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Unglücklich mit der Familie

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Gast

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Hallo,
ich bin 23 Jahre alt und arbeite zurzeit in einem 400-Euro Job im Einzelhandel. Eigentlich bin ich gelernte Bürofachkraft, kann aber (leider) trotz sehr guter Zeugnisse keinen Fuß in diesem Beruf fassen. Gezwungenermaßen lebe ich immer noch zuhause, was ich bis vor kurzem auch als gar nicht schlimm empfand, da das Verhältnis zu meinen Eltern so gut war -

Leider muss ich sagen - war. Ich realisiere immer mehr, dass ich gar nicht ausziehen soll, gar nicht Vollzeit arbeiten soll, und auch nicht in irgendeiner Form selbstständig sein soll. Zum Führerschein wurde ich während der Ausbildung mehr oder weniger genötigt, und seitdem bin ich vielleicht 20 Mal gefahren, mit einem Auto, das original mal mir und meiner Schwester gehören sollte, uns dann aber einfach wortlos weggenommen wurde (von der Oma, die natürlich ein Mitnutzungsrecht gehabt hätte - die benutzt es jetzt viell. 2-3 Mal die Woche). Ich habe schon hundertfach erwähnt, dass ich doch ein altes Auto kaufen könnte, aber nein. Ich DARF kein Auto kaufen, obwohl ich es könnte. Kein Platz, zu teuer, heißt es. Wenn ich es einfach tun würde, wäre auf gut Deutsch der Teufel los. Am selben Tag wäre es wieder beim Autohändler. Ich darf mir aber ab und zu anhören, ich solle doch gefälligst mal auf dem Parkplatz Auto fahren üben, sonst würde ich es verlernen. Ich glaube, das habe ich schon. Fahrtechnisch bin ich bestenfalls auf dem Stand eines blutigen Fahranfängers.

Da ich kein Auto habe, fallen viele Jobangebote von vornherein flach. In meiner Stadt (wo ich jetzt zum Glück den Job gefunden habe und zu Fuß hingehen kann) sind Jobs extrem rar, vor allem im Büro. Das habe ich auch schon häufig gesagt, das stößt aber auf taube Ohren. Bus und Zug sind nicht immer Alternativen, und da ich Agoraphobiker bin (was erst seit ich 20 bin richtig schlimm, aber schon seit der Kindheit ein Problem ist) möchte ich sie auch vermeiden, wenn es geht.

Ich stecke fest in einem Tagesablauf, der sich eigentlich nur um meinen Vater dreht. Er starrt gut 80 % der Zeit in irgendeinen Bildschirm und ist kaum bis gar nicht ansprechbar. Wenn er sich dann für irgendetwas entscheidet, das bedeutet meistens, einen Film zu schauen, wird sofort alles stehen- und liegengelassen und wir schauen einen Film. Man spürt, dass von seiner Seite kein großes Interesse an dem Film selbst besteht, aber es muss sein. Er quatscht häufig hinein und beobachtet meine Mutter, damit sie bloß nicht einschläft.
Was ich damit sagen will - er redet kaum, und wenn, geht es um seine Sachen. Was er alles kauft, was er alles noch kaufen will, irgendwelche Forengeschichten. Wenn ich irgendein Gespräch anfangen will, wird es einfach ignoriert oder verläuft sich nach zwei, drei Antworten im Sande, man spürt dass da kein Interesse besteht. Über Probleme sprechen ist unmöglich, war es schon immer (z.B. Mobbing in der Kindheit: Du musst aber Abitur machen! -> später dann doch auf die Realschule gegangen, die Enttäuschung darüber lässt er mich im Streit gerne spüren)
Wenn er mal mit mir spricht, sind es immer nur Anweisungen. Bring mir dies, mach das Fenster auf, tu das. Wenn ich die ganze Wohnung sauber mache (etwas was ich tue, ohne dass es mir jemand sagt) kommt keine Rückmeldung, dass mal jemand nur bemerken würde, dass man sich die Arbeit gemacht hat.

