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Probleme in Familie – Sohn erbittet Hilfe

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tuvwx

Gast
Probleme in Familie – Sohn erbittet Hilfe
Hallo,
schon seit langer Zeit haben wir arge Probleme in unserer 3-köpfigen Familie. Ich hoffe hier Hilfe, Tipps etc. zu erhalten, wie wir mit unserer Situation umgehen und wie wir etwas verbessern können.
Ich stelle uns kurz vor: Wir sind eine Vater-Mutter-Kind (49/49/19) Familie, mein Vater ist in der Industrie tätig, meine Mutter Hausfrau und ich stehe vor dem Abitur. Meine Eltern sind nun 20 Jahre verheiratet, bisher ohne Krise. Mein Vater sorgt bisher immer für das Einkommen, meine Mutter kümmert sich seit meiner Geburt (fast) ausschließlich um meine Erziehung, war also nun 20 Jahre nicht berufstätig, was aber von meinen Eltern gemeinsam beschlossen wurde. Ich hatte eine super Kindheit und bin / war mit meinem Leben eigentlich immer sehr zufrieden, weiterhin leben wir in sehr guten Verhältnissen.
Warum ich im Moment nicht so zufrieden bin, möchte ich nun erzählen.
Kurz nachdem ich letztes Jahr das 18. Lebensjahr erreichte, begannen die Probleme. Ich hatte ein Auto, hatte nun eine Freundin und auch mehr für die Schule zutun, wurde also immer mehr selbstständig. Die Aufgaben für meine Mutter (meine Erziehung, zur Schule hin und herfahren, …) gingen aus, sie schien für sich selbst keine Aufgabe mehr zu haben und wurde depressiv (das ist jetzt sehr grob dargestellt; die einzelnen Stationen, wie es zu was kam weiß ich bis heute noch nicht 100%ig). Sie zog sich zurück, weinte viel, machte sich viel Gedanken über alles, konnte nicht einschlafen etc. Das war etwa im Dez. 07. Die genannten Symptome herrschten aber lange vor, teils bis heute.
Bis heute vermuten wir dieses Gefühl von „Wertlosigkeit“ wegen fehlender Aufgabe als Hauptursache für die Depression. Dazu kommt, dass mein Vater geschäftlich recht viel unterwegs ist und auch an normalen Tagen recht spät nach Hause kam und sie sehr häufig allein daheim war. Mir selbst wurde erst gut 3-4 Monate nach Einsetzen ihrer Depression davon erzählt, ich habe wirklich nichts davon mitbekommen bzw. sie hat sich nichts anmerken lassen. Bis zu diesem Zeitpunkt, als sie es mir erzählte, war sie zwei Mal bei einer Psychologin. Warum sie mir erst so spät davon erzählte? Sie dachte, sie würde es vielleicht so schaffen, aus dem ganzen herauszukommen, was sie aber leider nicht schaffte. Mein Vater war allerdings von Anfang an mit eingeweiht. Eine Freundin und Schwestern folgten.
In Folge der Depression (nehmen wir an) ging im Laufe einiger Wochen ihre Beziehung zu meinem Vater langsam verloren. Sie meinte, sie würde nichts mehr für ihn empfinden und ging ihm mehr oder weniger aus dem Weg. Trotzdem bemühte er sich sehr, kam eher nach Hause, sie redeten viel etc.
Natürlich sprach ich auch mit meinem Vater und wir vermuteten, dass diese „Entliebung“ (kann man das so sagen?) von der Depression her stammt und, sollte die Depression geheilt werden, sich auch alles andere wieder einrenkt.
Bis zu diesem Zeitpunkt waren ca. 6 Monate seit Beginn der Depression vergangen.
Meine Mutter ging weiterhin zur Psychologin. Anfangs noch öfter, waren es nun nur noch 1-2 Mal im Monat. Dazu ist zu sagen, dass es ihr an den Tagen und noch 1-2 Tage später wenn sie von der Psychologin kam, deutlich schlechter ging als sonst. Wohl, weil sie dann sehr viel aufgearbeitet hat.
Weiterhin muss ich anmerken, dass meine Mutter ein Typ ist, der schon mit pessimistischen Gefühlen zu einer solchen „Therapie“ geht, von wegen: „Bringt doch eh nix“, „Seelenklemptner“, „Jetzt kommt die auch noch mit meiner Kindheit“, … usw. Die typischen Vorurteile.
Dazu kam, dass es ihrer Mutter (also meiner Oma) zu der Zeit sehr schlecht ging und alle quasi jeden Tag auf den Tod „warteten“ und das umso mehr an ihrem Nervenkostüm rüttelte, was auch deutlich spürbar war (heute geht es meiner Oma aber wieder hervorragend, sie hat alles gut überstanden).
Seit letztem Sommer … naja „geht es so hin“. Das ganze Thema rund um Depression, Ehe, etc. kommt nicht oft auf, höchstens einmal im Monat, wenn überhaupt (ich weiß allerdings nicht, wie oft meine Eltern untereinander sprechen).
Es schien (für mich) jedenfalls so, als hätte sich meine Mutter damit mehr oder weniger abgefunden, wie es nun war, aber manchmal hat sie halt Tage, an denen sie überhaupt nicht klar kommt und man ihr ansieht, dass es ihr schlecht geht. Ich versuche dann immer, viel Zeit mit ihr zu verbringen. Ganz deutlich wurden aber immer ihre Schuldgefühle in Gesprächen, da sie oft sagte, ihr würde alles leid tun, wir hätten kein Familienleben mehr, sie hätte alles kaputt gemacht und sie wolle mich nicht belasten.
Sie schaffte dann auch im Sommer den Sprung und suchte sich eine Beschäftigung. Sie ist jetzt seitdem 1-2 Mal in der Woche in einer gemeinnützigen Organisation tätig, das etwa 3-4 Stunden, besucht ab und zu auch Freundinnen und Schwestern, telefoniert auch mit diesen fast täglich, … das alles hält auch bis heute an.
Da sie nun wieder etwas zutun und eine Aufgabe hatte, schien es mir wohl so, als würde alles wieder auf geordneteren Bahnen verlaufen.
Nun ja, es ging so weiter, dass meine Eltern zwar hier zusammen wohnen und sich miteinander arrangieren, aber meiner Mutter wie gesagt die Beziehung zu meinem Vater fehlte, umgekehrt aber eben NICHT. Mein Vater hat sich weiterhin sehr bemüht, alles zum Guten zu wenden.
Doch ging es ihr, wenn mein Vater in ihrer Nähe war, wohl immer schlechter als wenn sie weniger Zeit miteinander verbracht haben.
Um diesen ganzen Stress zu vergessen, griff meine Mutter dann abends gern mal zu einem Glas (wirklich nur eins) Jack Daniels, was ich ihr dann aber fix ausgeredet habe. Mein Vater kam gleichzeitig auf einen ähnlichen Trip, dazu aber später mehr.
Wie gesagt haben sie sich zusammen arrangiert, aber für meine Mutter war es eben nicht das Wahre.
Die Besuche bei der Psychologin hat sie allerdings meines Wissens einstellt.
Das zur Historie, kommen wir nun zur aktuellen Situation.

