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Suizid als dauerhafte Lebensperspektive. Erfahrungen? Rat?

M

mogwai

Gast
Ich will einfach schon so lange gehen, seit vielen Jahren schon. Aber ich darf nicht, meiner Familie wegen. Ich lebe eigentlich nur für sie, habe nichts, was mir persönlich langfristig gesehen als ertrebenswerter als das Nichts erscheint. Leben wie durch Watte, mit einem konstanten Loch im Bauch.
Ich weiß oft gar nicht mehr, wie ich das aushalten soll, mit diesem Druck von innen, es zu beenden, und dem von außen, zu bleiben. In Momenten wie diesen fühlt es sich unerträglich an, ich spüre richtig wie es in mir drängt.

Ich habe schon eine Therapie abgeschlossen, weiß, das Glücklichsein weitestgehend eine Entscheidung ist, kann es meistens auch umsetzen. Manchmal bin ich sogar zufrieden.
Und doch ist für mich immer noch klar, dass ich mich irgendwann umbringe, selbst in den Phasen, in denen ich kaum depressiv bin. All meine Zukunftsaussichten münden in diesen einen Gedanken. Es ist, als wäre der Selbstmord mittlerweile ein Teil von mir. Leben fühlt sich einfach falsch an. Wie eine Maske, die ich anderen zuliebe aufsetze.

Kennt ihr das? Wie geht ihr damit um, mit der Zeit, die ihr noch absitzen müsst? Habt ihr vielleicht doch noch einen eigenen Sinn fürs Leben entwickeln können? Oder andere Auswege gefunden?
 

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Werner

Sehr aktives Mitglied
Ich lebe eigentlich nur für sie, habe nichts, was mir persönlich langfristig gesehen als ertrebenswerter als das Nichts erscheint. (...)
Ich habe schon eine Therapie abgeschlossen, weiß, das Glücklichsein weitestgehend eine Entscheidung ist, kann es meistens auch umsetzen. Manchmal bin ich sogar zufrieden.
(...)
Habt ihr vielleicht doch noch einen eigenen Sinn fürs Leben entwickeln können? Oder andere Auswege gefunden?
Hallo mogwai,
da sich mein Vater (1978) und mein Bruder (1989)
das Leben genommen haben, begleitet mich diese
Thematik seitdem und klar kenne ich Momente, in
denen ich denke, vielleicht ist das auch eine Option;
das ist einfach menschlich denke ich und auch okay,
weil jeder eine Grenze der Leidensfähigkeit hat, an
der der selbstgewählte Tod eine Alternative darstellt.

Wenn deine Familie der starke Grund ist, weiter zu
leben (trotz der Beschwerlichkeit), klingt das nach
einem "guten Grund". Und sicher ein besserer als
Geld oder Karriere. Was mir persönlich noch "Sinn"
gibt ist, dass ich mich entschlossen habe, meinem
Leben selbst einen Sinn zu geben (das liegt ja in
meiner Entscheidung, ebenso wie die Entscheidung,
mich über Dinge zu freuen - "glücklich zu sein" ist
für mich keine Entscheidung, sondern eine Folge
von anderen Entscheidungen - trotzdem gibt es
Umstände oder Zustände, die auch objektiv kaum
dazu taugen, "glücklich" zu sein. Mein Vater und
mein Bruder z.B. hatten so starke körperliche und
mentale Beschwerden, dass sie im Angesicht der
ärztlichen Hilflosigkeit lieber den Tod wählten als
weiter zu leiden*.

Interessant finde ich, dass du "manchmal sogar
zufrieden" bist. Da wäre es spannend, mal zu be-
obachten, was da anders ist oder was du da anders
machst als in den dunklen Zeiten. Vielleicht gibt es
da einen "Schalter", also ein Verhaltens- oder Denk-
muster, das du öfters und willentlich anwenden
kannst?

Gruß, Werner

* die Ärzte hatten nicht erkannt, dass beide (auch)
an Zinkmangel, vielleicht auch Lithiummangel litten;
da haben natürlich alle anderen Therapien und Medi-
kamente nichts geholfen - ein bisschen Zink und
Lithium hätten hingegen den Unterschied bewirkt.
Ich habe diese Zusammenhänge bzw. die konkreten
Tipps im Buch "Ängste, Depressionen und Suizid-
gedanken müssen oft nicht sein" aufgeschrieben -
wenn du mir deine E-Mail-Adresse schickst, kann ich
dir eine PDF-Version davon kostenlos zukommen
lassen.
 
