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Opferrolle, Kindheit nachholen?

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Gast

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Ich weiß nicht, wieso ich mir das antue.
Ich hasse meine Krankheiten, meine kaputte Psyche und die "Opferrolle" in der ich deswegen oft bin.
Gleichzeitig begebe ich mich wie es scheint absichtlich in Situationen, in denen oder durch die es mir schlecht geht.
Aktuell schon wieder: Nachdem ich vier verschiedene Therapien abgebrochen habe und mich nach fünf Jahren doch wieder in professionelle Hände gewagt habe, bin ich momentan wieder bei einem Therapeuten. Es klappt seit einigen Monaten ganz gut, d.h. ich öffne mich langsam, aber ich sehe in diesem Mann viel zu viel, was er nicht ist. Ich weiß, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass sich Patienten in ihre Theras verlieben. Vor allem nicht in einer Situation wie meiner - isoliert, ohne Freunde, Familie, Beziehung; ergo vereinsamt und mit dem dringenden Bedürfnis nach einem richtigen Gesprächspartner.

Was der eigentliche Knackpunkt ist: Ich mache das extra. Ich möchte geliebt und anerkannt werden, ich möchte in einem möglichst guten Licht dastehen, was natürlich recht schlecht geht in so einer Therapie. Ich möchte mich in unmögliche Situationen begeben, die mich unglücklich machen -> Ich "verliebe" mich in meinen Thera, erst aus "Spaß", so blöd das auch klingt. Also ich schwärmte erst für ihn, hab mir dann unrealistische Situationen ausgedacht, bis aus dieser Spielerei Ernst wurde. Und das macht mich wütend auf mich selbst, ich verstehe mich selber nicht.

Was ich ursprünglich fragen wollte, zuvor meine Gedanken so wirre Sprünge gemacht haben: Ich weiß nicht, ob ich ihm das gestehen soll. Ich habe Angst vor seiner Reaktion - auch wenn diese wahrscheinlich verständnisvoll und professionell ist -, ich habe Angst davor, dass die Therapie abgebrochen werden muss. Hat jemand einen Rat? Oder Erfahrungen?

Für Hilfe wäre ich dankbar.
 

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Adria78

Aktives Mitglied
Erfahrungen mit verlieben nicht. Sympathie empfinden, ja.

Aber ich denke, es ist relativ "normal". Vielleicht nicht verlieben. Aber das man, wenn der Therapeut wirklich gut und auch sensibel ist, seine Gefühle/Sehnsüchte in ihn rein projiziert.

Das mache ich auch. Ich gehe im Moment auch zu einer Beratungsstelle. Der Therapeut ist einer der besten die ich bis jetzt hatte. Ich verliebe mich nicht, aber ich wünsche mir eine Freundschaft.

Aber innerlich weiß ich, das das totaler Murks ist. Er zeigt mir nur sein "professionelles", "empathisches" Gesicht. Teil der Therapie ist, meine eignen Gefühle zu spiegeln. In den Gesprächen dreht sich ja auch alles um meine Person, ich stehe im Mittelpunkt, das tut gut. Deswegen sehe ich ihn als "perfekt" an und nicht als die Person, die er eigentlich ist.

Von daher weiß ich, das eine Freundschaft totaler Käse wäre. Ich wäre wahrscheinlich enttäuscht. Ich denke auch, das für ihn diese Art zu therapieren sehr emotional anstrengend sein muss. Das ist nicht einfach. Und von daher lasse ich solche Dinge bleiben.

Und ich denke, Dir ist das genauso klar wie mir. Das kann ich rauslesen in dem was Du schreibst. Warum möchtest Du ihm sagen, dass Du ihn liebst? Hat das irgendeinen Hintergrund? Dir ist ja auch klar (wie mir auch), wie er reagieren würde. Ich denke auch nicht, das er abbricht, aber das er eben die Distanz behält.

Vielleicht wäre für Dich eine weibliche Therapeutin besser? Vielleicht wäre es gut, mit ihm darüber zu reden. Auch wenn Du genauso wie ich die Antworte (ein nettes professionelles Nein) kennen.

Das musst Du aber selbst entscheiden. Ich drücke Dir fest die Daumen, das Dir diese Therapie hilft.
 

°°°abendtau°°°

Sehr aktives Mitglied
[...] Ich weiß nicht, ob ich ihm das gestehen soll. Ich habe Angst vor seiner Reaktion - auch wenn diese wahrscheinlich verständnisvoll und professionell ist -, ich habe Angst davor, dass die Therapie abgebrochen werden muss. Hat jemand einen Rat? Oder Erfahrungen?

