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Vertrauen - postet was Ihr wollt, aber auch: was bedeutet es für euch?

littleNina

Aktives Mitglied
Hallo ich habe von einer Webseite zwei Texte kopiert, die mich in Bezug auf das Thema Vertrauen interessieren. Dann gibt es natürlich Doktoren in Philosophie die da was differenzieren wollen, was ich total langweilig finde. Etwa wie, dass man um zu Vertrauen das Gegenteil von Wissen besitzen müsse. Wenn ich weiß Du tust etwas nicht ist es kein Vertrauen mehr. Sehe ich nicht zwingend so. Aber egal. Oder dass man da noch allerlei differenzieren und den Begriff klären könne. Für mich persönlich ist Vertrauen etwas einer anderen Person gegenüber. Ein Wunder das passiert, wie bei Freundschaft und Liebe auch. Nicht irgendein Begriff der Wissen ausschließt. Egal.

Hier die zwei Texte. Als Inspiration. Und ja bitte schreibt dazu was ihr wollt, ob eure persönliche positive oder negative Erfahrung oder leicht gelogene Geschichten aus Anonymitätsgründen ist mir alles egal. Postet eure Gedanken, bitte nur kein Smalltalk und keine Halbsätze. Danke!

Immanuel Kant (1797):
Freundschaft und Vertrauen

Moralische Freundschaft ist das völlige Vertrauen zweier Personen in wechselseitiger Eröffnung ihrer geheimen Urteile und Empfindungen, so weit sie mit beiderseitiger Achtung gegen einander bestehen kann.

Der Mensch ist ein für die Gesellschaft bestimmtes (obzwar doch auch ungeselliges) Wesen, und in der Kultur des gesellschaftlichen Zustandes fühlt er mächtig das Bedürfnis, sich anderen zu eröffnen (selbst ohne etwas dabei zu beabsichtigen); andererseits aber auch durch die Furcht vor dem Mißbrauch, den andere von dieser Aufdeckung seiner Gedanken machen dürften, beengt und gewarnt sieht er sich genötigt, einen guten Teil seiner Urteile (vornehmlich über andere Menschen) in sich selbst zu verschließen. Er möchte sich gern darüber mit irgend jemand unterhalten, wie er über die Menschen, mit denen er umgeht, wie er über die Regierung, Religion u.s.w. denkt; aber er darf es nicht wagen: teils weil der andere, der sein Urteil behutsam zurückhält, davon zu seinem Schaden Gebrauch machen, teils, was die Eröffnung seiner ei- genen Fehler betrifft, der andere die seinigen verhehlen, und er so in der Achtung dieselbe einbüßen würde, wenn er sich ganz offenherzig gegen ihn darstellete.

Findet er also einen, der Verstand hat, bei dem er in Ansehung jener Gefahr gar nicht besorgt sein darf, sondern dem er sich mit völligem Vertrauen eröffnen kann, der überdem auch eine mit der seinigen übereinstimmende Art, die Dinge zu beurteilen, an sich hat, so kann er seinen Gedanken Luft machen; er ist mit seinen Gedanken nicht völlig allein, wie im Gefängnis, und genießt eine Freiheit, der er in dem großen Haufen entbehrt, wo er sich in sich selbst verschließen muß. Ein jeder Mensch hat Geheimnisse und darf sich nicht blindlings anderen anvertrauen; teils wegen der unedlen Denkungsart der meisten, davon einen ihm nachteiligen Gebrauch zu machen, teils wegen des Unverstandes mancher in der Beurteilung und Unterscheidung dessen, was sich nachsagen läßt, oder nicht (der Indiskretion), welche Eigenschaften zusammen in einem Subjekt anzutreffen selten ist; zumal da die engeste Freundschaft es verlangt, daß dieser verständige und vertraute Freund zugleich verbunden ist, ebendasselbe ihm anvertraute Geheimnis einem anderen, für eben so zuverlässig gehaltenen, ohne des ersteren ausdrückliche Erlaubnis nicht mitzuteilen.