P

Püppi83

Gast
@mogwai

Auch du hast ein Recht auf ein eigenes Leben. Vielleicht schaust du mal für dich, welche Dinge außer deine Familie dein Leben auf dieser Welt lohnenswert machen. Vielleicht eine eigene Familie, ein Kind, ein Hobby...egal was, irgendetwas muss es doch geben.
 
D

Dr. Rock

Gast
Ich will einfach schon so lange gehen, seit vielen Jahren schon. Aber ich darf nicht, meiner Familie wegen. Ich lebe eigentlich nur für sie, habe nichts, was mir persönlich langfristig gesehen als ertrebenswerter als das Nichts erscheint. Leben wie durch Watte, mit einem konstanten Loch im Bauch.
Ich weiß oft gar nicht mehr, wie ich das aushalten soll, mit diesem Druck von innen, es zu beenden, und dem von außen, zu bleiben. In Momenten wie diesen fühlt es sich unerträglich an, ich spüre richtig wie es in mir drängt.

Ich habe schon eine Therapie abgeschlossen, weiß, das Glücklichsein weitestgehend eine Entscheidung ist, kann es meistens auch umsetzen. Manchmal bin ich sogar zufrieden.
Und doch ist für mich immer noch klar, dass ich mich irgendwann umbringe, selbst in den Phasen, in denen ich kaum depressiv bin. All meine Zukunftsaussichten münden in diesen einen Gedanken. Es ist, als wäre der Selbstmord mittlerweile ein Teil von mir. Leben fühlt sich einfach falsch an. Wie eine Maske, die ich anderen zuliebe aufsetze.

Kennt ihr das? Wie geht ihr damit um, mit der Zeit, die ihr noch absitzen müsst? Habt ihr vielleicht doch noch einen eigenen Sinn fürs Leben entwickeln können? Oder andere Auswege gefunden?
Ein Onkel hat vor zig Jahren Selbstmord begangen und ich selbst bin Überlebender, ich empfinde daher meine Lebenszeit nicht als etwas, was ich absitzen muss sondern als etwas was mir - mehr oder weniger - glücklicherweise zur freien Verfügung steht.

So wie sich mein Leben entwickelt hat, kann ich deine Sicht und deine Wahrnehmung von Leben und Selbstmord heute nicht mehr nachempfinden, früher dagegen schon.

Selbstmord wäre heute für mich etwas, was mich weich fallen lässt wenn sich meine Lebenssituation und mein Zustand so verschlechtern würden dass ich nicht mehr leben sondern nur noch vegetieren bzw. dahinsiechen würde, so sehe ich das zumindest heute.

Vielleicht findest auch du etwas, wofür es sich zu leben lohnt, etwas was nur dir gehört und was nur für dich da ist, was dich aufrecht hält...und was dich dazu bewegt, Selbstmord als etwas ganz weit entferntes anzusehen, als aller Letzte Notlösung - aber nicht als etwas was dein Fühlen und Denken bestimmt und dein Leben dominiert?
 

Burbacher

Aktives Mitglied
mogwai,

Du schreibst: "Ich habe schon eine Therapie abgeschlossen, weiß, das Glücklichsein weitestgehend eine Entscheidung ist, kann es meistens auch umsetzen. Manchmal bin ich sogar zufrieden."

Diese Einsicht kann ich gut nachvollziehen und bestätigen. Solche Empfindungen haben mich in depressiven Episoden oft aufrecht gehalten. Sie gaben mir die Gewissheit, im Fall der Fälle eben doch nicht so ganz ohnmächtig zu sein.

Unser Leben besteht nur selten aus dem ganz großen Glück, einem dauerhaft tiefen Glücklich-Sein, sondern aus vielen kleinen Momenten, die uns innerlich aufhellen und uns eine (wenn auch manchmal nur kleine) Tür auf den Zustand öffnen, den wir uns im Großen und Ganzen wünschen.

Wie bei depressiven Menschen manchmal nur ein oft unwesentliches Ereignis (ein ausgebliebener Anruf eines Menschen, der uns wichtig ist, eine von uns missverstandene Bemerkung eines Menschen in unserer Umgebung)die Initialzündung zur letzten Entscheidung sein kann, zu gehen, so helfen uns andererseits eben kleine Lichtblicke, unseren Blick in eine andere Richtung zu wenden.

