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Selbstbewusstsein und Eifersucht

Nordlicht91

Mitglied
Guten Abend,
Ich leide leider sehr drunter, dass mein Selbstbewusstsein quasi nicht vorhanden ist, was hättet ihr für Tipps um es etwas aufzubauen? Die Frage mag vielleicht bescheuert klingen, nur ich weiß leider überhaupt nicht mehr weiter.
Dazu bin ich noch sehr stark eifersüchtig, was sich natürlich negativ auf meine Mitmenschen auswirkt, weil ich immer kontrollieren muss was sie tun damit ich ja nichts verpasse, bzw. sie tolle Sachen ohne mich erleben. Hat jemand einen Rat wie ich es in den Griff bekommen könnte?
Bin für jede Hilfe dankbar, liebe Grüße
 

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GrayBear

Gast
Hallo Nordlicht91,

durch Dein fehlendes Selbstbewußtsein handelst Du aus einer Position des Mangels, der Bedürftigkeit heraus und Deine Eifersucht ist wahrscheinlich gepaart, mit der Angst, auch noch den letzten Rest zu verlieren. Das ist leider verständlich und nicht verwunderlich. Und irgend wie ist es vergleichbar mit dem Problem vom Ei und der Henne: was war zuerst da? Dein scheinbar fehlendes Selbstbewußtsein mach Dich argwöhnisch und ängstlich und Deine Eifersucht erschreckt und schreckt ab. Und wo ist der Faden, um dieses Knäuel zu entwirren?

Selbstbewußtsein kann auf verschiedene Weise entstehen: durch das Vertrauen anderer in uns und durch das eigene Vertrauen. Das ist im Grunde ganz einfach. Mit dem Vertrauen ist es so eine Sache. Viele glauben, dass Vertrauen so ein magisches und flüchtiges Etwas ist, das irgendwie, irgendwann, verdient werden, geprüft werden, sich beweisen muss, bla bla bla. Alles Quatsch!! Vertrauen ist ausschließlich und allein nur Deine Entscheidung. Basta! Dein Selbstbewußtsein entsteht Durch Deine Entscheidung, Dir zu vertrauen. Solltest Du also nicht unter einer gespaltenen Persönlichkeit leiden, wovon ich ausgehe, dann ist die Frage: Warum verweigerst Du Dir Dein Vertrauen? Oder wer hat Dir irgendwie eingeredet, dass Dir nicht zu trauen ist? Auch da gibt es viele Kandidaten nach dem Motto: "Ich blas Dir Dein Licht aus, damit meines heller scheint!". Wer kann Dich als graues, schüchternes und zähnefletschendes Wesen brauchen? Sollten Dich diese Worte wütend machen, dann ist noch nicht alles verloren. Es ist nicht meine Absicht, Dich zu ärgern, sondern das wäre einfach eine gesunde Reaktion.

Leider hat bei mir Autosuggestion und das Herunterleiern von Mantren nie etwas gebracht. Was mir aber geholfen hat, war das Arbeiten mit meinen Gefühlen. Bei fehlendem Selbstbewußtsein ist Wut die erste Wahl und eine hervorragende Kämpferin an Deiner Seite. Wer hat Deine Grenzen so eng gesteckt, dass Du Dich kaum noch rühren magst? Wer profitiert vom Übertreten Deiner Grenzen? Wer läßt es Dir gegenüber an Achtung und Respekt fehlen? Ich glaube, dass Dir da gerade einige Anwärter auf den Wink mit dem eichenen Zaunpfahl einfallen, stimmts? Leider ist Wut-Arbeit keine intellektuelle Sache, sondern sie muss in Deinem Körper gefühlt und gelebt werden. Du musst Dir Deine Stärke wieder zurück erobern und da hilft kein "Gedankenlüftchen". Informiere Dich nach Seminaren und Büchern zu diesem Thema.


