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Persönlichkeitsstörung und keine Beziehung/wenig Freundschaften. Was noch tun?

jo2899

Mitglied
Hallo liebes Forum,
bekannt leide ich (m/21) seit ca. 2 Jahren unter einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsakzentuierung und vermutlich hab ich auch Ansätze der asthenischen (abhängigen) Akzentuierung.
Ich persönlich glaube allerdings, wenn ich mich darüber informiere, dass ich diese schon sehr viel länger habe, auch wegen genetischen Faktoren und dem generellen "Temperament"/Charakter.
Zusätzlich leide ich unter Depressionen, einer Angststörung und als Verdachtsdiagnose unter dem Asperger-Syndrom.
Das macht es mir leider ziemlich schwer Freundschaften aufzubauen, obwohl einige sagen, dass sie mich nett und humorvoll finden und dass man mit mir gut reden kann.
Romantische Beziehungen sind eh ein sehr leidiges Thema. Bis auf eine dreimonatige "Mitleidsbeziehung" hatte ich noch keine Partnerin.
In dem Bereich bin ich einfach sehr zurückgeblieben. Jetzt hat sogar meine beste Freundin einen Freund, obwohl sie nie einen wollte. Das freut mich ja für sie aber ich bleibe einfach nur wieder über. Aber mit denen Erkrankungen findet man wohl auch niemanden.
Therapien hab ich schon einige versucht, aber nichts hat geholfen.
Ich weiß nicht mehr weiter und brauche dringend Tips. Aber bitte keine Sätze wie "Du wirst schon jemanden finden". Die kann ich echt nicht mehr hören.
Herzliche Grüße und danke schon mal für Antworten,
jo2899
 

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Hallo jo,

dein Text könnte von mir sein, ich war beim Lesen wirklich etwas verblüfft, wie ähnlich wir uns sind.
Ich selbst habe auch Depressionen, im Moment seit einigen Monaten, dazu aber auch viel Stress.
Zudem habe ich erwiesenermaßen eine Persönlichkeitsstörung, ich selbst tippe auf eine selbstunsicher-vermeidende, die wohl schon mit meiner Kindheit oder noch früher begonnen hat. Ich habe auch einen Verdacht auf Asperger, stehe mittlerweile auf eine Warteliste dafür.

Ich hatte zwar schon Beziehungen, zwei, aber suche derzeit auch. An deiner Stelle würde ich zuerst die Depression angehen, da diese zumindest bei mir das ist, das mich im Alltag am meisten einschränkt und runterzieht. Hast Du denn schon Kontakt zu einem Therapeuten/Psychiater deswegen?
Das wäre die Baustelle, die ich als erstes angehen würde. Ich will nicht sagen, dass die Arbeit daran einfacher ist. Aber ich denke, die Therapie einer Persönlichkeitsstörung, die bereits so lange andauert, braucht Zeit und es ist denke ich besser, das anzugehen, wenn Du keine Depression "im Nacken" hast.

