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neue Beziehung mit einem Vergewaltigungs-Opfer

HPS

Mitglied
Hallo,
ich schreibe hier, weil ich nicht weiß, wie ich mich gegenüber (m)einer neuen Freundin (26) verhalten soll. Ich Liebe Sie, sie sagt ich bin ein ganz Lieber und ihr wichtig bin.
Wir haben viel gemailt, lange telefoniert, uns einmal zu einem Treffen mit Freizeitspaß für ihr Kind (ein ganz lieber,4), und zweimal zum ausgiebigen Radfahren getroffen. Hier hat sie sich mir gegenüber geöffnet, dass sie in ihrer Ehe vergewaltigt und wohl auch geschlagen wurde (ein Alkoholiker). Auch als Kind mit 11 ist sie schon mal vom Freund des Vaters vergewaltigt worden.
Bekanntschaft und Verwandschaft weiß wohl nichts davon.
In Therapie war sie, wie ich von ihr weiß, wegen mehreren Selbstmordversuchen. Ob da auch die Vergewaltigung Thema war, weiß ich nicht.
Fast jede Art von Zärtlichkeit und körperlicher Zuneigung lehnt sie ab. Selbst beim Händchenhalten sagt sie, soweit sind wir noch nicht.

Vor einer neuen Liebe will sie sicher sein, nicht wieder so enttäuscht zu werden. Auffallend ist auch ihr Zitat: ich kann mich ja nicht mal selber lieben. Das Wort Liebe konnte sie für mich auch noch nicht aussprechen.

Kann jemand einen Tip geben, wie ich mich ihr gegenüber verhalten soll oder helfen kann?
Braucht es nur Zeit?
Kann ich durch bestimmte Gesprächsthemen weiterkommen?
Ich stelle mir es auch schwer vor, die neue Freundin zu "präsentieren" und nicht die sonst übliche "frische Verliebtheit" offen zu zeigen.

Vielen Dank für die Hilfe schon vorweg!
Viele Grüße
HPS
 

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mellchen

Aktives Mitglied
Ohje, da hast du dir wirklich etwas schwieriges an land gezogen. ich bin keine psychologin, kann dir also nur den rat als beste freundin eines vergewaltigungsopfers geben.
alles was sie braucht ist zeit.. vieeel zeit. zeig ihr und sag ihr auch, daß du ihr diese zeit gibst und du an ihrer seite stehst wenn sie reden will oder jmd braucht. das anfängliche verliebtheitsgefühl und den drang dieses auch nach aussen zeigen zu können, das wird wohl für sie erst mal nicht möglich sein. lass ihr zeit, sie wird von alleine auf dich zukommen. dieses einfühlungsvermögen kann manch einer nicht aufbringen, aber wenn du sie liebst dann wirst du ihr die zeit auch geben können.

drücke dir auf jeden fall alle daumen und wünsche dir kraft das mit ihr durchzustehen.
 

HPS

Mitglied
Schönen Dank auch für die schnelle Antwort die Zeit braucht ;-)
Vielleicht noch ein paar Daten. Sie lebt seit 11 Monaten getrennt, da er sie wegen einer anderen sitzen lassen hat. Trotz allem hat sie lange zu ihm gestanden und gesagt, dass er sich ändert. Inzwischen hasst sie ihn.
Wichtig ist ihr aber auch die Bereitschaft, weitere Kinder zu bekommen.
Kann man vieeel Zeit definieren?
 

Dice01

Mitglied
Ich habe das selbe hinter mir wie deine Freundin. Als mein zweiter Mann mich kennenlernte, sperrte ich mich auch erst gegen jede Form der Zärtlichkeit. Er hat mit unglaublicher Ausdauer gezeigt, dass ich ihm Vertrauen kann. Er hat mir langsam beigebracht, dass Männer auch zärtlich und liebevoll sein können. Er ist nachts mit mir spazieren gegangen, wenn mich Alpträume quälten.

Gib deiner Freundin ganz viel Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe. Dann klappt es auch. Es erfordert aber eine Menge Geduld und Stärke von dir!

Das rechne ich meinem Mann ganz hoch an und auch dafür liebe ich ihn! Auch wenn er sich jetzt von mir getrennt hat. Das hat aber nichts mit DEM Thema zu tun.
 
