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Total überlastet, aber keine neuen Einstellungen geplant

G

Gast1708

Gast
Hallo Hilferuf,

ich kann mittlerweile nicht mehr. Ich arbeite in einem mittelständischen Unternehmen. Der Bereich, in dem ich arbeite, wird aktuell nur von einer Person betrieben - nämlich von mir selbst. Im Unternehmen gibt es niemanden, der meine Ausbildung hat und so meinen Posten unterstützen könnte.

Nun ist es so, dass ich langsam total überlastet bin mit allem. Ich bekomme von allen Seiten Aufträge, jeder möchte der wichtigste sein. Wir haben ein Großprojekt, das ich allein bewältige und das neben allen anderen Kleinaufträgen her läuft. Nun habe ich einen Projektplan für das Großprojekt entwickelt und eine Dauer X herausbekommen. Ich hatte gehofft, dass man dadurch sieht, wie lange das Projekt noch dauern würde, wenn die Situation so bleibt, wie sie ist.

Nun habe ich dieses Projekt und mein Vorgehen vorgestellt und dann natürlich den Dämpfer erhalten. Ich müsste mehr Zahlen liefern, quasi denen "da oben" deutlich machen, welchen Vorteil sie aus einer Neueinstellung ziehen würden. Nur, ich bin gerade aus dem Studium raus und habe keinerlei Erfahrungen. Mein Chef ist die totale Nulpe und kümmert sich NULL! Ich steh also auf verlassenem Posten und muss für mich selbst kämpfen. Doch das schaffe ich nicht mehr. Seit fast zwei Jahren rede ich mir den Mund fusselig und hoffe auf ein bisschen gesunden Menschenverstand. Denn es ist wirklich kein Hexenwerk zu verstehen, was ich meine. Das hat sogar meine Nichte geschafft, die gerade mal in der Mittelstufe ist.

Wie gesagt, aufgrund meiner fehlenden Erfahrung kann ich Aufgaben nur schwer bis gar nicht abschätzen. Und bei uns ist es so Mentalität, wenn man 2 Wochen schätzt, wird man darauf festgenagelt. Obwohl man vorher gesagt hat, dass das keine Sicherheit ist.
Was kann ich noch tun? Ich dachte, dass so ein Projektplan vielleicht irgendwie was bewirken könnte... Aber leider Fehlanzeige. Meine Kollegin meinte auch schon zu mir, dass das eigentlich gar nicht meine Aufgabe sei, sondern die von meinem Chef. Aber, naja, der macht ja nix. Sitzt dick und fett in seinem Büro und kümmert sich mehr um Dinge, die eigentlich gar nicht seine Aufgaben wären. Nur das, was er eigentlich tun sollte, tut er nicht.

Ich weiß da einfach nicht mehr weiter.

Hat jemand von euch einen Rat, wie ich nun vorgehen könnte?

LG
Gast1708
 

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bird on the wire

Aktives Mitglied
Dein Chef wird etwas tun, nämlich genau dann, wenn er Druck von oben bekommt oder es aus anderen Gründen unbequem für ihn wird.

Wenn Du aber unten alles wegschaufelst, obwohl das gar nicht mehr geht, dann haben alle den Eindruck, prima läuft doch. Und du bekommst noch mal was drauf, weil Du ja offensichtlich noch kannst.

Hör sofort auf Überstunden zu machen, falls Du welche machst. Geh pünktlich nachhause. Wenn Du bestimmte Arbeiten nicht schaffst, dann schreibst Du Deinem Chef eine kurze mail und informierst ihn darüber.

Arbeiten, die auf seine Chefebene gehören, machst Du schon mal gar nicht.

Wenn sich Rückstände aufbauen, kurze Überlastungsanzeige fertigen.

Kundebeschwerden direkt an den Chef weiterleiten.

Schau aber bitte auch, inwieweit Dein eigenes Arbeitsverhalten und Deine Arbeitsorganisation zu der Überlastung beiträgt. Zur Not fordere eine Weiterbildung zu Zeitmanagement o.ä. an.

