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Mir geht gerade so viel im Kopf rum und ich weiß nicht weiter :(

G

Gast

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Ein großes Hallo erstmal an die Forengemeinde. Dieser Beitrag hier fällt mir sehr schwer und ich frage mich, wie man am besten so was beginnt. Als erstes bedanke ich mich im Voraus an alle, die sich die Zeit und Mühe machen, meine Geschichte durchzulesen. Ich denke ich bin hier gelandet, weil es vielleicht manchmal ganz gut tut, anonym über das zu schreiben, was man ansonsten schwer oder gar nicht aussprechen kann und weil ich natürlich hoffe, dass jemand ähnliches kennt oder erlebt hat. Ich möchte gar nicht, dass jemand versucht meine Probleme zu lösen, ich bin selbst dafür verantwortlich und nur ich kann eigentlich wirklich etwas ändern. Aber ich würde mich sehr darüber freuen, wenn ich ein wenig mehr das Gefühl hätte, dass ich nicht ganz alleine mit meiner Situation bin und mir jemand vielleicht erzählen kann, wie er da wieder rauskam, bzw. durch was und vor allem wie sich sein Leben wieder gebessert hat.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ich bin vor kurzem 24 Jahre alt geworden und wenn ich auf mein Leben zurückblicke, gibt es mehr, dass harte Spuren hinterlassen hat als Dinge, für die ich wirklich dankbar bin. Seit einiger Zeit fühle ich mich „alt“. Es ist, als würde ich morgen 30 werden. Jeden Tag frage ich mich „Wo ist nur die ganze Zeit geblieben?“ und fühle mich so, als würde ich innerlich sterben. Als würde ich meine Zeit verlieren, als würde sie wirklich ablaufen (ich weiß, dass unsere Zeit ab der Geburt abläuft, aber ich hoffe, man versteht, was ich meine) und mit 30 wäre es das gewesen. Bitte entschuldigt, ich möchte hier auf keinen Fall andere abstempeln, die älter als ich sind. Das seltsame ist, dass ich das mit dem Alter nur auf mich beziehe und andere Menschen nicht danach bewerte.

Dieser Zustand wird immer schlimmer für mich. Sogar ein Altersunterschied von 2 Jahren fühlt sich so an, als hätten die anderen viel mehr Zeit als ich, wenn sie die Jüngeren sind. Ich denke seit einiger Zeit extrem darüber nach, woher dieses Gefühl kommt und durch was es ausgelöst wird. Alles fällt mir seit einiger Zeit schwer und ich denke nur darüber nach, was alles vorbei sein könnte und was ich verpasst habe. Das Gedankenkarussell steht nicht still und ich frage mich ständig: sind 6 Jahre bis zu den 30 noch viel Zeit? Ist 24 noch jung oder alt?
Ich habe im Internet erschreckende Meinungen zu dem Thema gelesen, aber auch den fast standardmäßigen Satz „man ist immer so alt, wie man sich fühlt“, was ja auch irgendwo stimmt. Aber er kann diese innere Zerrissenheit und Angst in mir nicht lindern.

Ich habe keine richtige Familie. In meiner Familie gab/gibt es sehr viel Gewalt, besonders emotionale. Es geht nur um das Aussehen, Status und Ansehen und ich traue mich gar nicht, hier öffentlich die Dinge zu beschreiben, die meine Kindheit und Jugend geprägt haben. Ich habe mich vor einem Jahr dazu entschlossen, den Kontakt völlig abzubrechen und nur noch zu meinen Eltern zu halten, da das Verhältnis zum Glück einigermaßen funktioniert, auch wenn sehr vieles nicht funktioniert und einige meiner Freunde es eigentlich besser finden würden, wenn ich mich auch von ihnen lösen würde. Aber es sind nun mal meine Eltern und vielleicht kennt ihr das ja auch, man macht Fehler und man liebt sich trotzdem. Es ist sehr schwer, jemanden abzuschreiben oder auf größere Distanz zu halten, wenn man weiß, man liebt sich Gegenseitig und dass die andere Seite die Fehler bereut.

Mit 14 wurde ich ganz schlimm Magersüchtig und bin eigentlich fast daran gestorben, ohne dass ich es bewusst wahrgenommen habe. Mit 16 kam ich wegen Depressionen, Selbstmordgefährdung und eben wegen meiner Magersucht in eine Klinik. Mit 17 hatte ich einen Selbstmordversuch. Weil ich nicht mehr weiterwusste, habe ich mich betrunken, habe gefeiert, obwohl ich es eigentlich nicht immer wollte und habe mich oft einsamer und trauriger gefühlt, als jeder andere Mensch in meiner Umgebung. Ich habe immer gelächelt und gesagt, es ist alles in Ordnung, nur um dann allein für mich zu heulen, weil ich eigentlich total fertig war. Ich war nicht am Boden, ich war total fertig. Als ich mit 17 einigermaßen angefangen habe wieder wenigstens im Ansatz ein bisschen Land in diesem ganzen Chaos zu sehen, ist mir etwas ganz Schreckliches passiert. Etwas, das ich niemanden auf der Welt wünsche. Ein junger Typ hat mich fast vergewaltigt und mir angedroht, dass er mich umbringt, wenn ich mich wehre. Er hat mich angefasst und festgehalten und auch wenn ich mich nicht mehr ganz an alles erinnern kann (warum auch immer) weiß ich noch ganz genau, wie ich wirklich mir in einer Endlosschleife dachte „Er bringt mich um. Er wird mich umbringen!“
Ich habe geweint und um Hilfe geschrien, gerade weil noch andere Männer in der Nähe waren. Aber keiner hat mir geholfen. Einer hat sogar betroffen geschwiegen und weggesehen, als ich ihn angesehen habe. Der Freund des Täters hat dann nur gemeint, dass ich mich mit Absicht zu ziere und es doch eigentlich auch will. Alles ganz schlechtes Kino, so schlecht, dass ich mir selbst als Betroffene ganz schwer vorstellen kann, dass das wirklich alles passiert ist. Ich habe mich in diesem Moment ganz weit weg von mir selbst gefühlt und irgendwann war innerlich alles tot in mir. Rausgekommen bin ich eigentlich nur aus der Situation, weil der Typ damals ziemlich betrunken und deswegen etwas fahrig war. Er hat einen Moment lang nicht richtig aufgepasst (oder was auch immer) und ich habe mich losgerissen und konnte abhauen. Gott, ich habe mich so furchtbar geschämt. Ich habe zwar mit meinem Umfeld versucht, darüber zu reden, aber bis auf ein „Du übertreibst und steigerst dich total da rein. Es ist ja nicht so, als wärst du wirklich vergewaltigt worden“, ein „Und was willst du jetzt machen? Du kannst gar nichts machen“, oder sogar ein „Du bist selbst schuld, wenn du allein nachhause gehst und so geschminkt im Top rumläufst“ kam nichts. Ich habe das Erlebnis total verdrängt, mit 17 habe ich noch nicht so viel darüber nachgedacht, wie einschneidend das alles sein kann.

