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negative Einstellung gegenüber meines Vaters

G

Gast

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Ich möchte mein Problem so genau und gut wie möglich rüberbringen, also wird dieser Text hier etwas länger, da ich all meine Gedanken hier preisgeben werde. Ich hoffe ihr könnt mich dadurch besser verstehen.
Die Ausgangssituation ist wie folgt: Ich bekomme immer total schlechte Laune, wenn mein Vater anwesend ist. Wenn ich im Wohnzimmer bin und er sich dazu setzt, wenn ich in der Küche bin und er reinkommt oder wenn er früher von der Arbeit nach Hause kommt. Ich will am besten nicht von ihm angesprochen werden.
Früher habe ich mich sehr oft mit meinem Vater gestritten. Als ich kleiner war (bis ca. 15Jahre) habe ich ab und zu auch eine Backpfeife o.ä. von ihm bekommen. Die Streitigkeiten waren meist total überflüssig, ich möchte euch eine Situation näher beschreiben, die sich ca. vor 2Monaten zugetragen hat (Ich bin mittlerweile 19): Wie jeden Sonntag fahren wir zu meiner Oma zum Kaffee und Kuchen. Im Auto regt sich mein Vater lautstark über alle anderen Verkehrsteilnehmer auf wie langsam Sie denn nur fahren und was für schlechte Autofahrer Sie denn sein: „Fahr doch zu, du Penner!“ Daraufhin meinte ich zu ihm er soll doch mal ein bisschen entspannter sein und sich nicht so aufregen, schließlich haben wir überhaupt keinen Stress. Er: „Wenn es dir nicht passt dann geh doch zu Fuß!“ Ich erwiderte: „Sei doch einfach mal lockerer, jedes Mal regst du dich grundlos auf!“ Er rastete völlig aus und beschimpfte mich und meinte ich solle aus dem Auto austeigen. Ich wurde selber laut und sagte ihm: „Halt doch einfach mal deinen Mund und fahr weiter!“ Während wir bei meiner Oma waren haben wir nicht miteinander geredet, was wir eh eher selten tun. Zuhause beschwerte er sich dann bei meiner Mutter, dass sie dazu nichts gesagt hätte und eh nur auf meiner Seite steht. Er sperrte mir das Internet und wollte mir nichts mehr zahlen, ich kann ja sehen wo ich bleibe, er macht nichts mehr für mich. Nach ein, zwei Tagen beruhigt sich alles wieder und er hält seine Drohungen (zum Glück) nicht ein.
So läuft das eigentlich immer ab, er wird laut, ich lasse mir nichts mehr gefallen, werde selber laut, Handgreiflich wird er nicht mehr, da ich stärker bin, als er und nach zwei Tagen beruhigt sich alles.
Seit einiger Zeit tut er einen auf „guten“ Vater und probiert sich unter Kontrolle zu haben, reagiert relativ gelassen und probiert sich für mich zu interessieren. Ich halte davon nicht viel und kann ich auch nicht ernst nehmen. Er nervt mich irgendwie immer, obwohl ich das selber gar nicht will.
Meine Mutter wollte sich auch schon öfter von ihm trennen, da die beiden sich auch öfter streiten und nie normal miteinander reden können, sondern sich sofort anschreien. Sie wird sich aber niemals von ihm trennen. Ich denke 1. Wegen mir und meinem Bruder 2. Wegen dem Geld. Die Beiden unternehmen fast nie was zusammen, das einzige was sie machen ist Essen gehen, weil mein Vater immer nur Essen gehen will und sich nie etwas einfallen lässt, was auch meiner Mutter gefallen könnte und wenn dann kauft er ihr eben was und denkt damit ist sie glücklich.
Ich interessiere mich selber kein Stück für seine Hobbys und er sich auch eigentlich nicht für meine, wenn er aber bei einem Spiel zuguckt führt er sich auf wie der größte Fan und schreit durch die Halle. Meiner Mutter ist das selber unangenehm. Seine Verhaltensweisen an sich stören mich schon: Er muss immer bei anderen Leuten mit seinem neuen Auto angeben und was er denn für einen tollen Job hat und sonst was. Für unser Haus interessiert er sich aber Null, er ist nie bereit mal etwas neues zu kaufen, alles muss sich Mama ansparen und kaufen, er macht nichts, nichts im Haushalt, verlässt die Küche wie sonst was und kann sich nicht mal selber was richtiges zu Essen machen, lieber kauft er sich was.
So genug des schlechten, einige Punkte finde ich auch echt stark: Er steht immer hinter mir, nimmt mich in Schutz und hilft mir bei allem und er würde mich überall abholen, ich brauche nur anrufen, egal wo ich bin, das schätze ich sehr an ihm. Selbst nachts holt er mich, wenn es sein muss.

Ich hoffe ihr könnt mir helfen!
 

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Nordrheiner

Sehr aktives Mitglied
Hallo, Gast,

mein Eindruck ist, dass ihr eine unproblematische Familie seid. Und wenn es unharmonisch oder problematisch wird, dann ist das eher hausgemacht.

Menschen sind nunmal verschieden. Verschieden heisst nicht unbedingt schlechter oder besser als.....

