich bin ich sehr stark wg. familiärer Ursachen vorgeprägt) und kann auch mit "Nachtleben" und Clubs/Bars etc. absolut nichts anfangen. Ich mache gerne Yoga auf Anfänger-Niveau, lese gerne, höre (eher "alternative") Musik und gehe am liebsten spazieren, fühle mich jedoch leider fast jedes Mal ganz verlassen dabei. Bestenfalls melancholisch. Selten heiter zufrieden. Seit heute vor allem nur wie ein streunender verlassener Hund, auch wenn ich selbst niemals wissen werde, wie es ist, die Welt aus den Augen eines Hundes zu sehen.

Einsame Grüße,

Elis
 
Zuletzt bearbeitet:

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Adria78

Aktives Mitglied
Hallo Elis, ich finde es gut,dass Du eine Therapie machst. Vielleicht siehst Du die Fortschritte auch nicht, weil soetwas langwierig ist. Man selbst "sieht" an sich kaum eine Veränderung. Da muss man immer in großen Abständen es betrachten.

Das zweite ist ein Ratschlag, den ich von einem Therapeuten bekommen habe. Weil ich in einer ähnlichen Situation bin:

Mache Dir selbst keinen Druck!

Versuche nicht auf Teufel komm raus Freunde zu finden. Wahrscheinlich bekommst Du hier im Forum x-Vorschläge zu x- Aktivitäten um Freundschaften aufzubauen. Und wahrscheinlich sind Dir alle schon selbst in den Sinn gekommen. (Wie Kurse besuchen, Verein eintreten, sich für etwas engagieren...)

Ich bin sogar hin gegangen und habe diese Dinge auch schon gemacht, ohne Erfolg. Warum? Weil ich innerlich noch nicht für die Freundschaft bereit bin. Ich habe auch Angst vor der "Weiterbildung eines sozialen Kontaktes". Jemanden noch einmal so nah an mich heran zu lassen. So viel von mir zu geben. Das möchte ich einfach (noch) nicht.

Mein Therapeut meinte, ich sollte einfach die Kontakte genießen, die ich habe. Durchaus auch meine Mailfreundschaften. Oder eben meine VHS-Kurse. Auch wenn das dort nur oberflächlicher Smalltalk ist. Aber ich bin unter Menschen, auch wenn es nur einmal die Woche ist.

Den Druck nicht zuzulassen ist schwer. Wie gesagt, ich empfinde auch manchmal das Forum hier als Druck. Weil viele Antworten in die Richtung gehen: "Wer will, der kann auch etwas ändern". Und dann kommen viele gute Ratschläge. Wie gesagt, WO Du Freunde finden kannst, kann ich Dir auch sagen. Das weißt Du auch selbst. Aber das ändert nichts an dem eigentlichen Problem. Das Du dazu noch nicht bereit bist.

Was bei mir witzig ist, seitdem ich einen Gang runter geschaltet habe, habe ich mehr soziale Kontakte. Die auch über den Smalltalk hinaus gehen. Richtige enge Freundschaften sind nicht dabei. Eher "zarte Bande". Das finde ich aber o.K.

Von daher mein Ratschlag: Setze Dich nicht selbst unter Druck! Damit frustest Du Dich nur und wirst depressiv. Akzeptiere, das es so ist wie es ist. Und versuche auch die kleinen Dinge wert zu schätzen. Ein netter Plausch mit jemanden der sich spontan ergibt. Oder eben ein netter Mailkontakt.

Zu dem Vegan sein: Es stimmt, die Leute labern gerne darüber. Das geht aber in beide Richtungen. Ich denke, da muss man sich abgrenzen. Ich esse Fleisch. Treffe ich auf einen Veganer sage ich meistens: "Ich möchte Dich nicht bekehren, bitte bekehre mich nicht. Wir sollten unsere gegenseitige Auffassung respektieren". Und dann rede ich einfach nicht mehr darüber. Sollte der andere das aber nicht respektieren, dann beende ich auch schon mal den Kontakt. Das gilt auch für andere Ansichten. Wie religiöse oder so. Ich bin Atheist, hatte lange <Zeit eine sehr religöse Freundin. Solange man nicht versucht dem anderen seine Einstellung "auszureden", klappt das auch mit einer Freundschaft. Für mich hat das was mit Respekt zu tun.