Meine Angst vor Männern wurde immer größer. Was aber auch daran lag, dass ich dazwischen immer wieder Männer getroffen bin, die ein „Nein“ nicht akzeptiert haben. Vorne weg ein angeblich guter Freund von mir, der am Ende vermutlich so frustriert (oder was auch immer) davon war, dass ich einfach seine Verliebtheit mir gegenüber nicht erwidern konnte, dass er sein wahres Gesicht gezeigt und am Ende Dinge getan hat, die ich heute als sehr bedenklich einstufe und als absolut. frauenverachtend und mit Absicht verletzend. Doch damals, wie auch noch heute frage ich mich oft „was ist nur falsch an mir?“
Ich kann einfach nicht vergessen wie er mehrmals zu mir sagte „Ich bin der einzige Mensch, der wirklich zu dir passt. Welcher Mann will denn so jemanden wie dich?“

Ich habe mich oft unsterblich verliebt, aber nur um am Ende zu erfahren, dass diese Männer mich salopp gesagt nur fürs Bett wollten oder als Spielzeug ansahen. Das tut weh, es enttäuscht, denn ich bin alles andere als eine Frau, die sich so darstellt.
Jetzt bin ich in einem Alter, in dem man mehr zu sich findet, glaube ich. Viele Freunde von mir verloben sich, wissen in welche Richtung es beruflich geht und sind größtenteils mit ihrem Leben zufrieden. Ich selbst habe einen festen Job, einen großen Freundeskreis, ja ich sollte eigentlich mehr oder weniger glücklich sein, aber ich bin es nicht. Mich haben so unglaublich viele Menschen, die ich aufrichtig geliebt habe und für die ich alles getan hätte, im Stich gelassen und unglaublich verletzt. Ich habe meinen größten Traum aufgegeben und egal wie sehr ich mich auch in meiner Therapie anstrenge, es tun sich immer wieder neue schwarze Löcher auf. Ich bin seit einem halben Jahr wieder richtig rückfällig geworden, was meine Magersucht angeht. Es ist so furchtbar anstrengend und schwierig, dagegen anzukämpfen. Tag für Tag für Tag … Ich hatte wieder diese grauenvolle Tiefpunkte, diese Nächte, in denen man sich fragt, was wäre, wenn man einfach weg wäre. Wofür man eigentlich lebt. Ich fühle mich am falschen Platz, im falschen Leben und das Schlimmste ist, es ist trotzdem mein Leben. Ja ich weiß, dass ich jeden Tag etwas ändern kann. Aber es ist zur Zeit so schwierig und letzten Endes ist vieles vorbei. Es kommt nie wieder zurück.

Ich habe das Gefühl, dass in letzter Zeit alles in mir zusammenfällt und um mich herum zerbricht. Jeden Morgen stehe ich auf und frage mich, was nur aus mir werden soll. Ich wünsche mir ganz tief in meinem Inneren so inständig, mich einfach nur zu verlieben und diese Gefühle erwidert zu bekommen. Ohne bitteren Nachgeschmack, einfach einmal mit dem Gefühl, dass ein Mann mich so liebt, wie ich bin, mit all meinen Schwächen und Narben und Verletzungen, die das Leben in mir hinterlassen hat. Ich weiß, dass es großes Glück ist, dass eine Liebe für den Rest des Lebens andauert und ich gehe auch bei keinem Mann davon aus, dass es für die Ewigkeit ist. Aber man kann doch etwas Wunderbares und Wertvolles für einige Zeit zusammen haben und miteinander erleben? Ich habe so viel zu geben und in meinem Herzen ist so viel Platz für jemanden. Ich wünsche mir so sehr, einfach einmal „angekommen“ zu sein. Ein wenig ein Gefühl nach „Zuhause“ zu haben.

Eigentlich möchte ich keine Kinder und nicht heiraten, weil ich denke, dass es das für mich einfach nicht gibt. Ich habe so furchtbare Erinnerungen an meine Kindheit, dass ich Angst hätte, unbewusst etwas auf meine Kinder zu übertragen und dadurch etwas in ihnen zu zerstören. Und ich kenne es nicht, ich weiß nicht, wie es ist, in einer mehr oder weniger intakten Familie zu sein. Natürlich weiß ich, dass jede Familie ihre Macken und Schwierigkeiten hat und dass es das Ideal nicht geben kann, das einem die Medien oft vorspielen, aber ich habe nicht umsonst den Kontakt zu meiner Verwandtschaft abgebrochen.

