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Verantwortung übernommen und auf halber Strecke versagt...

ecten23

Mitglied
Hallo Forum.

Ich bin mir nicht sicher, ob das hier am besten rein passt, da ich für mich Studium und Beruf nicht klar voneinander trennen kann.

Ich arbeite jetzt seit mehreren Semestern bei mir am Fachbereich als Tutor, d.h. ich betreue Übungsgruppen, in denen der Vorlesungsstoff nochmal vertieft werden soll. Für diejenigen, die das nicht kennen: Es läuft (zumindest bei uns) so ab, dass wöchentlich Übungen an die Studenten heraus gegeben werden. Diese haben dann eben eine Woche Zeit, die Übungen zu bearbeiten und geben die beim Tutor, also in diesem Fall bei mir, ab, damit die in der darauf folgenden Sitzung besprochen werden. Für eine Zulassung zur Klausur am Ende des Semesters müssen die Studenten eine bestimmte Punktzahl auf den Übungen erreicht haben, also muss ich die natürlich auch korrigieren.

Bis jetzt hat das auch immer ganz gut funktioniert. Seit etwa Juli laufen bei mir privat aber einige Dinge aus dem Ruder, weswegen ich im Oktober (kurz vor Anfang des laufenden Semesters) bzw. November auch jeweils für ein paar Wochen in der Psychiatrie war, wo man mir schließlich eine Borderline-Störung diagnostiziert hat.

Jetzt rächt es sich, dass ich trotzdem die Verantwortung für die Erstsemester-Studenten übernommen habe, der ich inzwischen (u.a. krankheitsbedingt) nicht mehr ordentlich nachkommen kann. Im Klartext heißt das, ich bin mit den Bewertungen der abgegebenen Übungen jetzt gut vier Wochen im Rückstand. Mein Chef hat davon jetzt Wind bekommen und ist (verständlicherweise) ziemlich sauer, weil ich mich nicht vorher deswegen an ihn gewendet habe. Jetzt soll ich den Rückstand bis zur ersten Januarwoche aufarbeiten. Ich weiß nicht, ob ich das schaffe. Ich weiß auch nicht, ob ich ab dem 9. Januar nochmal die Kraft dazu aufbringe, mich vor die 25 Leute zu stellen und den Übungsbetrieb "normal" weiter zu machen. Und ich weiß erst Recht nicht, was für Konsequenzen es hätte, wenn ich es nicht mehr schaffe.

Fest steht, dass ich das jetzt irgendwie in den Griff kriegen und mit meinem Chef reden muss. Ob ich das kann, weiß ich noch nicht. Wenn ich mich jetzt aus der Verantwortung stehle und ihm zusätzliche vier Wochen nicht-getane Arbeit aufzuhalse, wäre das von mir feige und unfair. Wenn ich mich zusammen reiße und den letzten Monat bis zum Semesterende noch irgendwie (mehr schlecht als recht) durch prügle, hat auch niemand so richtig was davon.

Für mich war diese Stelle zum einen immer eine gute Gelegenheit, die Inhalte für mich selbst nochmal aufzubereiten. Zum anderen hat mir das Arbeiten immer noch ein bisschen Struktur und Halt in meinem Leben gegeben. Außerdem bin ich natürlich auf das Geld angewiesen und habe mir dadurch in den letzten zwei Jahren auch ein paar Kontakte aufgebaut. Im Moment habe ich das Gefühl, dass ich das alles aufs Spiel setze und dass die Symptome meiner Krankheit mich auch bis in mein Studium hinein verfolgen, da ich, wie gesagt, nicht so richtig zwischen Arbeit und Studium differenzieren kann.

Es war einfach dumm von mir, dass ich im Oktober trotz aller Anzeichen diese Verantwortung übernommen habe. Vor allem, da ich in den früheren Semestern schon mehrere Nebenjobs auf eine ähnliche Weise "gekündigt" habe, indem ich mich da einfach "totgestellt" habe. Nur dass ich da bislang noch keine Verantwortung für andere Studenten übernommen habe... Da für mich selbst auch das Studium nicht so richtig voran geht, wäre es eigentlich dringend, dass ich mir eine Auszeit gönne, um wenigstens wieder auf die Füße zu kommen. Und langfristig führt eh kein Weg an einer Therapie vorbei.