Zu Deiner Freundin: Das ist hart. Das verstehe ich. Heulen ist normal. Da kann Dir auch keiner bei helfen. Das sind die ätz-Sachen, die man leider irgendwie durchstehen muss. Aber: Es wird sich auch wieder ändern. Ich denke auch nicht, das Du so negativ bist, wie Du Dich darstellst. Ich denke, da spricht die Depression aus Dir. Wenn es Dir ganz schlecht geht, dann suche so eine Klinik auf, die dich aufnimmt für ein paar Tage.
 
Zuletzt bearbeitet:

Elis

Mitglied
Hallo Adria,

danke für deinen Beitrag und die Ratschläge, die du beschrieben hast.

Was die Fortschritte anbelangt, hast du wohl Recht. Ich bin auch sehr selbstkritisch bezüglich vermeintlicher Fortschritte, da ich irgendwo immer noch dieses alte Ich mit mir herumschleppe, was bei angstbesetzten Situationen dann immer wieder hervortritt und mir das Gefühl gibt, dass ich noch nicht wirklich gravierende Fortschritte gemacht habe.

Immerhin lebe ich aber nicht mehr ganz so zurückgezogen wie früher, da ich mich bemühe, mehr Zeit draußen zu verbringen, mich mehr zu bewegen und nicht am Laptop zu viel Zeit zu verbringen.

Ich werde das mal ausprobieren, mir weniger Druck zu machen. An sich ein guter Hinweis, da ich immer wieder mich beispielsweise dafür innerlich kritisiere, wenn ich zu wenig körperliche Übungen mache (Yoga und allgemein Sportübungen zuhause) oder aber zu wenig von dem, was ich alles so lese, auch richtig verstehe.

Diese jetzige Situation ist aber äußerlich sehr bedrückend, da dieser Verlust unheimlich schmerzhaft ist und ich heute Nachmittag beim spazieren gehen schon wieder fast weinen musste, weil ich es nicht fassen kann, dass ich endgültig von ihr verlassen bin und ständig an Situationen und Orte denke, an denen wir zusammen waren.

Dieses kleine Netz an sozialen Aktivitäten, das du dir aufgebaut hast (VHS-Kurse, Mailfreundschaften) habe ich nicht, da mir meine Verhaltenstherapie diesbezüglich noch nicht wirklich helfen konnte.

Ich gehe nur regelmäßig spazieren (knapp eine Stunde täglich) und fahre gelegentlich zu einem Barfußpfad, wo ich aber nie Gleichgesinnte treffe, sondern immer nur Leute, die ihren Hund Gassi führen, wobei es nur selten einen kurzen Dialog über ein bloßes "Guten Tag" hinaus gibt. Deswegen fühle ich mich, nachdem ich wieder zuhause angekommen bin - meist schon während des spazierengehens - sehr sinnentleert.

An meinem Wohnort habe ich keinerlei Bekanntschaften, weshalb der Kontakt zu meiner Freundin für mich extrem wichtig war und ich trotz der räumlich sehr großen Ferne in den Wochen zwischen den richtigen Treffen jeden Tag mit ihr telefonieren konnte. Dadurch fühlte ich mich dann noch als Mensch. Nun gibt es keinen Menschen mehr, mit dem ich wirklich sprechen kann (abgesehen von meinem Therapeuten und meiner Mutter, aber das ist überhaupt nicht vergleichbar).

