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Trauma nach Raubüberfall?

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Hallo
Zunächst mal das wichtigste zu mir. Ich bin männlich und 25 Jahre alt.
Ich habe wie der Titel schon verrät irgendwie die Angst das ich vielleicht ein Trauma oder sowas haben könnte.
Zu erst mal sollte ich wohl erzählen was passiert ist.
Vor etwas mehr als einem Jahr wurde ich nach einem Discobesuch überfallen. Man hat mir auf gut deutsch in die Fresse gehauen und mein Handy weggenommen als ich es gerade zum telefonieren rausnehmen wollte.
Die Sache ist aber die das ich mich so gut wie gar nicht mehr daran erinnern kann, da ich wirklich Sturzbesoffen war. Die Polizei hat mich Blasen lassen und ich hatte fast 3 Promille!
Der Abend in der Disco war schon nicht schön und ist irgendwie blöd gelaufen weil ich mal wieder der Single unter Pärchen war... Jedenfalls hab ich mich wohl total weggesoffen und hab dann zu meinen Freunden gesagt das ich geh. Ich habs dann einige Meter vor die Disco geschafft wo ich erst mal eine weile da lag. Interessiert hat das irgendwie keinen.
Im Morgengrauen bin ich dann losgelaufen ( getorkelt ist wohl der bessere Begriff ) und musste mich dann auch bald wieder setzten wo es dann auch geschah.
Ich weis noch das ich mein Handy aus der Tasche nahm und ich nach oben geschaut hat. Ein Schwarzer stand vor mir, schlug mich und nahm das Handy.
Wie gesagt Polizei alamiert und so weiter. In meinem betrunkenen Zustand in dem ich war, fand ich das alles gar nicht so schlimm, mein Vater der mich abgeholt hat, hat gesagt das ich sogar mit einer Polizistin geflirtet hab xD.
Naja das komische gefühl kam erst hinterher nach zwei oder drei Wochen. Ich habe seitdem wirklich etwas Angst vor Schwarzen ( bitte nicht falsch verstehen, ich bin kein Rassist ) und bin immer angespannt wenn ich Nachts nachhause gehe usw.
Dann kamen Albträume dazu. Am besten würde die bezeichnung Schlafstrarre passen. Das hatte ich auch als Kind oft aber irgendwie ist es etwas anders. Ich liege im Bett und Träume von irgend einer Gefahrensituation aus der ich nicht entkommen kann. Ich bin gelähmt und nur mit allergrößter Anstrengung schaffe ich es aufzuwachen. Danach hab ich Angst wieder einzuschlafen. Das komische ist, dass ich hin und wieder luzid Träumen kann, also die Kontrolle über meine Träume habe. Nur nicht bei solchen Albträumen.
Ich schlafe auch sehr schlecht, aber nicht erst seit dem Überfall. Auch schon voher war ich beim Arzt, hab Schlaftabletten bekommen und hin und wieder brauche ich auch welche, die ich mir dann aus der Apotheke besorge ( also Rezeptfreie versteht sich ).
Mit anderen darüber Reden kann ich nicht. Die mit denen ich in der Disco war und eigentlich meine Freunde sind, ( das sind sie auch wirklich, auch wenn sie sich vielleicht nicht dementsprechend verhalten ) waren zwar unmittelbar nach der Tat betroffen und auch wirklich nett zu mir aber nur ein paar Wochen später wurde schon darüber gewitzelt. Aber da bin ich auch nicht ganz Unschuldig. Man muss ja den starken Mann spielen, dem sowas nichts ausmacht.

Also was meint ihr dazu? Kann das ein Trauma sein? Schließlich war ich Sturzbetrunken und kann mich fast nicht mehr an einzelheiten erinnern und die Albträume und die Angst kamen auch erst wochen oder Monate später. Jedenfalls geht es mir seit dem nicht wirklich gut ( aber eigentlich ging es mir in meinem Leben noch nie besonders gut ).

Tut mir leid wenn alles irgendwie verworren klingt. Aber besser bekomme ich das im Moment nicht beschrieben. Falls ihr Fragen habt fragt bitte. Ich würde mich sehr freuen wenn ihr mir Irgendwie Helfen könnt.
Ich habe auch etwas Angst, dass ich mir all das nur Einrede. Ich hatte in meinem Leben schon so einige Erlebnisse ( mindestens einmal auch Lebensbedrohlich als ich als Kind fast Überfahren worden wäre... 30 cm vor mir kam ein LKW zum stehen ), aber bisher hat mich kein Erlebniss irgendwie belastet. Zumindest denke ich das.

