Nordrheiner
Sehr aktives Mitglied
Ich bezweifle, daß in der Bibel (AT) eine entsprechende Stelle zu finden ist, da das AT von Juden gemacht und für Juden bestimmt war, bei denen Gottgläubigkeit und Kenntnis der Thora grundsätzlich vorausgesetzt wurde. Das Konvertieren von Andersgläubigen war gar nicht vorgesehen, da ja (üblicherweise) nicht von jüdischer Abstammung, ergo war es völlig witzlos, Andersgläubigen der "Schwerhörigkeit" in Bezug auf jüdische Glaubensgrundsätze oder Gottesvorstellungen zu bezichtigen. Man hielt einfach Distanz zu den Andersgläubigen, und das war´s, das reichte völlig.
Lieber Daoga,
doch, im Alten Testament gibt es Stellen, die Anlass geben darüber nachzudenken, ob auch bezüglich des Begriffes „Schwerhörigkeit“ Parallelen zum Koran bestehen. Ich denke, ja.
In 2. Mose 6, 3 lese ich: „Als Gott, der Gewaltige, bin ich Abraham, Isaak und Jakob erschienen; aber unter meinem Namen <der Herr> habe ich mich noch nicht zu erkennen gegeben.
Und in der Fortsetzung, in 2. Mose 7, 3 ist zu lesen: „Ich werde jedoch den Pharao starrsinnig machen, damit ich umso mehr meine Macht durch Staunen erregende Wundertaten erweisen kann.“
Hinsichtlich des Menschen Pharao kann ich Gott nicht verstehen. Wo bleibt da seine Liebe, auch diesen Menschen zu retten? Kann es sein, dass Pharao bereits ein Mensch war, der sich nie hätte retten lassen wollen und der für sich beschlossen hatte, sich der Liebe Gottes nie zu öffnen? Ich werde es evt. nie erfahren…. Diese Erzählung ist eine der Stellen, mit der ich meine Probleme habe. Jedoch ist es für mich schon erschreckend zu lesen, dass Gott durchaus einem Menschen Starrsinnigkeit „schenkt“.
Aber auch hier geschieht dies nicht ohne gute Absicht. Es geht Gott darum, dem Volk, welchem Er sich noch nicht zu erkennen gegeben hat, sich als „der Herr“ zu erkennen zu geben. Gott möchte, dass das Volk erfährt, dass Er nicht eine von Menschen gemachte beliebige Gottheit ist, sondern der Gott, der tatsächlich nachvollziehbar so mächtig ist, dass auch der mächtigste Herrscher, Pharao, sich ihm nicht widersetzen kann. Gott möchte, dass wir Menschen uns an Ihm orientieren und wir sollen wissen, dass wir damit auf Seiten des Mächtigsten sind …. Und deshalb keine Angst (z.B. vor Menschen) haben müssen.
Da sehe ich einen Unterschied zum Koran. In Sure 17 58 ff lesen wir z.B. in Vers 59: „…Und wir senden nur Zeichen mit, um (den Zeitgenossen) Angst zu machen. …“
LG, Nordrheiner