Eine kleine Geschichte, um zu verdeutlichen, was ich meine: Vor einigen Jahren habe ich an einem dreitägigen Seminar teilgenommen, weil mich ein Freund darum gebeten hatte. Es war ein großer Raum mit etwa 60 Menschen. Reihum durfte jeder sagen, warum er gekommen war und so kam die Reihe an ein unscheinbares und bleiches Mädchen, die niemand bemerkte, wenn sie den Raum betrat. Die Details ihrer Geschichte habe ich versprochen, in diesem Raum zu lassen. Kurzum, es ging um das Setzen von Grenzen. Dazu wurde vor dieses Mädchen ein dickes Schaumstoffkissen gelegt und sie bekam einen etwa 1m langen Eichenprügel in die Hand. Sie fing an, darauf etwas lustlos herumzuhauen. Nach einer Sekunde erscholl plötzlich der "Chor" der anwesenden Frauen zu einem Geräusch, das ich noch nie gehört hatte. Alle Frauen und auch die Männer brüllten mit aller Kraft auf diese Frau ein. Es waren anfeuernde, beleidigende, schreckliche und wahre Worte, die zig Anwaltkanzleien über Jahre hätten beschäftigen können und ich dachte, ich wäre unter lauter Verückte und Bescheuerte geraten und wollte nur noch abhauen. Aber dann passierte etwas, das ich nie mehr vergessen werde. Unter dieser Kanonade von Stimmen richtete sich ihr Körper auf, ihre Augäpfel traten hervor, ihr Gesicht wurde feuerrot, ihre Adern schwollen an und sie schlug mit diesem schweren Stück Holz so auf dieses Kissen ein, dass es an einigen Stellen riss. Vor ihr war ein 23-jähriger Fünfkämpfer an diesem Kissen, der dies nicht hinbekommen hatte. Dieses Mädchen fing an, mit einer Stimme gegen ihre inneren und äußeren Peiniger anzuschreien, dass ich nur noch fassungslos war. Es war Teil dieser Übung, mit klaren Worten hinauszuschreien, was nicht mehr passieren sollte und durfte und das mit der Unterstützung aller Anwesenden. Diese junge Frau wurde für mich zum Sinnbild einer Kämpferin und hat mein Bild von Frauen um Dimensionen erweitert, die ich für unmöglich gehalten hatte. Ihr Anblick war so schrecklich, brutal und wunderschön zugleich, dass ich es nur schemenhaft beschreiben kann und ihre Stimme übertönte alle Anwesenden in diesem großen Raum. Es ist wirklich nicht gelogen, aber nach 10 Minuten stand die Polizei an der Eingangstür, weil Nachbarn um Hilfe gerufen hatten. Es war unglaublich, aber wenn diese Frau nach diesem Moment durch den Raum ging oder sich im Gang aufhielt, wurde ihr Platz gemacht. Ihre leise Stimme war tiefer und klarer geworden und auch die nächsten Tage hielt diese Veränderung an. Ich hätte nie gedacht, dass eine vor Wut rasende Frau so schön und so schrecklich sein könnte.

Werde Dir bewusst, wer und was Du bist. Du bist auch eine Kriegerin und einer Kriegerin brauchst Du nichts über Selbstbewußtsein zu erzählen, oder? Mach Dich auf den Weg, Deiner Kriegerin zu begegnen. Dann findet sich manches andere von allein.

Hab Spaß und entscheide Dich, Dir zu vertrauen.

Alles Gute
 
Zuletzt bearbeitet:

Nordlicht91

Mitglied
Erstmal vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.
Woher mein geringes Selbstvertrauen kommt kan ich nicht sagen, keine Ahnung ob es daher kommt, dass mein Vater abgehauen ist als ich noch klein war, meine Mutter die ganze Zeit am arbeiten war, ich aleine gelassen wurde. Eine Freundin hatte ich auch noch nie, traue mich auch nicht rauszugehen, versuche es daher online, nur dort schreibt seltenst eine zurück und wenn dann nur um mich zu verarschen. Ich werde sehr oft von Menschen grundlos ignoriert, hatte auch das Gefühl, dass ich auf meinen Forumpost keine Atwort bekomme.
Deine Worte machen mich nicht wütend, sie machen micht eigentlich nur traurig und lassen mich verzweifeln.
Wer meine Grenzen so eng steckt, wer vom Übertreten meiner Grenzen profitiert, wer es mir gegenüber an Achtung und Respekt fehlen lässt, kann ich leider wirklich nicht sagen.
Ich werde auf jeden Fall mal nach Büchern gucken, Seminare mit 60 Teilnehmer würden mir sehr viel Angst machen und ich traue mich nicht. Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, bin ich es wahrscheinlich selber, der sich die Grezen zu eng steckt.
 
