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Nach 5 Tagen vorbei

maximilian

Aktives Mitglied
Hallo Leute,

ich war hier vor Jahren sehr aktiv, und hab dann nur noch ab und zu gelurkt. Ich muss mich aber mal bei euch ausquatschen, und ich hoffe hier sind immer noch so tolle Nutzer anwesend wie früher.

Erstmal die Vorgeschichte:
Ich bin im Moment Krankenpflege-Azubi (bald fertig) und hatte auf meiner Prüfungsstation (Neurologie) eine tolle Patientin. Die schien aber einen Freund zu haben (war er Cousin der sie besuchte), naja, und ich hab mich halt gut um sie gekümmert, weil sie pyschisch ziemlich angeschlagen war (sie dachte sie hat Krebs, hat aber höchstwahrscheinlich Sarkoidose. Auch schlimm als mögliche Prognose, aber die meisten Fälle gehen ganz gut aus), und nach ihrem Aufenthalt hat sie sich per StudiVZ bei mir gemeldet und mir erzählt dass sie mich schon während ihrer Zeit als Pat. immer mit Begehren anschaute ;). Naja, wir haben drei Tage lange Gespräche übers StudiVZ gehabt und dann fuhr ich am Abend zu ihr.

Es war alles unglaublich toll, ich bin ein Mensch der gerne diskutiert ohne zu streiten, und sie auch (das ist so selten), es lief im Bett absolut klasse (wenn man überlegt dass das erst der Anfang der Beziehung war und es noch besser wird, war das das Beste was ich erlebte), wir konnten quatschen und ich hab ihre Macken gut ausgehalten (sie macht sich fertig wegen der Krankheit, sie mein, schon als Kind wusste sie dass sie nicht alt wird; sie hatte sich früher auch böse selbstverletzt, große Narben am Oberschenkel und ist vermutlich immer wieder depressiv), ich hatte nach paar Tagen das Gefühl: Das ist sie.

Und dann hatten wir vor paar Tagen mitten in der Nacht ein Gespräch über Religion. Naja, und ich war extrem müde (Frühschicht seit etlichen Tagen und es war schon 1Uhr nachts, ging bis 2Uhr), und ich hab den Fehler gemacht schmunzelnd zu reagieren als sie mir mit ihren Vorstellungen von der realen Existenz von Luzifer und den restlichen gefallenen Engeln kam. Am nächsten Morgen wachte ich auch und sie lag auf der Couch, und sagte mir am Abend dass sie jemand braucht der ihre Vorstellungen versteht, der "ihre zweite Hälfte auch hat". Ich hab mich entschuldigt, hab gesagt dass ich müde war und früher Atheist und reflexmäßig über zu enge Glaubensvorstellungen lächle, hab gesagt dass es nie wieder vorkommt und ich ihren Glauben achten werde. Aber sie will Abstand, Freundschaft.

Sonst war gar nix, nur diese Diskussion über Religion und ihre Ansage dass sie keinem zur Last fallen will, Sorgen machen will (sie denkt halt sie stirbt an der Erkrankung obwohl die Chancen dass es einen schweren Verlauf nimmt, <10% liegen).

Ich bin grad total fertig, das war genau der Typ Frau auf den ich geeicht bin, ich mag so aussergewöhnliche, leicht angeknackste Persönlichkeiten (bin ja selbst so gewesen, hab nur Kompensationsmechanismen gefunden; wer Lust hat kann ja in den alten Beiträgen kramen). Ich hab mich in wenigen Tagen total in sie verliebt, obwohl ich miitlerweile ein viel vorsichtigerer Mensch geworden war. Und jetzt sowas, ich kann es immer noch nicht realisieren. Ich kann sie grad gar nicht verstehen, nur wegen dieser Glaubenssache? Soll sie doch froh sein jemanden zu haben der mit ihren Macken super klarkommt.

Ich hab mir jetzt gedacht, sie soll nicht merken dass ich mich hier betrinke, schlecht gelaunte Musik höre und heule, sie soll überlegen ob sie wirklich ohne mich zufriedener ist (sie sagte, ihr Kopf ist viel lauter als ihr herz), und meld mich erstmal nicht mehr bei ihr. Auf ihr Angebot mit Freundschaft pfeife ich grad. Das ist alles so unwirklich grade, das lief so gut. Frauen sind nicht verstehbar.