Ich bin kaputt, unbrauchbar und ich könnte einem Mann gar nicht das bieten, was er verdient. Welcher Mann will also wirklich jemanden wie mich? Ich fürchte mich immer so sehr vor diesem Moment, in dem mir klar wird, dass ich mich richtig verliebt habe. Ich bin in meinem Freundeskreis die Kümmerin. Ich versuche mich anzustrengen und mein Bestes zu geben. Ich lächle lieber, als der Öffentlichkeit zu zeigen, wie schwer mir manchmal das Leben fällt. Das ist zum Teil nicht richtig, ich weiß. Aber ich glaube von mir, dass ich nichts anderes richtig kann oder halbwegs hinbekomme, als mich um andere zu kümmern und ein bisschen der Grund dafür zu sein, dass sie lächeln.

Ich habe unglaubliche Angst vor dem Leben. Ich kann das Kopfkino nicht abstellen und ständig überlege ich, was an mir nicht richtig ist oder was nicht normal bei mir sein könnte. Ich kann einfach nicht damit aufhören mich selbst zu verabscheuen. Ich habe mich bewusst nicht in einem Forum für Essgestörte angemeldet, da dort einfach zu viele Gedanken wären, die mir eher beim rückfällig-sein helfen, als dabei, wieder hochzukommen. Vor kurzem habe ich gelesen, dass ab 30 die Fruchtbarkeit bei Frauen extrem abnimmt. Ich treffe immer mehr auf Menschen, die sagen, mit Ende 20 oder um die 30 ist man zu „alt“ für ein Kind. Und obwohl ich eigentlich keine Kinder möchte, denke ich mir „Ich würde gerne theoretisch selbst gerne entscheiden, wann und ob ich Kinder kriege und nicht die Natur oder die Gesellschaft“.
Vielleicht denke ich so viel in letzter Zeit über mein Alter nach, weil die Jahre so schnell vorbei gegangen sind, zumindest meinem Empfinden nach. Aber ich suche auch nach Antworten, deren Fragen ich noch gar nicht kenne oder bewusst erfassen kann.

So, das war soweit das Gröbste zu meiner momentanen Situation. Ich könnte so viele Seiten zu meinem Leben schreiben und was mir bisher alles (leider) schon widerfahren ist, aber ich möchte hier auch keinen überladen. Wie bereits schon gesagt, vielen Dank fürs Lesen und noch viel mehr Dank für eventuelle Antworten! Ich hoffe so sehr, dass es jemanden vielleicht zum Teil so wie mir selbst geht oder mir ein wenig davon erzählen kann, wie er oder sie aus dieser „middle 20“-Crisis rausgekommen ist.
 

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kaela

Aktives Mitglied
Dein Beitrag hat mich sehr berührt, er ist traurig und verzweifelt, aber er zeigt auch, was für ein sympathischer, empfindsamer und verantwortungsvoller Mensch du bist.

Ich hab im Moment nicht die Kraft, mich richtig auf dich oder jemand anderen hier einzulassen. Deshalb auf deinen langen Beitrag nur eine ganz kurze Antwort: Könnte es sein, dass diese Gedanken um die verfliegende Zeit damit zu tun haben, dass du dich nicht oder nicht lang genug auf ALLE deine tiefsten Gefühle einlässt? Man empfindet, dass das Leben an einem vorbeirauscht, oft dann, wenn man nicht richtig "da" ist. Nicht präsent. Wenn man nicht ausdrückt, was man wirklich fühlt. Und wenn eine Glasscheibe zwischen einem selbst und den anderen da ist - dann, wenn keine wirkliche Kommunikation aus ganzem Herzen stattfindet - warum auch immer.

Ich könnte mir vorstellen, dass dich zumindest die versuchte Vergewaltigung und die Todesangst währenddessen traumatisiert hat. Und auch die lieblosen Kommentare danach. Machst du eine spezielle Traumatherapie oder eine mit anderem Schwerpunkt? Und könnte es sein, dass eins deiner Hauptthemen die Angst ist? Ich hab so ein Bild vor mir, dass du in einem Gefängnis aus Angst lebst. Kommt das hin? Bist du mit deinem Therapeuten und der Methode zufrieden, oder fehlt dir was? Das, was die Kassen zahlen, geht meiner Erfahrung nach nicht besonders tief ans Unbewusste ran. Vielleicht bräuchtest du was anderes oder Zusätzliches?
Es gibt ein Buch: "In Würde aufrichten", da geht es um Traumatherapie, und es gibt eine anscheinend sehr respektvolle Methode, die sog. kreative Traumatherapie. Dies nur als kleine Anregungen.

Ich wünsch dir jeden Tag mindestens einen kleinen Lichtblick, etwas, das dir hilft, einen Schritt vor den anderen zu setzen.

Liebe Grüße,
Kaela
 
G

Gast

Gast
Liebe Kaela,

vielen Dank für deine schnelle Antwort, ganz besonders, da du anscheinend zur Zeit selbst an einigen schwierigen Dingen zu knabbern hast. Ich versuche dir so gut es geht zu antworten:

Ja, ich lebe in einem Käfig aus Angst. Das beschreibt es ganz gut. Wenn ich nicht gerade vor meinem "Alter" Angst habe, dann vor der verlorenen Zeit, vor der Zukunft, dann habe ich Angst vor Männern oder vor mir selbst. Ich bin mit den Jahren leider eine Meisterin der Verdrängung geworden. Viele Gefühle habe ich nie zugelassen, erst jetzt, nach einem harten Kampf und bestimmte Gefühle gestehe ich mir immer noch nicht ein oder zu. Ich jage eigentlich im Alltag von einer Angst zur nächsten. Ich "durfte" auch lange Zeit bestimmte Gedanken und Gefühle nicht haben und zu einem Großteil habe ich sie mir auch verboten, da gerade das Schweigen in mir mich selbst auf eine ganz seltsame Art und Weise beschützt hat. So wie mich in der Magersucht durch das Hungern wegflüchte und besser fühle, auch wenn es eine ganz schlimme, schräge Perspektive ist.