G

GrayBear

Gast
Hallo Nordlicht91,

Deine Verzweiflung noch mehr zu steigern, war nicht meine Absicht. Aber ein wenig Provokation ist manchmal notwenig, um eine Reaktion zu erhalten. Und leider habe ich Dich für eine Frau gehalten. Habe ich das in Deinem Profil überlesen? Ich weiß es nicht mehr. Aber das ändert an meinem Rat nicht viel. Schau, es ist OK Angst zu haben. Die haben alle Menschen, sonst wäre Mut nicht erforderlich. Denn Mut brauchst Du nur, um gegen Deine Angst anzugehen. Wenn Du schon in jungen Jahren oft alleine warst, interpretieren Kinder manchmal Dinge in diese Situation hinein, auf die kein Erwachsener erst einmal kommt, z.B. "Alle haben was Besseres zu tun, als sich um mich zu kümmern", oder "Ich bin es nicht wert, dass jemand für mich da ist", oder "Ich muss etwas Schlechtes an mir haben, dass ich nur allein sein muss". Da Kinder dies nur unbewußt wahrnehmen, setzen sich solche Gedanken im Unterbewußtsein fest und bilden die Grundlage der Sicht auf die Welt. Vielleicht kommt Dein mangelndes Selbstbewußtsein auch daher? Klingelt da etwas bei Dir? Allein zu sein, tut manchmal weh. Um diesen Schmerz nicht mehr fühlen zu müssen, bauen wir innere Mauern, die in späterem Alter zwar vielleicht nicht mehr notwendig sind, uns aber weiterhin die Sicht versperren und uns ein- und die Welt aussperren.

Hast Du schon aufgegeben? Dein zweiter Post liest sich noch trauriger. Mit meinem Tipp mit der Wut möchte ich Deinen Widersprichsgeist etwas schüren, denn Eifersucht bildet sich aus den Gefühlen Angst und Wut. Also sollte Dir Deine Wut bekannt sein und die ist Dir auch eine Hilfe, um mit der Angst positiver umzugehen. Jeder Mensch hat Glaubenssätze in sich, die er für die Wahrheit hält: "Ich bin ein schwacher Mensch", "Niemand mag mich", "Ich verdiene das nicht", usw. Viele dieser Sätze sind einfach Unsinn. Sie entstanden in der Vergangenheit und haben irgendwann ihre Bedeutung verloren, aber wir leben noch immer nach ihnen und sie halten uns an unserem Platz, wie bescheuert das auch sein mag.

Was macht Dir Spaß? Wofür interessierst Du Dich? Was steigert Deine Neugier?

Ich würde gerne mehr von Dir erfahren.

Grüße vom grauen Bären
 

Nordlicht91

Mitglied
Guten Abend,
Ist schon in Ordnung, meine frage wäre nur warum hast du mich für eine Frau gehalten?
Ich habe die Probleme ja nicht erst seit gestern und nach 10 Jahren etwa ohne besserung, ist mein Kampfgeist leider sehr geschrumpft. Es passieren leider jeden Tag neue Dinge, die mich belasten.

Mir halt jemand mal geraten, dass ich jeden Abend meinen Tag reflektieren soll und mir mindestens 5 positve Dinge, die passiert sind merken soll. Leider hilft es nicht, da ich an guten Tagen vielleicht 2-3 positive Dinge zusammen bekomme.

Eigentlich interessiere ich mich für viele Sachen, handwerkliche Arbeiten, Modellbau, Autos/Baumachinen reparieren, Onlinespiele um mich abzulenken und ich habe mir letzen Sonntag einen 3D-Drucker bestellt in der Hoffnung mal wieder ein Erfolgserlebnich zu erlangen.