Da sie beide das beste für mich wollen (haben sie mir auch mehrmals gesagt) und da ich soweit auch nix mitkriegen sollte, versucht sich meine Mutter für mich zu "verstellen" (hab ich den Eindruck), damit ich so wenig wie möglich unter allem leide, vor allem jetzt vor direkt vor dem Abitur. Zwar sehr löblich, aber bringt ihr ja leider auch nicht viel. Aus diesem Grund verliefen auch die Überlegungen meiner Eltern, dass zumindest einer (das wäre dann wohl mein Vater gewesen), aus dem Haus auszieht und sich eine Wohnung sucht, schnell im Sande.
An dieser Stelle muss ich nochmal sagen: Das ganze läuft zwischen den beiden ohne Streit, ohne Vorwürfe, ohne Forderungen. Mein Vater als immer noch Alleinverdiener würde meine Mutter auch niemals hängen lassen!
Aber zurück: Meine Mutter versucht ihre Gefühle wohl zu unterdrücken, dass ich so wenig wie möglich von allem mitbekomme. Klappt aber nicht immer so. Deshalb ist sie halt öfter mal bei mir (habe eine Dachgeschosswohnung für mich allein), z. B. auch vorgestern, als sie mir wieder 1,5 h einen vorgeheult hat und wir geredet haben. Ist ja auch gut so. Und bei ihr ist es halt immer noch so, dass sie sagt, sie hat alles kaputt gemacht und so und das es ihr alles sehr leid tut. Ich gehe auch davon aus, dass sich Schlafstörungen etc. nicht gebessert haben. Sie hat deshalb auch am Anfang von ihrem Hausarzt (sehr leichte) Schlaftabletten verschrieben bekommen, die sie aber glaub ich noch immer ab und zu nimmt (wirklich nicht oft).
In unserem Gespräch vorgestern erzählte mir meine Mutter weiterhin, dass sie nach dem schönen Weihnachtsfest (sie war wirklich happy, obwohl wir auch nur zu 3. gefeiert haben) und unserem Skiurlaub (zu 4. mit meiner Freundin) den Eindruck hatte, dass sich alles zum Guten verändern könnte. Dies schien mir vielleicht als kleiner Wendepunkt, aber…
Sie sprach daraufhin wohl mit meinem Vater, doch kamen sie zu dem Entschluss, dass jeder seine eigenen Wege geht und seine eigenen Dinge durchzieht. Das ist auch zu merken, da mein Vater am Wochenende oft allein unterwegs ist (siehe Nachtrag).
Abends sitzen sie zwar relativ oft gemeinsam im Wohnzimmer, allerdings reden sie wohl nicht viel und es entsteht wenig Produktives.
Im Gegenteil: Meine Mutter machte mir weiterhin klar, dass die einzige Sache, die meine Eltern im Moment verbindet, ich sei.
Das heißt also, dass sich wohl beide damit abgefunden haben, zwar (wegen mir) zusammen zu wohnen, aber nichts miteinander am Hut zu haben. Ein doch sehr arger Dämpfer. Sie betonte allerdings stark, dass sie sich auf jeden Fall nicht scheiden lassen wollen. Vielleicht ein Lichtblick?
Vor allem frag ich mich jetzt natürlich, was passieren wird, wenn ich ab Herbst wohl nicht mehr zuhause wohne, wenn ich studieren gehe. Irgendwas muss ja passieren.