Deine Situation in Bezug auf Freundschaften und Beziehungen kann ich gut verstehen, mir geht es grad genauso. Man wünscht sich Freundschaften, man kann gut mit anderen reden und trotzdem klappt es nicht. Ich würde an Deiner Stelle an Orte gehen, an denen sich Leute aufhalten, die zu Dir passen und mit denen Du gern Zeit verbringst. Ich z.B. bin früher auf Beat-Abende, in Discos und Faschingszüge gegangen, um Leute kennen zu lernen. Hat nicht geklappt und der Großteil der Leute war besoffen ;D. Ich habe erst später erkannt, dass solche Orte nichts für mich sind, um Leute kennen zu lernen. Wenn Du wie ich introvertiert bist (was ich jetzt nicht weiß), gehe an Orte, die Introvertierte aufsuchen, Bibliotheken, Parks, Museen, Ausstellungen. Wegen der Pandemie weicht wohl ein Großteil auf das Internet aus, aber ich habe gemerkt, dass mir das auch gut tut. Menschen zu haben, die mir schriftlich mitteilen, dass sie mich verstehen und mich nicht komisch oder schräg finden, weil ich so bin, wie ich bin. Kleiner Tipp: In diesem Forum gibt es ein paar Introvertierte und es gibt auch extra Foren für solche.
Ich selbst war schon oft davor, zu resignieren. Einfach aufzuhören, zu versuchen, neue Leute kennen zu lernen, weil ich dachte: "Es klappt ja eh nicht." Aber wenn man es nicht versucht, klappt es auch nicht. Und selbst wenn man 20 mal wo hin gehen muss und es nichts wird. Wenn man beim 21ten Mal jemanden kennenlernt, mit dem/der man sich versteht, hat es sich gelohnt. Es wird wohl immer wieder Momente geben, in denen wir aufhören wollen, uns einfach in die Einsamkeit zurückziehen wollen. Aber genau dieser Rückzug setzt das Hamsterrad fort, zumindest bei mir. Versuch, neute Leute kennen zu lernen > Scheitern > Rückzug > Einsamkeit > Traurigkeit. Bis man versucht, wieder raus zu gehen und das Rad dreht sich erneut. Aber ich denke, wenn man sich nach dem Scheitern nicht zurückzieht, wie es bei der selbstunsicher-vermeidenden persönlichkeit ja vorkommt, kann man diesem Hamsterrad einen Strich durch die Rechnung machen.
Wir müssen uns immer wieder überwinden, raus zu gehen, allen Zweifeln und Ängsten zum Trotz. Aber ich denke, je öfter wir uns trauen, desto kleiner werden diese Ängste. Desto mehr kann man nach dem Scheitern weitermachen. Ich möchte Dir dazu noch die Worte mitgeben, die Winston Churchill einmal Studenten mitgegeben haben soll. Er wurde nach einer Rede bei einer Abschlussfeier gefragt, was ist der wichtigste Tipp, den er ihnen geben kann. Er sagte: "Never, never, never NEVER! GIVE UP!"
In Bezug auf Beziehungen würde ich in einem seperaten Post eingehen, sonst wird das hier zu lange. Ich wollte Dir nur noch sagen, dass ich dich gut verstehe, Du damit nicht alleine bist und dich auch nicht scheuen brauchst, mir eine PN zu schreiben. :)

Liebe Grüße aus dem Wald
 

jo2899

Mitglied
Hallo,
@ At home in darkest woods Danke für Deine Antwort (hoffe es ist okay wenn ich Du sage ;)). Ich habe einfach das Gefühl in dieser Gesellschaft abgehängt und nicht zugehörig zu sein. Allerdings hab ich irgendwie so gut wie nie resigniert und habe es immer wieder zumindest ansatzweise probiert, egal wie schlecht die Erfahrungen waren. Mein Betreuer sagt immer, ich habe eine hohe Resilienz.
Trotzdem ist es natürlich deprimierend wenn die Erfahrungen immer wieder die gleichen sind.

Ich würde an Deiner Stelle an Orte gehen, an denen sich Leute aufhalten, die zu Dir passen und mit denen Du gern Zeit verbringst.
Ich frage mich halt wo diese Orte sein sollen. Ich habe schon einiges ausprobiert, von Sport was mir aber keinen Spaß macht, bis Musikgruppe, was eigentlich voll mein Ding ist aber die Leute mochten mich auch nicht. Es gibt auch nicht eine Art von Mensch, die offensichtlich gut mit mir klarkommt. Die paar Freunde die ich habe, sind irgendwie doch recht unterschiedlich aber mögen sich alle auch untereinander. Mein Bekanntenkreis ist bunt gemischt.

Ich frage mich halt ob das alles nur an meiner Depression und der Persönlichkeitsstörung liegt, weil ich bin ja wirklich sozial offensichtlich unfähig und es ist nicht nur vollständig allein meine Wahrnehmung.
Ich bin aber auch sehr skeptisch wenn ich neue Menschen treffe und kennenlerne. Viele mag ich auch von Beginn an nicht, vor allem diejenigen die sich als sehr sozial beschreiben, und damit auch noch durchkommen aber es in Wirklichkeit gar nicht sind. Aber ich habe eh das Gefühl und da gibt es glaube ich auch Studien zu, dass die Menschen die etwas weniger intelligent sind, potentiell weniger grübeln und dadurch mehr Freunde haben. Aber mit solchen Aussagen bin ich generell sehr vorsichtig.

So, genug innerer Monolog 😅. Freue mich sehr über weitere Antworten.
Es grüßt herzlich,
jo2899
 

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