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Mitarbeit in der Therapie

grisou

Sehr aktives Mitglied
Ich habe eine Frage zu Therapie. Weil ich mich im Moment viel damit beschäftige.

Ein Satz in den Richtlinien zur Behandlung psychisch erkrankter Menschen ist mir aufgefallen: "Der Therapeut ist auf die Mitarbeit des Patienten angewiesen."

Ich wollte gerne wissen, wie ihr das seht, Also findet ihr den Satz so richtig? Habt ihr das in der Therapie so erlebt? Was bedeutet für euch MItarbeit in der Therapie? Ganz besonders interessant finde ich, was macht für euch die Mitarbeit schwierig?

Weil ich merke, da bin ich gerade an einem Wendepunkt in meiner Therapie. Und ich muss mir überlegen, wie meine Therapie weitergehen soll. Davon mag ich aber später erzählen, erst mal möchte ich eure Meinung dazu hören.
 

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Otter

Moderator
Teammitglied
Der Therapeut ist darauf angewiesen, dass der Patient das gelernte auch umsetzt. Setzt sich der Patient stur, nützt einem die beste Therapie nichts
 

Kampfmaus

Aktives Mitglied
Hey Grisou,

wie immer ein interessantes Thema, was du da ansprichst! ;)

Mir wird das auch häufig an den Kopf geknallt - manchmal berechtigt, manchmal auch nicht.
Ich definiere Mitarbeit in der Therapie so, dass der/die Patient/in zumindest nicht abblockt, sondern die Hilfe zulässt und sich öffnet. Für den/die Therapeut/in ist es wichtig, dass der Patient die Hilfe will und annimmt. Ist das nicht der Fall, bringt die Therapie nichts.
Ich tue mich dann schwer mitzuarbeiten, wenn der/die Thera mir Hilfen gibt, die ich selbst als sinnlos erachte oder wo ich weiß, okay, das bringt mir nichts. Ein Beispiel von letztens dazu sind die vielen Hausaufgaben, die meine Thera mir aufgegeben hat und womit ich vollkommen überfordert war. Ich konnte nicht mitarbeiten und hatte das Gefühl, sie versteht nicht, was ich brauche. Wenn das Gefühl da ist, die/der Thera versteht mich nicht, dann kann ich auch nicht vernünftig mitarbeiten. In dem Fall war es wichtig, ihr das rückzumelden und inzwischen kann ich wieder ganz gut mitarbeiten.

LG Kampfmaus
 

_Alpha_

Aktives Mitglied
Ich habe eine Frage zu Therapie. Weil ich mich im Moment viel damit beschäftige.

Ein Satz in den Richtlinien zur Behandlung psychisch erkrankter Menschen ist mir aufgefallen: "Der Therapeut ist auf die Mitarbeit des Patienten angewiesen."

Ich wollte gerne wissen, wie ihr das seht, Also findet ihr den Satz so richtig? Habt ihr das in der Therapie so erlebt? Was bedeutet für euch MItarbeit in der Therapie? Ganz besonders interessant finde ich, was macht für euch die Mitarbeit schwierig?

Weil ich merke, da bin ich gerade an einem Wendepunkt in meiner Therapie. Und ich muss mir überlegen, wie meine Therapie weitergehen soll. Davon mag ich aber später erzählen, erst mal möchte ich eure Meinung dazu hören.
Mein Gott, in letzter Zeit so viele Beiträge, wo ich mein Wissen auch mal ausplaudern kann.. erstmal Danke, hilft beim Lernen.

Fachterminus ist Compliance. Und ja, das ist wichtig. Zumindest bei vielen Störungen.
Selbiges gilt z.B. auch für medikamentöse Behandlung. Nimmt der Patient das Mittel nicht oder unregelmäßig ein, bleibt der Therapieerfolg aus.

Selbiges gilt für Psychotherapie. Ein gewisser Änderungswillen muss vorhanden sein. Genauso Einsicht. Die Übungen und Ratschläge des Therapeuten sollten umgesetzt werden. Wenn was dagegen spricht oder man mit etwas überfordert ist oder es anders sieht: Kommunikation!

Sprich: Ein Therapeut kann dich nicht hypnotisieren. Wenn du seine Hilfe nicht annimmst oder umsetzt wird das nix mit Therapieerfolg.

Natürlich gibt es gewisse Techniken, um innerhalb der Therapie Reaktanz zu vermeiden und dem Patienten die Illusion zu geben, er wäre selbst auf die Lösung gekommen (ist nachhaltiger, z.B. sokratischer Dialog).

Fazit: Ja, Compliance ist dringend nötig.
 

BlueShepherd

Aktives Mitglied
Für mich ist der Satz auch wichtig und nötig.

@_Alpha_ hat ja schon das wichtigste gesagt.

Ich selbst habe mich nur einmal dagegen entschieden mit zu arbeiten. Das lag an der Beziehung zur Therapeutin die nicht sehr gut war. Ich hatte das Gefühl sie wollte mich mit Druck in eine bestimmte Ecke zwängen, in der ich mich nicht gesehen hatte. Die Gespräche waren unterkühlt und da war dann die Therapie einfach nicht mehr möglich und ich habe sie abgebrochen.

