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Soll ich zum Psychologen oder soll ich noch warten?

G

Gast

Gast
Hallo zusammen, vor etwa vier Monaten ist mein Vater unerwartet verstorben, wir hatten die letzten Jahre kein gutes Verhältnis. Ich war am Krankenhaus und habe sehr viel geweint, mit meiner Partnerin gesprochen und auch mit der Familie. Etwa zwei Wochen nach seinem Tod ging es los das ich mit Gedanken über meine Gesundheit machte, daraufhin war ich beim Arzt für einen rundumcheck, aber alles in Ordnung. Parallel fühlte ich mich oft benommen, ein ganz komisches Gefühl so als würde ich total "neben mir stehen" manchmal dachte ich meine Hände gehören nicht zu meinen Körper obwohl ich sie problemlos bewegen konnte. Meine ganze Wahrnehmung hat sich verändert, nach einigen Wochen wurde das Gefühl wieder besser, aber weg ist es nicht und teilweise sogar wieder so schlimm wie anfangs. Ich kann zur arbeiten gehen, mich mit Freunden treffen usw. aber meine Gedanken, mein Körperbewustsein und meine Unbeschwertheit ist seit Monaten nicht mehr so wie früher. Meine Partnerin (war selbst mal beim Psychologen) sagte wenn es nicht anders geht soll ich auch dort hin gehen. Ich möchte nicht zum Psychologen, nicht weil ich mich schäme sondern weil ich es alleine schaffen will, dabei bin ich mir inzwischen aber nicht mehr so sicher. Ich schreibe hier um mir einen uneingenommenen rat zu holen, vielleicht auch Tipps oder ähnliche Erfahrungen was ich tun kann damit es mir wieder besser geht. Danke für jede Antwort!
 

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PsychoSeele

Urgestein
Hallo,

mein aufriges Beileid.
Jeder reagiert auf Trauer anders. Ich bin zwar keine Fachfrau,aber ich denke das deine Erscheinungen psychosomatisch bedingt sein können, vom Trauerfall ausgelöst.

Ich rate dir die Trauer zu zulassen und eventuell, dass du dich an eine Selbsthilfegruppe für Trauernde wendest, oder zu einem Seelsorger gehst, wo du jemanden unabhängigen hast mit dem du über alles reden kannst. Ein Psychologe kann da auch sehr hilfreich sein.
Natürlich musst du das selbst entscheiden ob du die Trauer allein bewältigen kannst (was mitunter sehr lange dauern kann).

Gespräche zB auch mit Freunden können entlastend wirken oder du schreibst einen Brief an den Verstorbenen wo du all das los werden kannst was du auf dem Herzen hast.

Überlege,was dir gut tut.

Liebe Grüße
SchwarzeSeele
 
G

GrayBear

Gast
Hallo lieber Gast,

als mein Vater sehr plötzlich verstarb, hatte ich ähnliche Erlebnisse, wie Du sie schilderst. Irgend wie war ich plötzlich Teil eines Film und meine Augen waren nur noch die Kamera. Dieser Effekt hielt Monate an und verging dann irgendwie, aber in meinem "Radlager" drehte sich eine Kugel nicht mehr mit. Erst nach Jahren wurde ich recht unsanft darauf gestoßen, dass meine Trauer um meinen so früh verstorbenen Vater nicht das einzige Gefühl war, dass ich seit damals mit mir herum trug. Als mich jemand fragte: "Bist Du wütend auf Deinen Vater?" stritt ich das vehement ab und sank in diesem Moment wie eine Gummipuppe in mir zusammen, als ob mir jemanden den Stöpsel gezogen hatte. Die Details, die nun zutage kamen, würden viele Seiten füllen. Deshalb meine Frage an Dich: Was fühlst Du, während Du diese Zeilen liest? Zieht sich Dein Bauch zusammen, hast Du das Gefühl, eine komplette Gans verschluckt zu haben? Dann, mein Lieber, ist das eine gehörige Portion Wut, vermischt mit Trauer und der schockierenden Wahrheit, dass Du mit Deinem Vater nie mehr wirst reden können. Diese gegenläufigen Gefühle setzen Energien im Körper frei, dass einem ganz schummerig wird, denn Du kannst Dich nicht verkriechen und zugleich aufspringen und schreien.

Was mir geholfen hat? Wenn Du es wissen willst, kann ich es Dir gerne sagen oder schreiben. Es ist zu privat, um es hier auszubreiten. Nein, kein Voodoo und kein Sektenmist, versprochen.


Alles Gute
 

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