Was ich besonders kommentieren möchte:

1) Du monierst, dass Dein Vater sich so wenige einfallen lässt, um mit Deiner Mutter etwas zu unternehmen (immer nur essen gehen...) oder um ihr eine Freude zu machen oder oder oder
Deine Eltern sind alt genug. Einerseits - warum muß sich nach Deiner Meinung immer nur der Vater etwas einfallen lassen? Und andererseits - warum kann Deine Mutter ihre Wünsche nicht laut aussprechen?
Deine Eltern haben sich ein Rollenverhalten angewöhnt. Solange ihnen diese Rollen gefallen, ist doch alles ok. Dir muß dieses Rollenverhalten nicht gefallen. Sollte Deine Mutter unzufrieden sein - oder Dein Vater - so können die Eltern miteinander reden. Oderß

2) Du monierst das Verhalten Deines Vaters z.B. beim Autofahren. Das verstehe ich. So eine Autofahrt wäre für mich auch unangenehm. Wer sitzt schon gerne neben einem schimpfenden Fahrer?
Auch hier hat sich sowohl bei Deinem Vater - als aber auch bei Dir - ein bestimmtes Handlungsschema eingeschlichen. Irgendwann hat der Mensch in einer ähnlichen Situation eben so reagiert wie er reagiert - und dieses Verhalten wurde seit dem nicht mehr reflektiert. Daher werden auch Handlungen bzw. Reaktionen gepflegt, selbst wenn es bessere Alternativen gibt.

Zur Verhaltensänderung bedarf es keiner negativen Kritik. Negative Kritik kann bestenfalls eine Selbstreflexion auslösen. Oft jedoch führt negative Kritik dazu, dass die kritisierte Person sich gegen die Kritik sperrt und einen Widerstand aufbaut.

Für fruchtbarer halte ich das Loben und das Motivieren. Dies könntest Du durch eine Frage einleiten.
Beispiel:
1) Würdest Du Dich nicht wohler fühlen, wenn Du eine solche Situation locker und entspannt meistern würdest?
2) Wenn Du Dich aufregst, Papa, dann entwickelst Du negative Gefühle. Du ärgerst Dich. Und weil Du an dieser Situation keine Schuld hast, trifft zu: Sich ärgern bedeutet büßen für die Sünden anderer Leute.

Und warum willst Du, Papa, für die Sünden anderer Leute büßen, indem Du Dich auch noch ärgerst?

Ich ermahne mich selbst, andere Menschen nicht vorschnell zu beurteilen und noch weniger zu verurteilen.
Daher übe ich mich selbst, immer wieder herauszufinden, warum der jeweilige Mensch tut was er tut.
Erst wenn ich mir über seine Gründe im Klaren bin, kann ich sein Handeln verstehen und mir für ihn eine bessere Alternative einfallen lassen. Und dann überlege ich mir, wie ich diesem Menschen meine Alternative am besten verkaufe. Meine an mich gestellte Frage lautet: Wie kann ich diesen Menschen motivieren, dies oder das zu tun oder zu unterlassen?
Bei dieser Frage ist zu beachten, was dem anderen wichtig ist.

Beispiel: Eltern sagen dem kleinen Jungen, er soll z.B. das Marmeladenbrot essen. Begründung: Damit aus Dir ein großer starker Mann wird.
Ist dem kleinen Jungen dieses Ziel "großer starker Mann" wichtig, habe ich auch die richtige Begründung gefunden, mit der ich den kleinen Jungen motivieren kann. Ist dem kleinen Jungen das Ziel "großer starker Mann" nicht wichtig, werde ich ihn auch mit der Begründung nicht motivieren können und muß mir was anderes einfallen lassen.

Du, lieber Gast, stellst Deiner Anfrage voraus, dass Du eine negative Einstellung zu Deinem Vater hast. Es ist Deine negative Einstellung. Dafür kann Dein Vater nichts. Du legst für Dich selbst fest, wie Du Dich in bestimmten Situationen verhalten möchtest. Sich selbst negativ einzustellen, ist eine Handlungsanweisung ... in Deinem Kopf, in Deinem Herzen. Die Folge davon ist, dass Du Deine Sicht verkleinerst. Und damit verringerst Du Deine Sicht für lösungsorientiertes Handeln.

Stell' Dir mal vor, Du würdest den Motiven Deines Vaters auf die Spur kommen, würdest wissen, was Deinen Vater motiviert, seine Handlungen zu überdenken und zu ändern - und dann würdest Du ihn motivieren, z.B. durch Loben.
Und dann stell' Dir vor, es würde funktionieren. Wie würdest Du Dich dann fühlen? Wäre das ein schönes Ziel für Dich?

Viele Frauen machen den Abwasch ganz selbstverständlich und tragen - wenn erforderlich - auch den Müll runter.
Bei vielen Männern ist das nicht selbstverständlich. Wenn sie es tun, dann meist nur unter Druck.
Viele Frauen würden sich wundern, wie gerne ihre Männer beim Abwasch helfen oder den Müll runtertragen - wenn sie dafür gelobt werden. Die Frage ist nicht "sollen Männer wie Frauen selbstverständlich dies oder das tun?" Die Frage lautet: Wie muß ich mich verhalten, damit der andere das tut, was ich gerne möchte? Und mein Tipp: Probiert es doch immer häufiger mit loben und mit danken.
Es geht nicht um Recht haben - es geht um: Wie kann ich die Situation positiv verändern?

Und noch eins zum Thema Motivation: Wenn Dein Vater lieb und freundlich auf Dich zukommt - Du aber abweisend bist, weil er Dich gestern geärgert hat - dann demotivierst Du ihn, lieb und freundlich zu sein. Du erreichst das Gegenteil von dem, was Dir eigentlich wichtig ist, oder? Mein Tipp: Brich aus Deinem eigenen engen Handlungsschema aus. Reflektiere Deine Einstellung und Dein Handeln und überlege, was daran lösungsorientiert ist und was nicht. Stell Dir selbst immer wieder die Frage: "wie könnte ich es besser machen?"

LG,
Nordrheiner
 

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