[Zum Thema Religion: Ich glaube, dass man Gott nicht erkennen kann, weil ich nicht wüsste, wie und woran man ihn erkennen können sollte. Daher kann ich aber auch nicht ausschließen, dass es einen Gott gibt. Wenn es jedoch einen gütigen Gott geben soll, dann ist er zugleich sehr machtlos, was man am gigantischen Leiden auf Erden sehen kann, wo dauernd Unschuldige gequält werden und sterben, darunter vieles gottesgläubige und fromme Menschen.
Zum Veganismus: Das ist ein sehr umspannendes Thema, zu dem man weiter ausholen müsste, um es zu erschöpfen. Kurz gesagt bin ich der Ansicht, dass man ähnliche Interessen gleich berücksichtigen und somit moralisch gleich ernst nehmen sollte. D.h. wo Menschen und Tiere ähnliche Interessen haben, sollte man diese auch gleich berücksichtigen und nicht Tiere aufgrund moralisch unrelevanter Kritieren (Spezieszugehörigkeit, Geschmack) schlechter behandeln. Genau das wird aber getan, da jährlich in Deutschland etwa 750.000 Millionen (!!!) Tiere aus niederen Interessen (Geschmack, Tradition etc.) umgebracht werden.]

Ich bin nun aber von meinen Gefühlen des Verlassenseins so eingenommen, dass ich hier auf das schwierige Thema (ethischer) Veganismus nicht tiefer eingehen kann.
Wie die folgenden Tage für mich verlaufen, weiß ich noch nicht. Aber der Verlust ist unersetzlich, ich hatte niemanden außer sie und war doch gerade dabei, endlich mein Leben etwas zum Positiven zu verändern. Im Januar gehe ich sogar erstmals zu einem Gespräch bei der Arbeitsagentur, obwohl ich absolut keinen blassen Schimmer habe, was ich beruflich tun will/kann. Ohne sie fühlt sich diese für mich extreme Herausforderung doppelt und dreifach schwierig an, weil ich sehr Angst davor habe und mit meiner Freundin darüber hätte reden können, wenn es soweit ist und ich zu den Terminen muss.

Es fühlt sich alles völlig unwirklich an.

Besten Gruß,

Elis
 
G

Gast

Gast
Ist auch nicht die Wirklichkeit, das man mit 30 Jahren so abhängig von einer fern Beziehung ist.
Hast du diese Freundin überhaupt schon mal gesehen, ward Ihr schon zusammen?
Und deine Schwester, wohnt die auch noch bei euch in deinem Zimmer ?
Eifersucht auf die Schwester, warum?
Das sind nicht nur Depressionen und Ängste, da steckt mehr dahinter, nicht nur bei Dir.
Zu psychotischen Erkrankungen zählen unter anderem manche schwere Depressionen.
Für die Erkrankung an einer schizophrenen Psychose gibt es keine einzelne Ursache.
Mehrere Faktoren müssen hierfür zusammentreffen.
Welche das sind und welche Rolle sie bei der Erkrankung spielen, ist bei jedem Menschen verschieden.
Nicht alle Menschen sind gleich stark belastbar.
Manche Menschen scheinen ein besonders dünnes "Nervenkostüm" zu haben.
Ist diese Vulnerabilität außergewöhnlich hoch, kann schon mäßiger Stress zum Überschreiten der gerade noch erträglichen Grenze ausreichen.
Was nimmst du an Medikamenten?
 
C

Carina16

Gast
Das tut mir Leid. :/ Ich habe viele Freunde aber das ist manchmal auch nicht so gut. :D Mein Bruder ist jetzt fast 20 und hat keine einzigen Freunde. er spricht auch fast nichts weil er Autismus hat. such mal auf Facebook Leute die mit dir in der Klasse waren und frag ob sie bock hätten sich mit dir zu treffen.
 

Elis

Mitglied
Hallo Carina,

danke für deinen Beitrag und tut mir leid, wie es deinem Bruder geht. Ich hoffe, du oder deine Familie kümmert euch in Anbetracht seines Autismus so gut ihr könnt um ihn, da man die Hoffnung nie aufgeben sollte.

Danke für den Facebook-Tipp. Leider fühle ich mich den ehemaligen bekannten Leuten gegenüber völlig minderwertig, da ich in meinem Leben nichts Vorweisbares erreicht habe und ich große Angst davor habe, von niemandem verstanden und somit abgelehnt zu werden. Ich bin nämlich leider sehr sensibel.

Besten Gruß,

Elis
 

Elis

Mitglied
Hallo Gast,

ja, wir haben uns seit 2009 regelmäßig ca. alle anderthalb Monate für etwa zwei Wochen gesehen und sehr viel zusammen erlebt.

