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Schuldgefühle - wegen allem!

Lily94

Mitglied
Hallo liebe hilferuf.de-Communiy,

schon öfters konnte ich Fragen stellen, meinen Frust ablassen und gleichgesinnte finden.

Seit März diesen Jahres arbeite ich im Inbound eines Mobilfunkanbieters. Soviel vorweg.

Grade eben hab ich ein Bild bei Facebook gesehen, dass mich an mein Problem erinnert hat. Da war ein Text "Witzelsucht ist eine psychische Störung, die den Betroffenen dazu bringt, unangebrachte Witze und sinnlose Geschichten zu erzählen." Darunter war ein Kommentar mit dem Wort "Lehrer. Immer."
Erst habe ich gelacht und dann dachte ich mir, dass diese Lehrer es ja immer nur gut meinen. Im Prinzip meinte der Schreiber das auch nicht böswillig, aber ich hatte sofort ein schlechtes Gewissen, dass ich es lustig fand.

Mein Hauptproblem ist, dass ich immer Schuldgefühle habe.

Als das neue iPhone raus kam im September diesen Jahres, hatten wir höhere Arbeitsanweisungen, sodaß ich einen nicht so Technikbegabten, netten Opa abgespeist habe, er solle in den Shop gehen, obwohl ich ihm hätte helfen können. Das knabbert immer noch an mir.
Ich wollte ja eigentlich helfen.

Oder wenn ich mal einfach keine Lust habe ans Telefon zu gehen, wenn meine Mama anruft und ich am nächsten Tag zurück rufe, weine ich Nachts, weil ich finde das mein Verhalten richtig asozial ist. Sofortige Schuldgefühle.
Sie ist psychisch krank und in einer Psychatrie und ich finde, da sollte ich auch jeden Tag mit ihr reden.
Sie ist so alleine.

Ich könnte jeden Tag heulen für Dinge, die ich nicht gemacht habe, weil ich grade etwas anderes machen musste oder wollte.

Momentan weiß ich nicht woran das liegt.

Mein Freund meinte ich hätte ein extrem ausgeprägtes Hilfsbedürfnis und dass das gut ist.
Natürlich ist das gut, aber es macht mich fertig. Diese ständigen Schuldgefühle.

Ich zwinge mich dazu alles und jeden zu verstehen und für alles und jeden da zu sein.
Ich will damit gar nicht aufhören, aber ich dreh langsam echt durch.

Seit Wochen habe ich Kreislaufprobleme und übergebe mich ständig. (Nein, nicht schwanger - schon getestet.)
Ich war bei mehreren Ärzten. Alles getestet. Ich bin Ok.

Es ist seit Oktober 2014 so viel passiert... Ich schweife vom Thema ab, aber ich bin grad so im Schreibmodus.



Ich lass erstmal gut sein. Der Schmerz holt mich ein.


Ich weiß nicht mal ob ich jetzt Hilfe von euch möchte, oder einfach Verständnis oder.. ich weiß es einfach nicht..


Eure liebe Lily.
 

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Nordrheiner

Sehr aktives Mitglied
Hallo, Lily94,

mir scheint, die meisten Menschen unserer Zeit scheinen ein recht abgestumpftes, unsensibles Gewissen zu haben. Selbst wenn andere dadurch einen Nachteil haben, geschädigt oder sogar verletzt werden, scheint es ihnen oftmals egal zu sein.

Du scheinst eine seltene Ausnahme zu sein. Du verfügst über ein hochsensibles Gewissen. Das ist wunderbar, denn dadurch gehst Du i.d.R. mit anderen Menschen sehr verantwortlich um. Jedenfalls denke ich, dass es so bei Dir ist.

Andererseits stößt Du an Deine eigenen Grenzen der Fähigkeit, fehlerlos durch das Leben zu gehen. Sobald Du Dich bemühst Fehlerfreiheit zu erreichen, scheiterst Du am Leben und an Dir selbst. Deine andauernden Schuldgefühle sind ein deutliches Zeichen dafür, dass Dein Leben immer schwerer wird. Du kommst mir wie ein Wanderer vor, der sich unterwegs immer mehr auflädt und dessen Last so von Tag zu Tag immer schwerer wird.

