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schwerer Schritt

Enouel

Neues Mitglied
Hallo ihr Lieben.

Seit ca einem Monat bin ich nun hier angemeldet, aber bisher habe ich es nicht übers Herz gebracht mich und meine Probleme wirklich hier "niederzuschreiben". Zwischenzeitlich hatte ich schon komplett verdrängt mich hier angemeldet zu haben.
Wie dem auch sei, vielleicht tut es ja doch gut mal drauf los zu schreiben.

Um genau zu sein, hab ich selbst keine genaue Ahnung, was eigentlich mit mir los ist. Oder ich weiß es ganz genau und will es nur nicht wahrhaben.... keine Ahnung.

Mein Name ist Sarah, ich bin 21 Jahre alt. Mit 17 Jahren bin ich von zu Hause ausgezogen. Ziemlich unerwartet ehrlich gesagt. Jedenfalls für mich.
Meine Eltern sind für mich meine Mutter Luisa und mein Vater Patrick. Wobei mein Vater mich mit drei Jahren adoptiert hat. Warum das so war, ist eine andere Geschichte....
Meine Eltern hatten wie in jeder Ehe ihre Hochs und Tiefs wobei die Tiefs wirklich besonders tief waren.
Mein Vater hat immer recht viel gedrunken. Kein Schnaps, "nur" Bier aber dafür täglich seine 4-5. Vielleicht hatte er gar kein Alkoholproblem, jedenfalls wollte er sich nie eins eingestehen.
Bei meiner Mutter wurde als ich 14 war Medikamentenabhängigkeit, Alkoholmissbrauch und Bulimie diagnostiziert.
Ich habe all das immer mitbekommen und mir immer Vorwürfe gemacht einfach nichts unternommen zu haben.
Meine Mutter ging in Therapie und danach trennten sich meine Eltern. Mit der Trennung kam ich gut klar, da zuvor häusliche Gewalt, Alkohol und die Nebenwirkungen (Blackouts, Aggressionen....) der Medikamente von meiner Mutter, ein tägliches Thema waren.

Sorry schonmal, dass ich soweit aushole.... ich kann grad nicht anders drüber reden, als chronologisch.... :-(

Mit 16 Jahren war pendelte sich bei mir alles wieder zum Normalzustand ein. Zum wohl ersten mal in meinem Leben. Das war ungewohnt, ermöglichte mir aber wahrscheinlich einen 1er Realschulabschluss zu machen. Ich bezeichne diese Zeit immer noch gern als die geilste in meinem Leben. :D Und ich trauere ihr sehr hinterher.

In den Sommerferien nach meinem Abschluss lernte ich meinen ersten Freund kennen. Der Harken war nur, dass er 300 km von mir weg wohnte aber wir entschlossen uns mutig zu einer Fernbeziehung.

Hört sich alles ganz toll an, aber dann kamen da ein paar Probleme und es schien grade, als hätte ich vergessen wie man mit denen umgeht....

Meine Mutter fing wieder an zu trinken (mittags, in Stresssituationen), nahm wieder starke Medikamtente, außerdem bekam ich auch viel von ihrer Bulimie mit.
Ich beschloss sie darauf anzusprechen, weil ich nicht wie beim letzten mal tatenlos zusehen wollte, aber das gab unheimlichen Stress. Mein Vater wurde mit dazu gerufen, um das ganze "auszudiskutieren" aber das alles war nur eine riesige Schreierei. Ich habe meiner Mutter nie was unterstellt, sondern ihr nur gesagt, dass ich sehr sehr besorgt bin und Angst um sie habe, aber das war wohl zu viel für sie...

Jedenfalls gaben meine Eltern die Schuld für meinen Sinneswandel meinem Freund und damit war er dann das Hassobjekt.

In diesem ganzen Stress hatte ich zudem noch Probleme, mich in meiner neuen Schule zurecht zu finden.
Ich zog mich immer mehr zurück und bekam Depressionen.
Meine Eltern schoben auch diesen Zustand auf meinen Freund und warfen mich raus. (Meine Eltern wohnten nicht mehr zusammen, aber entschieden sowas noch zusammen)

Ich wohnte dann ein paar Wochen bei meinem Freund und entschloss mich anschließend eine Therapie zu machen.

Meine Mutter half mir noch einen Therapieplatz zu bekommen, aber inzwischen lief zwischen mir und meinem Freund alles schief und das schob ich wiederrum auf meine Mutter... bzw auf meine Eltern. Sie waren zu der Zeit meine Hassfiguren, sowie mein Freund (bzw Ex) ihre war.... Nun ja das war dann der Grund für mich, während der Therapie das Jugendamt einzuschalten um eine eigene Wohnung für mich zu bekommen. (Ging nicht anders, ich war zu dem Zeitpunkt erst 17 )

Sorry nochmal für so viel Text....