Ich mache eine Psychotherapie. Meine Therapeutin würde eine Körpertherapie für mich noch gut finden. Über eine Traumatherapie habe ich noch nie genauer nachgedacht, da ich nicht weiß, ob sie mir helfen würde und was man da genau macht. Ich denke schon, dass ich ein Trauma von der versuchten Vergewaltigung davongetragen habe, egal wie groß oder klein das Trauma sein mag. Ich habe Angst vor Männern, auch wenn ich heute besser damit zurechtkomme und mittlerweile gut unterscheiden kann, was nur meine Angst ist und was die Realität. Wenn ein Mann mir die Zeit gibt, dann verstehe ich mich auf freundschaftlicher Basis mit der Zeit wirklich gut mit ihnen. Aber es belastet mich auch sehr oft, z. B. gibt es Zeiten, da habe ich totale Panik, wenn es Nacht ist und ich alleine unterwegs bin und auf Männer treffe, die "ihm" ähnlich sind. Oder ich traue mich manchmal schwer in einen Laden, wo überwiegend Männer sind. Wenn du 20 Minuten deines Lebens denkst, dass du jetzt stirbst oder der Typ dich vergewaltigt und dann umbringt, dann stirbt etwas in diesem Moment in dir, was man ganz schwer wiedergutmachen kann, wenn es überhaupt möglich ist. Er hat mir wehgetan und mich angefasst und die anderen Männer haben zugesehen. Ich habe geschrien und um Hilfe gefleht und keiner wollte es hören.

Mit meiner Therapeutin verstehe ich mich gut. Sie durchschaut mich und mit den Jahren hat sie genügend Geduld bewiesen, ist ehrlich zu mir, aber betrachtet mich auch als Mensch mit eigenen Gefühlen und nicht nur als ein Fall von vielen, den es zu lösen gilt. Ob ich eine Körpertherapie, wie sie es mir rät, irgendwann in Angriff nehme, oder eine Traumatherapie, weiß ich nicht. Das wäre ein großer Schritt für mich und ich wüsste auch leider gar nicht, auf was man achten muss.

Vielen lieben Dank für deinen Buchtipp. Wenn ich mal etwas mehr Zeit habe, werde ich mal reinschauen. Solange es mir vielleicht dabei hilft, mich besser zu fühlen oder einige Dinge an mir zu verstehen. Meine Freunde sagen, dass sie noch überhaupt nicht über die 30 nachdenken und sie das Thema auch nicht wirklich beschäftigt. Und dass sie 24 alles andere als alt finden oder als ein Alter betrachten, an dem man nicht mehr ganz so jung ist. Ich würde das auch so gerne schaffen und eines Tages vielleicht sogar darüber lachen können.

Dir auch nur die besten Wünsche Kaela und danke für deine lieben Worte!
 
G

Gast

Gast
Hallo,

du hast viel Schreckliches wiederfahren und bist nicht zu alt. Es ist wichtig, dass du dein Leben auf die Reihe bekommst. Lass dir doch Zeit. Ich bin 32 und arbeite seit fast einem Jahr in der Therapie an mir. Ich mag mich auch nicht, war auch sehr abgemagert und hab das Gefühl, die Welt braucht mich nicht. Und weißt du was. Mittlerweile sehne ich mich weder nach Kindern noch Freund und sage mir, dass ich erst mal auf die Reihe kommen will. Es gibt so viele Dinge, di eich noch erleben will. Für mich. Man kann auch mit Ende 30 Kinder bekommen. Klar, es wird schwieriger,a ber es ist nicht unmöglich. Heute ist e snormal sein studium zu machen bis man Ende 20 ist, dann 5 Jahre Berufserfahrung und Mitte 30 geht die Kinderplanung los. Es ist gut so! Ich will noch die Welt sehen, irgendwann einen richtigen Partner finden, der mich liebt, achtet und dann kann ich erst an andere denken.

Bau dein Selbstwertgefühl auf. Schon überlegt neben der Therapie in eine Gruppe zu gehen,wo du einfach mal reden kannst. Du scheinst keine "echten" Freunde zu haben. Manche sind vielleicht auch überfordert mit dir. Kauf dir mal ein Büchlein und schreib Tagebuch und schreib dir auch jeden Tag auf,w as Positives passiert ist. Du wirst sehen, neben all dem Kummer und Schmerz passieren auch gute Dinge. Machst du irgendwas gerne? Tanzen? Musik? Das sind gute Wege, um Emotionen zu verarbeiten und alles raus zu lassen. Mann muss nicht immer reden.

Kopf hoch !
 

Tyra

Sehr aktives Mitglied
Hallo,

du hast mein Mitgefühl dafür dass du schlimmes erleben musstest. Ich hoffe du hast ebenfalls Mitgefühl für dich und unternimmst so bald wie möglich etwas gegen deine teilweise irrationalen und dich in deiner Lebensfreude blockierenden Ängste. Es ist an sich relativ simpel wie du aus deinen Ängsten raus kommst: Disziplin im Denken und voran gehen. Ängste hat jeder Mensch und aus unguten Erfahrungen lernt man und lernt vor allem ein solides Selbstbewusstsein auf zu bauen und einen soliden Selbstschutz um gut durchs Leben zu kommen.

