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Studium, Therapie, Geld..

Desire87

Neues Mitglied
Liebe Leute,
Ich bin neu hier und dies ist mein erster Beitrag. Ich habe ein bisschen gestöbert und dachte mir, dass es auch mal hilfreich sein könnte, um direkte Reaktionen auf mein eigenes Problem zu bekommen, anstatt nach Beiträgen von anderen zu suchen, die eventuell in einer ähnlichen Situation stecken.

Ich bin 24 und wohne in den Niederlanden, in Leeuwarden um genau zu sein. Ich hatte eine sehr schwierige Jugend und wollte nach dem Abi einfach nur weg von zu hause. Zwischen Abi und Studium habe ich ein freiwilliges ökologisches Jahr gemacht, welches mir sehr gut getan und gefallen hat. Eigentlich wusste ich absolut nicht was ich anschließend mit meinem Leben machen sollte, ich wusste nur, dass ich auf jeden Fall studieren werde.. denn das macht man eben so, wenn man Abitur hat.
Ich habe das ganze Internet durchforstet, wochen- oder monatelang, um ein passendes Studium zu finden. Dabei hab ich viel in Erwägung gezogen, aber was ich eigentlich immer wollte war „etwas mit Tieren“ oder „etwas mit Kunst“. Das sind meine großen Interessensgebiete. Ich habe früher viel gemalt und gezeichnet, es hat mir Spaß gemacht und ich denke, dass irgendwo ein kreatives Talent in mir schlummert. Genauso war ich immer begeistert von Tieren, wollte als Kind eigentlich immer Tierärztin werden (später definitiv nicht mehr). Ich entschied mich für die Tierrichtung, weil ich immer mehr das Gefühl bekam, dass ich etwas Gutes tun will mit meiner Arbeit, Tieren helfen. In Deutschland ist das Studienangebot was diese Richtung angeht doch sehr beschränkt, darum bin ich in die Niederlande gegangen um Tiermanagement zu studieren. Mir war und ist bewusst, dass das kein bekannter Studiengang ist und dass ich damit sicher nicht reich werde. Mir geht es aber hauptsächlich darum, dass ich mit meinem Beruf glücklich bin, Geld ist zweitrangig.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ich bin jetzt eigentlich im vierten (und damit letzten) Jahr des Bachelorstudienganges. Eigentlich. Denn zur Zeit nehme ich eine Pause vom Studium und befinde mich in einer Gruppentherapie, die noch 6 Monate dauern wird. Es wurde für mich immer schwieriger dem Studium zu folgen, aufgrund psychischer Probleme und aufgrund des viel zu hohen Managementanteils. Die Vorlesungen wurden zur Qual, von Konzentration konnte keine Rede mehr sein. Und dann noch der Druck, den ich mir selber gemacht habe, dass ich mich anstrengen MUSS, um das Studium zu schaffen, da ich ansonsten gar nichts habe.
Ich bin zu naiv und mit falschen Vorstellungen an das Studium rangegangen und ich hab mir nicht eine Sekunde erlaubt überhaupt den Gedanken zu hegen, dass studieren vielleicht doch einfach nichts für mich ist und dass ich einfach das falsche Studium gewählt habe. Für mich galt auch immer der Satz „Was ich angefangen habe, muss ich auch beenden.“. Jetzt frage ich mich plötzlich.. warum eigentlich? Warum MUSS ich ein Studium beenden, dass mich unglücklich macht und bei dem ich absolut nicht das Gefühl habe, dass ich danach bereit bin einen Job in dem Bereich zu suchen?

Seit ein paar Tagen denke ich darüber nach und wenn ich meinem Bauchgefühl folge, muss ich das Studium abbrechen und nach der Therapie etwas neues beginnen. Ich habe Lust zu arbeiten und dabei einen Beruf zu lernen, gut zu werden in etwas, etwas mit meinen Händen zu machen, kreativ zu sein. Was völlig anderes also. Ich hab es satt die ganze Theorie lernen zu müssen und keine Resultate zu sehen, außer ein Blatt Papier, auf dem eine dämliche Note steht. Ich will ein Fach lernen und wirklich etwas können, ich will kein Manager sein, sondern wirklich etwas tun.

