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Obdachlos in Deutschland???

Marcus

Aktives Mitglied
Hallo Leute!

Bin etwas ins Stutzen gekommen.
Am ersten Januar klingelte ein Bettler bei mir; er hatte noch einen Zahn, sah auch sonst entsprechend aus und roch nach Alkohol.

Jetzt frag ich mich, warum er soweit runtergekommen ist.

Daß ich Armut ganz furchtbar finde, muß sicher nicht besonders erwähnt werden, aber ist denn nicht jeder Mensch in Deutschland vom Staat grundsätzlich abgesichert?????

Also; Wohnung, Lebensunterhalt, zusätzlich Geld für alles mögliche, so daß manch einer, der arbeitet, weniger zur Verfügung hat, weil er seine Unterhaltskosten von seinem Einkommen bezahlen muß.

Hab ich da einen Denkfehler, wenn ich annehme, daß theoretisch niemand ohne Grundversorgung leben müsste? Und schon gar nicht ohne Wohnung???

Hat er dieses Leben so selbst gewählt, weil er aus irgendwelchen Gründen nicht zum Sozialamt geht, oder wie soll man das verstehen.

Kann mich bitte jemand aufklären; hab mich noch nie näher mit diesem Thema beschäftigt.

Ich meine, ich würde nie einen Bedürftigen abweisen, aber wenn jemand nicht bedürftig sein müsste, sieht das schon etwas anders aus.

Schließlich muß doch auch jeder, der kann, seinen Hintern bewegen, wenn er über die Runden kommen will, und wer nicht kann oder Hilfe braucht, der soll sie doch auch bekommen...

Marcus


 

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katzengold

Mitglied
Dazu kann ich aus eigener Erfahrung sprechen, ich hatte mal 3Monate keine Wohnung da die Arge sie mir nicht zahlen wollte war dammals 17 bin dan zu nem Kumpel nur hatte ich da auch grade Urteil vor Gericht und da war eine Auflage für Bewehrung keine Drogen, nur haben dammals 99% meiner Freunde Drogen genommen er auch und um nich in fersuchung zu kommen habe ich die Zeit lieber in einem lehrstehenden Haus ferbracht als bei meinen Freunden/Bekannten seid dem weiß ich wie schnell sowas gehen kann und immer wen ich mich bei dem gedanken erwische wen ich jemanden sehe in der Stadt der Obdachlos ist und mir kommt der gedanke wie z.b der is selbst schuld blabla, habe ich sofort schuldgefühle und fühle mich schlecht. Es geht schneller als du denkst eine falche Entscheidung und du hast ales verloren, und die Menschen haben nicht mehr die Kraft es noch mal zu fersuchen und bleiben lieber auf der Strasse in zweieilei Hinsicht .
 

lise

Sehr aktives Mitglied
Hättest du ihn mal gefragt Marcus,er hätte dir sicher geantwortet und sich darüber gefreut das man sich für ihn interessiert;)


Lise
 
B

Benjamin-29

Gast
Hallo Marcus,:)

als Studie hab ich eine Zeit lang als Nachtwächter in einer Obdachlosenunterkunft gearbeitet. Da hat man viele Geschichten gehört und jede Geschichte ist anders.

Es waren viele alkoholkranke und einige Drogensüchtige dabei. Manche waren topfit - Andere völlig am Ende.
Einer war mit seiner Baufirma konkurs gegangen und sparte die Miete um die Schulden schneller abarbeiten zu können. Einer war ein ehemaliger Pornofilmproduzent, der zu lange über seine Verhältnisse gelebt hatte und keine Lust hatte für seine Schulden grade zu stehen.
Ein ganz Spezieller war körperlich so verwahrlost, dass er unter Anderem Maden in den Beinen hatte. Geistig war er erstaunlicherweise völlig klar. Lieferte man ihn allerdings ins Krankenhaus ein, dann büxte er regelmäßig am nächsten Morgen wieder aus...
Andere wieder hatten übel Pech. Einer hatte mit 18 einen Arbeitsunfall und von daher eine Kopfverletzung mit der er geistig behindert war. Noch ein Anderer kam nach der Arbeit nach Hause und erfuhr, dass Frau und Tochter bei einem Verkehrsunfall gestorben waren. Seitdem sieht er keinen Grund mehr nach Hause zu kommen.
Noch ein Anderer war ein ehemaliger Seemann, der irgendwie nie seßhaft geworden ist. Einige hatten Pech mit Frauen und sind so im Selbstmitleid gefangen, dass sie nicht mehr auf eigene Beine kommen. Und nicht wenige sind einfach mit der Zeit immer weiter abgestiegen, bis sie auf der Straße saßen.