Und in gewisser Weise und in einem nicht unerheblichen Maße haben die meisten von uns diese Möglichkeit.
Ich nenne dir eine typische Reaktion von mir aus früheren Jahren:

War ich depressiv, dann bin ich häufiger um die Häuser gezogen, habe mir die Birne zugeknallt, um nach Stunden völlig frustriert, tief depressiv und voller Schuldgefühle wieder zu landen.
Ich hatte meinem inneren Elend noch ein weiteres hinzugefügt.

Heute reagiere ich völlig anders. Merke ich, dass meine Stimmung kippt, dass ich mich auf Negatives, für mich Ungutes fixiere, entscheide ich mich bewusst, meinen Blick zu wenden. Ich lenke mich ab, mache Dinge, die mir Spaß machen, gehe unter Menschen.

Und das funktioniert. Ich wünsche dir viele solcher kleiner Momente, solcher Lichtblicke, die, das ist meine Erfahrung, langsam, aber durchaus wirksam deinen Blick auf dein komplettes Leben aufhellen können.

Das wünsche ich dir.

Burbacher
 
G

Gast

Gast
hallo. der text könnte von mir sein. ich habe einen riesen fehler gemacht und weiß dass mein leben nicht so verlaufen wird wie es eigentlich geplant war. seit dem bin ich innerlich nur noch unruhig und erhalte keine neue energie mehr die mich auftreibt. weder im essen, im sport noch sonst irgendetwas fühlt sich noch lebendig an - alles ist leer. und so wird es auch bleiben. über die jahre wird dies mir eh die energie vom körper abziehen und ich werde mehr und mehr zerfallen. von daher wäre ne abkürzung eigentlich nicht schlecht....
 
M

mogwai

Gast
ich habe viel überlegt, warum ich nicht mal stärker versuche,mein leben in die hand zu nehmen. ich denke, ich habe das leben irgendwie schon aufgegeben. vielleicht will ich gar keine pläne mehr fürs leben machen, weil ich mich schon für den tod entschieden habe. weil ich einfach nicht mehr weiß, wofür ich meine entscheidung ernsthaft noch ändern soll.
 

Werner

Sehr aktives Mitglied
weil ich einfach nicht mehr weiß, wofür ich meine entscheidung ernsthaft noch ändern soll.
Vielleicht für die Suche nach einem* "guten Grund",
um dein Leben bis zu deinem natürlichen Tod noch
weiterzuleben?

Ein Freund von mir ist z.B. vor ein paar Tagen ein-
fach so ins Koma gefallen - mitten aus dem Leben.
Eine seltene Nervenkrankheit, sagen die Ärzte. Du
bist noch am Leben und die Welt ist voller Aufgaben
die du angehen und voller Menschen, denen du bei-
stehen oder die du lieben kannst. Und wenn es nicht
die Menschen sind, engagiere dich für Tiere oder die
Pflanzen.

Die Welt ist voll von Schönem (trotz des vielen Bösen
und Hässlichen), das zu entdecken sich vielleicht doch
lohnt - etwas Besseres als den Tod findest du überall,
so zumindest steht es im Märchen ...

Gute Gedanken wünscht dir
Werner

* oder mehreren (es gibt ja enorm viele Gründe,
warum es sich lohnt oder Freude macht, lebendig
und nicht tot zu sein - auch wenn du gerade keinen
siehst, heißt es ja nicht, dass es nicht mindestens
einen auch für dich in deiner Situation gibt).
 
K

Kleines Seelchen

Gast
Ich finde ehrlich gesagt, dass suizid nichts schlimmes ist und auch nicht als negativ hingestellt werden sollte.

Ich renne seit Jahren einen menschlichen Bedürfniss hinterher und kann dies nicht erreichen.

Dir quälende Frage, wie setzt man dem Leben ein Ende? Ich wäre dafür, dass man einfach zum Psychiater gehen kann und die sich da noreturn Pille abholen kann.
 

PsychoSeele

Urgestein
Huhu,

Suizid ist immerhin ein Ausweg,wenn gar nichts mehr geht.Das spendet mir sogar oft Trost, klingt komisch,ist aber tatsächlich so.. Ich finde es nicht verwerflich.
Trotzdem sollte man versuchen seine Probleme zu lösen,ggf mit professioneller Hilfe, Chancen zu nutzen,die es gibt.

Liebe Grüße
SchwarzeSeele
 

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