Ja, und nun? Das größte Problem dabei ist Geld. Viele Studenten werden ordentlich von den Eltern unterstützt, damit sie ihr Leben finanzieren und studieren können. Ich nicht. Ich bin völlig abhängig vom deutschen Auslands-Bafög. Seit September mache ich schon die Pause, bin aber die ganze Zeit immatrikuliert, da ich ansonsten kein Bafög mehr bekomme und dann weder Nahrung, noch mein Dach überm Kopf bezahlen kann. Ich bin seit vielen Monaten auf der Suche nach einem Job, was sich hier als äußerst schwierig bis unmöglich erweist. Außerdem bin ich im Moment psychisch nicht im Stande mein Leben aus eigener Kraft zu finanzieren. Das bedeutet auch, dass ich Studiengebühren von fast 2000 Euro pro Jahr monatlich abstottern muss, was mir auch nicht mehr gelingt. Aber exmatrikulieren bedeutet 0 Euro mehr zu haben.

Ich weiß, hier kann mir sehr wahrscheinlich niemand helfen mit dem niederländischen System. Aber es geht auch mehr um den Konflikt: etwas suchen womit man glücklich ist, aber keine Ahnung haben wie man es finanzieren soll, oder weitermachen mit dem was einen unglücklich macht und wofür man null Motivation mehr hat, aber dafür wenig Sorgen um die Finanzierung machen müssen. Und dann müsste ich auch noch etwas finden was ich gerne machen will.

Es ist wirklich schwierig. Ich habe niemanden in meiner Familie mit Geld, der mich unterstützen oder auffangen könnte. Ich lebe eigentlich immer mit der Angst, dass ich am Ende keine abgeschlossene Ausbildung habe, auch kein Bafög mehr bekomme (dafür aber all die Schulden vom Bafög, die ich dann zurückbezahlen darf) und auf der Straße lande, weil ich meine Miete nicht mehr bezahlen kann. Ich mein, wer bereitet einen denn auf sowas vor, woher soll man wissen wie man alles richtig macht und wie man sein Leben nicht ruiniert? Meine Eltern haben mich auf sowas nicht vorbereitet und der Rest der Gesellschaft auch nicht. Das einzige, was ich gelernt hab, ist, dass es schlecht ist, um ein Studium oder eine Ausbildung abzubrechen. Dass es schlecht ist, nicht zu wissen was man wirklich will. Dass man als Abiturient und intelligenter Mensch nicht mit den Händen arbeitet, sondern studieren geht (egal, ob es einem liegt oder nicht). Und dass psychische Probleme weniger schnell als Grund für eine Pause von Arbeit oder Studium gesehen werden, als ein gebrochenes Bein.

Mein Beitrag ist weniger eine Frage, eher ein Ausdruck meiner Verzweiflung . Ich hätte einfach gerne Meinungen dazu. Oder vielleicht ähnliche Geschichten. Tips. Anregungen. Alles was euch einfällt.. ich würde mich freuen!
 

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kaia

Mitglied
Hallo,

schwierige Situation...
Da ich mich mit dem Bafög nicht auskenne - wie sind die Rückzahlbedingungen, wenn du das Studium abbrichst? musst du dann direkt mit der Rückzahlung beginnen? Oder wenn du entsprechend verdienst? In welcher Größenordnung wird die Gesamtsumme sein?
Und wie ist das mit den Studiengebühren, entfallen die sofort, wenn du dich exmatrikulierst, oder laufen die das ganze restliche Semester weiter?

Würdest du denn gerne wieder nach Deutschland oder im Ausland bleiben?

Wenn die Schulden überschaubar sind, und du vor allem die Möglichkeit hast, mit der Rückzahlung in ein paar Jahren erst zu beginnen, und die Studiengebühren direkt ab Exmatrikulation, also auch mitten im Semester, entfallen, dann würde ich ernsthaft nach einer Alternative schauen, wenn dich das Studium nur unglücklich macht.

Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Ich habe zwar im Grunde mein Studium nicht gehasst, aber ich habe es wegen der psychischen Probleme nicht mehr auf die Reihe bekommen. Nach einem Klinikaufenthalt, in dem das auch thematisiert wurde, habe ich das Studium abgebrochen und eine Ausbildung begonnen und die auch erfolgreich abschließen können.
Bei uns gab es damals eine Studienberatung für Studienabbrecher (vom Arbeitsamt), und da hatte ich eine echt gute Sachbearbeiterin erwischt, die mit mir zusammen meine Stärken und Schwächen und Interessen durchgegangen ist und mit der zusammen ich dann einen neuen Beruf samt Ausbildungsplatz für mich gefunden habe.