Die Frage ist jetzt, wie komme ich aus der Situation am besten heraus, ohne mich zu sehr bei meinem Chef und den anderen Studenten, mit denen ich ja auch noch zwangsläufig auskommen muss, zu blamieren? Ohne mir damit meine Kontakte am Fachbereich zu versauen?

Liebe Grüße
D.
 

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111kleinbuchstabe

Aktives Mitglied
Jetzt soll ich den Rückstand bis zur ersten Januarwoche aufarbeiten. Ich weiß nicht, ob ich das schaffe.
Als Soforthilfe wäre doch möglich, ein zwei Leute dazuzuholen.

Und künftighin halt die Arbeits-Aufgaben realistisch - mit gut dimensionierten Auszeiten! - zu planen.

Wer einsam ist, der hat es gut, weil keiner da, der ihm was tut. Wilhelm Busch.

Kann sein, dass Du Deine Lage deswegen dermassen verbissen machst, weil Du diese dermassen verbissen siehst. Selbst-Humor kann da durchaus auflockernt und entlastend wirken.
 
J

john-2

Gast
Hallo ecten23,

es ist gut, dass Du nun die Probleme erkannt und darüber nachgedacht hast. Die ist ein erster wichtiger Schritt. Gerade bei psysischen Erkrankungen kann es recht lange dauern, bis man diesen Schritt geht.

Wichtig ist nun, dass Du (und Deine Mitmenschen) akzeptieren, dass Du krank bist, und daher nicht in der Lage, die erwartete Leistung zu erbringen. (Du hast Dir aber auch 'ne Menge aufgeladen!)

Dieser zweite Schritt geht schneller, ist dewegen aber auch nicht einfacher. Erst danach kommt der dringend nötige Stressabbau.

Stehe zu Deiner Erkrankung und teile es den Verantwortlichen frühzeitig mit. Es ist lobenswert, dass Du versuchst, die Situation zu retten, aber alleine wird das schwierig.

Mache Dich frei von Schuldgefühlen jeder Art: Du bist nun krank. Da Du die Krankheit nicht vorsätzlich herbeigeführt hast, trifft Dich auch keine Schuld. Gehe offensiv damit um. Dummer Spruch, (ich weiß) aber hier passt er: Sprechenden Menschen kann geholfen werden.

Es war richtig, die beiden Nebenjobs zu beenden. Es wäre aber besser gewesen, Du hättest sie wegen Krankheit oder objektiver Arbeitsüberlastung beendet, denn nun haben Deine damaligen Chefs eine schlechte Meinung von Dir.

Wie Du bereits richtig erkannt hast, kannst Du derzeit nicht mit voller Leistung arbeiten. Rainer hat schon richtig geschrieben, dass es diesmal keinen Hinterausgang gibt. Und es gibt vor allen Dingen keinen Grund, nach einem solchen Hinterausgang zu suchen!

Konzentriere Dich auf die wesentlichen Dinge, setzte Dir nur Ziele, die Du auch erreichen kannst.

Viel Erfolg und liebe Grüße

John
 

ecten23

Mitglied
Danke für die schnellen Antworten. :)

Zusätzliche Leute dazu zu holen, wäre eine Möglichkeit. Dummerweise haben diejenigen, die dafür in Frage kämen, alle noch bis zum 9. Januar Urlaub. Außerdem studiere ich, wie gesagt, mit denen zusammen. Dass ich mich der Situation stellen und meinem Chef sagen muss, dass ich überfordert bin, ist klar. Aber dass es gleich noch meine Kommilitonen erfahren, halte ich für zu viel... Ich weiß nicht, ob ich mich danach überhaupt noch in der Uni blicken lassen könnte...