Für Hilfe wäre ich dankbar.
Hi Du,

Die Thera wird eher abgebroch, wenn Du es nicht sagst. Denn dieser Konflikt zwischen Nähe und Distanz, besteht schon. Wenn Du das aufklärst, löst sich dieses Problem wie von selbst, in dem Neutralität herrscht. Denn Die muß er wahren können. Andernfalls MUß er die Thera abbrechen.

Für Dich steht er quasi stellvertretend für Dein eigendliches Problem. Welches (für mich) etwas mit Deiner Identität zu tun hat.

Du umschreibst es als Opferrolle.... Ich sage, es ist ein verzerrtes Bild was einen gewissen Mehrwert für Dich zu haben scheint = Wunschdenken. Dieses Denken resultiert woraus? Aus einem gewissen Mangel?

Du projezierst etwas auf ihn, um den emotionalen Mangel zu kompensieren. Logisch Konsequenz wäre, die Quelle genauer zu beleuchten. Also Dich. Damit schließt sich der Kreis. Genau deswegen bist Du doch dort.

- Das Du Dich deswege schämst, ist doch eine ganz normale menschliche Reaktion. Nur die Situation ist scheiße. Wenn Du jetzt erneut die Thera abbrichst, kann sich auch nichts ändern. DU mußt weiterhin um Dich kämpfen. Du bist doch schon sehr weit. :daumen: Kannst prima das Problem spiegeln.
- Nur aussprechen geht (noch) nicht. Aber genau das verschaft Dir doch die Sympatiepunkte die es für Dich/sich selbst braucht um sich in seiner Gesamtheit wahrnehmen zu können - um die eigene Identität spüren zu können

---

Heilung durch Beziehung, durch bewußte Partizipation am Leben des anderen. Das wäre das Mitsein, was Dir fehlt.

Menschliche Anteilnahme und wechselseitige Resonanz. Ist es das was Dir seit jeher fehlt? Als Dein Kernproblem.

Du hast meherer Theras gehabt. Kann es sein das die Deutungen aus allen sehr unterschiedlich sind?
Falls ja, stelle ich mir dass schwierig vor. Man vergleicht ja gerne. Mach das besser nicht!;)
 
G

Gast

Gast
Für Hilfe wäre ich dankbar.
Die hast du doch laufend, merkst es nur nicht ?
Nur wenn ich etwas ändern ( will ) gelingt das.'
Hat aber die Nebenwirkung, das ich gesund werden könnte, und dann selbst Verantwortung für mein Tun und lassen tragen müßte.
Ist einfacher meine Schwächen, was nicht geht vorzuschieben, und dann das versagen den andren anzulasten.
Keiner versteht mich, wie sollen die auch.
Dein Weltbild ist das eines Psychisch kranken, nur teilweise Real.
Gibt da ein Normales und krankes Gewissen.
Ein normales Gewissen ist ein an die individuellen Bedürfnisse angepaßter, stabiler Wertekodex.
Man ist zu realistischer Selbstkritik fähig, ohne daran zu zerbrechen.
Man fühlt sich den Standards, Werten und Idealen der eigenen Kultur verpflichtet und versucht Wechselseitigkeit, vertrauensvolle und tiefe Beziehungen zu ermöglichen.
Kannst du das?
 
G

Gast

Gast
Erst einmal danke für eure Antworten!
@Adria78: Ich habe Angst vor der Reaktion. Ich habe kein Selbstbewusstsein, ich schäme mich sehr und mache mir Vorwürfe. Ich befürchte, dass er sich sozusagen denkt "Was ist die für eine?" und das er das als.. ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll. Ich habe das Gefühl, dass er sich ekeln müsste, wenn er das erfährt. Ich versuche einmal, einen Vergleich zu ziehen. Stell dir vor, der "Loser" der Klasse - ein ungepflegter Kerl, wird gemobbt, verhält sich aus seltsam, ist wirklich nicht ansehnlich - verliebt sich in das hübscheste Mädchen der Klasse. Ich fühle mich, als wäre ich dieser Typ. Als würde mir jemand Vorwürfe machen, für das, was ich fühle und mir wünsche (das da eine Chance besteht, was natürlich Schwachsinn ist, aber die Hoffnung ist nun einmal da!), als wären das auch wirklich Gründe, wieso ich mich schlecht fühlen sollte!
Das ist wahrscheinlich sehr schlecht nachzuvollziehen.

Eine weibliche Therapeutin wäre nichts für mich, ich habe allgemein ein Problem mit Frauen. Klar, es gibt garantiert auch sehr gute weibliche Theras, mit denen ich auch gut zurecht kommen würde, aber ich bin eigentlich sehr zufrieden und auf einer Wellenlänge mit meinem jetzigen Therapeuten.