Gruß, euer Max
 

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soulfire

Aktives Mitglied
In Grenzsituationen, und als solche muss man eine Phase, in der man mit der eigenen Sterblichkeit, mit einer schweren Erkrankung konfrontiert wird, eindeutig sehen, reagieren Menschen nicht so, wie sie es sonst vielleicht würden.

Für nicht betroffene sind es immer "nur 10%".
Ich ärgere mich darüber sehr, wenn mir jemand mir so gegenübertritt.
10% ist einer von 10.

Wenn man zu den 10 Leuten gehört, ist das aufmal wirklich viel.

Chronischer Verlauf. Schubweise.
Jemand, der es nicht am eigenen Leib erlebt hat, kann sich nicht vorstellen, was das auslöst.
es stellt so ziemlich alles auf den Kopf.
man hat riesige Sorgen udn Ängste, die man nicht mal immer in Worte fassen kann.
Das Selbstbild wird in Frage gestellt. Wie wird man damit umgehen können? Welche Organe werden betroffen sein?
Die Zukunftsplanung wird in Frage gestellt.
Kann ich das einem Partner zumuten? Darf ich mit dieser Erkrankung noch Kinder bekommen oder ist das unverantwortlich? Werde ich bis ins Rentenalter berufsfähig sein?

Eine schwere/chronische Erkrankung zu akzeptieren ist ein schwerer und langer Prozess.

In dieser Situation ist man ziemlich mit sich selbst beschäftigt.
Neue Beziehungen sind intensiv. Man befasst sich viel mit dem anderen, alles ist neu.
Im Grunde ist dafür gerade kaum Raum.
Die allererste Hürde führt zum Straucheln, weil für anderweitige Auseinandersetzungen keine Kraft und keine Nerven da sind.

Du wunderst dich, dass es "nur wegen" einer Glaubensfrage scheitert.

Wenn du dermaßen auf das elementarste zurückgeworfen wirst, dann ist die grundfeste, die noch steht, für einen gläubigen Menschen sein Glaube.
Und den hast du belächelt, Eventuell das letzte, was ihr sicher ist.

Mit der Möglichkeit Krebs zu haben in einem Krankenhaus zu liegen ...man kann niemandem erklären, wie sich das anfühlt.
Mit etwas pech hat man noch eine Weile auf der termin warten müssen.
In dieser zeit püberlegt man, was denn nu is, wenn es das war. In viel zu jungen Jahren.
Mir ging es mit 26 so.
Bis der temrin endlich da war, hatte ich
-alle meine Angelegenheiten geregelt
-Briefe an Menschen geschrieben, denen ich noch etwas zu sagen hatte
-eine riesige Tasche gepackt. Es war klar: wenn operabel, dannwerde ich erst ewig auf der ITS liegen, wenn nicht...dann Chemo und insgesamt sah die verdachtsdiagnose eher so aus, dass ich nicht mehr nach Hause komme.


Ich war nach 3 tagen wieder daheim.
Und völlig rausgerissen. Mir kam alles relativ sinnlos und unbedeutend vor, mit dem meisten Kram hatte ich schlichtweg abgeschlossen.
Ich war gesund, ein absoluter Grund zur Freude. Stattdessen bekam ich eine schwere Depression und eine Essstörung.
Wer nie in der Situation war, kann nicht verstehen, welche Ängste man durchlebt und was das mit einem macht.


Vor zwei jahren wurde bei mir eine chronische Erkrankung diagnostiziert. Schubweise. Wie der Verlauf ist: derzeit nicht gut, schau mer mal.
Das macht etwas mit einem menschen, maximilian.

patienten haben alle irgendwelche schlimmen sachen.
Aber für den einzelnen Menschen sieht es so aus, dass ER das hat. Das ER Schmerzen hat. Dass SEIN leben bedroht ist. Dass er sich mit dem existentiellsten Auseinandersetzen und einen neuen Weg für sich finden muss.