Wir haben uns an verschiedensten Orten in allen möglichen Pensionen getroffen und hatten die ganzen Jahre über keine anderen sozialen Kontakte außer zu unseren Eltern.

Wir leben beide in einem emotional sehr gestörten Elternhaus, seit kurzem jedoch hat meine Freundin [eigentlich darf ich sie nun gar nicht mehr "meine Freundin" nennen :-( :-( ] eine eigene Wohnung, da sie nach den ganzen Jahren unseres völlig ungewöhnlichen Lebens eine Ausbildung angefangen hat.

Nein, meine Schwester wohnt nicht mehr in meinem Zimmer, seit 2009 nicht mehr, also etwa seit ich meine Freundin kennengelernt habe.
In dem folgend verlinkten Thread habe ich die Eifersuchtsproblematik damals speziell thematisiert, da es deswegen immer wieder extreme Tiefpunkte in unserer Beziehung gab und sie sich von mir wegen meiner Schwester trennen wollte:

http://www.hilferuf.de/forum/liebe/...einzige-loesung-wegen-eifersuchtsschmerz.html

"Das sind nicht nur Depressionen und Ängste, da steckt mehr dahinter, nicht nur bei Dir.
Zu psychotischen Erkrankungen zählen unter anderem manche schwere Depressionen.
Für die Erkrankung an einer schizophrenen Psychose gibt es keine einzelne Ursache."


Mein Psychotherapeut sprach von einer mittelschweren Depression bei mir. Aber momentan fühle ich mich richtig sinnentleert, sodass mir nichts Freude bereitet.

Die extreme Abhängigkeit ist natürlich wirklich ein Problem, da ich ohne meine Freundin wirklich null Bekanntschaften oder Freunde habe. Meine Eltern streiten ständig und sind völlig unberechenbar und emotional unausstehliche Menschen. D.h. ich lebe auch mit zwei kranken Eltern unter einem Dach, die meine Entwicklung zu einem normal funktionierenden Menschen völlig zerstört haben (u.a. Alkoholismus meines Vaters) und habe nun nicht mal mehr meine Freundin, die einzige Person also, mit der ich jeden Tag sprechen konnte.

Ja, ich würde mich definitiv als Mensch mit einem dünnen Nervenkostüm bezeichnen, gerate sehr schnell unter Stress und fühle mich abgewertet bzw. dass andere mich seltsam und anormal finden könnten.
Ich versuche auch auf ungewöhnliche Weise seit diesem Jahr, mich mit meiner Angst vom Urteil andere Menschen dadurch zu konfrontieren, dass ich draußen immer wieder mal barfuß gehe, um mich quasi abzuhärten gegen die potentiellen "Kritiker".

Medikamente nehme ich keine, ich habe Angst davor, abhängig zu werden und neige dazu, die Lösung immer kognitiv zu suchen, obwohl ich mehr positive Erfahrungen bräuchte. Aber diese Einsamkeit macht mich verrückt und schmerzt mich so, weil ich mich dadurch so ausgeschlossen von der Welt fühle und keine Geborgenheit und Gebrauchtsein empfinde.