@abendtau:
Aber wenn er es nicht weiß? Ich weiß, dass es wichtig wäre, das Ganze anzusprechen. Aber ich weiß nicht wie! Ich weiß nicht, was ich sagen soll, ohne mich danach so sehr zu schämen, dass ich mich nie wieder blicken lasse. Das ist schwerer, als jedes andere Erlebnis zu schildern, das ich durchgemacht habe, weil ich das Gefühl habe, an meiner Verliebtheit "Schuld" zu sein! Als hätte ich eine Tat begangen.
 

grisou

Aktives Mitglied
ich habe in der therapie die ersten jahre nicht loslassen können. hab ich immer danach geschaut: wie geht es dem therapeut. kann ich das zumuten. was braucht er gerade?

mein therapeut sagte dann immer: machen wir heute mal was anders und ich darf der therapeut sein zur abwechslung.

ich denke heute. das war so etwas wie ein machtkampf. er hat mir immer wieder gezeigt. mit ihm ist alles okay. ich kann ihm vertrauen.

irgendwann nach sehr vielen jahren hatte ich dann das gefühl von: mir egal wie er klar kommt mit dem was ich erzähle. er soll in supervision gehen :)

ich bin dann umgezogen und habe jetzt andere unterstützung. da habe ich gleich gesagt: nur weil ich sage: ich mache das so. es heißt nicht es ist gut für mich. es heißt nur. mir ist wichtig ihnen geht es gut.

das war ein sehr schwerer schritt. nur mir war klar. ich habe so viele lange zeit hilfe bekommen. meistens ging das nicht gut. ich muss einen neuen weg finden.

damit war das dann auch ein wichtiger schritt in die veränderung. ich kann heute sagen was ich brauche und die entscheidung dem anderen überlassen. damit bekomme ich am ende viel mehr an nähe. heute weiß ich. eine therapie ist eine stabile beziehung. da kann ich mich ausprobieren. ich habe sehr große angst menschen zu verlieren. das zeigt sich in meinem verhalten freunden gegenüber, meinem partner gegenüber. da man immer noch leichter einen therapeuten findet wie einen freund. da kann ich dinge riskieren.

die erfahrungen helfen mir auch außerhalb der therapie mehr zu wagen.

also schwer ist es schon den ersten schritt zu gehen. auf jeden fall. es lohnt sich jedoch. weil in der therapie ist viel mehr sicherheit um die erfahrungen zu machen die uns fehlen im leben. und es sind die erfahrungen die uns letztendlich verändern.


was das ende der therapie angeht. deine angst davor.

eigentlich ist das ende einer beziehung ja doch eine entscheidung von beiden seiten. und bevor man sich trennt redet man. so sollte es sein. man macht im leben viele andere erfahrungen. und ich hatte immer nur die erfahrung: ich werde nicht gefragt. ich bin nicht gleichberechtigt. ich habe keine kontrolle. ich gestalte diese beziehung nicht mit.

darum habe ich wenig erfahrung. wie gestaltet man eine beziehung. diese erfahrung kann ich nur machen gehe ich das risiko ein und übernehme die kontrolle.

die beziehung zu deinem therapeuten gestaltest du mit. aktiv oder passiv. durch reden oder schweigen. reden hilft beiden seiten dabei zugehen aufeinander.
 
Zuletzt bearbeitet:

bird on the wire

Aktives Mitglied
Das ist prima, was Du fühlst und reflektierst. Das ist in guter Ansatzpunkt. Da steckt doch so vieles drin in Deiner Beziehung zum Therapeuten, was offenbar typisch ist für Dich:

  • Deine Einsamkeit
  • Dein Vertrauenwollen
  • Deine Liebessehnsucht
  • Dein Gesehen werden wollen
  • Deine Angst vor den Gefühlen
  • Deine (unrealistische) Angst vor Sanktionen
  • Deine Selbstabwertung
  • Dein Dir diese Gefühle nicht zugestehen

Damit kann man prima arbeiten in der Therapie und das wird Dein Therapeut sicher auch erkennen.

Hinter dieser Sehnsucht steht ja auch ganz viel Trauer, daß diese Gefühle aktuell nicht außerhalb des Therapieraums gelebt werden können. Daß sich nur so eine idealisierte Kunstfigur für Deine Gefühle findet. Es Dir im wahren Leben an einem Partner und realistischen Gegenüber fehlt. Es ist wichtig, diese Trauer auch mal zuzulassen und betrachten und fühlen zu dürfen.
Mein Therapeut sagt immer "Der Königsweg führt über die Gefühle" und "durchs Tal der tränen zur Freude".