Ich versuche in meiner Therapie immer ehrlich meine momentane Lage und Gefühle rüber zu bringen, nehme all meine Medikamente ein und versuche das was in der Therapie besprochen wird immer um zu setzen.
Das wichtigste in meinen Augen ist der Wille das sich etwas verändert und das man seinem Therapeuten vertraut.

Wenn man seinem Therapeuten (aus welchen gründen auch immer) nicht vertraut, ihm nicht die Wahrheit erzählt, dann ist das für mich zwar Verweigerung der Mitarbeit aber da muss man halt auch immer schauen wieso das so ist. Woran das liegt.
 

grisou

Sehr aktives Mitglied
Vielen Dank für eure Antworten.

Der Therapeut ist darauf angewiesen, dass der Patient das gelernte auch umsetzt. Setzt sich der Patient stur, nützt einem die beste Therapie nichts
Das ist so eine typische Aussage, die auf einem alten Menschenbild basiert. "Der sture Patient, der das gelernte nicht umsetzt." In dieser Sicht wird der Patient herabgesetzt. Die Energie geht vom Therapeuten zum Patienten. Dabei sollte der Patient aber im Mittelpunkt stehen.

Zum Glück ändert sich das langsam in der Psychiatrie und man kommt zu einem positiveren Menschenbild, in dem der Patient im Mittelpunkt von Therapie steht. Und wo es eher heißen muss: "Der Patient ist auf die Mitarbeit von dem Therapeuten angewiesen."

In meiner Ausbildung als Ex-In Genesungsbegleiter habe ich gelernt, dass es keine sturen oder trotzigen Patienten gibt. Wir haben uns viel damit auseinander gesetzt, warum Menschen nicht in der Lage sind, Hilfe anzunehmen, warum sie in den Widerstand gehen, was es bedeutet, wenn sie sich verweigern.

Mitarbeit klingt nur auf den ersten Blick super. Ich war so ein Patient, immer voll motiviert, alles mitgemacht. Weil ich Gehorsam gelernt habe. Und weil ich alles mitgemacht habe, wurde mir mehr und mehr angeboten. Am Ende war ich fast im Therapie Burn-Out.

Wirklich geholfen hat mir ein Therapeut, der seine Mitarbeit MIR verweigert hat. MIch immer gefragt hat, und was wollen Sie jetzt von mir? Und ich bin total verzweifelt, weil ich nicht wusste, was er erwartet, dass ich von ihm erwarte. Ich habe zwei Jahre gebraucht, bis ich verstanden habe, in der Therapie geht es um mich. Ich trage die Verantwortung. Und ich entscheide, was will ich machen, vor allem aber was will und kann ich nicht.

Wenn der Patient das nicht umsetzt, was er gelernt hat, dann weil er es nicht KANN. weil die voraussetzungen fehlen. Und da ist es mein Job dabei zu helfen, diese Gründe zu finden und dann kann der Patient daran arbeiten. Wenn er möchte. vielleicht sind das ja auch gute Gründe, warum er scih verweigert. das kann ja ich nicht entscheiden.

jetzt bin ich gespannt, wie ihr auf meinen beitrag reagiert und wie ihr das seht. Es geht mir nicht darum, das zu bewerten. es ist auch ein bisschen wortklauberei. wobei worte ja auch wirklichkeiten schaffen und formulierungen haltungen hervorrufen und stützen.

Darum ist die frage für mich gerade sehr interessant. weil ich daran so vieles festmache, was in meiner Threapie sich verändert hat.
 
D

Die Queen

Gast
Unter Mitarbeit verstehe ich als Patient offen zu sein neue Dinge auszuprobieren und auch zu lernen.

Meine Mitarbeit erschwert denke ich hauptsächlich durch meine Neigung Sachen aufzuschieben. Sprich, ich bin einer dieser Leute, die eine bestimmte Aufgabe zwar machen, jedoch erst am allerletzten Tag.
 

Q-cumber

Aktives Mitglied
Hmmm....

"Der Therapeut ist auf die Mitarbeit des Patienten angewiesen."

Das wirkt für mich irgendwie unvollständig.
Eine Beziehung ist ja keine Einbahnstraße, auch keine therapeutische.
Schöner wäre so etwas wie "Die therapeutische Beziehung sollte von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Patient und Therapeut gekennzeichnet sein." Oder so.

Letztlich ist ja vor allem der Patient auf die Mitarbeit des Therapeuten angewiesen!
Letzterer bekommt sein Honorar ja unabhängig vom "Therapieerfolg".

Natürlich kann und darf ein Therapeut erwarten, dass sein Patient regelmäßig und pünktlich zu seinen Therapiestunden erscheint - wenn das nicht der Fall ist, steht der Sinn und Zweck der Therapie ab einem gewissen Zeitpunkt in Frage.

Es ist aber normal, dass im Rahmen einer Therapie auch immer mal Widerstände auftreten, die dem Klienten selbst ja häufig nicht einmal bewusst sind.
Und die, die ihm bewusst sind, sind häufig so mit Scham besetzt, dass sie trotzdem nicht offen verbalisiert werden.
Und an der Stelle ist der Patient auf die "Mitarbeit" des Therapeuten angewiesen: dieser sollte die Widerstände wahrnehmen, sie für sich einordnen (nicht negativ werten!) und sie offen, aber behutsam thematisieren. Sonst gerät fast jede Therapie früher oder später mal ins Stocken.

Soweit meine Idee dazu ;)
 

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