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Missbrauch als Säugling und Gewalt in Kindheit/Jugend

Kiwi87

Mitglied
Hallo Ihr da draußen,

ich bin neu hier und weiß nicht so recht wo und wie ich anfangen soll was mich beschäftigt.

Mit 12/13 hatte ich massive psychische Probleme, sodass ich Insgesamt ca. 3,5 Jahre in Psychiatrien und diversen Heimen war.

Mit 16 durfte ich wieder nach Hause zu meiner Mutter und ihrem neuen Mann in ein komplett neues Umfeld. Von da an ging es mir besser, habe meinen Schulabschluss gemacht. Mit ca. 19 gin es mir wieder ziemlich schlecht und ich war wieder in der Klinik. Meine Mutter war zu einem Arzt Gespräch da und hat nach mehrmaligen nachfragen des Arztes erzählt, dass mich mein leiblicher Vater als Säugling sexuell Missbraucht hat. Er war Alkoholiker und Gewalt war schon vor meiner Geburt ein großes Thema.

Meine Eltern trennten sich als ich 2 Jahre alt war. Ich war wohl ein sehr schwieriges Kind, habe oft getobt. Meine mutter wusste sich nicht anders zu helfen als mit zu schlagen, mich während des tobens unter die eiskalte Dusche zu stellen oder mit samt Klamotten in die mit kaltem Wasser gefüllte Badewanne zu schmeißen. Danach nahm sich mich in den Arm als sei nie was gewesen. Zwischen 3 und 9 lebte ich unter der Woche bei meinen Großeltern und am Wochenende bei meiner Mutter. Es war eine sehr schwierige Zeit für mich - immer hin und hergerissen. Mit 9 sind wir in die Dachwohnung meiner Großeltern gezogen. Ich wurde immer "Schlimmer" wie alle es zu sagen pflegen und mein Opa fing mit an zu schlagen.

Mit dem Wechsel auf die Realschule fing auch noch Mobbing an, ich begann mich mit 11 zu ritzten, schwänzte immer öfters die Schule und dachte darüber nach wie ich mich am besten umbringen könnte - bis ich in die Psychiatrie kam wo es mit der Gewalt (fixieren, Medikamente spritzen) nicht wirklich besser wurde.

Kurzer Sprung zu meinem Klinikaufenthalt mit 19...
Ich lernte in dieser labilen Zeit einen jungen Mann kennen, brach meine Zelte von heut auf morgen von der Klinik ab und zog bei ihm ein. Die Beziehung war ein einzigstes Desaster aber immerhin 3 Jahre später: Eine abgeschlossene Ausbildung und hatte den Absprung schon eine Weile vorher von ihm geschafft.

Vor bald 4 Jahren (bin jetzt 24) lernte ich meinen heutigen Freund kennen. Es ist eine stabile Beziehung und er ist ein echt guter Kerl.

Nun zu meinen "Problemen"

Ich bin voll Berufstätig, führe ein an sich normales Leben, aber fühle mich immer, immer wieder einfach schlecht. Mir geht die Vergangenheit so sehr nach und ich weiß einfach nicht wie mit um gehen. Das mit dem Sexuellen Missbrauch macht auch meine Partnerschaft unheimlich schwierig. Immer wenn wir quasi schon fast dabei sind geht mir durch den Kopf wie ein Mann nur ein Säugling missbrauchen kann und die Lust eines Mannes macht mir dann solche Angst, da ist es bei rum.

Desweiteren spricht immer jeder von mir als schreckliches Kind - es scheint nie jemand auf die Idee zu kommen, dass sie selbst dafür verantwortlich waren.

Ich bin immer wieder depressiv, ich komm außer dieser ewigen Spirale nicht raus. Ich wünsch mir nichts senhnlicher als ein befreites, normales, glückliches Leben.

Bitte helft mir irgendwie!

Danke!

Bevor ich euch jetzt Überhäufe mit meiner Lebensgeschichte mache ich an dieser Stelle schluss.

LG Kiwi
 

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N

Nickel

Gast
Liebe Kiwi,

Deine Zeilen zu lesen tun mir weh.. wie kann man so blind sein und einem Kind das Leben so zur Hölle machen. Es tut mir leid für dich was du alles ertragen mußtest, fühl dich gedrückt. Ich denke, du mußt unbedingt etwas tun, um damit umgehen zu lernen. Tun: Dir Hilfe holen.

Du schreibst zum Thema Psychiatrie nur von Ruhigstellen und Medikamenten. Hast du denn schon eine richtige Therapie, vor allem wegen dieses Themas, gemacht? Ich denke das ist dringend nötig, alleine kann man so etwas sicher nicht bearbeiten. Da wirst du ja verrückt bei. Ich denke da an.. Traumatherapie? Das wird ein guter Psychologe sicher besser einschätzen können als ich.