LG Nordlicht91
 
G

GrayBear

Gast
Hallo Nordlicht91,

weist Du, ich habe doppelt so viele Jahre auf dem Buckel wie Du und wenn ich 2-3 positive Sachen pro Tag zusammen bekomme, dann war das schon ein guter und einer von den leichteren Tagen. Aber ich finde das eigentlich normal und OK, denn dieses Leben besteht jeden Tag aus Kämpfen, die wir ausfechten müssen. Auf jedem Quadratmillimeter unseres Planeten finden Kämpfe statt. Auch nach über 50 Jahren fällt mir das an manchen Tagen schwerer, als an anderen, aber reine Wunschgedanken ändern leider garnichts. Vielleicht ist tatsächlich das Einzige, woran Du arbeiten mußt Deine Einstellung? Dieses alte und nervige Thema mit dem halb vollen und halb leeren Glas? Mit der Einstellung ist es wie mit einem sportlichen Trainingsplan: muss ich mich jedes Mal fragen, was, wann, wo und wie, dann wird das nie was. Immer wieder geht es im menschlichen Leben um Strukturen: schaffe Dir feste Termine, die Dir auf Deinen Gebieten weiterhelfen, die Dich interessieren. Ein 3D-Drucker für den Hobbybedarf ist eine kurzlebige Sache, es sei denn, Du willst lernen, wie so ein Ding programmiert werden kann. Tausche Dich mit anderen aus, stelle Kontakte her, übernimm "Pöstchen" in einem Verein. Ich glaube Dir gerne, dass Dir alleine das Vorsagen von 5 positiven Dingen nichts bringt, würde es mir auch nicht.

Wenn Du nichts für wertvoll hältst, wenn Dir nichts etwas bedeutet, dann ist das Dein Ansatzpunkt, den Dir niemand beibringen kann. Die leider blöde Nachricht ist: wenn Du nicht willst, dann wars das. Der freie Wille ist Chance und Unglück zugleich. Es gibt kein "Pülverchen" und kein Heilmittel für mangelnde Motivation und das ist in so vielen Posts (Und wirklich nicht in allen, ganz sicher nicht!) die selbe Leier. Ohne Deine Disziplin und Deinen Einsatz wirst Du über das Kriechstadium nicht hinaus kommen. Und ja, die Glücksmomente sind und bleiben rar. Du bist doch kein Esel, den man immer mit einer Karotte ködern muss, oder? Es ist Deine Entscheidung, was Du tust oder auch nicht.

Vielleicht solltest Du einen Rat befolgen, den ich vor 25 Jahren bekommen habe: suche Dir ein Pflegeheim oder eine Einrichtung in Deiner Nähe, in der Du 2 mal pro Woche für einige Stunden ehrenamtlich aushilfst. Egal was, einfach helfen, wo Du gebraucht wirst und Du verpflichtest Dich z.B. für 3 oder 6 Monate. Und das ziehst Du aber auch durch. Zum einen förderst Du Deine Demut damit, arbeitest an Deinen Strukturen und es dreht sich mal nicht um Dich. Bist Du bereit, dieses Wagnis einzugehen? Bist Du bereit, Dich zu verpflichten?


Lass von Dir hören.
 

Nordlicht91

Mitglied
Guten Abend,
hatte leider die letzte Zeit etwas viel um die Ohren und habs nicht eher geschafft, musste es auch erstmal etwas sacken lassen.
Ich weiß nicht, wie arbeitet man an seiner Einstellung? Ich meine ich bin mir ziemlich sicher, dass wenn mir mal etwas positives passiert, ich sehr bald durch etwas nicht von mir beeinflusstes bestraft werde, könnte mindestens 3 Beispiele alleine von den letzten Monaten aufzählen.
Das mit dem halb vollen und halb leeren Glas ist recht einfach: wurde zuletzt nachgeschenkt, ist daas glas halb voll, wurde zuletzt etwas entnommen, ist es halb leer, den Verdunstungsprozess mal vernachlässigt.
Ich hätte vielleicht erwähnen sollen, dass ich gelernter Elektroniker bin, mich intressiert die Funktionsweise und programmierung des 3D-Druckers sehr. Leider ist mir in meiner Umgebung Kein entsprechender Verein bekannt, hier gibt es so gut wie nichts, außer Wasser, Acker u.s.w..
Eigentlich bin ich mit Freundschaften durch, ich wurde nur belogen, enttäuscht und verletzt, deswegen fällt es mir sehr schwer. Ich finde den Vergleich mit dem Esel schon ganz passend, wenn ich alleine bin bekomme ich fast gar nichts auf die Reihe, mit Begleitung schon mehr.

Mich überfordert es leider sehr mit Menschen zu reden bzw. mit ihnen zu arbeiten, schon diese Nachricht zu verfassen hat echt viel Kraft gekostet und bestimmt über eine Stunde gedauert.
Liebe Grüße Nordlicht91
 

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