S

seele28

Gast
Hallo HPS,

Ich spreche jetzt mal selbst als Opfer zu dir. Ich kann dir nur raten, ihr so viel Zeit zu geben wie sie braucht. Es ist verdammt schwer, das kann ich mir denken. Du must dir gründlich überlegen ob du dir dieser Sache gewachsen bist, wenn nicht, denn lass es gleich sein, bevor sie wieder ne entäuschung erlebt. Manche verkrapften entäuschungen anders als wir es tun. Deshalb must du dir 100% sicher sein das du das mit ihr durchstehst. Ich will dir jetzt nicht einreden das du es sein lassen sollst, nur ist es ziemlich schwer. Ich lebe in einer Partnerschaft und mein Freund hat es selber so ziemlich schwer mti mir. Aber er hat total gedult mit mir. Es ist wichtig das du ihr immer zuhörst wenn sie reden möchte. Lass ihr Zeit mit zärtlichkeiten, sie wird selber auf dich zukommen wenn sie es braucht. Ist sie in ambluanter therapie? Wenn nicht, dann rate ihr, dahin zu gehen. Kauf dir Bücher über Missbrauchte Frauen(Lass dich beraten) Amazon.de: Verbündete. Ein Handbuch für Partnerinnen und Partner sexuell mißbrauchter Frauen und Männer: Laura Davis, Karin Ayche: Bücher
Ist ein sehr gute Buch, kann ich nur empfelen. Zeig ihr, das du dich für ihre Vergangenheit interessierst, das du zu ihr stehen wirst, egal was passiert. Mehr kann ich leider gerade net sagen. Ich wünsche euch beiden viel Erfolg das ihr das zusammen schaffen werdet.

Lg Seele28
 

HPS

Mitglied
Hallo, vielen Dank für die Beiträge.
Ja, sie ist in Behandlung. Manische Depression!
Heute Nacht hat die Sache eine Wendung bekommen. Wir konnten abend nicht telefonieren. Ihre letzte Mail schrieb sie mir, nachdem sie noch einen Berg Rechnung in der Post hatte. Es hörte sich alles sehr verzweifelt an. Ich musste davon ausgehen, dass sie sich was antut. Es war zu eindeutig. Nachdem ich sie nicht erreichen konnte, schaltete ich die Polizei ein und fuhr selbst zu ihr.
Ich hatte keine andere Wahl. Es war dann zwar alles ok mit ihr. Aber durch die Aktion war sie natürlich am Boden. Heute Morgen kam dann nach langen versuchen sie zu erreichen, ihr Rückruf, ich möchte sie in Ruhe lassen. Ob sich diese Meinung nochmal ändert???

Grüße an euch alle
HPS
 
S

seele28

Gast
Hallo HPS,

Du hast alles richtig gemacht, wenn es zu eindeutig ist und jemand sagt wirklich er bringt sich jetzt um. Dann ist man sowieso verpflichtet die polizei zu rufen. Sonst macht man sich straftar. Und als Freund kommt halt auch noch das persönliche hinzu, wenn du net hilfe geholt hättest und sie hätte sich wirklich umgebracht, das hättest du wohl nicht verkraftet. Also war es wirklich richtig so. Und tja deine Freundin ist halt sauer und wütend. Damals hätt ich sie noch verstanden, heute bin ich mir da net mehr so sicher. Damals hat als ich meinen Freund nicht erreichen können, ein Kumpel die Polizei geholt und ich war ihm dankbar dafür. Weil ich mich sonst wirklich umgebracht hätte. Hast du dich mal informiert über Manisch depressive leute? Ich weis, das sie oft mit Suizid drohen, es aber wirklich gar net tun. Das heißt aber nicht das sie es jetzt nie tun würden, man kann leider nie 100% sagen, ob sie es jetzt tun oder nicht. Deshalb zur sicherheit immer polizei rufen. Natürlich voher anrufen, aber wenn niemand rangeht, dann hat sie in meinen augen selber schuld. Ich denke das legt sich wieder, sie wird bald merken hoffentlich das sie überreagiert hat und sich wieder melden. Oder schreib ihr einen brief und sag ihr mal, sie soll sich mal in deiner situation reinversetzten, schreib ihr, wie du dir sorgen gemacht hattest und wie angst du um sie hattest. Frag sie auch, was sie gemacht hätte, wenn sie so einen anruf bekommen hätte. Manchmal hiflt das, weil sie dann klarer denken können und genau zu dem schluss kommen, wie auch du es warst.

Lg Seele28
 

HPS

Mitglied
Hallo seele28,
ja, genau so hatte ich es gerade auch gemacht bzw. geschrieben.
Ich hätte es mir nie verziehen.
Ich habe mich vom gedanken einer "richtigen" Beziehung - sogut wie es geht - getrennt. Möchte aber sehr gerne weiter Freizeit mit ihr verbringen. Wie bisher ja eigentlich auch.

Gestern hatten mich die Polizisten anfangs ziemlich schief angeschaut. Sie hat dem Anschein nach auch kein gutes Wort für mich gehabt. Als sie auf der Wache die Mail mit dem Verdacht einsahen, nahmen sie mich doch wieder für etwas voller. Auch hatte ich versucht das Krankheitsbild etwas aufzuskizzieren. Ich glaube die dachten nur spinn weiter. Die hatten gar keinen Plan. Sollten sie aber, finde ich.

Ihre größte Sorge ist neben finanzeiellen, glaube ich das Sorgerecht für den Kleinen. Ich vermute, es steht darum vielleicht ernster als sie es mir bisher sagte. Noch dazu muss sie ihn ja oft bei der Noch-Schwiegermutter abgeben, wenn sie arbeitet. Sie glaubt halt, vermutlich nicht unbegründet, dass sie ihn ihr wegnehmen wollen.
Geht das so einfach?

