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Mutter-Tochter / Depressive dominante Mutter

lexmark

Neues Mitglied
Hallo, brauche eure Hilfe. Meine Mutter ist schon seit Jahren Schmerzpatient mit entsprechender Medikamenteneinnahme.
Auch ist sie sicher schon seit 10 Jahren depressiv.
Als vor 4 Jahren mein Vater starb, unterstützte ich meine Mutter als Einzelkind selbstverständlich.
Die Depression ist mittlerweile schwer und sie war schon 2 Mal
für je einen Monat in der Klinik. Die Verbesserungen hielten jeweils nicht sehr lange an, obschon sie von einem Psychiater begleitet wird. Dieser münzt die ganzen Probleme einer Medikamentensucht zu. Aber ohne die Schmerzmedikamente geht es einfach nicht. Und trotzem verschreibt er ihr noch zusätzliche Antidepressiva.
Aber eine richtige Theraphie ist dies nicht. Die Gespräche und Hilfestellungen sind sehr auf das notwendigste reduziert

Mein Vater hat meine Mutter zu sehr verwöhnt und sie ist relativ unselbständig. Auch bei Sachen, die sie theoretisch aus gesundheitlichen Gründen noch bewerkstelligen könnte.

Ich lebe in meinem eigenen Haushalt,gehe aber 2-3 pro Woche zu Besuch
Mittlerweile merke ich, dass sie die Unterstützung nicht nur schätzt, sondern auch erwartet und als Selbstverständlichkeit anschaut.
zB. kurz vor dem Besuch noch anrufen und eine Einkaufliste durchgeben (oder auch nur Zigaretten). Sie hat aber den ganzen Tag Zeit, den Einkauf selbst zu erledigen.
Sie meint aber, sie fühle sich im Einkaufszenter nicht wohl unter all den Leuten.
Ich weiss nicht, ob das tatsächlich zutrifft, da sie sich theoretisch die Zigaretten auch in einem Shop besorgen könnte
Auch macht sie mich bewusst oder unbewusst (weiss es nicht) für ihr Gemütszustand verantwortlich.
Zb. will sie mit mir ins Restaurant und hat dann absolut kein Verständnis, wenn ich das nicht möchte. Oder sie freut sich schon auf meinen bevorstehenden Urlaub.
Sie ist der Meinung, dass wir in dieser Zeit viele gemeinsame Sachen unternehmen könnten und auch sogar ins Ausland fahren könnten. Mir selbst wiederstrebt das sehr.
da ich einerseits solche Urlaube schon erlebt habe und anderseits gar nicht wegfahren möchte.
Solche Urlaube kann sie körperlich gar nicht verkraften, was dann meisten krankenpflege im Hotelzimmer bedeutet.
Auch ist sie generell nicht in der Lage, bereits am Vormittag etwas zu unternehmen.
Sie hat eine riesen Anlaufzeit und so kann man bestensfalls erst gegen Mittag los.

Bringe ich dann zum Ausdruck, dass ich nicht ins Restaurant oder mit ihr in den Urlaub will,
legt sie ihre Dominanz an den Tag und ist extrem beleidigt und abweisend. Sie kann einem sehr gut ein schlechtes Gewissen machen.
Ich fühle mich dann meist so schuldig, dass ich entsprechend einlenke.
Jedoch vor 4 Monaten bin ich ihr davon gelaufen und wir hatten etwa 1 Woche keinen Kontakt. Ich hatte aber in dieser Zeit extreme Angst um meine Mutter.
Ich musste sie leider dann aber wegen etwas administrativem Anrufen und das Gespräch war sehr sachlich und kurz.
2 Tage später traf ich sie im Dorf und stillschweigend war alles wieder gut. Dieser Streit wurde nie mehr thematisiert
Heute gab es eine ähnliche Situation. Sie wollte mich in ein Gartenrestaurant einladen und ich fragte nur,
ob wir uns nicht lieber bei ihr zu Hause treffen wollen (es gab noch einiges zu erledigen).
Schon kam folgende Reaktion: "Du willst die alte Mutter (59) wohl nur zu Hause haben, dann fahre ich halt wieder nach Hause" und sie hängte mir das Telefon ab.
Ich fuhr dann zum besagten Gartenrestaurant und traf sie an. Sie meinte nur, dass ich sie sehr böse gemacht habe und verweigerte jedes weitere Gespräch.
Somit lief ich wortlos davon.

Auch habe ich letzten Sommer ihr Garten zu gestaltet (in ihrer Abwesenheit), dass er nicht mehr viel Arbeit macht. Sie hat aber dieses Jahr tonnenweise Blumen gekauft, die ich einpflanzen musste. Nun jammert sie, dass sie nicht mehr mit Giessen nachkommt und stillschweigend erwartet, dass ich das nun täglich mache

Diese Dominaz tut mir so weh, dass ich damit nicht weiter umgehen will. Ich kann und will nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen müssen, auch wenn sie depressiv ist.
Auch will ich nicht noch mehr von meiner Freitzeit für sie aufopfern.
Aber nach dieser Situation heute Abend habe ich schon wieder die grössten Ängste um sie.
Auch hat sie leider einen Hund, der mir sehr am Herzen liegt und ich ungern mehrere Tage auf dessen Wiedersehen verzichte.
Habe sogar den Verdacht, dass sie diesen Hund vor 2 Jahren angeschafft hat mit diesem Wissen
Sie ist eine Person, die eher streitsuchend ist. Mit der ganzen Verwandschaft hat sie gebrochen und keinen Kontakt mehr.
Auch viele gute Freundinen haben sich von ihr abgewendet. Auch hängt sie gerne die grosse Madame an den Tag