Ich rate dir dazu weitere professionelle Hilfe zu suchen, was deine Therapeutin dir rät mit der Körpertherapie z.B. würde ich umsetzen. Mehr Mut zeigen, voran gehen, die Angst geht mit jeder Aktion und indem du in Bewegung kommst und dein Leben aktiver angehst. Kampfsport ist hilfreich ich würde dir nahelegen dir direkt und ohne zu Zögern ein Dojo zu suchen und z.B Aikido zu machen oder Jiu Jitsu oder auch so etwas wie Tai Chi. Atemtechniken erlernen ist wichtig, Entspannungstechniken erlernen ebenso. Weniger denken und mehr aktiv handeln. Vermeide es dich in eine Opferhaltung rein zu steigern und rein zu denken. Vermeide Selbstmitleid, wechsle lieber zu Mitgefühl und darauf gestützt den Willen dir selbst dabei zu helfen einen Weg für dich zu finden.

Vermeide Isolation, sprich mit vertrauten Freunden offen über dinge die dich beschäftigen.
Aktivier ein stückweit die Kriegerin in dir....in dir steckt das gesamte Spektrum an Persönlichkeiten und wartet darauf entfaltet zu werden. Wenn du das deckelst wirst du depressiv.
Grübel nicht über dein Alter nach. Den Körpersymptomen nach hast du derzeit eine leichte Depression. Sprich mit deiner Therapeutin drüber. Mit 24 bist du an sich noch blutjung...in deinem Alter hatte ich glaube ich grad mal meinen ersten Freund.
Jeder Tag ist so eine Art Geburtstag, an jedem Tag entscheidest du wie er verläuft und in welcher Lebensqualität. Du bist Architektin deines Lebens und dafür zuständig dein Leben zu gestalten. Indem du zu lange anhaftest und einem Typen, der dir Übles antat zu viel Macht gibst schadest du dir selbst. Sprich mit deiner Therapeutin über Autoaggression und wie man schnell mehr Selbstwertgefühl aufbaut.

Zeit spielt schon eine gewisse Rolle in Bezug auf die Neurologie. Wenn dein Gehirn zu lange in einem depressiven Zustand ist und dieser Zustand zur Gewohnheit wird laugt dich das aus und du fühlst dich alt. Wenn du zu lange Ängste hast ist das ungut und zu anstrengend. Du kannst allerdings relativ simpel ein neues Gleichgewicht herstellen...sofern du dich genügend liebevoll aber konsequent nach vorne schieben kannst und Disziplin dabei hältst. Bei Veränderung kommen ggf alte Ängste wieder hoch, dann helfen Entspannungstechniken und gleichzeitig auch genügend Sport. Langlauf ist gut, gibt kraft und Energie. Reiten ist super das gibt Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Es gibt sehr viele Dinge die du für dich tun kannst.

Mein Rat wäre: entwirf dir (ggf zusammen mit deiner Therapeutin oder jemandem aus einer Lebensberatung) eine Art Schlachtplan und Planung wie du deinen Alltag neu gestaltest damit du genügend ausgelastet bist aber nicht überfordert. Damit du weniger zum Grübeln kommst und aktiver wirst. Bau regelmäßig Veränderungen ein. Veränderungen machen nach Gewalterlebnissen zunächst ein wenig Angst aber je öfter du diese Ängste überwindest desto schneller gelingt es dir immer angstfreier zu werden.
Eine ausgewogene Lebensweise ist eine Lebensweise die eine gewisse gleichbleibende Rahmenstruktur hat aber immer auch dynamische Elemente enthält...also öfters auch mal was Neues probieren damit deine Neurologie neue Aufgaben kriegt und du damit wachsen kannst und auch lernst die Angst vor Veränderung zu verlieren.

Körpertherapie hilft hier ebenfalls....es geht um das bewusste Körpererleben und das du daraus neue Energien schöpfen und aktivieren kannst. Lernst deinen Körper mehr zu verstehen und zu vertrauen. Lernst auf ihn ein zu wirken auf gute Art und Weise und damit mehr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen auf zu bauen.

Ein gesunder Lebensstil ist sehr wichtig, vernünftige Tagesstruktur, sinnvollen Tätigkeiten nachgehen.

Du bist Herrin deiner Gefühle, lerne mit deiner Angst um zu gehen. Du hast Gefühle du bist diese Gefühle jedoch nicht grenze dich ausreichend von deiner Angst ab, betrachte sie...aber nicht wie einen Feind sondern einen Freund...einen den du ab und zu in die Schranken weisen musst wenn er dein Leben zu stark dominiert. Vermeide Gedanken wie z.B dass du ein eeeeewiges trauma davon getragen hast oder irgend etwas zerstört wurde. Sage dir lieber: o.k ich hatte ein ungutes Erlebnis, ich analysiere mal und gucke dann zu, dass mir so etwas nicht wieder passiert und ich den Spass am Leben wieder kriege. Definier dich nicht als zerbrechliches Glasgeschöpf sondern als eine biegsame Tanne die man zwar verbiegen aber niemals brechen kann. Achtsamkeit aufbauen. Gegenüber dem was du denkst und was du tust. Und lernen dich selbst zu verteidigen. Es kommt dabei nicht einmal auf Körperkraft an sondern eher auf psychische/geistige Stärke. Mit Opferdenken (= ich kann nix, ich bin nix, ich bin schwach und hilflos od.ä.) schwächst du dich nur und ziehst "Mistkerle" an...das ist halt so und so eine Art physikalisches Anziehungsgesetz. Die allermeisten Männer/Menschen sind an sich in Ordnung aber menschliches Verhalten beruht auf Gegenseitigkeit, wenn du zu unsicher bist und immer Ungutes erwartest erfüllt sich dies. Deine Erwartung formt deine Realität entscheidend mit.
Das Raubtier im Mann/Menschen erwacht wenn ein Opferhase hoppelt. Es liegt an dir ob du Hoppelhase bist/bleibst oder dich zur Löwin ausbildest und entwickelst, der man so leicht nix vormachen oder in einen Hinterhalt locken kann.
Leider gibt es auf dieser Welt auch Menschen die unsozial drauf sind oder einige wenige Männer die Gefallen daran finden Frauen zu erniedrigen. Das ist so und die Aufgabe in der Begegnung mit solchen Menschen besteht darin Grenzen zu setzen, auch mal die Krallen zeigen, wenn nicht direkt in einer Situation dann ggf anschließend....nach rechtlicher Beratung und mit sozialen Mittel versteht sich.
In der damaligen Situation waren die Gegner in der Überzahl da konntest du in der betreffenden Situation wenig machen...aber ggf anschließend....