In ihrer Situation...ganz ehrlich? Entweder es läuft gut und läuft einfach, oder es läuft nicht. Für mehr ist kein Platz.
Sie soll nicht merken, dass du dich betrinkst udn leidest. Aber aus anderen gründen: sie hat andere Probleme.

Und: sie wird eventuell finden, dass du superklasse warst, bis zu dieser Diskussion. Und dass es jetzt völlig okay ist, dass es nicht mehr ist, weil sie keine Kraft dafür hat, sich in einen anderen menschen, seine Gedanken udn seine Welt einzufinden.

Ich hoffe, das klingt jetzt alles nicht zu herzlos oder krass, ich kann sehr gut verstehen, dass du total vor den Kopf gestoßen bist.
Du hast große gefühle für sie entwickelt, warst total glücklich und begeistert udn von jetzt auf gleich gibt es da gar nichts mehr.
Ich hoffe, du kannst jetzt ein klitzekleines bisschen verstehen, was Ursache sein könnte.
 

maximilian

Aktives Mitglied
Danke für deine Antwort.

Klar, ich ahne dass sie grad in ner extremen Situation steckt (sie überlegt z.B. ihre Arbeit aufzugeben, weil sie ihr nicht gefällt/ gut tut), aber das Verständnis nutzt mir irgendwie gar nix. Ich würde so gerne einfach für sie da sein, sie nicht bedrängen.
An dem letzten Abend vor dem Gespräch war sie total eingekapselt als ich vorbeikam, wollte keine Zuneigung, keine Nähe, ich hab das akzeptiert, war nicht angefressen, hab sie nicht gedrängt, hab mich einfach dazugesetzt und ihr die Zeit gegeben, und irgendwann konnte sie wieder lächeln und sich an mich kuscheln. Sie muss doch merken dass ich mit ihr Umgehen kann, mich nicht von ihren Zuständen verletzen lasse und trotzdem für sie da bin. Gerade dieser Abend, wo ich mit ihrer Grilligkeit ("du bist doch eh nur wieder geil","du bist ja ganz schön Nähebedürftigkeit") super umgehen konnte und sie auch mal mit trüber Stimmung in Ruhe lassen konnte, hat bei mir so ein stimmiges Gefühl hinterlassen. Ich hab so lange nach ner Person gesucht, wo ich so ein stimmiges Gefühl hab.
Mein Mitbewohner hat uns erlebt und sagt: die kommt zurück. Aber ich kann sie in der Situation jetzt gar nicht einschätzen. Ich hab solche Angst, das glaubste gar nicht!!! *heul*

Gruß und Dank, Max
 

soulfire

Aktives Mitglied
ich fürchte halt, dass das problem nicht, ob du mit ihr umgehen kannst, sondern ob sie mit sich umgehen kann.

Bleib dran, wenn du kannst, zeig, dass du noch da bist.
Das geht natürlich nicht mit "ich pfeif auf die freundschaft, sollse doch sehen, wo se bleibt" ;)
Auch, wenn's ne verständliche Erstreaktion ist.

Die Frau hat Kopf udn herz voll udn beides steht Kopf, wie auch der rest ihres Lebens.
 

maximilian

Aktives Mitglied
Danke für deine Meinung, ich denke du hast Recht. Wenn sie diejenige ist, muss ich meinen Egoismus zurückschrauben und schauen dass ich es schaffe über die Verletzung hinwegzukommen und ihr trotzdem beistehen und auf bessere Zeiten hoffen. Vom Kopf her versteh ich das, aber mein Herz ist noch im Schock. Wie wenn du nem ausgetrockneten das Wasser nach einem Schluck wieder wegnimmst.

Mein mitbwohner meint, ich solle ihr am Montag ne SMS schreibe dass ich ohne sie völlig neben der Spur bin und sie vermisse. Du meinst ich solle ihr schreiben: ich akzeptiere dass du im Moment nicht den Kopf für ne Beziehung frei hast, aber ich würde gerne bei dir sein und dir beistehen?
Ich hab solche Angst dass es das war..., sie ist so großartig.
 

soulfire

Aktives Mitglied
Ich würde eher ein Signal senden, dass du da bist, ja. Dann kann sie reagieren, hat aber nicht den Eindruck, dass du an ihr zerrst, dass du eine freundlich formulierte Forderung stellst, sozusagen.