Was kann ich tun, damit wir ein gesundes Verhältnis haben können. Den Kontakt möchte ich (noch) nicht abbrechen
Wie kann ich ihr das schonend sagen, was mich so sehr stört ohne das für sie eine Welt zusammenfällt
Vielen Dank
 

Indianerin

Mitglied
Liebe Lexmark!
Mir scheint, ihr habt ein sehr sympiotisches Verhältnis. Deine Mutter erpresst Dich in einem fort und Du gibst (immer) irgendwann nach, wenn sie lange genug erpresserisch agiert hat.
Ich arbeite mit depressiven Menschen und das Wichtigste ist, eine gesunde Abgrenzung hinzukriegen, sonst gehst Du mit "Land unter". Dein Inneres sagt Dir eigentlich, was für Dich gut und richtig ist. Zieh das durch! Mit einer klaren Haltung. Z. B. mit den Blumen:
"Nein, Mutter, ich habe Dir den Garten pflegeleicht gestaltet. Wenn Du ein Blumenmeer, was sehr pflegeaufwendig ist, haben möchtest, um Dich in Deiner Freizeit zu beschäftigen, dann pflanze sie alleine ein oder finde eine andere Lösung! Ich habe bezüglich Deines Gartens genug für Dich getan. Wir sehen uns dann nächsten Freitag...".
Wenn sie dann erpresserisch wird, sag nochmal dasselbe und geh dann. Wenn Du dann zu Hause Ängste bekommst, setze Dich mit Dir auseinander. Lese Bücher dazu, tu etwas für Dich. Wenn Du das ein paar Mal gemacht hast, werden die Ängste weniger!
Viel Kraft und Abgrenzung wünscht Dir
Indianerin:blume:
 
G

Gast87

Gast
Ich finde es toll, dass du dich um deine Mutter kümmerst. Meine Mutter ist auch depressiv und ich habe ziemlich viel über die Krankheit gelesen, um ihr Verhalten besser zu verstehen. Ich habe verstanden, dass ihr gemeines Verhalten mir gegenüber nichts mit mir zu tun hat, sondern durch die Krankheit ausgelöst wird. Ich habe verstanden, dass sie manchmal einfach nicht KANN. Ich glaube, auch bei deiner Mutter ist es nichts so, dass sie nicht einkaufen gehen wöllte - sie KANN es einfach manchmal nicht. Diese Gefühlslage kann man aber von außen nicht sehen, für dich sieht es aus, als ob sie nicht wöllte.
"Sie meint aber, sie fühle sich im Einkaufszenter nicht wohl unter all den Leuten." Und das solltest du ihr glauben und sie nicht zu Dingen zwingen, die sie selbst für nicht machbar hält. Nur weil man die Depression von außen nicht sehen kann, heißt das nicht, dass sie einen Menschen nicht ebenso an eine bestimmte Lebenssituation fesseln kann wie eine körperliche Einschränkung.
Es ist auch typischen für eine Depression, dass deine Mutter morgens eine lange Anlaufzeit hat. Dagegen kann sie aber nichts tun... Du und sie - ihr müsst beide lernen, mit dieser Krankheit umzugehen. Du musst verstehen, dass ihre Belastbarkeitsgrenzen sich verschoben haben. Das hat nichts mit bösem Willen von ihrer Seite her zu tun, sie macht das bestimmt nicht, um dich zu ärgern oder zu provozieren.

Andererseits habe ich jahrelang mit meiner schwer depressiven Mutter zusammen gewohnt und ich kann dir nur raten: Such dir Hilfe! Mach einen Termin für ein Beratungsgespräch bei einem Psychologen, such dir eine Selbsthilfegruppe für Angehörige. Ich weiß, dass depressive Menschen ihre Angehörigen sehr vereinnahmen können - das kann so weit gehen, dass die Angehörigen auch depressiv werden... Diese Krankheit ist wie ein Sog, der dich verschlingen kann, auch wenn du sie gar nicht selbst hast. Darum ist es wichtig Grenzen zu ziehen. Gehe nie über deine eigenen Belastbarkeitsgrenzen hinaus. Wenn du dein Leben zu sehr von deiner Mutter und ihrer Krankheit bestimmen lässt, wirst du unglücklich werden. Wenn dir ihre Forderungen zu viel werden, dann sag NEIN. Und lass dir kein schlechtes Gewissen einreden. Das ist so zwar leicht gesagt, aber ich habe erlebt, dass dieser Punkt (kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man NEIN sagt) am schwersten umzusetzen ist. Es geht darum, die Balance zu finden zwischen Verständnis für den kranken Menschen und den eigenen Bedürfnissen. Du scheinst deine Mutter zu lieben, lass dir das nicht nehmen. Hilf ihr weiterhin, aber setze Grenzen.

Und zu dem Urlaub: Mach es nicht! Für viele depressive Menschen ist ein Urlaub das schlechteste, was man mit ihnen in einer akuten Phase der Krankheit machen kann. Ein Urlaub reist einen Menschen aus seinem gewohnten Umfeld und bedeutet in jedem Fall Stress. Und umgeben von vielen glücklichen, entspannten Menschen wird sich depressive Mensch seiner eigenen Krankheit noch viel mehr bewusst, was wiederum die Depression verstärken kann. Lass also lieber die Finger von einem Urlaub...

Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen helfen. Übrigens gibt es auch ein guten Buch zu dem Thema. Es heißt: "Wenn der Mensch, den du liebst, depressiv ist." (Laura Epstein Rosen, Xavier F. Amador)
 

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