So wie katzengold schreibt, kann es schnell gehen. Wenn man einmal Pech hat, gesellt sich oft noch mehr Pech dazu. Manche stürzen dann ab - andere rappeln sich wieder auf.
Ich glaube, es hat sehr viel mit der psychischen Verfassung zu tun, wenn Menschen auf der Strasse landen. Ob das nun mit Wollen zu tun hat - das ist schwer zu sagen.
 
D

Dr. Rock

Gast
Mir tun diese Menschen u-n-e-n-d-l-i-c-h leid und ich gehe kaum an einem vorbei, ohne zumindest etwas Geld zu geben...

Samstag stand vor "meinem" Aldi eine Obdachlose, ca.mein Alter, die die "Fifty-Fifty" Zeitung verkauft hat...jeder ging an ihr vorbei, während sie sich den A**** abfror...obwohl sie wenigstens dick eingepackt war.

1,60 EUR kostet die Zeitschrift, die Hälfte geht an den Verkäufer, die andere Hälfte an die Zeitung...ich gab ihr 4,- EUR, mehr Kleingeld hatte ich nicht mehr, da ich selbst gerade aus dem Aldi rauskam.

Hab das ganze Wochenende an sie denken müssen..wie sie da reingerutscht ist...wo sie die Nacht verbracht hat...ob sie überhaupt noch lebt?

Aus heutiger Sicht hätte ich sie auch fragen sollen, was ihr widerfahren ist, ich Idiot...

Na ja, wenn ich einen Verkäufer sehe, kaufe ich immer ein Exemplar ab und gebe wesentlich mehr als sie kostet.

Wir sollten für das was WIR haben, mehr als dankbar sein..während wir uns unsere Hähnchenschnitzel in die Pfanne hauen, frieren die sich auf der Strasse tot...und die meisten können nix dafür...
 

Galacticus

Mitglied
Eine Wohnung zu bekommen ist mit Einsatz verbunden.Man muss sich kümmern und manche sind aufgrund ihrer psychischen Verfassung,oder warum auch immer,nicht dazu in der Lage.Ich habe früher auch des öfteren einem Obdachlosen etwas Geld gegeben.Bis ich einmal sah,wie er direkt aufstand und sich am nächsten Kiosk Alkohol kaufte.Beim nächsten mal,als ich so einen "traurigen Gesell",vor einem Geschäft sitzen sah,hab ich im nahe gelegenen MCDonalds zwei Cheeseburger gekauft und sie ihm gegeben.Er sah mich an und fragte was in der Tüte sei.Als ich sagte,"2 Cheeseburger",nahm er die Tüte und warf sie,verächtlich,mit dem Kommentar,"Igitt Käse",weg.Nun ja........:confused:

Ich denke,dass hinter den meisten Obdachlosen schwere Schicksale stecken,die vielleicht auch mich aus der Bahn geworfen hätten.Aber wie man da am Besten helfen kann???Mit Geld eher weniger.Sich einfach ein wenig Zeit nehmen und sich unterhalten ist,denke ich,ein guter Anfang.
 