Was früher falsch gelaufen ist, lässt sich im Nachhinein nicht mehr ändern. Damit muss ich wohl leben können, auch wenn ich mir damit sicherlich vieles verbaut habe.

Die Menge an Arbeit, die ich mir aufgehalst habe, halte ich nicht für überdurchschnittlich viel (vertraglich begrenzt auf 80 Stunden pro Monat) und an sich für zu bewältigen.

Das Wesentliche... wäre vermutlich, dass ich so bald wie möglich eine längere Auszeit einlege. Da der Fortschritt in meinem Studium ebenfalls stagniert (aktuell wird wohl das dritte Semester sein, in dem ich überhaupt nichts tue), wäre ein Krankheitssemester sinnvoll. Dummerweise hängt da eben auch noch meine Arbeit mit dran und irgendwann möchte ich auch mal fertig werden, schließlich habe ich ja schon drei Semester verschwendet...

Ich möchte die Arbeit, die ich die letzten Semester über gemacht habe, auch nicht vollständig aufgeben, sondern würde gerne in Zukunft, sobald ich wieder auf die Füße gekommen bin, weiter machen. So ein Studium finanziert sich ja nicht von alleine und auch aus rein logistischen Gründen ist es sinnvoll, diesen Job zu machen -- zumindest, wenn man es nicht so versaut, wie ich es derzeit tue...

Was die Schuldgefühle anbelangt: Dass ich krankheitsbedingt nicht dazu in der Lage bin, die volle Leistung zu erbringen, ist mir bewusst. (Meine (Ex-?)Freundin sagt mir allerdings, dass ich mich nicht ständig hinter meiner Krankheit verstecken soll.) Was ich mir allerdings ausgesucht habe, war, diese Stelle im Oktober überhaupt anzutreten, obwohl zu der Zeit schon absehbar war, dass ich mich damit wieder selbst ausmanövrieren würde.

Liebe Grüße
D.
 

zazen

Mitglied
Hallo ecten,

wie meine Vorredner es schon beschrieben haben, deine Selbsterkenntnis ist schon einmal der erste Schritt. Und das Du deinem Chef entsprechend eingestehen musst, das Du diese Verantwortung nicht auf Dauer übernhemen kannst. Erkläre Ihm das es bei dir im Pivaten leben massive Probleme gibt und Du der verantwortung derzeit nicht gewachsen bist. Wiviel Du Ihm von deinen persönlichen Sorgen erzählst kann ich dir nicht sagen, da ich nicht weiss in welcher beziehung Du zu Ihm stehst. Vertsehst Du dich gut mit deinem Chef, wie sieht die Chemie zwischen euch beiden aus. Kannst Du Ihm gewisse Dinge aus dem persönlichen Umfeld anvertrauen?

Bei mir ging es damals etwas ähnlich ab. Der Druck war unermesslich groß und die privaten Sorgen aus dem Umfeld meiner Freundin belastete mich so stark das ich mich meinem Vertriebsleiter anvertraute, weil ich wusste das er auch Privat in der Vergangenheit sorgen hatte.Er hatte wie mein Chef Verständnis. Hielt leider nicht auf Dauer, weil the Job must going on. Als Vertriebler musste ich mein Level erreichen, aber bei dir ist das ein wenig anders.

Rede mit deinem Chef erklär Ihm die Situation und biete Ihm auch Lösungen an, wie die Arbeit auf andere Personen zu splitten.

Gibt es die Möglichkeit noch etwas Zeit herauszuholen? Den Stichtag nach Hinten zu verschieben?

Was wäre passiert, wenn Du plötzlich für einige Wochen krankheitsbedingt die Arbeit nicht erledingen kannst und der Termin immer näher rückt. Da muss es doch noch Alternativen o.ä. geben. Wenn nicht dann kann es nicht so dringlich sein.

Ich Drück dir alle Daumen das es für dich glimpflich ausgeht und laß dich auf gar keinen Fall unter Druck setzen:daumen:
 

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