LG
HPS
 

mellchen

Aktives Mitglied
naja, man kennt ja das jugendamt.. da weiß man nie. allerdings würde sie die situationen mit "selbstmordandrohungen" nicht gerade verbessern. da ist das kind schneller weg als ihr lieb ist.
auch ich bin der meinung, daß du absolut richtig gehandelt hast. das wird sie irgendwann mal begreifen.
dass die polizei manchmal komisch reagiert kann ich verstehen. habe eine bekannte die bei der polizei arbeitet und die erleben manchmal dinger, da kann man nur mim kopf schütteln. allerdings sind sie verpflichtet solchen dingen wie bei dir nachzugehen.
kopf hoch, du hast dein bestes gegeben!
 

Tyra

Sehr aktives Mitglied
Hallo,

ganz wichtig in so einem Fall ist ausreichende FAchkenntisse in Hinsicht auf Depression und wie man mit psychisch Kranken und EX-Gewaltopfern umgeht...damit sich da kein schräges Partnerschaftsdings einschleicht und du dich ggf. in eine Helferrolle gedrängt siehst mit der du nicht klarkommst.
Wende dich an HIlfeforen wo sich Partner psychisch Kranker gegenseitig Tipps geben, wende dich auch an die behandelnden Ärzte deiner Freundin (aber natürlich nur mit ihrem vorherigen Einverständnis).
Wichtig ist sie in Therapie zu halten und darin zu bestärken in den Therapien nachhaltig, also über die nächsten Jahre hinweg mitzuarbeiten um ihren Opferhabitus und ihr Trauma abzubauen was ihre psychische Stabilität mit fördern wird.

Ansonsten: sei für sie da, wenn du ihr hilfst achte darauf nur Hilfe zur Selbsthilfe zu geben und sie nicht zu abhängig von dir zu machen, gieb ihr Freiraum, damit sie ein stärkeres Selbst entwickeln kann. Ermutige sie ggf. zu weiteren Maßnahmen die ihr Selbstbewusstsein weiterentwickeln, wie z.B Kampfsport od.ä. Sport und insgesamte eine betont gesunde, weitgehend stressfreie Lebensweise ist ohnehin ganz wichtig damit sie wieder dauerhaft psychisch stabil wird und rauskommt aus ihrer Lebenskrise. Oft brauchen Depressionserkrankte einigen Antrieb von außen eh sie selber wieder eigenständig "in die Gänge" kommen. Hier kannst du sanft aber konsequent in die richtige Richtung anschieben...was ihr eine gute HIlfe sein könnte....es sei denn sie wehrt sich und will krank bleiben..auch das kann vorkommen, dann würde ich dir eher raten dich zu distanzieren.

Bei Selbstmordgefahr ist es richtig sie direkt ggf. durch Polizei zwangseinzuweisen...und ihr solltet grundsätzlich klären, dass Selbstmord, also feiges Wegrennen keine Option sein sollte und sie auch nicht das Recht hat andere durch Selbstmorddrohungen emotional zu erpressen. Und sie bei akuter Erkrankung die Pflicht sich selbst und auch dir ggü hat sich fachkundig behandeln zu lassen..wenn sie merkt, dass sie akut ist auf eigene Veranlassung in eine Klinik geht und nicht von dir erwartet, dass du Therapien ersetzt etc. was du nicht leisten kannst.
Hier ist viel Diplomatie und ausreichendes Abgrenzungsvermögen gefragt..ein wenig Fingerspitzengefühl, damit "der Schuss nicht nach hinten" losgeht, wenn man helfen möchte.
Wichtig ist ihr zu zeigen, dass du null Berührungsängste vor psychischen Erkrankungen hast. Meiner Erfahrung mit meiner vor einigen Jahren psychisch erkrankten Schwester nach ist es hilfreich sie ggf. während des Klinikaufenthalts ruhig öfters zu besuchen, gemeinsam mit den behandelnden Ärzten zu reden und zusammen mit fachkundigen Leuten ein Team in Sachen Wiedergesundung zu bilden. Auch hier gilt wie überall im Leben: Wissen ist Macht und hilft über die Ohnmacht ggü einem Trauma, einer psychischen Grunderkrankung hinwegzukommen.
Hilfreich ist es wenn man akut Erkrankten zumindest für die Zeit in der Klinik einigen Alltagskram abnimmt (also Regelung der Finanzen, Mietkram etc.) damit Entlastung da ist und kein Druck die Klinik schnell wieder verlassen zu wollen. Bei ihrem Krankheitsbild sollte sie mindestens 6-8 Wochen stationär in Behandlung bleiben, danach teilstationär für einige Wochen/Monate und danach nahtlos in mehrjährige kontinuierliche ambulante Behandlung (Kombitherapie: psychiatrisch-medikamentös + psychologisch/Verhaltenstherapie)
Offenheit und Direktheit, Überwindung von Ängsten, Schamgefühlen wird hier ganz wichtig für sie sein....entweder sie schafft es sich da einen ausreichenden Ruck zu geben..oder wird ggf in sich selber stecken bleiben, sprich krank bleiben.....sie muss dahingehend eine klare Entscheidung treffen und da durch.

Viel Erfolg!
Tyra
 
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