Regelmäßig in kurzen Abständen das Gespräch mit dem Chef suchen. Mit ihm gemeinsam überlegen, wie die Situation verbessert werden kann. Gesprächsergebnisse mit ihm immer schriftlich festhalten und regemäßig bei ihm nach dem Stand der Umsetzung nachhaken.

Das was Du machst, ist ein typischer Anfängerfehler. "Die müssen das doch sehen", "ich hab doch schon mal was gesagt"... Nein, eine Reaktion stellt sich erst ein, wenn es unbequem und schmerzhaft wird.

Wer vertritt Dich denn, wenn Du mal länger wegen Krankheit ausfällst?

Wer gibt Dir eigentlich die ganzen Aufträge, die neben Deinem Großprojekt reinkommen? Wenn es interne Aufträge sind also aus anderen Abteilungen, dann freundlich aber bestimmt ablehnen und an den Chef verweisen. Solche Chefs können dem Druck dann meist nicht lange standhalten. Das ist dann der Moment, wo Du entweder vorschlägst, das Großprojekt jemand anderem zu übertragen oder komplett auf Eis zu legen bis zu einer Neueinstellung oder aber jemanden für die Kleinaufträge zusätzlich einzusetzen.

Man muß mal was vor die Wand fahren lassen, um die Dringlichkeit der Unterstützung klarzumachen. Kein Chef der Welt, wird Dir glauben, daß es so nicht mehr weitergeht, wenn Du weiterhin alles allein bewältigst.

Außerdem würde ich mal schauen, ob es andere interessante jobs für Dich gibt mit besseren Arbeitsbedingungen. Augen aufhalten!
 
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G

Gast1708

Gast
Hallo Bird on the wire,

danke für deine Antwort.

Ja, du hast Recht, ich denke wirklich: Haben die denn keinen gesunden Menschenverstand?Man muss doch sehen, dass hier nichts voran kommt! Aber offensichtlich tun sie es nicht. Weiß der Geier, warum.

Eine Vertretung habe ich nicht. Wie gesagt: Ich bin die einzige. Wenn ich mal krank werden würde, keine Ahnung, was dann passiert. Ich bin ja sogar kurz davor, mich krankschrieben zu lassen, weil ich nicht mehr kann. Ich wache morgens auf und kann mich kaum aus dem Bett aufraffen. Ich esse kaum noch, schlafe schlecht und werde immer häufiger von einem Tinnitus und Schwindelattacken heimgesucht.

Natürlich muss ich auch meine eigene Arbeitseinstellung reflektieren. Aber es ist bei mir soweit, dass ich den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe. Weißt du, ich fühle mich wie ein Messi in seinem Chaos. Jemand, der einfach nicht mehr weiß, wo er noch anpacken müsste.

Die Aufträge kommen im Prinzip von allen, die irgendwie Kundenkontakt haben: Vertrieb, Kundenservice, Produktmanagement. Und alles sind natürlich wichtige Aufträge, die bearbeitet werden müssen.

Ich seh es auch gar nicht ein, die Aufgaben meines Cheffes zu übernehmen, nur befürchte ich, dass ich nicht drumrumkomme, wenn sich etwas ändern soll.

Weißt du, ich habe sehr hohe Ansprüche an mich und meine Arbeit. Vielleicht manchmal etwas zu hoch. Aber ich sehe auch die Verantwortung, die wir gegenüber unseren Kunden haben. Dann heißt es: Sag uns, was du brauchst. Du bist die Expertin, du hast das Know How.
Aber wenn ich dann sage, was ich brauche, dann werden mir Steine in den Weg gelegt und ich werde abgewimmelt. Ich bin es einfach so sehr leid zu kämpfen... :(
 

bird on the wire

Aktives Mitglied
Ja, so ähnlich habe ich mir das schon gedacht.

Ist es für Dich unerträglich, etwas abzulehnen, nicht zu machen, Dich zu verweigern?