Vielen dank fürs durchlesen
David.
 

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tuny

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Hallo David,

deine Reaktionen sind den Umständen angemessen würde ich mal sagen. Die Symptome, die du beschreibst, lassen sich als Versuch deuten, das Geschehene zu verarbeiten. Ob eine Traumatisierung vorliegt oder nicht, kann ich so ohne weiteres beurteilen. Aber sicher ist wohl, dass das Selbstverständnis der Welt gegenüber massiv erschüttert ist.
Nach so einer Erfahrung ist ja das ganze Vertrauen, mit dem du bisher durch die Welt gegangen bist, in Frage gestellt. Ist es überhaupt noch sicher, sich unbekümmert zu bewegen? Kann ich anderen Menschen vertrauen? Muss ich etwas tun, um mich zu beschützen? Die Angst vor schwarzen Männern lässt sich da als ganz schematischer Lösungsversuch deuten: Alles, was irgendwie an die Situation erinnert, wird vorsichtshalber als gefährlich klassifiziert.

Ich denke, du wirst dich ganz offen mit deinen Erlebnissen auseinandersetzen müssen. Das geht am besten im Dialog. Setz dich hin und rede darüber. Nicht nur darüber, was faktisch passiert ist, sondern vor allem, was es in dir auslöst - auch wenn es Gefühle sind. Setze dich mit der Thematik Gewalt auseinander. Was bewegt Menschen dazu, so etwas zu tun? Das kann helfen, in Zukunft derartige Situationen früher zu erkennen oder aber anders reagieren zu können. Das verschafft dir dann wieder etwas Gelassenheit, du musst nicht mehr ständig in Alarmbereitschaft sein. Wenn du merkst, dass du nicht weiterkommst, habe keine Scheu, einen Therapeuten zu kontatktieren.

Gruß
tuny
 
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Danke für deine Nachricht.
Irgendwie war mein Vertrauen in die Welt auch schon voher erschüttert. Ich bin vor diesem Ereigniss nicht Tanzend und "naiv" durch die Welt gewandert. Nur hat das vielleicht das Fass zum Überlaufen gebracht wenn man so will.
Ich hab gar keine Ahnung mit wem ich darüber reden könnte. Vielleicht mit meinen Freunden, aber wie gesagt die finden das teilweise noch witzig. Manchmal hätte ich echt lust auf den Tisch zu hauen und ihnen mal zu erzählen wie sich sowas anfühlt...
Bisher hatte ich in meinem Leben nie mit Gewalt zu tun. Ich war nicht ein einziges mal in eine Schlägerei verwickelt etc. und dann passiert sowas.
Ein weiteres großes Problem ist, das ich jetzt insgeheim Vorurteile gegenüber Schwarzen habe ( neben einem unguten Gefühl ) und dafür schäme ich mich sogar. Vorallem macht es das noch schwerer darüber zu reden.

Zur sache mit dem Therapeuten. Ich habe vor mich beim Zoll auf ein Studium zu bewerben. Ich glaube mit sowas in einer Krankenakte kann ich das vergessen. Oder ist das Unbegründet

Vielleicht wäre noch interessant, das nur ein paar Monate nach diesem Raubüberfall zwei Taschendiebe versucht haben mir mein Handy zu stehlen. Ich dachte mir, als ich gemerkt hab dass das Handy fehlt, nicht schon wieder und bin total ausgerastet. Ich wurde zwar nicht Körperlich gewalttätig aber Verbal. Es hat wohl gerreicht, dass die Kerle mir das Handy wieder gegeben haben ( sehr komische Geschichte, die es sogar in die Lokalzeitung geschafft hat ).