Wichtig ist: Du warst kein schwieriges Kind. Du warst ein mißhandeltes Kind. So etwas kann eine kleine Seele doch nicht allein verarbeiten! Das kann ein erwachsener Mensch ja meist schon nicht. Wie denn dann ein Kind? Und obwohl deine Mutter hätte wissen müssen woher deine Probleme kommen, hat sie dir nicht geholfen. Immerhin hat sie dir insofern geholfen, daß sie dich wenigstens mit 2 Jahren in Sicherheit gebracht hat. Haben denn deine Großeltern gewußt, was du erleiden mußtest? Wissen sie es jetzt?
Naja worauf ich hinaus wollte: Du bist stark, sonst würdest du mit dem Hintergrund nicht soweit gekommen sein wie du bist. Sei stolz auf dich. Und geh den Schritt, mit professioneller Hilfe (keine Medikamente - höchstens zur kurzfristigen Unterstützung der Therapie) den ganzen Mist zu verarbeiten. Das wird dich nochmal viel Kraft kosten.. aber du hast die Aussicht, daß du irgendwann "freier" Leben kannst - dann sind die Erlebnisse irgendwann sicher verstaut, aber zugänglich, in einer imaginären Kiste und kleben dir nicht mehr wie ein Plumpsack auf dem Rücken.

Was denkst du dazu?

Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft.. und alles Gute.
 

Kiwi87

Mitglied
Liebe Nickel,

vielen, vielen Dank für deine lieben und sehr verständnisvollen Worte.

Mittlerweile ist mir bewusst, dass ich kein schreckliches oder schlimmes Kind war sondern die damaligen Umstände mich regelrecht dazu gezwungen haben so zu sein.

Jetzt wo ich das ganze nochmal so lese wird mir bewusst, dass es auch mit 2 Jahren nicht vorbei war. Meine Mutter hat mir früher immer erzählt (bevor ich das mit dem Missbrauch wusste) , dass ich nach Ihrer Scheidung von meinem Vater im 2 Wochen Rhythmus einen Tag bei meinem Vater war und ich bei der „Übergabe“ ständig „Mama, Mama“ hinter hergerufen habe und geheult habe. Das Jugendamt aber auf den Kontakt bestanden hatte. D.h. meine Mutter hat dem Jugendamt nichts davon erzählt, sonst hätte dies den Kontakt mit Sicherheit unterbunden.

Außer damals in der Klinik beim Gespräch mit dem Arzt kam die Missbrauch Sache nie mehr zu Sprache. Ich weiß somit nicht ob meine Großeltern was davon wissen. Das mit der Gewalt durch meine Mutter denke ich, konnten Sie sich denken, ich musste ja offensichtliche Verletzungen gehabt haben.

Das mit der Therapie ist so eine Sache. Ich vor 2 Jahren in Tagesklinischer psychosomatischer Behandlung. Damals war ich noch nicht soweit über den Missbrauch zu sprechen. Nehme seitdem allerdings Antidepressiva.
Aktuell mache ich eine Systemische Therapie. Der Therapeut/Therapeuten wissen zwar, dass es Missbrauch gab aber ich bin nicht in der Lage es in Worte zu fassen, dass es mich so sehr einschränkt uns belastet. Ich habe mir schon einige Male vorgenommen es anzusprechen doch dann kommt einfach nichts, rein gar nichts aus meinem Mund. Ich weiß nicht, wie ich es angehen kann/soll. Ich hab mir schon überlegt es einfach aufzuschreiben – aber schon alleine bei der Vorstellung den Zettel zu überreichen überkommt mich ein Schier gar unerträgliches Schamgefühl – ich weiß beim besten Willen nicht warum.

Vor 1,5 Jahren hatte ich ein Vorgespräch bei einer Verhaltenstherapeutin, die das Thema Missbrauch direkt angesprochen hat und ich auch in Lage war andeutungsweise darüber zu sprechen. Sie nimmt mich allerdings nur in Therapie wenn ich mit meiner Mutter darüber spreche was genau vorgefallen ist und was sie alles darüber weiß. Das kann ich nicht. Zum einen würde ich bei dem Versuch mit ihr darüber zu sprechen kein Wort rausbringen und wenn doch könnte ich vermutlich nie wie mit ihr reden. Zum einen aus furchtbarer Scham zum anderen aus Hass auf meine Mutter. Das würde bedeuten, dass ich meine Mutter verliere, an der ich trotz alldem hänge…

Distanziert betrachtet ist mir klar, dass ich sehr stark sein muss, nur leider kann ich dir Stärke nicht fühlen. Wahrscheinlich sollte ich mir jeden Tag vor Augen halten wo trotz allem heute stehe.

Ich möchte hier nicht „rumjammern“, ich möchte nur einen Weg finden da raus zu kommen.

Hast du mir vielleicht noch einen Rat, wie ich das die geschilderten Schwierigkeiten angehen kann?

Liebe Grüße und nochmals vielen Dank
 

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