Naja der Rest lässt sich leicht zusammenfassen und ist genau mein Problem im Moment(das davor war nur als vorgeschichte gedacht):In den letzten vier Jahren ging alles schief. Ich ging zwar hier wieder aufs Gymnasium, hab aber 3 Monate vor Beendigung des Abiturs abgebrochen. Warum... ich weiß es nicht mehr. Ich hab mich sozial unter Druck gesetzt gefühlt. Ich hatte keine Freunde, war ein Außenseiter, weil ich halt nicht mehr zu Hause wohnte und nicht so viel Geld hatte und auch nicht aus der Gegend kam usw... Außerdem waren meine Noten nicht annähernd gut genug für meine Vorstellungen und ... naja... dann wollte ich halt nicht mehr. Ich fühlte mich einfach nur noch ausgebrannt.... Außerdem war die finanzielle Situation furchtbar. Ich verdiente neben der Schule einfach nicht genug Geld, auch wenn ich bis spät in die Nacht arbeitete.

Ich habe wieder einen neuen Freund seit zwei Jahren, aber unser Leben im Moment ist eine Katastrophe.
Die Beziehung läuft eigentlich gut.
Das drum herum aber nicht. Er geht nie zur Uni, obwohl er das eigentlich sollte, weil seine Eltern ihm Unterstüztungsgeld für die Uni geben.
Ich bin da aber kein bisschen besser. Ich hab mich für letztes Semester fürs Studium angemeldet, war aber noch keinen einzigen Tag da. Nur vorbereitungskurse.

Ich war hoch Motiviert die Uni durchzuziehen, wirklich. Ich hatte auch richtig Spaß in den Vorbereitungskursen.

Nebenher hatte ich bis vor Kurzem einen Nebenjob in einer Videothek. Das lief auch ganz gut. Eigentlich.

Aber:
- meinen Job habe ich jetzt kündigen müssen, weil mich eine Kollegin übel gemobbt hat. Das hab ich ein Jahr durchgehalten und gekämpft aber jetzt ging es einfach nicht mehr.
- die uni ist gelaufen
- vor einem halben Jahr habe ich erfahren, dass mein leiblicher Vater (nicht der den ich die ganze Zeit hier Vater nannte, das ist ja mein Adoptivvater) mich mit 3 Jahren sexuell missbraucht hat. Ich habe das die ganze Zeit verdrängt, über all die Jahre. Vor einem halben Jahr gingen meine Eltern dann mit mir zu meinem damaligen Kinderarzt, der noch Unterlagen über die Sache hatte und seitdem schlafe ich schlecht und glaube auch mich hier und dort zu erinnern... und ich hab wirklich schlimme Träume, dabei versuch ich wirklich überhaupt nicht dran zu denken.... verdammt...
- und im Oktober, also pünktlich zum Studienbeginn erfahr ich, dass mein Opa gestorben ist. Dabei hatte ich ihm versprochen ihn nochmal zu besuchen bevor er stirbt.
Und das seit 4 Jahren....


All diese Dinge sind passiert in letzter Zeit und irgendwie hab ich das Gefühl ich kann mich nicht mehr aufraffen. Ich war mal so gut in der Schule und ich war auch nicht unbeliebt. Ich konnte mich gut einfügen in Menschengruppen. Heute machen sie mir Angst. Ich traue mich nicht mehr vor die Tür. Ich habe Schuldgefühle wegen allem was passiert ist, wegen allem, was ich verbocke....

Aber selbst in meinen (unseren) eigenen vier Wänden bekomme ich nichts hin. Ich spüle nicht, wasche keine Wäsche. Bei uns wuchert regelmäßig der Schimmel in der Küche und die Stockflecken in der Wäsche, aber ich schaffe es einfach nicht, etwas dagegen zu unternehmen. Ich treibe keinen Sport mehr obwohl ich das früher gemacht hab... Bevor ich die Schule abbrach hatte ich die irsinnige Idee mir mitten in der Innenstadt einen Hund anzuschaffen.
Ich liebe meine Hündin über alles aber ich schaffe es nicht mit ihr raus zu gehen. Ich habe einfach Angst. Ich habe Angst vor die Tür zu gehen. Die Leute könnten ja sehen, wie blöd ich ausseh im Moment. Denn seit einer Woche sind mein Föhn und meine Bürste verschwunden und ich find sie nicht mehr... total bescheuert. ich muss fast selbst lachen, wenn ich das lese... (Übrigens: Mein Freund geht notgedrungen mit dem Hund raus.... auf den Hinterhof... weiter nicht)

Ich pflege weder mich noch meien Umgebung oder meine Freundschaften.