Die großen Fragen sind natürlich:
Was können wir tun? Ist hier überhaupt noch etwas zu machen?
Könnte eine Paartherapie helfen? Würde eher eine Einzeltherapie gut tun?
Leidet meine Mutter überhaupt noch an einer Depression? Muss ich mehr mit meinen Eltern sprechen? Wie kann ich mit meinen Eltern sprechen, die Gespräche beginnen und Fragen stellen (es gibt einige Dinge, die ich im Detail nicht weiß, aber gern erfahren würde; weiß aber nie, wie ich anfangen soll!?!)?
Sind diese von mir genannten Symptome für eine Depression normal?
Wäre es sinnvoll, dass meine Mutter wieder Vollzeit arbeitet, um auf viele andere Gedanken zu kommen (und wir kriegen wir das hin, sie hat ja nie wirklich gearbeitet??)
Wäre es gut, sich für eine gewisse Zeit zu trennen oder wie gibt es eine Chance, dass die beiden wieder zueinander finden?!?


Noch als kleiner Nachtrag:
Ich glaube nicht, dass mein Vater etwas „gemacht“ hat, dass meine Mutter nicht mehr mit ihm zurechtkam. Das hätte ich sicher schon in Erfahrung gebracht. Warum es allerdings genau nicht mehr klappt, weiß meine Mutter selbst nicht. Sie weiß auch nicht, wie ihre Zukunft bzw. ihr Leben aussieht, sollte ich in einem halben Jahr studieren gehen. Sie weiß es einfach nicht…
Oben habe ich geschrieben, dass mein Vater ab und zu allein mal weggeht. Das ist eigentlich seitdem so, also meine Mutter die Phase hatte, als sie abends gerne mal einen! Whiskey gegönnt hatte. Mein Vater hat aus Gesellschaft Beam mitgetrunken, weil er natürlich auch alles nicht so wirklich verkraftet (hat). Deshalb ist er abends öfter mal weg, wie er sagt in der Spielhalle oder einen Trinken. Ob er aber wirklich das eine Wochenende samstags und das andere sonntags jeweils von 12 bis 18 Uhr in der Spielhalle verbracht hat… ich weiß es nicht…
Ich habe ihn mal drauf angesprochen, aber keine Antwort erhalten. Er meinte nur, ich erzähle ihm ja auch nicht alles, was ich machen würde. Früher war dies jedenfalls nicht so.
Meine Mutter scheint das übrigens auch zu belasten, dass mein Vater sich oft mal irgendwo rumtreibt, wovon wir nichts wissen, jedenfalls habe ich diesen Eindruck, da sie letztes Mal beim Aussprechen von „Papa ist ja mal wieder nicht da“ zu Heulen anfing ( Ich weiß aber wie gesagt immer nicht, wie ich solch ein Gespräch anfangen soll, wenn ich sie auf sowas ansprechen will???).