Vielleicht gibt es sowas bei euch auch?
Oder wenn du wieder nach Deutschland möchtest, dann erkundige dich in deiner Wunschheimatstadt mal, ob es da so etwas gibt.
Wenn du grad ne Therapie machst (in Deutschland oder den Niederlanden?), dann gibt es da doch bestimmt auch Sozialarbeiter, die sind doch auch die richtigen Ansprechpartner für solche Situationen.

Aber wenn es finanziell schwierig ist, weil du als Studienabbrecher direkt mit der Rückzahlung beginnen müsstest, oder aber du die Studiengebühren noch weiter zahlen müsstest oder so, dann ist das natürlich noch ein ganz anderes Problem.
Ich hatte damals kein Bafög bekommen, hab während meines ersten Studiums Unterstützung meiner Eltern bekommen und nebenbei gejobbt. Dann in der Ausbildung habe ich vom Ausbildungsgehalt, einem Nebenjob und teilweise Berufsausbildungsbeihilfe gelebt. Ich weiß natürlich nicht, wie da die Gesetze heute sind (ist über 10 Jahre her), aber da war es zumindest so, dass man während der Ausbildung, wenn die Eltern einen nicht unterstützen können, soweit vom Staat unterstützt wird, um leben zu können.
Von daher sehe ich bei dir höchstens ein Problem, was deine Schulden angeht, weniger in der Finanzierung deiner neuen Ausbildung (wenn in Deutschland). naja, und die Schulden hättest du ja auch, wenn du das Studium abschließen würdest, nur würdest du da etwas früher mit der Rückzahlung beginnen können.
 

moonlife

Aktives Mitglied
Hey Desire87,

tatsächlich weiß ich zum niederländischen Bildungssystem und dessen Finanziereung wenig zu sagen.
Aber ich kann dir kurz die Geschichte einer Freundin erzählen:
Nach dem Abi war sie erst mal Flugbegleiterin. Nach einiger Zeit begann sie eine teilstationäre Therapie wegen psychischer Probleme. Im Anschluss begann sie studieren, teils/teils erfolgreich. Z.B. hatte sie ein Stipendium für besonders begabte Studenten. Auf der anderen Seite war sie in diesem Studium an die zehn Jahre. Wegen diverser Probleme pausierte/verlängerte sie immer wieder. Letzlich hat sie es wegen einer Prüfung nie angeschlossen. Inzwischen ist sie Mitte dreißig und begann vor einem Jahr in einem völlig neuen Fachgebiet ein fernstudium.
Finanziert hat sie sich immer übers Bafög und verschiedene Jobs.
Zuerst dachte, mein Gott, diese EINE Prüfung soll sie jetzt doch noch machen, aber letztlich ist es ihr Weg, ihr Leben. Glücklich ist sie auch nicht immer, aber mit dem neuen Studium ist sie dennoch glücklicher als vorher.

Oder ich:
Ich hatte zwar recht schnell ein abgeschlossenes Studium, das aber nicht in Deutschland anerkannt war. Trotzdem arbeitete ich in diesem Bereich hier 8 Jahre lang, bis ich mit meinem Arbeitgeber Probleme bekam. da wurde mir klar, wie schwer es sein wird, mich weg zu bewerben. Deswegen begann ich mit 31 noch mal eine Ausbildung, die ich von 5 auf 3 Jahre verkürzen konnte. Diese drei Jahre waren echt hart, musste mich von Erspartem und Nebenjob finanzieren. Aber ich wollte das Ding unbedingt haben, das war meine Motivation, ein paar Kraftreserven locker zu machen.

Was ich damit sagen will, nicht alle Lebenswege verlaufen glatt und geradelinig und doch geht es dann irgendwie weiter.

Auch wenn ich jetzt keinen guten Ratschlag habe, bleib bei dir selbst. Und wenn das "bei dir selbst sein" bedeutet, dass das Studium nichts ist, dann lass es.

LG
moon
 

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