Was mir auch auffällt ist, dass ganz egal was ich sage - ich schlage etwas vor, ich mache auf etwas aufmerksam, irgendwas - niemand nimmt davon Kenntnis. Beispiel Film: Wenn ich einen vorschlage, wird er nicht genommen. Ganz gewiss nicht.

Meine Mutter spricht auch kaum bis gar nicht mit mir, höchstens dann, wenn ich die Initiative ergreife. Ich versuche sie ständig darauf aufmerksam zu machen dass ich mit meinem Leben unzufrieden bin, dass ich mit 23 nicht mehr wie ein Kind leben will und dass es mir extrem zusetzt, so allein zu sein. Da ich ohne Auto überhaupt nicht mobil bin und auf gar keinen Fall gefahren werden möchte, fallen Vereine oder sonstige Aktivitäten komplett weg, das heißt ich gehe entweder arbeiten oder bin zu Hause. Freunde habe ich seit der Berufsschule keine mehr, außer der Arbeit habe ich mit niemandem Kontakt. Es macht mich wahnsinnig traurig und ich weiß nicht, was ich daran ändern soll - schon in meinem vorherigen Job (auch Einzelhandel, nur an der Kasse) habe ich gemerkt dass in der Pause niemand wirklich mit mir sprechen wollte und mich die Leute richtig mieden, obwohl ich mir alle Mühe gegeben habe nicht zu schüchtern zu sein (was früher ein großes Problem bei mir war) und selbst die Initiative zu ergreifen. Da ich zuhause nichts anderes erfahre, habe ich immer Angst, dass mir das anderswo auch passiert. Da ich früher schlimmes Mobbing erfahren habe, bin ich da wohl sehr vorbelastet.

Leider macht mich auch zusätzlich sehr traurig, dass meine Eltern mit meiner jüngeren Schwester (2 Jahre jünger) ganz anders umgehen. Sie hat mehr oder weniger Narrenfreiheit. Sie studiert, wobei unsicher ist, ob sie das Studium abschließen wird, hat keine Ausbildung, geht nicht arbeiten und hilft überhaupt nicht im Haushalt, hinterlässt wo sie geht und steht Müll. Wenn sie mit ihrer Freundin shoppen gehen will, fährt meine Mutter sie, egal wie spontan diese Bitte kommt. Geld für Kosmetik und Klamotten erbettelt sie sich einfach (gib mir doch mal x €), ich bekomme schon seit meiner Ausbildung keinen Cent mehr und bitte nie darum, im Gegenteil, ich zahle jeden Monat Miete.
Wenn meine Schwester den Raum betritt, geht jeder auf sie zu. Meine Mutter hört gar nicht auf, mit ihr zu reden. Ich hingegen muss ein Gespräch immer weiterführen und weiterführen, sonst würde sie mich einfach anschweigen.

Ich weiß nicht was ich falschmache...ich wünsche mir ja nur, wie eine 23-jährige leben zu dürfen. Ich muss dafür ja nicht zwingend ausziehen (kann ich in meiner momentanen Situation auch nicht), aber dass ich nur Getränke bringe und sauber mache und ansonsten lächelnd im Hintergrund sitze (wenn ich traurig dreinblicke, wird sich über mich lustig gemacht und gesagt, ich wär lächerlich) kann es doch nicht sein, oder? Bin ich eine schlechte Tochter? Ich verdiene eigenes, wenn auch wenig Geld und spare wo es nur geht, gebe so gut wie gar nichts aus, verlange nichts, habe überhaupt keine Ansprüche und trotzdem wird mit mir umgegangen wie mit einer großen Last, als würde ich jeden nerven.
Was soll ich tun? Ich kann so nicht mehr ewig weitermachen, ich will es auch nicht mehr. Ich will endlich wieder ein soziales Leben führen und meinen Hobbies nachgehen, für die ich seit vielen Monaten keinen Funken Lust mehr verspühre, ich will wieder fröhlich und ausgelassen sein können, was ich auch nicht mehr kann, will nicht mehr ständig pessimistisch und düster denken...ich weiß nur nicht, wie. Mit meiner Mutter habe ich gesprochen, aber sie hilft mir nicht. Sie sagt ich soll mich nicht so anstellen. Mit meinem Vater kann ich nicht reden. Wenn ich das tue, droht er mir mit Rauswurf und leugnet alles. Meine Schwester hilft mir nicht, ihr ist das ziemlich egal.