Du solltest gezielt damit anfangen "ihm" nicht zu große Macht über dein Leben zu zu sprechen. Es ist ungut einem unguten Typen zum übermächtigen Monster hoch zu stilisieren und vor allem ist es unrealistisch.
Abgrenzung und Ablösung ist wichtig. Gut funktioniert das mit einer Strafanzeige und bewusster Auseinandersetzung damit eine Grenze zu setzen, wenn dich jemand angegriffen hat.
Und im Kopf klar Schiff machen....die Relation 20 erschreckenden Minuten in deinem Leben so starkes Gewicht zu geben dass sie Jahre deines Lebens zu stark überschatten kannst du korrigieren indem du dir sagst. es ist vorbei, es waren 20 Minuten die nun vorbei sind, du hast überlebt und kannst im Hier und Jetzt Stärke daraus gewinnen.
Es ist letztlich deine Entscheidung ob du Schwäche oder Stärke aus Erlebnissen gewinnst.

Viel Erfolg dabei wünscht dir
Tyra


betr günstige Denkweise: Bilder können mächtig sein...das Bild "Käfig aus Angst" entfaltet natürlich eine gewisse Macht, aber auch nur dann, wenn man daran glaubt...glaubt man daran sperrt man sich selbst gedanklich darin ein.
Der Käfig ist der Gedanke, der einen in den Käfig sperrt. Ein Aberglaube dass Angst so viel Macht über einen haben kann kann ein Käfig sein in den man sich selbst sperrt und ggf den Schlüssel wegwirft. Angst ist nur ein Gefühl. Gefühle kommen und gehen...Ängste kommen und gehen...lass sie ziehen wie eine dunkle Wolke, die sich in der Morgensonne in Nichts auflösen kann.
Übersetzt: schaff dir positive Gefühlserlebnisse die dunkle Schatten auflösen können. Unternimm schöne Dinge und erfreu dich am Leben...das nimmt alten Schatten rasch die Macht und läßt sie schwächer und schwächer werden.
Übe dich in möglichst wertneutraler Denkweise....das bringt mehr Ruhe und mehr Abstand in der Betrachtungsweise...das nennt sich Reflexion und ist wichtig.

Mit positiven Bildern und Gedanken kannst du positives Denken aktivieren. Das Denken und der Glaube sind die Schlüssel.
Es gibt Painbodygedanken...Gedanken die den inneren Schmerzkörper füttern und Gedanken die ihn auf Diät setzen....."Käfig aus Angst" ist ein Painbodygedanke. Es existieren real keine Käfige außer man erfindet sie und setzt sich dort rein. Wer sich gefangen fühlt sollte hart an seinem Selbstbewusstsein arbeiten und mehr Eigenständigkeit. Gefühle sind beeinflussbar und stehen in Wechselwirkung mit Körper und Geist. Gefühle sind gewisse neuronale Muster oder biochemische Gleichgewichte im Gehirn die beeinflussbar sind mit Medikamenten oder Nahrung...geistiger Nahrung gleichermaßen wie körperlicher Nahrung.
Viel raus und viel Sport machen, Bewegungstherapien. Frische Luft, natürliches Tageslicht ist wichtig. An das innere Gefühl der Freiheit kommen und dieses Gefühl pflegen anstatt dem Painbodygefühl des ängstlichen Gefangenseins zu viel Raum zu gewähren.
Vermeide Painbodyfetischismus...das ist so eine Art Lustkopplung an Schmerz, die nicht einmal selten bei Gewaltopfern finden kann, und vor allem solchen die sich zu lange und zu stark mit der Opferrolle identifizieren. Painbodyfetischismus ist eine Sackgasse die die Betreffenden auf Dauer alt aussehen lassen.
 

Tyra

Sehr aktives Mitglied
sry für meinen Langtext und in Kurzform noch:

Die Antwort hast du direkt in deiner thread-Überschrift. Weil du zu stark verkopft agierst weißt du nicht weiter, denn der Verstand kennt bei zu großem Angstgefühl oft nur starke Polarität entweder-oder Schwarz oder Weiss und das zermürbt.

Du kriegst über viel Körperarbeit mehr Ruhe hinein und dann wird dein Verstand auch wieder klarer und ruhiger.

Über das was dir im Kopf rumgeht sprich vor Ort mit Freunden und deiner Therapeutin..aber an sich hat die dir ja auch gesagt was du machen kannst: weniger Kopfzerbrechen und mehr Körperarbeit.

Apropos: körperliche Arbeit tut ebenfalls gut...was machst du beruflich?
Wie wäre es mit Nebenjob auf einem Bauernhof und Stall aus misten? Das ist auch ne gute Therapie :D zwar ein bisschen stinkig aber du kannst ja z.B auf einem Pferdehof arbeiten...Pferdemist stinkt ein wenig angenehmer. :D
 

kaela

Aktives Mitglied
Hallo Unbekannte, hallo Tyra,

ich gebe Tyra in vielem Recht. Mir gefallen etliche deiner Ratschläge sehr gut.

