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Schnupperpraktikum, obwohl man kein Schüler mehr ist?

seeker95

Mitglied
Hallo,

ich bin 20 Jahre alt (nächstes Jahr werde ich 21) und habe bereits eine 2-jährige schulische Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin abgeschlossen und studiere seit September Fachübersetzen. Ich gehe auf eine private Fachakademie und ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, ob es eher eine Ausbildung zum Fachübersetzer oder ein Fachübersetzungsstudium ist, weil jeder Lehrer etwas anderes sagt, obwohl auf der Website "Studenten" steht, andererseits kümmert sich das Kultusministerium und nicht das Wissenschaftsministerium um die Fachakademie. Die Schulform gibt es anscheinend nur in Bayern. Aber sagen wir jetzt der einfachhalber mal Studium. Ich habe einen eher schlechten bayerischen Fachabischnitt von 3,1.

Im Moment fühle ich mich total orientierungslos, weil ich merke, dass ich doch nicht Fachübersetzer werden will.
Das liegt daran, weil ich keine Perspektive in dem Beruf sehe, man kann nicht in jeder Stadt eine Arbeit finden, ich möchte nicht im Ausland arbeiten, habe keine richtige Ausstrahlung (bin eher schüchtern) und wenn ein Arbeitgeber die Wahl zwischen einem hat, der gute Sprachkenntnisses hat und jemanden, der keine gute Sprachkenntnisse hat, aber dafür Fachwissen, dann würde er sicherlich den mit den Fachkenntnissen nehmen.

Meine Noten in der Ausbildung in den englischen Fächern waren zudem auch nur 2er und einen 3er und in meiner Zweitsprache war ich leider sehr schlecht. Doppelt verkackt, keine herausragenden Englischnoten und schlechte Französischnoten - also kann ich weder mit meinen Sprachkenntnissen, noch mit irgendwelchen Fachwissen punkten, im Gegensatz zu den Leuten, die kaufmännische Ausbildungen wie Einzelhandelskaufmann, Industriekaufmann usw. abgeschlossen haben. Würdet ihr mir da zustimmen?

Ich habe also nichts in der Tasche. Im Nachhinein bereue ich es zutiefst, die Ausbildung begonnen zu haben.
Aber ein anderer Grund, wieso ich die Ausbildung begonnen habe ist, dass ich erst vor ein paar Monaten von einem Freund darauf aufmerksam gemacht wurde, dass ich mit meinem Abschluss auch auf Hochschulen studieren könnte - aber eben nur nicht auf Unis. Zuerst hatte ich mich riesige über diese Nachricht gefreut, aber jetzt im Nachhinein zieht es mir den Boden unter den Füßen weg.

Ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass es nur auf Fachhochschulen geht und davon gibt es in Bayern nur wenige. Ich hatte damals mit 18, direkt nach dem Fachabi Angst gehabt, dass ich nirgendwo genommen werde und wusste auch nicht, was ich gerne aus meinem Leben machen will. Das einzige was ich wusste war, dass ich Englisch mag und gut in Englisch bin, also hatte ich mich für Fremdsprachenkorrespondentin entschieden, obwohl ich weiß, dass ich nicht gut auf Menschen zugehen kann und man mir meine Anspannung anmerkt, sobald ich mit fremden Menschen zusammen bin. Französisch mag ich eigentlich auch nicht, nur Englisch.

Ich habe mich nie für Praktika bemüht und habe sowohl in der Schulzeit als auch während der Ausbildung nur in den Tag hineingelebt. Aber jetzt habe ich eine große Sehnsucht danach, auch etwas sein zu wollen und meinen Weg zu finden. Das liegt daran, dass ich in der Schulzeit nie wirklich Freunde gehabt hatte und war meist für mich allein und von meiner Klasse hat sich kaum jemand um mich gekümmert. Aber während der Ausbildung habe ich einen Freund gehabt und er hat in mir eine Sehnsucht entfacht, dass ich auch endlich jemand sein will, der mit seinem beruflichem Leben zufrieden und mit seiner Entscheidung glücklich ist.

Im Moment jedoch bekomme ich jeden zweiten oder dritten Tag Heulkrämpfe, weil ich mit dem derzeitigen Studium (Fachakademie) nicht zufrieden bin, weil wie gesagt, ich will nicht Fachübersetzer beruflich machen. Ich habe das Gefühl, dass ich immer älter werde und meine Lebenszeit verschwende, weil ich nach diesem Schuljahr 21 sein werde, wo andere in dem Alter schon einen Bachelorabschluss haben, die nicht so dumm waren wie ich und schon mit 18 studieren gegangen sind.

Aber das ist nicht das einzige Problem. Ich weiß sicher, dass ich studieren will (jetzt wo ich weiß, dass es auf Hochschulen auch geht), jedoch immer noch nicht, was ich studieren sollte. Mein Durchschnitt ist wie gesagt sehr schlecht und deswegen ringe ich innerlich mit mir, vielleicht doch lieber eine Ausbildung zu machen. Aber wenn ich eine Ausbildung mache, fühle ich mich unglücklich, weil ich lieber studieren will und außerdem wäre ich mir auch nicht sicher, welche Ausbildung ich machen soll. Immer wenn ich die Zeitungen durchlese und auf Betriebe treffe, die Auszubildende suchen lese ich mir alles durch und danach ist mir schlecht.