So, soviel nun zu uns und unserem „kleinen“ Problem.
Ich hoffe sehr, dass ich Antworten auf die oben gestellten Fragen bekommen kann, evtl. ja sogar aus eigener Erfahrung.
Ich würde sehr gern wieder ein normales Familienleben führen, meine Eltern zusammen glücklich sehen und auch alles auf der Welt dafür tun.
Bitte helft mir.
Viele und liebe Grüße
 

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Marcus

Aktives Mitglied
Hallo

Also erst mal finde ich es ganz toll, daß ihr so respektvoll miteinander umgeht; das spricht für ein gewisses Niveau, was allgemein ganz und gar nicht üblich ist, wenn Probleme in der Familie auftauchen.

Du scheinst ein behütetes Leben geführt zu haben, was ein glücklicher Umstand für Dich ist.

Jetzt aber hast Du mit DIR viel zu tun, und brauchst Deine Energie für Dich und Dein Studium.

Es kommen nun mehrere Dinge zusammen:
Dein „Flüggewerden“, das Ende Deiner Kindheit und somit das Ende einer wichtigen Aufgabe für Deine Mutter. Und auch die „eingeschlafene“ Beziehung Deiner Eltern zueinander.

Möglicherweise auch tatsächlich ein verschlepptes Problem aus der Vergangenheit Deiner Mutter.

Viele Ehepaare verbindet nach einigen Jahren entweder nur noch die Gewohnheit, ein finanzielle oder andere Abhängigkeit vom Partner, und/oder die Angst vorm Alleinsein.

Die „Schuldbekenntnisse“ Deiner Mutter deuten auf ein geringes Selbstwertgefühl hin.

Es kann immer passieren, daß ein Familienmitglied krank wird; dann gilt es die Ursachen zu erforschen und eine Lösung zu finden.
Das gebietet die Liebe, die diese Familie verbinden sollte.

Die Trennungsgedanken Deiner Eltern führe ich eher auf ein Auseinanderleben zurück, wie man so schön sagt.

Das bedeutet aber, daß die Liebe verlorengegangen ist, was sehr oft passiert.

Sollte Deine Eltern jemals wirklich LIEBE verbunden haben, so denke ich, daß es dann noch eine Möglichkeit gibt, sie wiederzufinden.

Wenn beide das wollen, dann halte ich eine gute Paartherapie für sehr sinnvoll.

Wenn aber einer von beiden das ablehnt, ist es wohl vorbei mit der Liebe, oder es hat nie eine gegeben.

Dann kann man sich zwar auch arrangieren, aber dann eher in einer Art WG.
Wie es ebenfalls bei vielen Paaren (leider) der Fall ist.

Ich persönlich bin der Ansicht, daß zwei Menschen, die sich nicht lieben, auch nicht zusammengehören.
Man sollte sich dann würdevoll trennen, einfach aus Respekt voreinander.

Die Realität sieht gewöhnlich anders aus und man zerstört sich gegenseitig.

Vielleicht solltest Du mal mit Deinen Eltern reden (einzeln), und ihnen zu verstehen geben, daß sie auf DICH nicht mehr so viel Rücksicht zu nehmen brauchen, weil Du dabei bist, Dein eigenes Leben aufzubauen. Aber auch, daß Du sie liebst.

Und sie wissen lassen, daß Du ihre Wünsche und Entscheidungen respektieren wirst, egal, wie diese aussehen, auch wenn Du Dir natürlich eine harmonische Familie wünschen würdest.

Möglicherweise verschwindet dann der Druck und es entsteht eine ganz andere Situation, in der sich Deine Eltern dann auch freier bewegen und sich ihrer Gefühle klar werden können.

Wie auch immer, die Ursache eines Problems MUSS erkannt werden, sonst kann man es niemals beheben.

Und wenn es so ist, daß es keine Gefühle mehr zwischen Deinen Eltern gibt, dann sollte das jeder akzeptieren, und man sollte trotzdem würdevoll miteinander umgehen.

Vielleicht braucht Deine Mutter auch einfach nur eine neue Aufgebe, um wieder aufzuleben; das ist von hieraus schwer zu sagen.

Vielleicht ist sie „nur“ in ein Loch gefallen, wie es nach gewissen Lebensabschnitten gern mal der Fall ist.
Genauso, wie zum Rentenantritt, wobei sich ein vielbeschäftigtes Ehepaar plötzlich dem ständigen Zusammensein ausgesetzt sieht, und ein Drama die Folge ist, weil man nicht damit umgehen kann.