Was den Käfig aus Angst anbelangt, denke ich aber doch, dass er existiert. Wenn die Ängste regelmäßig in bestimmten Situationen hoch kommen, dann besteht da ein Käfig, denn man fühlt eben nicht mehr so wie ein unbelasteter Mensch in derselben Situation. Und dass man dann auch noch reagiert, als wäre nichts, geht entweder nur schwer oder gar nicht - je nach Stärke der Angst und Stärke des Selbstbewusstseins. Es IST anders als normal. Die Nervenverknüpfungen sind zum Teil schlicht anders als vorher, und wenn man ein Trauma erlitten hat, dann funktioniert das Speichern der Situation im Gehirn oft ebenfalls anders als vorher - ich weiß es nicht mehr auswendig, aber es hat auf jeden Fall mit der Amygdala zu tun; soweit ich mich erinnere, kann es vorkommen, dass manche Sinneswahrnehmungen in der Amygdala feststecken und nicht mehr weiter in der Großhirnrinde verarbeitet und gespeichert werden, wie es normalerweise der Fall ist.
Das kann man aber ändern. Die Käfigstäbe können natürlich durchgesägt werden. Das geht manchmal relativ einfach, manchmal ist es sehr schwer. Ich weiß, wovon ich schreibe, ich hatte zeitweise auch extreme Ängste. Ich bin sie losgeworden, indem ich geübt u. jeden Tag mich diesen ängstigenden Auslösern ein Stück mehr genähert hab bzw. länger in der Situation geblieben bin. Für mich waren diese sehr kleinen Schritte das absolut Richtige. Wobei ich denke, dass die Verarbeitung von Ängsten natürlich individuell vonstatten geht. Klar kann man zuviel daran denken, dass man festsitzt, das ist richtig. Und vielleicht gibt es auch eine Ebene, auf der es wirklich die "große Freiheit" gibt. Aber im Alltag gibt es nun mal Ängste, mangelndes Selbstwertgefühl, Depressionen etc. Wenn jeder Mensch in einem absoluten Sinn wirklich frei wäre, bräuchte es keine einzige Therapeutin auf der Welt, und vielleicht bräuchten wir dann alle gar nicht mehr zu reinkarnieren ... Ich weiß nicht 100 %ig, wie du das meinst, Tyra, aber du selbst rätst der Unbekannten, diese und jene Veränderung vorzunehmen. Wenn wir wirklich frei wären, bräuchte niemand irgendeine Beratung, dann müsste man nur daran erinnert werden: "Hey, du bist frei! Hör mit diesen Gedanken auf!" und sofort könnte man im Kopf umschalten UND das Leben bzw. sein Selbst genießen. Ohne große Einschränkungen. Vielleicht ist es so, dass man dieses "Umschalten" nach viel Therapie und Meditation etc. hinkriegt - wenn der Schmerzkörper kaum noch vorhanden ist. Aber vorher kann ich mir das nicht so recht vorstellen.
 
G

Gast

Gast
Oh, vielen lieben Dank für die vielen aufbauenden Worte und Ratschläge! Ihr habt mich wirklich sehr zum Nachdenken gebracht. Gerade weil man als Außenstehende eine andere Perspektive hat, kann das oft ziemlich helfen. Also an sich habe ich mittlerweile viele gute Freunde gefunden. Meine Freunde machen sich Sorgen um mich und sehr viele Gedanken. Ich bin auch seltsamerweise zwar in mir zurückgezogen, aber trotzdem kontaktfreudig. Ich lerne gerne neue Menschen kennen und interessiere mich für ihre Gedanken, Interessen und ihre Weltanschauung. Deswegen habe ich auch viele gute Bekannte. Mein Problem ist nur, dass ich immer diese Angst im Hinterkopf habe, dass meine Freunde angewidert von mir sind oder mich weniger gern haben oder sogar ablehnen, wenn sie wüssten, was oft in mir vorgeht und was für eine Vergangenheit ich habe. Bei meinen engsten Freunden habe ich reinen Tisch gemacht und mich ausgesprochen. Und ich kann auch immer wieder zu ihnen kommen, wenn meine Ängste zu schlimm werden ... sie sagen dann auch, dass sie mich unterstützen wollen und dass es sie selbst ziemlich verzweifeln lässt, wie es mir geht und dass ich mir selbst so sehr schade. Das macht mich dann wiederum traurig und bestätigt mich in dem Gedanken, dass es "schlecht" ist, wenn ich über solche Dinge mit ihnen rede. Ich habe also viele Freunde, die ich auch um 4 Uhr Nachts anrufen könnte oder denen ich die verrücktesten Gedanken mitteilen kann und trotzdem habe ich diese riesige Verlassenheitsangst in mir oder dass ich vieles kaputt mache, wenn ich zu viel von meinen schlechten Seiten und Problemen preisgebe. Das liegt einfach daran, dass ich auch mal eine Zeit hatte, in der ich wirklich zu viele falsche Leute um mich herum hatte. Es war meine Rettung, dass ich trotz allem immer eine handvoll guter Freunde um mich hatte, die es gut mit mir meinen und denen ich wirklich wichtig bin. Trotzdem habe ich erst in den letzten 2 Jahren wieder damit angefangen, mich richtig intensiv an das Thema Vertrauen heranzutasten.

