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Studium abbrechen oder fortsetzen

Odyssee

Neues Mitglied
Hallo zusammen,
weil diese Entscheidung sehr weitreichende Folgen hat, hoffe ich hier jemanden mit ähnlicher Geschichte zu finden. Derzeit studiere ich Medizin im fünften Semester und bin 26 Jahre alt.

Schulzeit
Mein Abitur habe ich erst mit 23 beenden können, weil ich durch unzählige Krankenhausaufenthalte sehr viel Zeit verloren habe. Durchschnittsnote war 1.0 und hat daher direkt für Medizin gereicht. Langzeitschäden durch die Erkrankung kann man vernachlässigen.

Medizinstudium
Das Medizinstudium begann direkt schlecht, weil ich im ersten Semester wieder ins Krankenhaus musste. Das erste Semester habe ich daher abgebrochen. Daraufhin folgte mein 1. Fachsemester, welches ich aufgrund einer stattfindenden ambulanten Rehamaßnahme auf das zweite und dritte Semester aufteilte. Prüfungen sofort und auch recht gut bestanden. Das vierte Semester sollte dann der Neuanfang sein, das war das letzte Wintersemester. Der größte Kurs wurde dank Corona abgesagt. Meine Motivation war sowieso bröckelig, weil ich das Onlinestudium extrem anstrengend finde. Habe dann bis auf einen Sitzschein keine Prüfungsleistung erbracht. Das fünfte Semester hat vor zwei Wochen begonnen. Die Motivation kehrt nicht zurück. Habe nur die Vorlesungen und die Pflichtseminare besucht. Ich höre von allen Seiten, dass es nach Corona sicher besser wird. Das kann gut sein, aber wann ist bitte nach Corona? Habe trotzdem versucht, trotz völligen Fehlens meiner Motivation den Stoff nachzubereiten, aber ich habe eine totale Blockade.

Gedankenkarussell
Mich belastet das Onlinestudium sehr. Fühle mich unmotiviert und kann meine Tagesstruktur nicht langfristig aufrecht erhalten. Mich belastet, dass ich durch meine gesundheitliche Vorgeschichte de facto meine Jugend verloren habe. Jetzt verliere ich meine Zwanziger durch ein Studium, das sehr zeitaufwändig ist und dank meiner fehlenden Tagesstruktur meine gesamte Zeit beansprucht. Mich belastet, dass das Studium völlig unstrukturiert ist und ich gefühlt erraten muss, was der Dozent von mir will, anstatt dass er es einfach klar sagt. Diese miserable Organisation der Uni geht mir insgesamt auf die Nerven, die kann man nicht mit "ist halt Erwachsenenbildung" gut reden, sie ist einfach schlecht. Jeder mit einem normalen Lebensverlauf hat seine Ausbildung respektive Studium fertig, arbeitet und hat danach frei. Die Grenzen sind bei mir nicht vorhanden. Medizin gibt mir mit seinen sehr guten Zukunftsaussichten, was den Job angeht, viel Sicherheit. Dabei frage ich mich aber, ob es das Wert ist auch den letzten Teil meiner jungen Jahre zu opfern. Mich beschäftigt, dass auch der Beruf fast meine gesamte Zeit einnehmen wird, weil ich weiß wie viel Ärzte arbeiten, egal ob in der Klinik oder der Praxis. Dauernd bekomme ich zu hören, dass es nach dem Physikum, nach der Klinik, nach dem PJ, nach dem Facharzt, in der eigenen Praxis [...] besser wird. Das glaube ich mittlerweile nicht mehr, ich glaube die meisten lügen sich was vor, außer sie arbeiten Teilzeit und machen kaum Dienste. Deshalb bin ich mir nicht sicher, ob ich das will. Eine weniger zeitaufwendige Ausbildung bzw. Studium, um meine Zwanziger nicht durch unendlichen Stress zu verlieren und auch später noch viel Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen. Das sehr hohe Gehalt ist mir nicht sonderlich wichtig, mein Bruder hat eine Ausbildung gemacht und das was er verdient würde mir auch mehr als reichen. Komme nicht aus wohlhabenden Verhältnissen. Gleichzeitig mache ich mir sorgen, dass ich alles später bereue. Mein Abitur fand ich sehr langweilig und einfach. Habe den Studien-/Ausbildungstest von der Arbeitsagentur gemacht, der in 1-2h Interessen, Berufswünsche und kognitive Fähigkeiten einschätzt. Danach wäre ich mit einer Ausbildung völlig unterfordert. Auch meine Freunde, die alle keine Ausbildung und die meisten auch kein Abitur haben, stecken in ihren Berufen fest. Sie stört das nicht. Ich aber mache mir sorgen, dass ich mit fehlenden Aufstiegsmöglichkeiten und Unterforderung wieder unglücklich werden könnte.