Besten Gruß,

Elis
 

Leftluggage

Mitglied
Zu dem Vegan sein: Es stimmt, die Leute labern gerne darüber. Das geht aber in beide Richtungen. Ich denke, da muss man sich abgrenzen. Ich esse Fleisch. Treffe ich auf einen Veganer sage ich meistens: "Ich möchte Dich nicht bekehren, bitte bekehre mich nicht. Wir sollten unsere gegenseitige Auffassung respektieren". Und dann rede ich einfach nicht mehr darüber. Sollte der andere das aber nicht respektieren, dann beende ich auch schon mal den Kontakt. Das gilt auch für andere Ansichten. Wie religiöse oder so. Ich bin Atheist, hatte lange <Zeit eine sehr religöse Freundin. Solange man nicht versucht dem anderen seine Einstellung "auszureden", klappt das auch mit einer Freundschaft. Für mich hat das was mit Respekt zu tun.
Aus meiner Erfahrung gehen solche Freundschaften so lange "gut", wie sich niemand wirklich mit dem Thema auseinandersetzt, also beide verdrängen. Bewusst überzeichnet: Ich toleriere den Fleischesser, weil er ja zumindest meinen Hund oder meine Katze nicht essen würde. Oder etwa doch? Hm. Kürzlich hörte ich ihn begeistert von einem solchen kulinarischen Genuss in einem Land erzählen, wo Hunde und Katzen als Delikatessen gelten. Ab hier brauche ich mehr als Toleranz und schaffe das nur, wenn ich mir meiner eigenen unlogischen Gedanken bewusst werde. Früher hat er "nur" Rinder, Schafe, Schweine, Enten, Hühner und Fisch gegessen und jetzt also auch Hunde und Katzen. Wo bitte sehr, ist der Unterschied? Dann hätte ich, der Veganer, ihn von Anfang an nicht als Freund in Erwägung ziehen dürfen. "Das habe ich aber getan und zum Dank dafür trampelt er auf meinen Gefühlen herum", sagt mein verletztes Ich. Als "Nur"-Veganer ist mir spätestens jetzt klar, dass diese Freundschaft im Sande verlaufen wird. Als christlicher Veganer ermahnt mich, dass nicht das den Menschen verunreinigt, was durch den Mund in ihn hineingeht, sondern das, was von seinem Mund ausgeht. Ich werde also meinem Freund sagen, dass es mir zwar den Magen umdreht und das Herz zerreißt, wenn ich ihm zuhöre. Aber ich werde ihm wahrscheinlich weiter zuhören.

Oder: Ich toleriere den Atheisten, weil er sich mir als Christ gegenüber als tolerant empfindet. Seine einzige Bedingung: Ich darf in seiner Gegenwart nicht meinem Christsein entsprechend fühlen, denken, sprechen und handeln. Meine Bedingung: Keine - er darf natürlich völlig unreflektiert in meiner Gesellschaft über alle Gegenstände seiner atheistischen Anbetung sprechen.
Bild: Ein Entenküken wächst mit Hennenküken auf. Um seiner Art gemäß zu leben, muss es sich eines Tages entscheiden, in den Bach zu hüpfen und den Hühnern davonzuschwimmen, wie sehr ihm die am Ufer auch hinterhergackern. Es ist ganz selbstverständlich, dass die Hühner es nach dem Ausflug in seine Welt liebevoll wieder aufnehmen.

Zwischen Toleranz und Akzeptanz liegen Welten. Toleranz duldet nur, als sei es eine Gnade dem anderen gegenüber und nicht selbstverständlich. Mit Toleranz gibt man sich ein großzügiges Image, das überhaupt nicht stimmen muss. Wo sich Toleranz weiterentwickeln soll zu Akzeptanz, gehen Verbindungen meistens in die Brüche.
Bild: "Ich habe ja wirklich nichts gegen Ausländer. Aber müssen so viele davon in unserem Stammlokal sitzen?"
Der andere wagt es, wenn auch gutmütig lächelnd, auf den Widerspruch hinzuweisen und wupp ... ist die Freundschaft gestört, wenn nicht sogar weg.

Ich möchte nichts verdrängen müssen in einer Freundschaft. Verdrängung macht uns zu plappernden ferngesteuerten Robotern. Dieses hohle Gefühl der Leere vermeide ich ja sogar im beruflichen Bereich. Und umso mehr im privaten.

Nichts persönlich nehmen, bitte, ich arbeite nur schreibend auf, was mir selbst manchmal widerfährt.

Herzlich grüßt,

LL
 
G

Gast

Gast
Elis, du kannst doch gut Argumentieren und hast verstanden was bei dir vorgeht.#
Auch das diese Beziehung grad durch die Eifersucht nicht geeignet ist, dich voran zu bringen.
Aber lieber diesen "Schmerz " aushalten, wie was ändern wollen?
So spürst du, das du noch da bist ?
Medikamente gegen Depressionen / Ängste machen nicht Körperlich abhängig.
Dienen der Befreiung deiner Unterdrückten Gefühle um an dir arbeiten zu können.
Ist ein Langer Prozeß über Jahre, hab ich selber durchgemacht.
Da hilft wohl nur eine Verhaltenstherapie und wie weit, hängt von deiner Bereitschaft ab, das zu ändern.
Ohne deinen Willen, der durch Medikamente wider geweckt werden kann, wird das nix.
 