Q

*quasi*

Gast
Tja, sollte man meinen und theoretisch stimmt das auch....NUR: Wie schon einige der anderen User anmerkten, gibts selbst in unserem Bürokratiewahnsinn Löcher,durch die man fallen kann - und ist man das erst einmal, ist die Rückkehr zumindest ohne fremde Hilfe nicht mehr zu schaffen.
Beispiel:
Meine Tochtet ist ein bisschen, naja, sagen wir mal: Alternativ:D
Hatte sich vor Jahren mal einen alten Bauwagen gekauft, bei einem Weinbergbesitzer (fast biblisch, gell;)) eine kostenlosen Stellplatz gefunden gegen Mithilfe im Haushalt und sich ihr Geld zum Leben mit Arbeit in den Weinbergen verdient (nur zum Background: Sie ist Diplommusikerin...:D).
Soweit ok, es war ihr Ding, sie kam klar und fühlte sich wohl.
Dann wurde sie schwanger - und damit begann eine Mühle ohne Ende.
Denn nun musste sie ja ein festes Einkommen beziehen - SO verantwortungsbewusst war sie denn doch -, eine etwas "normalere" Bleibe mit mehr Schutz haben.
Aber so da ansetzen?? Denn bei der ARGE sagte man ihr, sie hätte erst Anspruch auf Geld MIT einem festen Wohnsitz.
NUR: Bei der Wohnungssuche wiedrum hieß es, ohne festes Einkommen erhielte sie keine Wohnung.... (zur Erläuterung: Sie wohnt 800km von mir entfernt..).
Ohne gute Freunde, die sie Gott sei Dank hatte und ohne das Leben in einer Studentenstadt mit zig WGs hätte das sehr übel ausgehen können und meine Tochter stammt nicht einmal aus einem Milieu, in dem Alk und Drogen und dergleichen sie ins Aus befördert hätten....
Damit aber noch nicht genug: Meinem ältesten Sohn erging es bei einem von der Arge offiziell genehmigten Versuch zur Selbstständigkeit nicht viel besser, nur auf eine andere Art und Weise: Für diese Selbstständigkeit sollte er eine monatliche Fördeung zu Hartz IV hinzu erhalten. als nach etlichen Seminaren und Co. es dann soweit war, kam diese Förderung nicht. Über ein halbes Jahr ist er dahinter her gerannt, konnte all das, was für die Selbstständigkeit eigentlich erforderlich gewesen wäre, nicht in die Wege leiten, weil das Geld fehlte - und hing total in der Luft.
Als dann nach eben diesem Zeitraum das Geld gezahlt wurde - auch rückwirkend -, strich man ihm dafür umgehend Hartz IV, so dass er nun nur noch 200E im Monat hatte von jetzt auf gleich.....
Keine Miete wurde mehr gezahlt, keine KK, kein Lebensunterhalt, nichts. Nein, er hatte das NICHT missverstanden und er hat da auch keinen Bockmist gebaut - ich kenne die Unterlagen.....
Also wieder mahnen, fordern, hinterherrennen und erstmal nun von der eigentlich für eine neue Arbeit gedachte Förderung den Lebensunterhalt bestreiten.
Dan kam das Finanzamt. Und wollte Nachweise bezüglich seiner Selbstständigkeit (die es aufgrund der extremen Verzögerung ja nun nicht gab), drohte mit Klage wegen "Scheinselbsständigkeit". Mein Sohn wurde zum Ping-Pongball zwischen Finanzamt und Arge - und erhielt dann kurzfristig auf einmal überhaupt kein Geld mehr!
Hätte er nicht in einer Gemeinde gewohnt, die sagte: Ok, zahl die Miete, wenn du damit durch bist, hätte er nicht seine Family gehabt, die ihn über Wasser gehalten hätte und Freunde, die ihm auch anboten, ihn im Falle des Falles aufzunehmen (er wohnt nicht am selben Ort wie ich) - tja, das wäre übel ausgegangen...Und ganz zu Ende ist diese Geschichte, nun eigentlich fast 2 Jahre her (!!) immer noch nicht; noch immer kommt irgendwer und meint, Geld von ihm einfordern zu können......Wie gesagt: Ich kenne die Unterlagen und er hat da nix unkorrekt gehabdhabt....Alles begann damit, dass die Zusatzzahlung für diese Selbstständigkeit über ein halbes Jahr nicht rüber kam und man danach Hartz IV erstmal strich....
Noch mehr Geschichten? Hab da genug zu bieten auch aus dem Bekanntenkreis.......Und bin Gott echt dankbar, dass er mir diesen Verein weitgehendst erspart und die Rente geschenkt hat!!!!
Deutschland - Land der Bürokratie.....Doch die Schwachen, die "kleinen" Leute, die fallen immer noch durch die Raster..... :mad:
Wären meine Kiddies allein gewesen, hätten beide durchaus trotz guter Ausbildung und Intelligenz auf der Straße landen können.....Mitten in diesem immer noch reichen Land.....
 

Marcus

Aktives Mitglied
Herzlichen Dank schon mal für eure Antworten!!!

Selbst in einem solchen System, wie dem unseren ist natürlich die eigene Willenskraft wohl noch das Entscheidende, selbst wenn von staatlicher Seite aus mal alles glatt gehen sollte.

Aber, wie soll man sich motivieren, wenn man solche Dinge erlebt hat, wie ihr sie geschildert habt?...

Ich war so perplex, als er vor meiner Tür stand, und er fragte sogar noch, wie ich Silvester verbracht hatte.

Wahrscheinlich hätte er sich wirklich gefreut, wenn ich ihn nach seinen Umständen gefragt hätte.

Hinterher ließ mich die Sache auch nicht mehr los, und ich frage mich, ob ich ihn hätte unter die Dusche stellen und seine Sachen waschen sollen.

Aber ich denke, das hätte er abgelehnt, und ich weiß auch nicht ob der Gedanke von mit nicht echt dämlich war...

Ich bin halt vom Staat gut behütet aufgewachsen (;)), und so was ist echt Neuland für mich, weil es das in der DDR nicht gab; wirklich nicht.........

Jetzt ist es angekommen, und ich weiß nicht, ob wir damals wirklich so schlecht gelebt haben, aber das ist ein anderes Thema.

Nochmal viele Dank, und, richtig, wir sollten nicht vergessen, wie gut es uns geht, wenn wir ein „normales“ Leben führen können.

Viele Grüße

Marcus
 

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