Der letzte Abschnitte ist sehr wirr, habe das einfach meine gesamten Gedanken der letzten Lockdown-Wochen niedergeschrieben.


Liebe Grüße,
Odyssee
 

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Blockhaus

Mitglied
Hallo lieber Odysee,
wie ist denn das Medizinstudium genau aufgebaut? Gibt es dort auch einen Punkt, an dem man möglicherweise "pausieren" kann? Zum Beispiel zwischen Bachelor und Master in anderen Studiengängen. Vielleicht wäre interessant zu wissen, was für dich wichtig ist? Ist es viel Geld? Ein sicherer Arbeitsplatz? Je nachdem würde ich eben entscheiden. Das Ärzteleben ist sicher anstrengend. Gleichzeitig stellt sich die Frage: Wie weit ist es noch, bis du fertig wärest? In Prozent? Je nachdem würde sich auch das Durchziehen lohnen.
Corona ist doof, aber ich würde trotzdem sagen, dass du deswegen nicht aufgeben solltest. Da wäre eine finanzielle Dürre schon eher ein Grund.

Es gibt auch Ausbildungen, die fordernd sein können. Selbst für Abiturienten. Ich denke da an den Fachinformatiker oder eben handwerklich fordernd, wie eben Schreiner oder Elektriker. Da müsstest du aber nach Neigungen wählen. Wichtig ist, dass du dir klar machst, was dir wichtig ist. Eine einfache Ausbildung erlaubt dir natürlich deine Jugend in Ansätzen nachzuholen. Zudem kannst du dich ja immer weiterbilden - auch mit 35. Nur wird das mit der Medizin dann schwieriger (aber nicht unmöglich!). Aber wenn dir das am Ziel wartende Berufsbild überhaupt nicht zusagt, warum dann verhaften?
 

Odyssee

Neues Mitglied
@Blockhaus Ich antworte gerne kurz und prägnant. :LOL:

1. Das Gehalt ist nebensächlich. Natürlich sollte es für ein gutes Leben reichen, ich will nicht wie bisher immer nachdenken müssen, ob ich etwas kaufen kann oder sollte. Teure Uhren, Kleidung usw. sind mir alle völlig egal, also alles was über ein solches Gehalt hinausgeht ist reiner Luxus.

2. Die Sicherheit ist mehr extrem wichtig. Mich hat die Schulzeit, in der ich nie wusste, ob ich jetzt fertig werde oder wieder im Krankenhaus lande, sehr geprägt. Mein Leben soll grundstabil sein.

3. Da ich erst die Inhalte des 1. Fachsemesters fertig habe, sind das 1/12 des Studiums (ca. 8%). Danach folgt die Facharztausbildung, die auch ca. 5-6 Jahre dauert. Für jeden nennenswerten Job ist die nötig, für die Arbeit als Facharzt natürlich sowieso.

4. Finanziell ist das Studium durch die Hilfe meiner Eltern möglich, was auch unangenehm ist.

Liebe Grüße
 

Blockhaus

Mitglied
@Blockhaus Ich antworte gerne kurz und prägnant. :LOL:

1. Das Gehalt ist nebensächlich. Natürlich sollte es für ein gutes Leben reichen, ich will nicht wie bisher immer nachdenken müssen, ob ich etwas kaufen kann oder sollte. Teure Uhren, Kleidung usw. sind mir alle völlig egal, also alles was über ein solches Gehalt hinausgeht ist reiner Luxus.

2. Die Sicherheit ist mehr extrem wichtig. Mich hat die Schulzeit, in der ich nie wusste, ob ich jetzt fertig werde oder wieder im Krankenhaus lande, sehr geprägt. Mein Leben soll grundstabil sein.