Ich wünsch Dir und Euch alles Liebe!

Marcus
 

ramona

Aktives Mitglied
Hallo,

ersteinmal Hut ab vor Deinem Beitrag. Mit Deinen 18 Jahren so zu schreiben ist schon der Hammer!

Nun zu Euch:

Ich schlage Euch eine Familientherapie vor. Dort kannst Du dann auch Deine Fragen vorstellen.

Hast Du schon mal drüber nachgedacht, das Dein Vater eine andere Frau haben könnte??

Wie sieht es mit Dem Sex Deiner Eltern aus? Gut, das ist natürlich nicht einfach herauszubekommen. Selbst wenn Deine Eltern offen mit Dir spriechen,werden sie Dir nicht alles sagen.
 

hpweyer

Mitglied
Hallo!

Zunächst einmal schließe ich mich Ramona an, tolle ausführliche Darstellung Eures/Deines Problems. Und ich füge hinzu: Kompliment, dass Du so engagiert bist, das Familienleben zu erhalten. Für einen 19jährigen wirklich bemerkenswert!

Ich denke zunächst einmal, das Problem hat nur sehr indirekt etwas damit zu tun, dass Du "flügge" wirst und Deiner Mutter damit ein Teil ihrer Lebensaufgabe genommen wird. So, wie Du Deine Familie beschreibst, wird Deine Mutter auch für Dich "sorgen" wenn Du nicht mehr zuhause wohnst. Und sie wird Dich auch in dem Bewußtsein erzogen haben, dass dieser Tag irgendwann kommen wird. Damit wird sie leben können.

Das Probleme, so denke ich, liegt hinter dem Satz Deiner Mutter "Ich habe alles kaputt gemacht". Da Du keinerlei Ansatz dazu mitgeteilt hast, wie sie auf diesen Satz kommt, gehe ich davon aus, dass Dir der Grund für diese Aussage nicht bekannt ist.

Ich werde Dir nun ein Szenario vorstellen, das ich für wahrscheinlich halte. Natürlich ist das ohne weitere Informationen Spekulation, aber wenn Du willst, kannst Du Deinen Eltern dieses Szenario ja mal vorlegen und sie fragen, ob es so war, bzw. ist.

Zunächst einmal hast Du geschrieben, dass die Sache anfing nachdem Du Volljährig geworden warst und Deine Mutter sich nicht mehr so viel um Dich kümmern mußte. Natürlich kann das eine Rolle spielen. Undzwar insofern, dass Deine Mutter mehr Zeit zum Überlegen hatte als vorher.

Wenn Du einmal versuchst zurück zu denken: War das auch gleichzeitig eine Zeit in der Dein Vater besonders viel und lange unterwegs war? Ich vermute, wenn Du Dich erinnern kannst, wirst Du das bestätigen.

Ich gehe nun mal davon aus, dass Deine Mutter sich in dieser Zeit recht viele Gedanken über ihr Zusammenleben mit Deinem Vater gemacht hat. Dabei ist ihr vielleicht aufgefallen, dass sie sich irgendwie voneinander entfernt haben und "nur" noch miteinander leben, statt einander zu lieben. Anders ausgedrückt, dass ihr Leben Gewohnheit geworden ist.

Für den weiteren Gang der Dinge sehe ich dann zwei Möglichkeiten:

1. Weg
Deine Mutter hat sich selbst vorgeworfen, dass sie die Schuld an dieser Situation trage, weil sie sich immer nur um Dich gekümmert und Deinen Vater damit vernachlässigt hat.

2. Weg
Deine Mutter hat die Schuld an dieser Situation Deinem Vater vorgeworfen, vielleicht sogar in Zusammenhang mit einer anderen Frau (er geht fremd).

Egal welcher dieser beiden Wege der Richtige ist, sie hat sich in diesen Gedanken so sehr verrannt, dass sie nur noch darüber nachgrübelte. Grübeln ist die Konzentration auf ein Problem. Wer sich auf ein Problem konzentriert, kann keinen (Aus-)Weg mehr sehen.

Ich vergleiche Grübeln immer mit der Flucht vor einer Litfaßsäule. Wenn Du dicht an einer Litfaßsäule stehst und Dich voll auf diese "Mauer" konzentrierst, dann kannst Du so oft um die Säule herumlaufen wie Du willst - Du wirst keinen Ausweg sehen. Erst, wenn Du einen Schritt zurücktrittst, siehst Du die Wege, die daran vorbei führen.