Ferner scheinst Du dazu zu neigen, alles wieder machen zu wollen, in dem Du für alle da sein willst und es jedem recht machen möchtest. Gelingt es Dir nicht oder hast Du einmal nicht die Kraft dazu, werden Deine Schuldgefühle wieder wach und durch das neue Fehlverhalten größer und größer. Du brauchst keinen Kritiker – Du bist Dein eigener größter Kritiker. Du verurteilst Dich schließlich selbst. Du bist Ankläger und Richter in einer Person.

Ich befürchte, irgendwann könntest Du unter der Last Deiner Schuldgefühle zusammenbrechen.

Mir geht es auch mal mehr und mal weniger so. Für bzw. gegen meine Schuldgefühle hilft mir mein Glaube an Gott bzw. an Jesus Christus. Ich hoffe, ich darf Dir das erklären (?):

Als Christ finde ich Deine Sensibilität sehr gut – und Deinen Umgang mit Dir schrecklich. Du bist nicht fehlerlos – ebenso wie alle Menschen es nicht sind. Wir dürfen nicht dazu kommen, auf Grund unserer Fehlerhaftigkeit unser Gewissen abzustumpfen, damit wir nicht mehr soviel spüren. Aber wir dürfen uns auch nicht zu unserem Richter machen und uns verurteilen. Wenn wir Menschen verstehen, dass unsere Schuld durch Jesus Christus vergeben ist, dann brauchen wir dieses Geschenk der Vergebung nur annehmen. Weisst Du wie das geht? Und wenn Gott Dir vergibt – dann hat niemand – auch Du selbst nicht, das Recht, eine Verurteilung vorzunehmen. Die ganze Schuld wird vergeben – und nicht nur 80%. Die Vergebung bezieht sich auf jegliche Schuld, ohne Ausnahme.

Sobald Du Deine Schuld an Jesus Christus abgegeben hast, haben Deine Schuldgefühle keine Berechtigung mehr und Du darfst ihnen widersprechen. Das ist ungefähr so, als ob der Herr mit dem Namen Gewissen bei Dir schellt und die Bezahlung einer offenen Rechnung verlangt. Jetzt kannst Du sagen: „auch diese Rechnung ist schon bezahlt.“ Und Du schickst diesen Herrn Gewissen wieder fort.

Ich weiß nicht, ob Du meine christliche Einstellung verstehen und annehmen kannst. Ich wünsche es mir für Dich, damit Du Deine Schuldgefühle loswerden kannst.

Helfen Dir diese Gedanken?

LG, Nordrheiner
 
L

Lenja

Gast
Ich zwinge mich dazu alles und jeden zu verstehen und für alles und jeden da zu sein.
.. Der Schmerz holt mich ein.
Wenn du dich dazu zwingst, handelst du mehr oder weniger gegen dein wahres Bedürfnis, wirst du dir selbst und deiner eigenen Wahrheit untreu, liebe Lily .. Vielleicht empfindest du deshalb dabei auch deinen Schmerz und die Schuldgefühle dir selbst gegenüber ..?

Auch wenn die eigene Wahrheit nicht dem entspricht, was man sollte oder gerne hätte, sie zu verleugnen entfernt von sich selbst und entwurzelt aus der eigenen Realität, finde ich. Dann lieber weniger helfen, aber aus dem wahren authentischen Mitgefühl heraus, das in einem entsteht. Ich wünsche dir Mut zu deiner Wahrheit. :)

Liebe Grüße,
Lenja
 
T

tuny

Gast
Hallo Lily,

vielleicht hilft, ergänzend zu meinen Vorrednern, auch der folgende Gedanke: Wenn man mal genau darüber nachdenkt, dann ist die Unterscheidug zwischen Helfen und nicht-Helfen garnicht so eindeutig wie es scheint. Denn in dem Moment, wo du jemandem nicht hilfst, gibst du jemandem die Chance, etwas selbst zu lernen und Verantwortung zu übernehmen. Ein sehr krasses Beispiel, aber auch sehr aussagekräftig, ist die Co-Abhängigkeit: Ein Partner ist beispielsweise Drogenabhängig und schafft es nicht, seinen Alltag normal zu regeln. Im Falle der Co-Abhängikeit beginnt nun der zweite Partner, dem Abhängigen in allen Bereichen zu helfen. Geld geben, Wäsche waschen, Einkaufen, Aufräumen. Alle Funktionen werden in grenzenloser Selbstaufopferung übernommen, um dem Abhängigen zu helfen. Und schon entsteht ein Teufelskreis: Der Drogenabhängige wird die freie Zeit und das neue Geld dazu nutzen, neue Drogen zu besorgen und immer tiefer in die Abhängigkeit geraten. Gleichzeitig wird er duch mangelnde Übung immer weniger in der Lage sein, sich selbst zu versorgen und zu stabilisieren, was ihm sein Selbstwertgefühl noch mehr raubt und ihn noch mehr in die Drogen als "Parallelwelt" bringt. Man kann aus diesem Beispiel lernen, dass Helfen hier offenbar einen gegenteiligen Effekt hat und dass in Umkehr sogar das nicht Helfen in der Form, dass der Abhängige Verantwortung für sich selbst lernen muss, einen positiven Effekt haben kann.