Elis

Mitglied
Hallo Leftluggage,

danke für deine philosophischen Anmerkungen zu Toleranz und Akzeptanz. Ich stimme dir zu, dass zwischen beiden ein wesentlicher Unterschied besteht, der beim ethischen Veganismus natürlich von besonderer Bedeutung ist.

Wenn man einen Menschen aber liebt, dann findet man sich eher in der folgenden von dir genannten Haltung wieder, die ich nachempfinden kann:

"Ich werde also meinem Freund sagen, dass es mir zwar den Magen umdreht und das Herz zerreißt, wenn ich ihm zuhöre. Aber ich werde ihm wahrscheinlich weiter zuhören."

Ich habe das Thema (ethischer) Veganismus sehr oft mit meiner Freundin besprochen und auch wenn sie es nicht so konsequent schafft, umzusetzen und eher vegetarisch als vegan lebt, habe ich sie so sehr ins Herz geschlossen, dass ich mich immer in der Toleranz-Haltung wiederfinde und ihr den Entwicklunssprung für die Zukunft noch zugestehe, zumal ja eben ihr Handeln nicht komplett auf dem entgegengesetzten Weg stattfindet, da sie ja sehr mit Tieren mitfühlt und es auch sehr schrecklich findet, dass Tiere von Menschen für Nahrungsmittel getötet werden.

"Ich möchte nichts verdrängen müssen in einer Freundschaft. Verdrängung macht uns zu plappernden ferngesteuerten Robotern."

Dieses Verdrängen hat eben in einem ganz anderem Bereich als dem Veganismus bei meiner Freundin (ich weigere mich, das häßliche Wort Ex-Freundin anzuwenden, weil sie immer noch fest in meinem Herzen ist) stattgefunden, da sie sich vom Leben etwas anderes erhofft als das, was der aktuelle Zustand ihr bietet und mich auch körperlich nicht mehr begehrt seit 2011.

Ich leide nun aber heute erneut extrem unter ihrer Abweisung und dass sie mich einfach nicht mehr ertragen kann, obwohl sie mir damals doch immer wieder mitteilte, dass ich allein ihr völlig ausreiche und sie ja deshalb so sehr eifersüchtig auf meine Schwester war.

Folglich gab ich den Kontakt zu meiner Schwester ganz auf und wollte meiner Freundin so sehr zeigen, dass sie mich nicht verliert und sie mich nicht mit anderen Mensche teilen muss, solange sie das in solcher Weise belastet.

Es ist deshalb ein unglaublicher Schlag für mich, dass ich für sie jetzt einfach erledigt bin und mir neue Freunde und Partnerin suchen solle, da ich doch immer alles durchgestanden habe und meine Treue erwiesen habe.

Ich würde sie niemals für ein anderes Mädchen verlassen und bekomme nun den herben Schlag zu spüren, dass sie sich in einen Typen verliebt hat und mich infolgedessen an Sylvester und Folgetagen nicht sehen will, obwohl das Fahrtticket schon lange gebucht war und sie die Tage davor mir noch mitteilte, dass sie Teppiche besorgt habe und ich auf einen davon Yoga machen könne.

Gestern beging ich leider noch eine schreckliche Dummheit, die alles gravierend verschlimmert hat.
Ich habe heute beim spazieren gehen bereits Beklemmungsgefühle in Brust- und Herzgegend verspürt und denke ständig an sie und ihre kühle und abweisende Haltung.

Es ist schrecklich. Ich wünsche mir nichts mehr als dass sie irgendwie daran denkt, wie viel wir zusammen erlebt haben und wie nahe wir uns waren, da wir beide auch sehr negative Kindheitserfahrungen hinter uns haben.

Ich glaube, sie will mich seit meinem gestrigen Fehler nie wieder sehen. Ich kann nicht mehr.


Elis
 

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