Kennst Du die "innerern Antreiber"? Google mal. Es gibt einige Glaubenssätze, die wir sehr früh in uns aufgenommen haben und die uns speziell im Arbeitsleben antreiben. die treiben uns weit über unsere Grenzen. Wir sind so gefangen darin, daß wir nicht mehr zur Seite treten können und sehen können, daß wir diese inneren Antreiber gar nicht befriedigen müssen.

Du mußt nicht all das machen. Du mußt nichts perfekt machen.

Du schuldest Deinem Arbeitgeber kein perfektes Arbeitsergebnis und Einsatz weit über 100 %. Du bekommst auch kein Gehalt weit über 100 % nehme ich an. Du schuldest Deinem Arbeitgeber eine durchschnittlliche Arbeitsleistung. Schau Dir Deine Kollegen an, die in etwa auf Deiner Gehalts- und Hierarchiestufe sind. Liegst Du mit Deiner Arbeitsleistung und -einstellung über oder unter dem Durchschnitt? Wenn Du merkst, daß Deine Grenzen überschritten sind, dann setz Dir zum Ziel, den Durchschnitt zu erreichen. Dazu wirst Du Arbeitsleistung und -einstellung wahrscheinlich etwas zurückschrauben müssen.

Du wirst ausgenutzt. Und Du läßt das zu. Du entwickelst sogar noch das Verantwortungsgefühl darüber nachzudenken, was passiert, wenn Du mal krank wirst. Das iost nicht Deine Verantwortung. Das ist die Verantwortung der nächsthöheren Ebene.

Ich kann das so gut nachvollziehen, weil ich genauso mal war. Ich bin komplett zusammengebrochen, bekam Panikattacken und Angst Fehler zu machen. Ich bin allerdings inzwischen deutlich älter als Du, längst keine Anfängerin mehr, habe eine Menge Lebens- und Berufserfahrung und das gibt mir die Gelassenheit in solchen Situationen auch aushalten zu können, daß Aufträge eben nicht erledigt werden. D.h. nicht von mir erledigt werden, denn wenn ich mich konsequent genug weigere, weil es eben nicht leistbar ist ohne meine Gesundheit zu gefährden und meine Fehlerquote zu erhöhen, dann werden andere Läsungsmöglichkeiten gefunden. Entweder ist der Auftrag dann doch nicht so wichtig und bleibt tatsächlich unerledigt oder es gibt personelle Verstärkung oder organisatorische Veränderung oder der Auftrag wird nach außen vergeben.

Wichtig ist eine Dokumentation der Anforderungen, die an Dich gestellt werden. Mit den entsprechenden Zeitanteilen für die Erledigung. Mehr als 100 % kannst Du nicht leisten. Du mußt das Wort "nein" lernen. Das gehört übrigens zu Deinen Pflichten als ordentlicher Arbeitnehmer, daß Du Dich verweigerst, wenn sonst in anderen Bereichen Fehler drohen oder Deine Gesundheit leidet. Es gehört zu den Pflichten eines Arbeitnehmers, seine Arbeitskraft zu erhalten.

Schau Dich bei Euch im Betrieb um. Such dir einen berufs- und lebenserfahrenen Menschen, der auch in so einer Einzelkämpferposition ist wie Du, aber es offenbar ganz gut hinbekommt. Und versuch herauszubekommen, was dieser Mensch anders macht als Du. Versuch Dir was abzugucken.

Und vor allem verzweifel nicht, wenn was schief geht. Wenn Du Deine Belastung ordentlich dokumentiert hast, dann kannst Du nachweisen, daß die Ursache für Deine Fehler eine Ebene höher liegt. Wichtig ist nur, daß Du der Ebene höher überhaupt die Chance gibst, zu reagieren. Du mußt immer wieder den Ball dorthin zurückspielen. Immer wieder informieren (schriftlich) und klarmachen, daß diese Ebene etwas unternehmen und organisieren muß. Es ist nicht Deine Aufgabe, das Versagen der höheren Ebene durch besonderen Einsatz auszubügeln. Denk daran: Eine durchschnittliche Arbeitsleistung!
 

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