Wenn sie DEN Eindruck bekäme, könnte ich mir dauerhafte Flucht sehr gut vorstellen.
Ich halte dir feste die Daumen, dass alles gut wird.
 

maximilian

Aktives Mitglied
Ich danke dir! Speziell für die Warnung, alles in mir drin will an ihr zerren. Ist zwar nicht das was ich hören wollte, aber vermutlich das was mir am ehesten hilft. :) (Ist ja normal hier ;) ) Mal sehn ob ich das hinbekomme.

Sie hatte geschrieben dass es ihr selbst wehtut, aber sie so handeln muss. Ach mensch, warum muss alles immer so kompliziert sein bei mir? Ich hoffe ich komm bald ausm Selbstmitleid raus.

EDIT: Sind immer noch so nette User wie früher unterwegs, hab auch mal ein bißchen rumgelurkt, hat sich gut entwickelt. :)
 

soulfire

Aktives Mitglied
du warst deutlich vor mir hier, ich weiß nicht, wie es so ganz früher war. Aber...vor nem guten jahr gab es hier auch schon einige schrecklich nette menschen =)

Ist doch klar, dass du an ihr zerren willst. Sie fehlt dir und du hast verlustangst.

Mh, vielleicht trifft es da der Spruch "Wenn Du etwas liebst, lass es gehen. Wenn es zu Dir gehört, wird es zurückkommen. Wenn es nicht zurückkommt, hat es nie zu Dir gehört." ganz gut, auch wenn du den bestimmt jetzt nicht hören magst.

Manchmal weiß man auch nicht, was wozu gut ist.
Vielleicht bist du ihr gerade auch eine sehr sehr große Hilfe, wenn du "nur" ihr Freund, aber nicht ihre beziehung bist. Vielleicht...kann sie dir auch etwas zeigen, was dir bislnag nicht bis ins heerz klar ist.

Dass man manchmal erst durch's tal muss, bis man wieder Sonne sieht.
Dass du niemandem die Sonne anknipsen kannst, wenn er noch im tiefen tal sitzt und sich umsieht.
Dass man niemanden retten kann, ausser sich selbst. Und sich dennoch beistehen kann.

Schultere nicht die Welt, sie ist zu groß und zu schwer....

Liebe Grüße von ner Kollegin, sozusagen ;)
 

maximilian

Aktives Mitglied
Ah ne Kollegin, darf man fragen welcher Fachbereich? (Ich will nach der Ausbildung auf Intensivstation oder noch besser auf die Knochenmarkstransplantationsstation, aber da gibts keine Stellen :( )

War schon immer nett hier, aber es hat sich klar entwickelt. Die Dankfunktion find ich z.B. gut, gab es damals nicht, da fehlte manchmal das Feedback, so dass man sich manchmal etwas sinnlos als Ratschlagender vorkam. Viele Leute wollen halt nicht das hören was man ihnen sagen muss.

Ich werd heute Nacht mal losgehn und mir alles aus der Seele tanzen. Hab heute schon nen kaputten Stuhl noch etwas kaputter gemacht (hab leider kein Boxsack ;) ) und mich mit Kraftsport ausgepowert, da wars schon etwas besser.
Ich werd am Montag die SMS ungefähr wie folgt schreiben: ich bin völlig neben der Spur und vermiss dich ziemlich, aber ich werd damit umgehen lernen, und bin gerne immer für diich da wenn du mich brauchst.
Ist ok so, oder denkst du der erste Teilsatz setzt sie zu sehr unter Druck?
 

soulfire

Aktives Mitglied
Ih steck nicht drin, ich kenne weder dich noch sie.
Aber...ich glaube, es wäre besser, wenn du dich noch ein wenig mehr zurücknimmst.
Tanzen klingt gut, aber ich hab da gerade was von hundemeds gelesen.

Ich hab vier jahre auf ner KMT (für Kinder) gearbeitet.
War ne sehr intensive, sehr schöne und unglaublich schwere Zeit.
Dann 2,5 jahre auf ner ITS (Erwachsene).
jetzt interdisziplinäre Chirurgie, auch Erwachsene.
Trauma und Gefäße.
Nix wie weg, kann ich nur sagen....*g*
 

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