Vermutlich wird Dein Therapeut freundlich, mitfühlend und professionell distanziert reagieren. Und Dich nicht verurteilen, sondern einfach mit Deinen Gefühlen annehmen, die ja gar nicht wirklich ihm als Privatmensch gelten, denn den lernst Du in der Therapie ja fast gar nicht kennen, sondern der Therapeutenfigur gelten. Er wird mit Dir gemeinsam schauen können, welcher Kummer dahintersteht und das mit Dir gemeinsam wahrnehmen können.

Und vielleicht darfst Du aus seiner Reaktion lernen, Dich nicht gleich wieder abzuwerten und zu verurteilen, sondern Dich liebevoll und mitfühlend zu betrachten. Das ist eines der größten Geschenke in der Therapie, daß wir nach und nach den Blick des Therapeuten auf uns übernehmen dürfen und lernen dürfen uns ähnlich gnädig, freundlich und mitfühlend zu betrachten.

Deshalb: Nur Mut! Ich kann das, was Nicclas geschrieben hat nur unterstreichen. In der Therapie darfst Du lernen zu gestalten.
 
Zuletzt bearbeitet:
G

Gast

Gast
Du schaffst dir ein Paradoxon nach dem andren, mit diesem Denken.
Machst dir sorgen ob dein ( Therapeut ) dich aushält ?
Verdrehst Ursache und Wirkung.
Ist oft so, das ein Krankheitsbild und das eigene ( so sein ) nicht akzeptiert wird, weil der Leidensdruck, was zu ändern, noch nicht groß genug ist.
Dann ist auch keinen Veränderung möglich, ist rumspielen mit Symptomen.
Die du ja gar bei deinem Therapeuten meinst, zu erkennen.
Der Beginn deines Handelns ist nicht die Idee, sondern das Gefühl, das ich für das, was ich tun will, selbst verantwortlich bin.
Das Gefühl jedoch, für was bestimmtes Verantwortlich zu sein, fühle ich erst, wenn ich es meinem Herzen nahekommen lasse.
Sei dein Eigner Arzt / Therapeut, dein Arzt / Therapeut ist nur dein Werkzeug.
 

°°°abendtau°°°

Sehr aktives Mitglied
[...]
@abendtau:
Aber wenn er es nicht weiß? Ich weiß, dass es wichtig wäre, das Ganze anzusprechen. Aber ich weiß nicht wie! Ich weiß nicht, was ich sagen soll, ohne mich danach so sehr zu schämen, dass ich mich nie wieder blicken lasse. Das ist schwerer, als jedes andere Erlebnis zu schildern, das ich durchgemacht habe, weil ich das Gefühl habe, an meiner Verliebtheit "Schuld" zu sein! Als hätte ich eine Tat begangen.
Wie @Pepita schon schrieb, Du übertragst (Projektion) etwas auf ihn. So lange es ein Sympatieträger ist, kann das jeder x beliebige Mann sein. Käme Deine Therapeut/Mann einer Vaterfigur gleich?

Für seine Gefühle kann man nichts. Klar kann man sich derer schämen. Aber sie sind nun mal da. In Deinem Fall übersteigert.
- Glaubst Du nicht das er Deinen inneren Konflikt schon längst bemerkt hat?

Wenn eine Seite einer Partnerschaft zum Therapeuten des anderen wird, dann geht das garantiert schief. Einfach weil die Distanz fehlt. Dann wird der sachliche Teil (Kritik) persönlich genommen. Das ist wie Gift. Zum Therapeuten stehst Du in einer ähnlichen nahen Beziehung. Du wilst den persönlichen "Knoten" lösen, kannst es aber nicht weil Du Dich schämst. Hast du deshalb die anderen Therapieen abgebrochen? Das wäre so, als ob du kurz vor dem Ziel abbiegen würdest, da Du hoffst über einen unbekanten Umweg doch noch zum Ziel zu kommen. Aber wie Du siehst, geht es nicht ohne den Konfrontationskurs.

Der Mann hat eine Schweigepflich, Du wirst ihn wahrscheinlich nie wieder begegnen. Und er wird die Fähigkeit besitzen mit diesem Problem umzugehen. Die Chance mußt Du ihm schon überlassen!

- Oder ist es mehr die Angst vor der Ablehnung? Das würde vielleicht einiges erklären.

Erkläre ihm doch die Sitiation an Hand eines Beispiels, in dem Du zwar von ihm redest, aber jemand Beispielgebend nennst um die Situation zu spiegeln. So als ob man von einer nicht anwesenden dritten Person redet.
 

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