Ausgehend von dieser Überlegung könnte man also auch für die von dir geschilderten Beispiele die Frage stellen, was du für die Menschen denn möglich gemacht hast, indem du nicht geholfen hast? Und wo hast du vielleicht jemandem die Möglichkeit zur Entwicklung von Eigenverantwortung genommen, weil du geholfen hast?
Diese Perspektive ist natürlich höchst einseitig, aber kann als Gegengewicht vielleicht etwas bewirken.
 

Sikrah

Mitglied
Hallo Lily,

da möchte ich mich doch glatt Tuny ansprechen. Er oder sie :D meinte, dass wenn du jemandem nicht hilfst, dann gibst du ihm die Chance sich selbst zu helfen.

Und weißt du, wem du dadurch auch hilfst? Dir selbst.
Du scheinst, wie dein Freund meinte, ein ausgeprägtes Bedürfnis zu haben allen helfen zu wollen. Anderen Menschen helfen zu wollen ist ein edles Vorhaben, das stimmt. Aber du wirst mir wohl zustimmen wenn ich meine, dass du es eben ins negative übertreibst. Du fällst quasi in ein tiefes Loch des schlechten Gewissens, wenn du jemandem mal nicht helfen konntest.

Weißt du, das man nicht jedem helfen kann? Das mag hart klingen. Tut es auch. Aber so ist es. Ich glaube vor allem uns Frauen geht das an die Nieren. Aber so sieht es nunmal aus. Auch wir Frauen haben nur zwei Arme ;)
Wir möchten gerne Wonderwoman sein, erfolgreich im Beruf, beliebt im Umfeld, wir treiben unseren Sport, kümmern uns um Freunde und Angehörige. Wir haben für jeden ein offenes Ohr und sind sofort zur Stelle wenn jemand um einen Gefallen bittet.... und wachen eines Tages einfach totmüde auf. Warum?

Man kann nicht immer nur geben. Man kann nicht immer nur Wasser aus einem Tank abzapfen und sich dann wundern, warum er leer ist. Man muss ab und zu auch oben wieder Wasser nachkippen. Und wenn du sagst, du gehst bei deiner Mutter nicht ans Telefon, dabei müsstest du doch, weil sie so allein ist.... Das klingt für mich einfach nach Flucht. Du willst einfach mal deine Ruhe haben, sich einmal nicht um andere kümmern. Vor allem nachdem du sagst, die letzte Zeit war bei dir so viel los. Und du darfst dir diese Ruhe auch gönnen! Du DARFST egoistisch sein.
Deine Mutter ist mit ihrer Erkrankung doch gut aufgehoben, sie ist nicht allein. Sie ist in einer Umgebung die auf die achtet und in der ihr geholfen wird. Du bist nicht die, die ihr helfen muss. Du kannst dich zurücklehnen und mal durchatmen, ganz ohne schlechtes Gewissen. Und wenn du wieder Kraft hast, rufst du sie an.

Verabschiede dich ganz schnell von dem Gedanken, jedem helfen zu müssen, für jeden da sein zu müssen. Deswegen meinte ich ganz am Anfang: zu hilfst dir in dem Moment nämlich selbst. Du bist dann für dich selbst da. Du musst oben in den Tank erstmal wieder Wasser einfüllen ;) erst dann kannst du beginnen, wieder zu geben. Alles muss sich die Waage halten, nichts funktioniert, wenn nur eine einzige Seite beansprucht wird. Klingt doch logisch oder? Warum soll das dann schlecht sein?
 