Deine Mutter hat also gegrübelt und keinen Blick mehr für die Realität und mögliche Auswege gehabt. Das hat sie "fertig" gemacht, sie wurde krank. Sie konnte an nichts anderes mehr denken und geriet immer tiefer in die Depression.

Dein Vater hat sich in der folgenden Zeit sehr um sie bemüht und viel mit ihr geredet, schreibst Du. Klasse! Auch Deinem Vater ein großes Kompliment! Es hat nur vermutlich gar nichts gebracht, weil sie sich von ihrem Gedanken nicht abbringen ließ.

Mit der Zeit hat Dein Vater nicht mehr die Kraft gehabt gegen diese unsinnigen Gedanken anzurennen. Er tat das was er konnte, er signalisierte ihr, dass er da war. Und er verbrachte viel Zeit mit ihr.

Die Psychologin tat das was (sorry) Psychologen immer tun, sie suchte nach Ursachen in der Kindheit Deiner Mutter. Das konnte Deine Mutter mit ihren Gedanken überhaupt nicht in Einklang bringen. Sie konnte unmöglich einen Zusammenhang mit ihrer eigenen Kindheit erkennen. Der Abbruch dieser Form der "Therapie" war damit schon bei Beginn vorprogrammiert. (Sorry, ich habe auch einen psychologisch-beratenden Beruf, aber ein sehr gespaltenes Verhältnis zu Psychologen und Pädagogen. Geb ich zu!)

Für das Verhältnis Deiner Eltern zueinander half das gar nichts. Deine Mutter begann die Nähe Deines Vaters für unerträglich einzustufen und versuchte die Situation mit dem Alkohol zu besänftigen. In ihrem Unterbewußtsein wußte sie sehr wohl, dass es diese Möglichkeit gar nicht gibt, daher kam es nur zu einem Glas am Abend. Gut dass Du ihr das ausgeredet hast.

Auch das Verhalten Deines Vaters, nämlich Deine Mutter von diesem "Unerträglichen zu befreien" indem er aus dem Haus ging, hat dazu beigetragen, dass sie den Alkohol wieder weglassen konnte. Ausserdem ist sie sich immer noch ihrer Verantwortung für die Familie bewußt und konnte sich nicht "zusaufen". Sie muss ja noch bis zum Herbst "für Dich sorgen".

Dass sie angefangen hat zeitweise zu arbeiten bestätigt meinen Gedanken, dass sie sich darauf einstellt, dass sie sich in Zukunft nicht mehr um dich kümmern muss und schon nun plant sich irgendwie zu beschäftigen. Am grundsätzlichen Problem Deiner Eltern ändert das noch nichts.

In der Zwischenzeit haben sie sich vielleicht sogar schon so an die "geteilte" Situation gewöhnt, dass sie wenig Versuche machen, das zu ändern. Möglicherweise haben sie sich mit der "Gewohnheit" arrangiert. Es gefällt beiden nicht, aber es ist immer noch besser als sich zu trennen.

Deine Eltern haben nach meiner Einschätzung sehr wohl eine Chance wieder zueinander zu finden. Voraussetzung dafür ist erstens, dass Deine Mutter mit den Selbstvorwürfen aufhört, also den falschen Gedanken wirklich abschließt. Und zweitens natürlich ist Voraussetzung dass Beide das jetzt noch wollen.

Für Dich ist das Wichtigste, dass Du Dein Abitur schaffst und dann Dein Studium beginnst! Darauf mußt Du Dich sehr stark konzentrieren. Ein schlechtes Abitur und womöglich dann die Chance zum Studium vertan - das wäre für Deine Eltern vermutlich nicht besonders förderlich. Ich will Dich mit diesem Gedanken nicht unter Druck setzen. Diesen Druck hast du nicht nötig, dafür bist Du gut genug in der Schule. Ich möchte Dir nur zeigen wo DEINE Priorität liegen muss.


Ich weiß nicht ob meine Fern-Analyse auch nur annähernd das Problem richtig trifft. In der Regel spreche ich mit den Leuten (zumindest telefonisch) und kann Fragen stellen. Aber ich hoffe, Du kannst den Ansatz mit Deinen Eltern erläutern (Vielleicht einfach ausdrucken und ihnen - Vater zuerst - zeigen).

Ich wünsche Euch alles Gute. Und wenn Du neue Erkenntnisse hast kannst du Dich auch gern telefonisch melden.

Herzliche Grüße
hpweyer.de
 

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