Ich habe keine Freunde mehr. Seit dem ich von zu Hause weg gezogen bin, bin ich alleine, habe einfach keine neuen Freunde mehr gefunden. Und wenn ich mich jetzt im Spiegel anschaue erkenne ich mich nicht mehr. Es ist als ob ich mit der Zeit Stück für Stück verschwunden wäre... Ich erkenne mich einfach nicht mehr.

Und das schlimmste ist: Ich ziehe meinen Freund mit mir runter. Er lebt in diesem Chaos mit mir und mach munter mit.... natürlich nichtmunter... er leidet unter all dem und ich auch aber ich finde keinen weg da raus. Er meint es läge alles an unserer Disziplin.

Er hat da sicher recht. Es ist auch nicht so, als hätte ich die letzten Jahre einfach tatenlos dagesessen und all das geschehen lassen. Nein ich hatte auch hochs, ich hab mich gewehrt aber nach jedem hoch ging es irgendwie noch tiefer runter als zuvor.

Mit meine Eltern verstehe ich mich mitlerweile einigermaßen. Aber ich könnte ihnen niemals sagen, wie es mir gerade geht. Da würden viel zu viele Erinnerungen bei ihnen wieder hockommen und wir bekämen sofort wieder Streit.

Da die Uni für mich abgeharkt ist, hatte ich eigentlich vor mich um Ausbildungsstellen zu bewerben. Seit 18.02. liegen die Bewerbungen mit allem drum und dran auf meinem Schreibtisch. Fertig im Umschlag und adressiert. Es fehlen nur noch Passbilder für die Lebensläufe, dann könnten sie weg, aber ich hab einfach nicht die Kraft, das fertig zu machen und selbst wenn ich die Kraft hätte, hätte ich nicht den Mut, weil ich mich schäme draußen gesehn zu werden, und selbst wenn das auch nicht wäre, hätte ich immer noch Angst, weil ich mir nicht sicher bin ob ich im Moment überhaupt zu einer Ausbildung fähig wäre.

Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Ich war mal fleißig, intelligent und hatte so viel Potential. Ich hatte Spaß am Leben und selbst während der Ehekrise meiner Eltern gings mir besser.

Naja ich hör jetzt mal auf zu labern... tut mir wirklich leid!

Also der Teil von mir, der eigentlich genau weiß,was los ist, es aber nicht wahr haben will, sagt folgendes:

Sozialphobie und/oder Depression (denn ja, Selbstmordgedanken sind vorhanden, im Schnitt 3 mal pro Woche hab ich im Moment Phasen, wo ich daran denke - aber ich bilde mir zumindestens ein, das im Griff zu haben, seit einigen Monaten schon - mein Freund und mein Hund geben mir Halt was das angeht - mein Freund weiß auch bescheid)

Ich bin gespannt auf eure Antworten, ihr könnt mir auch ruhig in den Allerwertesten treten. Ich verkrafte die Wahrheit im Moment zwar nicht sehr gut aber im Allgemeinen weiß ich sie sehr zu schätzen und Schönrederei hab ich in letzter Zeit genug praktiziert.

Liebe Grüße,

Enouel (Sarah)

PS: Ich les mir den Text nicht nochmal durch, weil ich sonst zuviel rumkorrigieren würde, das wär dann nicht mehr autentisch.
 

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Sisandra

Moderator
Teammitglied
Hi Sarah,

puh, langer Text und viel Inhalt. Ich habe ihn aber zu Ende gelesen. Muss das aber erst einmal sacken lassen.

Nur so viel schon jetzt. Ich denke, du solltest dir professionelle Hilfe suchen. In deinem Leben gibt es viele Baustellen, die du bisher gut gemeistert hast, weil du vermutlich gut darin bist, Probleme wegzuschieben, sie zu verdrängen. Leider holen die Probleme dich nun wieder ein und irgendwann geht halt dann die Kraft aus.

Deshalb mein Rat: Such dir professionelle Hilfe!!!

Liebe Grüße
Sisandra
 

Enouel

Neues Mitglied
Danke Sisandra, dass du das alles gelesen hast und danke für die Antwort. Ich spiele auch schon seit längerem mit dem Gedanken mir professionelle Hilfe zu holen aber im Moment ist da das Schamgefühl noch sehr stark. Auch wenn ich im Moment wenig soziale Kontakte habe, nehmen mich diese typischen Gedanken á la "was wohl die andern davon denken und halten" sehr ein...

Ich weiß, da muss man sich halt einfach überwinden und an sich denken, aber ist alles nicht so einfach...

Danke nochmal!
 

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