Child of Storm

Aktives Mitglied
Du hast ein wirklich großes Herz - es macht dich traurig andere traurig zu sehen. Das ist eine so wunderbare Eigenschaft, wie sie für dich ein Fluch sein kann. Dein Problem ist, dass du nicht loslassen kannst. Du klammerst dich förmlich an das was du tust. Sogesehen fehlt dir der richtige Anker im Leben. Versuche zunächst dich gedanklich zu lösen. Bspw. was den alten Mann mit dem IPhone betrifft - vielleicht hat er so jemanden gefunden, der ihm noch besser helfen konnte (ohne dir jetzt zu nahe treten zu wollen!) - und du hast es ihm ermöglich seine Angelegenheit zu lösen, indem du ihn zum perfekten Ansprechpartner verwiesen hast, denn wenn du gerade keine Zeit hast, bist du das nicht. Insofern war es richtig ihn wegzuschicken, denn du konntest dich gar nicht richtig auf ihn einstellen. Übe diese gedanklichen Überleitungen eine Zeit - das kostet Kraft, dauert eine gefühlte Ewigkeit, aber es lohnt sich, versprochen.
 

Nordrheiner

Sehr aktives Mitglied
Du hast ein wirklich großes Herz - es macht dich traurig andere traurig zu sehen. Das ist eine so wunderbare Eigenschaft, wie sie für dich ein Fluch sein kann. Dein Problem ist, dass du nicht loslassen kannst. Du klammerst dich förmlich an das was du tust. Sogesehen fehlt dir der richtige Anker im Leben. Versuche zunächst dich gedanklich zu lösen. Bspw. was den alten Mann mit dem IPhone betrifft - vielleicht hat er so jemanden gefunden, der ihm noch besser helfen konnte (ohne dir jetzt zu nahe treten zu wollen!) - und du hast es ihm ermöglich seine Angelegenheit zu lösen, indem du ihn zum perfekten Ansprechpartner verwiesen hast, denn wenn du gerade keine Zeit hast, bist du das nicht. Insofern war es richtig ihn wegzuschicken, denn du konntest dich gar nicht richtig auf ihn einstellen. Übe diese gedanklichen Überleitungen eine Zeit - das kostet Kraft, dauert eine gefühlte Ewigkeit, aber es lohnt sich, versprochen.
Was ist der richtige Anker im Leben?
Ich denke, dass das Mitleiden an der Not anderer Menschen wichtig ist. Es gibt Menschen, die nicht leiden und die dem Leiden ausweichen, es unterdrücken, auch wenn es sich direkt vor ihrer Türe befindet. Dieses Unterdrücken und Wegschauen finde ich nicht richtig. Nur mußt Du, lieber Gast, nicht dermaßen unter Versagen bzw. unter Nicht-Helfen-Können leiden, dass Du nicht mehr in der Lage bist, auch fröhlich Dein Leben zu leben. Nur leiden nimmt uns die Kraft zum Leben und damit auch die Kraft das zu tun, was wir tun können. Auch Freude empfinden zu können ist wichtig, denn dadurch bewahren wir uns unsere Kraft zum Leben.

Natürlich ist es möglich, dass ein Hilfesuchender Hilfe von Dritten erhält, wenn wir nicht helfen können oder wollen. Ich möchte jedoch stark unterscheiden zwischen "nicht helfen können" und "nicht helfen wollen".

Hier ist jemand, der an der Not anderer Menschen leidet. Diese Empfindsamkeit ist ein Geschenk. Jedoch keiner von uns geht schuldlos durch's Leben. Und deshalb erscheint es mir wichtig, dass wir unsere Schuld abgeben können, damit sie uns nicht mehr belastet.

LG, Nordrheiner
 

Lily94

Mitglied
Ich bin momentan sehr eng angebunden. Auch Samstags und Sonntags hat der Mobilfunkanbieter seinen Dienst.
Ich hoffe ihr seid mir nicht bös', dass ich noch keinem von euch geantworte habe bis dato..

Ich möchte nur, dass ihr wisst, das eure Antworten mir sehr geholfen haben bis jetzt und ich mich auf jeden Fall nochmal dazu äußern werden. Ein ehrliches Danke von mir. Seid mir nicht böse. Ihr seid echt wunderbar!

Eure Lily
 

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