Beruflich arbeite ich in einem ziemlich vielseitigen Beruf. Ich bin in der Werbebranche tätig, aber auch gleichzeitig Mädchen für alles und auch wenn man bei einem Bürojob oft denkt, dass ich wenig in Bewegung bin, so springe ich oft ein gutes Stück des Tages herum. Trotzdem gehe ich zum Ausgleich spazieren oder mache für mich Sport, allerdings muss ich da auch wieder aufpassen, dass ich nicht in meinen typischen Abnehmwahn verfalle und bis zum Zusammenbruch mich mit Sport abmühe. Ich lese gerne, mag es zu kochen, interessiere mich für andere Kulturen, einige Zeit lang habe ich es geliebt zu schreiben, ich bin ein großer Fan von Filmen und mag Videospiele. Außerdem begeistere ich mich für Fotografie. Ich habe mir überlegt, ob ich mir ein eigenes Haustier anschaffen sollte, einfach weil ich einen sehr guten Draht zu Tieren habe und sie mir wichtig sind. Erst vor kurzem kam mir der Gedanke, vielleicht ehrenamtlich in einem Tierheim auszuhelfen, aber ich befürchte, dazu fehlt mir leider die Zeit, weil ich Vollzeit arbeite + Überstunden und das Tierheim bei uns nicht so lange geöffnet hat. :( Aber der Gedanke würde mir wirklich gefallen, besonders weil meine Haustiere, zu denen ich ein sehr enges Verhältnis hatte und um die ich mich sehr gerne gekümmert habe, leider mittlerweile tot sind. Manchmal denke ich mir, dass eine Katze sich ja auch mehr selbst beschäftigen kann, als ein Hund und ich mir vielleicht eine zulegen könnte. Aber dann habe ich wieder ein schlechtes Gewissen, weil sie tagsüber ja ganz alleine wäre (außer ich hätte zwei Katzen).

Kaela hat das sehr gut mit der Angst beschrieben. Ich komme da ganz schwer wieder raus, wenn die Sicherungen erst einmal bei mir durchgebrannt sind. Phasenweise stecke ich da in so einer Endlosschleife drin, also emotional oder von den Erinnerungen her. Aber Tyra hat mir sehr gute Tipps gegeben, die mich zum Nachdenken angeregt haben. Gerade das Thema mit der Gedankenwelt und wie man seine Umwelt selbst beeinflusst, beschäftigt mich jetzt, weil eine gute Freundin von mir schon so etwas ähnliches zu mir gesagt hat. Manchmal habe ich so richtig wache Momente, manchmal ganze Tage und Wochen. Da fühlt es sich an, als würde sich mein Inneres vorsichtig ausstrecken. Es fühlt sich so ähnlich an, als wenn man in einer fremden Umgebung aufwacht, in der man sich zwar wohlfühlt, die man aber noch nicht richtig kennt. Dann denke ich mir, dass es noch 6 Jahre bis zu den 30 sind und ich doch gerade erst 24 bin. Und frage mich, wieso ich so viel Energie damit verschwende, über verlorene Zeit nachzudenken oder zu überlegen, ob 24 "alt" ist, gerade weil Freunde und andere Leute in meinem Alter das nicht tun. Die sagen dann immer, dass sie alles andere tun, nur nicht über sowas nachdenken, nicht weil sie es verdrängen, sondern weil es schlichtweg noch nicht soweit ist.

Dass ich diesen gewissen 20 Minuten, die einmal passiert sind, so viel Platz in meinem Leben einräume, frustriert und ärgert mich oft selbst. Ich habe sowieso schon kein gutes Verhältnis zu meinem Körper und das verunsichert mich dann zusätzlich. Es ärgert mich auch, dass ich mein Männerbild nur von so ein paar Typen abhängig mache, die einfach eine totale Schieflage in ihrem Kopf gehabt haben. Das ist irgendwie alles verdammt traurig, denn sobald ich wieder Männer anziehe, die ähnlich drauf sind, dann fühle ich mich wieder in meiner Meinung zu Männern bestätigt. Ich weiß schon auf einer Ebene, dass ich durch mein Verhalten und den Dingen, die ich ausstrahle, auch eine gewisse Wirkung auf bestimmte Männer habe und diese anziehe, aber auf der emotionalen Ebene fühle ich mich dann so verzweifelt und machtlos, gerade weil ich Angst habe vor gewissen Antworten. Ich bin für viele, wenn nicht sogar für die meisten Schwierigkeiten in meinem Leben selbst verantwortlich. In meinem Leben wurde viel kaputt gemacht, aber ich habe mir auch leider selbst sehr viel kaputt gemacht.

Wirklich nochmals vielen Dank, dass ihr euch so viel Zeit für eure Antworten genommen habt und mir so offen und ehrlich eure Meinung mitteilt. Das ist nicht selbstverständlich!

Liebe Grüße
 

kaela

Aktives Mitglied
Manchmal steh ich auf der Leitung ... hast du schon mal was von der EMDR-Therapie gehört? Ist vor allem für Traumata und Ängste gedacht. Hört sich erstmal total verrückt an, ist aber gut erforscht worden in den letzten 20 Jahren und soll ziemlich schnell helfen.

Liebe Grüße,
Kaela
 
G

Gast

Gast
Guten Abend kaela,

Nein, ich habe noch niemals etwas von der EMDR-Therapie gehört. Das Anwerfen der Suchmaschine hat zwar etwas mehr Licht ins Dunkel gebracht, aber worum handelt es sich dabei genau? So wie ich es verstehe, ist es eine Art Hypnose? Es hört sich sehr interessant an, zumal manche Erfahrungsberichte sich wirklich sehr positiv anhören. Hast du damit Erfahrung? Im Moment bin ich überfragt, was einen guten EMDR-Therapeuten ausmacht. Wahrscheinlich muss man es selbst zahlen und die Krankenkasse übernimmt es nicht, oder?

Ich habe schon einmal mit dem Gedanken gespielt, denn eine Freundin von mir hat erzählt, dass wiederum eine Freundin von ihr sich durch Hypnose vollkommen von einer riesigen Angst lösen konnte. Es hat zwar einige Sitzungen gebraucht, aber der Erfolg war angeblich wirklich so groß, dass sie es selbst nicht glauben konnte.
 

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