Ich frage mich oft was passiert wäre, wenn ich nicht so extrem betrunken gewesen wäre, vielleicht nichts, vielleicht hätte ich mich gewehrt und danach ein Messer im Bauch gehabt...
Seit dem Überfall hab ich auch Angst wenn eine Freundin von mir Nachts allein zum Bus gehen will. Ich kann dann nicht anders als sie zu Begleiten und wenn es sein muss eine Stunde zu warten bis ihr Bus da ist. Manche mögen das nett oder sogar für selbstverständlich halten, aber man hat mich schon darauf hingewiesen, dass ich zu fürsorglich bin.
Einer in meinem Freundeskreis macht sich draus einen Spaß, indem er mich irgendwelchen "Rollen" zuteilt. Entweder hab ich die Opferrolle wenn ich mich wegen irgendwas gesagtem aufrege, oder ich habe die "Beschützerrolle" wenn ich mal wieder die eine Freundin nicht allein zum Bus laufen lassen will, oder wie auch immer für sie Partei ergreife.

Soll ich vielleicht mal mit denen darüber reden was an diesem Tag eigentlich mit mir passiert ist? Im Prinzip kann ich ihnen nicht vorwerfen herzlos zu sein, dass sind sie sicher nicht, ich trage durch meine Art das alles runterzuspielen ja auch dazu bei...
 
G

Gast

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Ich weiß nicht, der weisse Ring hat sicher wichtigeres zu tun. Die helfen Missbrauchsopfern und ähnlich schlimmen Fällen. Ich will da irgendwie keine Kapazitäten belegen die andere Leute dringender nötig hätten.
 
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Ich habe mich nach einem Einbruch in meine Wohnung ähnlich gefühlt. Der Täter war noch drin. Es passiert ganz viel in der Psyche durch solche Übergriffe und es hilft tatsächlich sehr, darüber zu reden.
Du kannst dich vom Hausarzt an einen Psychotherapeuten überweisen lassen oder eben beim Weißen Ring nachfragen.
Konntest du eine vage Täterbeschreibung liefern? Es wird sicher ein Mehrfachtäter sein. Ich habe bei der Polizei mögliche Täter am PC vorgeführt bekommen. Wenn er gestellt würde, wäre dies zumindest ein kleiner Trost.
Nimm dich ernst und spiel es nicht runter.
 
G

Gast

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Hallo
Tut mir Leid, die Geschichte mit dem Wohnungseinbruch. Sowas stelle ich mir fürchterlich vor, vorallem wenn man mit dem Täter in der Wohnung ist...

Also die Sache war so, das die Staatsanwaltschaft das ganze eingestellt hat. War ja quasi eine Anzeige gegen Unbekannt, da ich den Täter nicht näher beschreiben konnte. Schwarz, Baseballmütze und etwa 1,70 bis 1,80 reichen halt nicht. Und auch wenn ich ein Bild vorgezeigt bekommen hätte, wäre ich nicht in der Lage gewesen zu sagen ob das der Täter ist.
Wenigstens hatte ich nach zwei Wochen das Handy wieder...

Und die Sache mit dem Arzt bzw. Therapeuten ist echt ein Problem, da ich mich wie gesagt beim Zoll bewerben will. Ich könnte mir denken dass das Probleme geben könnte wenn man Gesundheitlich in der Art "vorbelastet" ist.
Und mir deswegen meine Zukunft verbauen will ich sicher nicht. Wie gesagt manchmal belastet es mich schon stark aber vielleicht gehts ja von selbst vorbei oder es reicht wenn ich mit nem guten Freund darüber rede...

David.
 
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Hallo Wolff

Ja ich denk mittlerweile auch das ich damit mal zum Arzt sollte. Vorallem wird es irgendwie immer schlimmer und je mehr ich darüber nachdenke umso mehr fällt mir auf wie ich mich Verändert habe. Das sagt auch eine gute Freundin von mir. Auch der zeitliche ablauf der Symptome würde irgendwie passen. Erst überhaupt nichts und nach ein paar Monaten depris, immer gereizt, keine Lust mehr in Discos zu gehen und dann diese Angespanntheit wenn ich Nachts allein nach Hause gehe. Ich behalte alles im Auge, dreh mich um und die kleinste Kleinigkeit wird von mir Bemerkt und löst dann je nach dem was es war Angst aus und ich laufe schneller. Was mir auch aufgefallen ist, ist dass ich extrem schreckhaft geworden bin. Ich hab mich beim durch die Stadt gehen sogar mal an meinem eigenen Spiegelbild im Schaufenster zu tode erschreckt so blöd sich das anhört.

Am liebsten würde ich es einfach wieder vergessen/verdrängen. Die Erkenntnis, dass man mir viel viel mehr als nur ein ersetzbares, billiges Handy genommen hat ist wohl das schlimmste an dem Ganzen.