Rainer Maria Rilke:
Urvertrauen

Wenn ich die Kunst als eine Lebensanschauung bezeichne, meine ich damit nichts Ersonnenes. Lebensanschauung will hier aufgefaßt sein in dem Sinne: Art zu sein. Also kein Sich-Beherrschen und - Beschränken um bestimmter Zwecke willen, sondern ein sorgloses Sich-Loslassen, im Vertrauen auf ein sicheres Ziel. Keine Vorsicht, sondern eine weise Blindheit, die ohne Furcht einem geliebten Führer folgt. Kein Erwerben eines stillen, langsam wachsenden Besitzes, sondern ein fortwährendes Vergeuden aller wandelbaren Werte. Man erkennt: diese Art zu sein hat etwas Naives und Unwillkürliches und ähnelt jener Zeit des Unbewußten an, deren bestes Merkmal ein freudiges Vertrauen ist: der Kindheit. Die Kindheit ist das Reich der großen Gerechtigkeit und der tiefen Liebe. Kein Ding ist wichtiger als ein anderes in den Händen des Kindes. Es spielt mit einer goldenen Brosche oder mit einer weißen Wiesenblume. Es wird in der Ermüdung beide gleich achtlos fallen lassen und vergessen, wie beide ihm gleich glänzend schienen in dem Lichte seiner Freude. Es hat nicht die Angst des Verlustes. Die Welt ist ihm noch die schöne Schale, darin nichts verloren geht. Und es empfindet als sein Eigentum Alles, was es einmal gesehen, gefühlt oder gehört hat. Alles, was ihm einmal begegnet ist. Er zwingt die Dinge nicht, sich anzusiedeln. Eine Schar dunkler Nomaden wandern sie durch seine heiligen Hände wie durch ein Triumphtor. Werden eine Weile licht in seiner Liebe und verdämmern wieder dahinter; aber sie müssen Alle durch diese Liebe durch. Und was einmal in der Liebe aufleuchtete, das bleibt darin im Bilde und läßt sich nie mehr verlieren. Und das Bild ist Besitz. Darum sind Kinder so reich.
 
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littleNina

Aktives Mitglied
Also meine erweiterten Gedanken dazu sind dass man eine Person auch irgendwie "annehmen" muss damit man ihr vertrauen kann und sie einem. Und das bedeutet auch irgendwie jetzt aktuell, so wie sie ist oder war..... und weitere Gedanken dazu sind dass die Person das angebotene Vertrauen auch schätzen können muss - sonst läuft es auf Ablehnung hinaus und wird nicht lange auszuhalten sein. Weiß nicht ob das zum Thema passt. :)
 

littleNina

Aktives Mitglied
Was mir noch einfällt: Mangel an Respekt, aufrichtigem.... oder gespielter Respekt aus Angst. Ist immer ein Mangel an Vertrauen von einer oder der anderen Seite. Dann hab ich übrigens eine skurrile Bekanntschaft wieder gemacht. Es gibt Menschen, wenn man sich anständig ihnen gegenüber benimmt und nicht protzt und keine Grenzen überschreitet halten sie einen für devot - aus Mangel an ausgesendeter Stärke und Dominanz. Da hab ich ganz schön gestaunt als mir diese Person mitten ins Gesicht sagte ich sei devot. Da musste ich natürlich irgendwann in einem Halbsatz beweisen dass ich auch anders kann. Unglaublich dieses moderne Wort - devot. Für mich wieder ein Ausdruck von Mangel an Respekt. Ich kenne das so dass Menschen die viel nachdenken, z.b. beruflich oder im Studium ihr Gehirn so voll haben dass sie garnicht die Aufmerksamkeit oder Kraft haben "protzende" oder sonstige Signale zu senden. Ich bezweifle aber dass man aus Anstand heraus auf das Wort "devot" schließen kann. Perverse Assoziationen habe ich auch mit dem Wort. Der Vertrauensvorschuss ist erstmal weg. Ist mir zu psychopathisch so ein Verhalten ;)
 
G

Gelöscht 115111

Gast
Ich weiß nicht genau was Du ansprichst @Soul. Ich nehme an das man die eigene Sicht auf Vertrauen sagt. Ich persönlich bin Zynist. Im Leben habe ich erlebt das mich IMMER genau die Leute in die Pfanne gehauen haben, denen ich Vertrauen entgegen brachte. Rilke und Kant sind Positivisten, und das ist auch gut so.