3. Da ich erst die Inhalte des 1. Fachsemesters fertig habe, sind das 1/12 des Studiums (ca. 8%). Danach folgt die Facharztausbildung, die auch ca. 5-6 Jahre dauert. Für jeden nennenswerten Job ist die nötig, für die Arbeit als Facharzt natürlich sowieso.
Ich habe Angst dir jetzt das Falsche zu raten. Jedoch würde ich dann mal sagen, dass es sich noch anbietet, vielleicht eine Ausbildung oder ein anderes Studium aufzunehmen. 8% ist (glücklicherweise vielleicht?) nicht so viel. Schlimmer wäre es bei 40%.
Aber bevor du die Zelte abbaust, wäre es ratsam konkrete alternative Berufe zu suchen. Welche Bereiche könntest du dir denn vorstellen? Egal ob Studium oder Ausbildung.

Auch mit einigen Ausbildungsberufen kann man gut leben. Erst recht, wenn man vielleicht ein gutes FH-Studium aufbauend absolviert. Z.B. Industriejobs, Handwerk, möglicherweise auch Büro (Finanzamt?), etc.. In Armut solltest du nicht landen :)
Wichtig nur: Du kannst es dir verzeihen mit Medizin (zumindest für einige Zeit) abzuschließen.
 

Rikachab

Aktives Mitglied
Man kann Urlaubssemester einlegen?
Tja das was ein Mensch will ändert sich alle paar Jahre.
Ich find echt gut dass du dein Studium solange durchziehst. Mein Respekt!
Was fehlt dir genau? Die Kommunikation und der Austausch in der Online Uni?

Ich kann nur sagen dass ich meine Uni Zeit manchmal schlecht und gut sehe. Die meisten waren nur oberflächliche Freunde und mit denen hat ich nur Kontakt weil ich sie gesehen hab in der Uni. Nach meinem Studienabbruch hätte ich zu niemanden Kontakt. Inzwischen hab ich reflektiert und eine Person ist aufjedenfall das Schreiben Wert. Aber alles andere war halt Oberflächlich und auch manchmal Konkurrenz mässig.
Deswegen weiss ich nicht was du genau für Erwartungen an die Uni hast.

Also wenn es mir schlecht geht, will alles über den Haufen werfen deswegen kann ich das nachvollziehen.

Mich wundert es dass du trotz deiner Krankenhausaufenthalte Arzt werden darfst. (Also ich mein rein rechtlich gesehen?) muss dafür nicht mental stabil sein?

Also ich würde dir Informatik/softwaretechnik für dich vorschlagen, weil man da AufjedenFall fast immer gefordert wird.

Gibt es aus nicht querbereiche für Ärzte wie Forschung an Medikamenten?
 
E

Entscheidungssafari

Gast
Hallo Odyssee,

In deinem Beitrag gibt es so viele Stellen, die mir bekannt vorkommen. Sowohl privat, als auch beruflich.

Ich habe Psychologie studiert und ähnliche Gedanken bzgl. des Studiums, der Psychotherapeutenausbildung, Praktika, eigener Praxis etc. gehabt. Bei dir scheint das Thema Motivation eine sehr große Rolle zu spielen und da finde ich es sowohl privat, als auch mit meinen Klienten in der Beratung immer hilfreich zu schauen, was
a) deine anfängliche Motivation war. Also was ist dein großes WARUM, das hinter deiner Entscheidung für das Medizinstudium stand, warum hast du dich für das Medizinstudium entschieden? Und sei da möglichst ganz ehrlich mit dir und höre nicht nach einer "weil..." Antwort auf, sondern bohr weiter! Wenn du dein WARUM kennst kannst du überprüfen, ob das Medizinstudium dein Warum überhaupt erfüllt, oder ob ein anderer Weg vielleicht passender wäre.

und was

b) eigentlich deine Werte und deine Vision für dein Leben sind. Also was ist dir wirklich wichtig und wo soll es in deinem Leben hingehen. Ist das Medizinstudium ein guter Weg, um deine Vision zu verwirklichen, oder gibt es einen anderen, passenderen Weg?

Du siehst, der Ansatzpunkt in meiner Arbeit und in meinem Privatleben ist ein bisschen ein anderer, ich finde es immer hilfreich, gedanklich einen grooooooßen Schritt zurück zu machen und den Blick wieder auf das große Ganze zu richten. Wenn du dich sehr auf das Problem konzentrierst, mit all seinen Einzelheiten und Verzwickungen und Gedankenspiralen und Sorgen läufst du Gefahr, dich irgendwann ganz hoffnungslos und handlungsunfähig zu fühlen. Und davon kann ich dir von Herzen nur abraten ;-)

Ich wünsche dir alles Gute für deine Entscheidung,
LG Svenja
 

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