Kann mir jemand helfen?
Ich wäre wahnsinnig dankbar.
 

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Was ich da so lese macht echt fassungslos. Du versuchst es allen recht zu machen aber keiner nimmt es wahr und wenn du mit ihnen darüber sprechen willst dann hören sie dir nicht zu. Das ist wirklich sehr unfair! Ich war mal in einer ähnlichen Drucksituation leider habe ich einen nicht ganz so guten Weg gewählt. Aber mir ging es besser als ich ausgezogen bin. Vielleicht solltest du den Schritt wagen und dich auf Vollzeitstellen in anderen Städten bewerben. Das würden deine Eltern früher oder später mitbekommen aber du hast das recht dazu, es ist dein leben. Das lässt sich immer leicht sagen.. ich weiß.Sie können dir zwar die hölle heiß machen aber trotzdem hast du dann nichts unrechtes getan. Wenn sie dir drohen dich rauszuwerfen kannst du dich ans jugendamt in deiner stadt wenden. Es gibt in deiner stadt bestimmt auch stellen wo du hilfe bekommen kannst, irgendwelche beratungsstellen. Ich denke es ist wichtig das du dir da noch hilfe von außen holst.
 
G

Gast

Gast
Hallo,

wo wohnst du denn, wenn ich fragen darf?
Vielleicht finden sich hier andere betroffene in deiner Nähe und man kann über so etwas wie wg nachdenken?

LG
 
G

Gast

Gast
Hallo,

also wenn ich das jetzt richtig verstehe möchten deine Eltern nicht dass du ausziehst und selbständig wirst, bis vor kurzem bist du aber mit dieser Situation ganz gut zurechtgekommen. Dein Einkommen reicht nicht für eine eigene Wohnung, ein anderer Arbeitsplatz ist wegen deiner Platzangst nicht so richtig zu realisieren.

Sicher hast du ein eigenes Zimmer, dann zwingt dich nichts mit deinen Eltern fernzusehen. Ein eigener Fernseher auf deinem Zimmer und du kannst dir dein Programm selber wählen.

Dass man im Haushalt mithilft wenn man noch zu Hause wohnt ist o.k., wenn es sowieso niemand bemerkt mach einfach nur das nötigste.

Deine Eltern hätten dich gerne auf dem Gymnasium gesehen, später bis du dann zur Realschule gegangen. Das kenne ich aus eigener Erfahrung; bei mir musste es trotz nicht ausreichender Leistung auch Gymnasium sein, später bin ich zurück zur Hauptschule. Bei meinen Eltern große Enttäuschung bei mir das Gefühl versagt zu haben.

Fehlende Freunde, mangelnder Kontakt, Schüchternheit, hab ich auch alles so erlebt. Mein Bruder wurde vorgezogen, egal wo wir waren ich hab nur dumm daneben gestanden. Platzangst und noch ein paar Ängste mehr sind mir bis heute geblieben.

Du siehst also, ich kann deine Situation gut nachvollziehen.

Ich kann dir keinen Rat geben, du musst selber rausfinden was für dich gut ist. Aber ich kann dir kurz sagen was ich gemacht habe. Als 19-jährige raus aus dem Elternhaus und der belastenden Situation. Meine Ängste haben dazu geführt, dass ich noch einige Nächte wieder mit Bett unter dem Arm zurückkam, dann bis ich im neuen Leben angekommen.

Ab dann hatte ich keine Zeit mehr für Ängste und Verletzungen aus dem Elternhaus, ich musste für meinen Unterhalt sorgen, mir Arbeit suchen und den Alltag organisieren. Mit kleinen Schritten vorwärts, nicht zu weit nach vorne geschaut habe ich das geschafft war mir keiner zugetraut hat: selbständig werden.

Das schaffst du auch. Du kannst selber entscheiden ob du so weitermachst, oder gehst und selbständig wirst. Traue es dir einfach zu.

Alles Gute
 

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