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Selbstmord meines Besten Freundes

MoonlightShadows

Neues Mitglied
Hallo!
Obwohl es schon fast drei Jahre her ist, weiß ich nicht, wie ich über den Tod meines besten Freundes wegkommen soll. Ich fühle mich schuldig, weil ich nicht besser auf ihn aufgepasst habe. Ich hätte es merken müssen, weil ich als Jugendliche die ganze Fachliteratur über Suizid gelesen und durchgearbeitet habe. Ich kann mir diesen Fehler nicht verzeihen. Ich weiß bis heute nicht, warum und wie er es gemacht hat, ich weiß nur, dass seine Mutter einen Abschiedsbrief erhalten hat. Ich traue mich nicht, sie zu fragen, aus Angst, sie könnte wieder weinen bzw. das ich ihr zu nahe trete und sie verletze.

Genauso würde ich gerne an sein Grab gehen. Doch meine Gewissensbisse plagen mich so sehr, dass ich schon häufig vor dem Friedhof stand und wieder umgekehrt bin. Manchmal frage ich mich, ob ich diesen Verlust je überwinden werde. In meinem Bekanntenkreis versteht mich keiner. Seitdem Tag, an dem ich das erfahren habe, ist mein ganzes Leben aus den Fugen geraten. Ich fühle mich wirklich so unverstanden und habe mich total zurückgezogen, selbst meine Ehe ist daran zerbrochen.

Vielleicht kann mir hier einer helfen und ein paar Tipps geben.

Danke MoonlightShadows
 
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Sigi

Sehr aktives Mitglied
Hallo MS, ich bitte um Verzeihung, wenn ich was falsches sage, da ich ja keine Ahnung von allem habe. Man spürt aber deinen Verzweiflung.

Die letzte Waffe eines Menschen, der Selbstmord begeht, könnte die nicht ein sehr scharfes Werkzeug sein, mit dem er auf seine Not aufmerksam machen will?

Mit diesem Werkzeug könntest du verletzt worden sein, absichtlich oder was ich eher glaube, in Folge der letzten Angriffe, die er diffus ausstieß durch seine Tat.

Wenn du es mal aus dieser Sicht siehst? Du bist verletzt worden, nicht du hast jemand verletzt. Verletzt ist der Täter (so leid er einem tut) von der ganzen Welt worden, von den Umständen usw. ein Mensch kann einen anderen durch mangelnde Aufsicht gar nicht so verletzten, dass er sich das Leben nimmt. Dahinter steckt viel mehr, was mit dir nichts zu tun hat.

Leicht gesagt alles. Aber sehr viele Möglichkeiten hast du nicht, um da rauszukommen. Vielleicht musst du so radikal umdenken.

Ich danke dir für dein Verständnis, wenn ich falsch liege, ansonsten alles Gute.

Sigi
 

Werner

Sehr aktives Mitglied
Hallo MoonlightShadows,

vielleicht kann ich dich einigermaßen verstehen - ich habe 1989 meinen jüngeren Bruder durch einen Suizid verloren. Obwohl viele Leute, auch Fachleute, die Monate zuvor, wo es sich angekündigt hat, alles mögliche versucht und ihr Bestes gegeben haben, habe ich mich hinterher immer wieder gefragt, ob ich nicht hätte "noch mehr" tun können. Vor allem, als ich dann sieben Jahre später mit ziemlicher Sicherheit eine der Hauptursachen (unerkannter Zinkmangel) herausfand, fing es wieder an: Hätte ich nicht irgendwoher, in irgend einem Buch, den entscheidenden Hinweis finden und ihn retten können? Usw. kennst du sicher alles.

Was mir geholfen hat, mit dieser Erfahrung ins Reine zu kommen und sie sinnvoll zu integrieren, war z.B.
- für mich einen Sinn in dieser Geschichte finden
- die Verantwortung nicht komplett auf mich nehmen; sie aufteilen auf alle, die auch etwas mehr hätten tun können (auch auf meinen Bruder selbst) - und die paar Prozent, die mir bleiben, akzeptieren; Menschen sind nicht perfekt, ich auch nicht
- mich selbst weiterbilden, damit die Chancen, dass mir das nochmal passiert, sinken (niemals auf Null!); ich habe z.B. ehrenamtlich mit Suizidgefährdeten gearbeitet und eine Weiterbildung in psychologischer Beratung gemacht usw.
- mich mehr auf die Lebenden zu konzentrieren als auf die Toten (klingt lapidar, aber ich denke, du kannst es einordnen)

Gruß, Werner
 

MoonlightShadows

Neues Mitglied
Hi Truth!
Du hast mich nach dem "Warum" gefragt, weil es die Frage ist, die mich am meisten quält. Es ist die Frage, die mich am meisten beschäftigt und wahrscheinlich die einzige auf die es keine "befriedigende" Antwort geben wird.