David.
 
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Hallo
Ich bin es wieder

Leider hat sich irgendwie gar nichts gebessert. Im Gegenteil.
Ich bin ein richtiger Angst Mensch geworden. Ich hab Angst vor großen Menschenmassen, Angst Nachts durch die Stadt zu gehen, Angst vor meiner Zukunft ( obwohl ich gar keinen Grund hab, der Zoll hat mich zum Einstellungstest eingeladen ).
Ich bin momentan Arbeitslos und hocke eigentlich nur daheim rum und zum Reden hab ich niemanden mehr. Das einzige was ich draußen mach ist Joggen, komischerweise Nachts (aber mit Pfefferspray). Meine ganzen Freunde melden sich nicht mehr bei mir und ich will ihnen auch nicht auf die nerven gehen mit meinen Problemen, das hab ich schon zu oft glaube ich. Vielleicht wollen sie einfach nichts mit mir zu tun haben, da man mit mir eh nicht viel Anfangen kann. Vor einem Monat war ich auf einem Geburtstag eingeladen und bin dann schon ziemlich früh wieder abgehauen weil mir schlecht war ( hatte zu dem Zeitpunkt auch eine Magenschleimhautentzündung ).
Ich hab mal eine Doku über Soldaten aus Afghanistan gesehen die mit PTBS wieder heimgekommen sind. Ich entdecke da so viel wieder. Ich bin extrem aufmerksam, wenn ich mal durch die Stadt gehe, sehe mir das ganze Umfeld genau an und was für Leute wo stehen, die mir gefährlich werden könnten. Ich bin quasi immer im fight or flight Modus. Ich dreh mich bei jedem Geräusch um oder schau zur Seite, einfach alles kommt bei mir an und ich denk immer " Hoffentlich passiert mir nichts, nur schnell vorbeilaufen und weg hier".
Ich schäme mich auch dafür das ich richtig rassistische Vorurteile entwickelt habe. Wenn ich einen oder mehrere schwarze seh, merk ich wie mein Puls hochgeht und ich Angst bekomme. Ich weis ja dass das irrationale Ängste sind aber sie sind da...

Daheim läufts auch nicht gut. Ich wohne ( leider ) immer noch bei meinen Eltern. Die streiten sich nur und ich denke, dass sie sich auch bald scheiden lassen ( ich bin 25 mir könnte das doch scheissegal sein ).
Ich kann schon seit Monaten nicht richtig schlafen, aber das macht ja nichts, wenn man keine Arbeit hat und wie schon oben steht hab ich mit meinem Magen Probleme. Bauchschmerzen und Übelkeit bis vor zwei Wochen fast jeden Tag, dann war ich beim Arzt und hab Medis bekommen. Aber die werden das Grundproblem auch nicht lösen.

Meine einzige große Hoffnung ist noch, dass ich beim Zoll genommen werde und dann knappe 400km weg von hier bin. Vielleicht klappt es ja ganz von vorne anzufangen mit neuen Freunden, einer Arbeit die mir Spaß macht und nicht mehr dieses deprimierende "zuhause" und Umfeld.

Ich wollte mir das einfach nur mal von der Seele schreiben, weil ich echt niemanden wüsste, mit dem ich darüber reden könnte. Ich glaube es gibt auch keinen.

Das mit dem zum Arzt gehen ist jetzt denke ich eh gegessen. Ich weiß, dass ich depris hab, wenn die vom Zoll das rausfinden war es das und dann steh ich mit nichts da. Ich hab ja immer noch ein wenig die naive Hoffnung, dass eine kleine Fee kommt und ich alle Probleme und Sorgen los bin :) Hoffentlich ist diese kleine Fee der neue Wohnort und die neue Arbeit bzw. das Studium.

Danke das ihr euch die Zeit genommen habt
David.
 
S

Seefahrer77

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Hi David,

Psychiater und Gesprächstherapie lautet mein Rat an dich. Bei ist zuviel zusammengekommen als dass du es allein bewältigen kannst.

Ratsam ist auch dein Leben mal umzustellen. Erstmal genügend Schlaf bekommen und dementsprechend früh zu Bett gehen. Dafür am nächsten Morgen früh raus. Der Mensch braucht Licht, auch wegen der Psyche.
 

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