Meine Eltern haben es endgültig satt, dass sie mir bei den Umzügen ständig helfen müssen (bis jetzt bin ich an 2 verschiedenen Orten umgezogen) und machen mir Druck, wie ich mir das Ganze überhaupt vorstelle, wann ich an Familienplanung denke usw. Und wenn ich sage, dass ich wechseln will sind sie so etwas von säuerlich und wollen nicht, dass ich etwas anderes mache, was nicht mit Sprachen zu tun hat, weil sie die drei Jahre sonst als verschwendet sehen.

Ich möchte endlich das befriedigende Gefühl haben, selbst Geld zu verdienen, aber nicht als nur als Nebenjob (im Moment habe ich nicht mal einen, aber bin an der Sache dran), sondern in einem Beruf, bzw. keinen Beruf zu haben, aber ein Studium mit dessen Wahl ich nichts bereue.

Ich zerbreche mir jeden Tag den Kopf darüber und komme zu keiner Lösung, langsam legt mich die ganze Sache lahm und ich fühle mich ausgelaugt und habe ständig Angstzustände. Ich fühle mich zudem bei meinem jetzigen Studienort sehr einsam, weil der Freund, den ich während meiner Ausbildung hatte jetzt weit weg ist (Sache ist kompliziert).

------ Jetzt kennt ihr die Hintergrundgeschichte. In meiner Situation sehe ich es gerade als beste Lösung an, mich endlich wirklich um Praktika für die Schulferienwochen zu bemühen, aber mittlerweile bin ich ja kein Schüler mehr. Bei Siemens auf der Seite steht, dass sie nur Schüler nehmen, aber ich Nicht-Schüler habe die Praktika dringend nötig.

Wisst ihr, ob Unternehmen auch Schnupperpraktikanten nehmen, die keine 15 Jahre mehr sind und auch keine Schüler mehr sind? Oder sind 20-Jährige (im Laufe des Schuljahres 21) zu alt für die meisten Unternehmen und sind nicht gern gesehen?

Ich möchte ein Praktikum als Fachinformatiker und ein paar im technischen Bereich machen, aber auch kaufmännische Berufe. Ich habe die Hoffnung, dass Praktika mir aufzeigen könnten, was ich studieren will.

Könnt ihr mir sonst noch einen Tipp geben für meine derzeitige Situation?

Danke schonmal.
 

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mimikry01

Mitglied
Puh ganz schön langer Text, ich hoffe ich bring nichts durcheinander, aber eine Ausbildung hast doch jetzt abgeschlossen, oder?

Hin und oder her, du hast auf jeden Fall mehr Kenntnisse vorzuweisen als Schüler. Womit ich dir leider Recht geben muss ist, dass du in gewissem Maße selbst Schuld an der Situation bist. Hättest du zwischendurch mal ein Praktikum gemacht hättest du was vorzuzeigen und auch erste Eindrücke, was für eine Arbeit dir wirklich liegt.

Aber: Jetzt kannst du es sowieso nicht mehr ändern deswegen halte dich daran nicht auf, behalte es aber im Kopf, damit ein Fehler dieser Art nicht nochmal passiert. ;)

Selbstverständlich gibt es Unternehmen, die Praktikumsstellen anbieten, ohne dass du Schüler bist. Meist richten sich diese an Studenten, aber vielleicht wird ja das, was du aktuell machst, als Studium anerkannt - das kann ich nicht genau beurteilen. Aber selbst wenn nicht - gib da bloß nicht so schnell auf.

Ich kann dir keine konkreten Unternehmen nennen. Was ich dir aber sagen kann ist, dass du durchaus Chancen hast - du musst dich nur verdammt anstrengen. Der allerwichtigste Punkt sind Kontakte. Glaub mir, darüber geht alles. Kennst du nicht jemanden in deinem Umfeld, der ein Unternehmen hat oder der einen Unternehmer kennt oder einfach jemanden, der sich bei seinem Arbeitgeber mal erkundigen kann? Wenn der Entscheider deinen Namen schon mal gehört hat und in Verbindung sieht mit jemandem, den er kennt, steigen deine Chancen - aber richtig.

Wichtig ist, dass du dir vorher GANZ genau überlegst, WAS für dich in Frage kommt. Mach bitte nicht denselben Fehler zweimal. Überlege, was alles für dich in Frage kommen könnte. Überlege, welche Themen dich so sehr reizen, dass du sagst: Damit könnte ich mich mein Leben lang beschäftigen. Überlege was für eine Arbeit dir liegt und was nicht.

Und wenn du das weißt, kannst du anfangen, dich dort zu informieren, wo es nur geht. Geh auf Messen, wo Unternehmen sich präsentieren und um Leute werben. Setz dich in Verbindung mit so vielen Unternehmen, wie es geht. Schau dir alles an, was du zu zeigen hast und lege es in die Richtung aus, dass es gut ankommt (aber trotzdem ehrlich bleiben). Eine gute Bewerbung ist wichtig. Erkläre die Situation, erkläre was du dem Unternehmen bieten kannst, gib einfach alles, was du hast. Fang bloß nicht an, das mit einem Schülerpraktikum zu vergleichen. Setz dein Niveau auf Praktikastellen für Studenten.

Also ich kann dir nur raten: Kontakte und danach Bewerbung und dann bitte eine super Motivation und Arbeitskraft an den Tag legen. Ist nicht ganz einfach, aber damit hast du verdammt hohe Chancen, aus deiner Situation rauszukommen. :)
 

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