Lieben Gruß
MoonlightShadows
 

MoonlightShadows

Neues Mitglied
Liebe Momo28,

ich kann Deine Tochter sehr verstehen. Mit meiner Mutter könnte ich über so was nicht sprechen, sie ist zwar Krankenschwester, hat auch Erfahrung auf "dem Gebiet", aber ich habe keinen Draht zu ihr. Ich selbst war auf seiner Beerdigung, aber ich wäre noch so gerne ganz allein gewesen mit ihm, einfach Zwiesprache halten, weil ich das Gefühl hatte, er wäre noch in irgendeiner Form dagewesen. Aber genauso wie ihr das erlebt habt, hat er mich auch eine Woche vorher angerufen und wollte mich sehen. Ich Idiot bin nicht ans Handy gegangen, weil ich in einem Gespräch war mit Nachbarn über belangloses Zeug.

Danke für Deine Antwort.
MoonlightShadows
 

MoonlightShadows

Neues Mitglied
Lieber Werner,

Ich danke Dir für Deine Antwort. Ich habe die ganze, wirklich die ganze Fachliteratur gelesen, aber es tröstet mich nicht im geringsten. Ich war in Therapie, nichts hat mir geholfen. Ich hatte sogar das Gefühl, dass die Therapeuten nur ihren Salmon (das Gelernte) abgespult haben.

Natürlich weiß ich vom Verstand her, dass ich es so oder so nicht hätte verhindern können, das geht ja aus der Literatur hervor. Nur Herz (od. Seele) und Verstand lassen sich nicht vereinen. Das, was der Verstand weiß, kommt nich beim Herzen an.

Vielen Dank für Deinen Beitrag
MoonlightShadows
 

Werner

Sehr aktives Mitglied
Nur Herz (od. Seele) und Verstand lassen sich nicht vereinen. Das, was der Verstand weiß, kommt nich beim Herzen an.
Stimmt, ja - aber das eine kann dem anderen zu Hilfe kommen ;) ... und dann gibt es neben Herz und Verstand noch den "heimlichen Weg" (Erich Fried) - für mich war und ist es alles, was ich praktisch, mit dem Körper tun kann. Das kann aber nicht in Therapie geschehen, nur im richtigen Leben. Durch emotional ähnlich stark beeindruckende Erfahrungen können die früheren, schmerzhaften, "überschrieben" werden bzw. sie können ergänzt werden und so einen neuen Sinn, eine neue Bedeutung generieren. Bei mir war es z.B. dadurch der Fall, dass ich das in Folge des Suizids meines Bruders gefundene Wissen für andere Menschen in ähnlicher Lage einsetzen und ihnen dadurch helfen konnte. Das ändert zwar nichts am ursprünglichen Ereignis, aber (in mir) an dessen Bedeutung.
 

Schildkröte

Aktives Mitglied
Hallo.
So sehr ich dich auch verstehe, muß ich dir sagen: Laß die Vergangenheit ruhen, sie kommt nicht zurück! Du tust dir keinen Gefallen, wenn du dich damit quälst, vielleicht diesen Fehler begangen zu haben, oder? Kannst du diesen eventuell gemachten Fehler rückgängig machen? Und überhaupt ist erst einmal jeder für sich selbst verantwortlich - diese Verantwortung kannst du niemanden abnehmen. Und du hast sie freiwillig auf dich genommen, mit welchem Ergebnis? Und wer dieses Schicksal hat, sich umzubringen, den kannst du sowieso nicht davon abhalten. Sei schlau und vernünftig, du hilfst niemanden mit deinem Verhalten! Du bist nur für dich alleine verantwortlich, indem du dein Glück und deine Zufriedenheit nicht verlirst. Andernfalls lebst du auch noch weiter, bist aber schon innerlich gestorben! Überlege, was dir wichtiger in deinem Leben ist?! Liebe Grüße Schildkröte
 
T

Truth

Gast
Liebe Momo28,

Aber genauso wie ihr das erlebt habt, hat er mich auch eine Woche vorher angerufen und wollte mich sehen. Ich Idiot bin nicht ans Handy gegangen, weil ich in einem Gespräch war mit Nachbarn über belangloses Zeug.
Hallo MoonlightShadows,

was wäre, wenn du an dem Tag, in diesem Moment, ans Handy gegangen wärst, mit ihm gesprochen hättest und er sich trotzdem das Leben genommen hätte? Denn das ist auch eine Option. Es hätte genauso ablaufen können.

Der Tod eines anderen Menschen verusacht in uns tiefen Schmerz. Im Trauerprozess lassen wir den Menschen los. Jeder weitere Schmerz hat nur noch mit uns selbst zu tun. Du kannst dir Vorwürfe machen, du kannst nach Schuld suchen, du kannst nach dem warum fragen, aber das alles hat schon lang nicht mehr mit diesem Menschen zu tun, sondern nur noch mit dir. Dinge geschehen - manchmal sind wir direkt daran beteiligt, manchmal geschehen sie, weil wir uns nicht genug beteiligt haben. Aber daraus darf man sich selbst keinen Strick drehen. Zuerst kommt die Trauer. Dann kommt die Zeit, in der wir lernen müssen das Geschehene so anzunehmen, wie es passiert ist. Erst wenn wir es so annehmen wie es IST, können wir endlich loslassen. Und loslassen bedeutet, dass wir uns selbst wieder richtig annehmen.

Wie kommt so etwas vom Verstand in dein Herz? Nur wenn du dein Herz öffnest für dich selbst. Wenn du deine eigenen Worte findest, die dich wirklich trösten. Wenn du in deinem eigenen Blick keinen Schuld mehr siehst.

Liebe Grüße
Truthy
 

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