Respekt ist sicherlich die Grundlage für Vertrauen. Zum Respekt ist meine Erfahrung, bist Du zu freundlich und zeigst nicht hin und wieder das "Tier", bzw. versuchst Du Dich anzubiedern und "nett" zu sein verlierst Du jeglichen Respekt. Und damit die Grundlage für Vertrauen, damit die Grundlage für eine positive Beziehung.

Meine Kurzdefinition ist vertraue immer nur bis zu einem gewissen Punkt. Biedere Dich nicht an. Sei unvoreingenommen aber glaube niemals an "das Gute" im Menschen. Sichere Dich immer ab und gehe nie soweit das Dich ein Mensch so mißbrauchen kann, das er die Macht hat Dir schwersten Schaden anzutun.

Rilke und Kant sind nett zu lesen, und dann gibt es halt imer noch das echte Leben.
Und die Kraft haben draufzuhauen oder zu protzen. Das lernst Du im leben oder gehst unter. Irgendwann hast jeder es so hackedicht verarscht zu werden das er das Tier halt rauslässt. Oder er kackt ab.

Ich muss allerdings zugeben, das ich nicht genau weiß worauf Du zielst, also bin ich vielleicht völlig off-Topic.
 

littleNina

Aktives Mitglied
Hier ist glaube ich niemand offtopic. Es ist wie brainstorming... Ideen sammeln, Erfahrungen austauschen. Ich denke oft Dinge müssen ausgesprochen, angesprochen werden können, damit sie nicht untergehen. Einmal wieder das Thema Vertrauen besprechen finde ich sehr wichtig. Ja mir geht es ähnlich so zu 100% kann ich keinem vertrauen. Habe aber irgendwie Kontakte die es wenigstens gut mit mir meinen. :) Sich seelisch öffnen, wird leider gerne ausgenutzt. Ist sehr traurig. Zeigt man sich abgegrenzter wird es auch weniger ausgenutzt. Aber ich durfte erfahren dass es Menschen gibt die meine Sensiblität durchaus respektieren :). Zum Teil oder im Ansatz zu mindest. Ganz habe ich es noch nicht augeschöpft, bleibe abgegrenzt ein Stück. Wer weiß was dabei rauskommen würde? Aber konstant meinen es diese Menschen gut mit mir, mit Höhen und Tiefen. Sind halt nicht die engsten Dauerfreunde. :) Aber sehr gute Menschen. Es ist komisch dass man manchmal nur abgegrenztere Töne sprechen muss und schon wird etwas weniger ausgenutzt oder angegriffen. Sich öffnen - gilt wohl als nicht zu respektierende Schwäche :). Ist echt skurril. Frage mich wie Menschen ihre Beziehungen führen, man muss da auch Nähe zulassen können.

Danke Dir für Deinen Beitrag :). Freue mich dass Du geantwortet hast.
 
G

Gelöscht 115111

Gast
Schade das sonst niemand etwas sagt, Dein Thema ist schön. Vielleicht hättest Du es besser in einem anderen Bereich gepostet, hier wird mehr kontrovers diskutiert. Ich bin froh das wenigstens Ich geantwortet habe und Dich nicht allein mit Deinen Gedanken gelassen habe, auch wenn ich für Konstruktives nicht besonders empfänglich bin ;) .
 

KeineAhnung22

Aktives Mitglied
Ich habe mal zu dem Thema etwas gehört, weiß nicht ob es passt: Jemandem kein Vertrauen entgegenzubringen heißt nicht, dass ich ihm Misstrauen muss. Es heißt erstmal unvoreingenommen sein.
 

kasiopaja

Sehr aktives Mitglied
Ich finde so ein gewisses Vorschuss-Vertrauen nicht schlecht. Und es hat sich oft bewährt.

Wenn man sowas nicht kann, kann man gleich aufhören zu leben.

Enttäuscht werden kann man immer, aber ist eher selten der Fall.
 

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