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Meine Mutter hat eine Psychose

katze21

Mitglied
Hallo,


ich bin ziemlich fertig und weiß nicht was ich tun soll.


Meine Mutter hat eine paranoide Psychose. Sie glaubt, dass sie abgehört wird, hört Stimmen, von denen sie glaubt, dass sie aus Leitungen in den Wänden kommen und interpretiert alles, aber auch wirklich alles so, dass es in ihre Paranoia passt. Alle Menschen um sie herum wollen ihr ihrer Meinung nach etwas Böses und die winzigsten Vorfälle haben eine ungeheure Wichtigkeit. Wenn zum Beispiel zwei Personen im Gespräch mit ihr dassselbe Wort benutzen, heißt das für sie dass die beiden unter einer Decke stecken und sie abhören. Die Liste könnte ich ewig weiterführen, immer wenn ich sie besuche und wir darüber sprechen, kann ich es nicht fassen, was sie sich für eine eigene Parallelwelt zusammengebaut hat, in der die absurdesten Erklärungen für sie absolut Sinn machen.
Es wird immer schlimmer und ihr geht es damit natürlich nicht gut. Sie ist völlig isoliert und ich bin die einzige Person, der sie noch vertraut. Sie glaubt auch, dass ich ebenfalls abgehört werde und ganz egal, ob ich ihr sage, dass ich nicht dieselben Erfahrungen mache wie sie und nicht das Gefühl habe abgehört zu werden ist sie sich sicher dass alle meine Freunde mich ausspionieren.
Ich bin völlig am Ende, die Person, die mich aufgezogen hat jetzt so zu abbauen zu sehen. Ich weiß auch nicht mehr wie ich reagieren soll und dass ich ihr alleine nicht helfen kann. Sie bräucht professionelle Hilfe, aber da gibt es soviele Probleme und Dinge, mit denen ich mir nicht sicher bin.


Sie selbst hält sich natürlich für 'im Recht' und jeder der etwas anderes behauptet ist böse und will sie fertig machen. Deswegen ist es unmöglich an sie heranzukommen und sie wird sich nie selbst psychiatrische Hilfe holen, weil sie sagt sie ist ein Opfer krimineller Machenschaften und nur die Polizei könne ihr helfen.


Also müsste man sie theoretisch zwangseinweisen lassen, aber ich weiß nicht ob das überhaupt machbar ist, weil ja nicht direkt eine Eigen- oder Fremdgefährdung besteht.


Und mein größtes Problem: Ich bin mir auch einfach nicht sicher, was das Beste für sie ist. Ich habe Angst, dass sie eine Zwangseinweisung und das Urteil, „krank“ zu sein vollkommen brechen würden. Ich weiß dass Psychosebehandlung hauptsächlich Neuroleptika bedeutet und ich bin mir fast sicher dass sie die nicht freiwillig nehmen wird oder nach einem Klinikaufenthalt wieder absetzen wird und es ihr dann noch schlechter gehen wird. Ich habe Angst dass sie sich irgendwann etwas antun wird, jetzt ist sie noch nicht so weit, aber sie hat solche Angst davor, dass sie als verrückt abgestempelt. Sie hat auch schon gesagt dass sie sich umbringen kann wenn sie für verrückt gehalten wird.


Ich hoffe das ist jetzt nicht zu wirr, ich bin einfach wirklich verzweifelt, möchte ihr helfen und fühle mich völlig überfordert.


Vielleicht weiß´ja jemand von euch etwas oder war schonmal in einer ähnlichen Situation. Ich wäre euch für alles sehr dankbar!
 

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Sisandra

Moderator
Teammitglied
Hallo katze21,

zunächst einmal herzlich Willkommen hier im Forum.

Was deine Mutter anlangt, so braucht sie schleunigst ärztliche Hilfe, aber das ist dir ja schon klar.

Mach den Sozialpsychiatrischen Dienst in deiner Stadt ausfindig und erkundige dich dort, wie du vorgehen kannst. Da deine Mutter ja Selbstmordgedanken schon geäußert hat, könnte man von einer gewissen Eigengefährdung ausgehen.

Versorgt sie sich denn noch ausreichend selbst? Hat sie evtl. stark abgenommen? Wie alt ist denn deine Mutter?

Gruß
Sisandra
 
E

Eisi

Gast
Ich habe das damals mit meinem Bruder mitgemacht. Ebenfalls keine Eigen- oder Fremdgefährdung, also keine Zwangseinweisung möglich, bzw. keine, die auch ausreichend lange bestehen bleiben würde.

Ich habe mein Bruder, teilweise mit Täuschungen auf selber Wellenlänge, dazu gebracht, freiwillig in die Klinik zu gehen. Ich habe ihn hingefahren und je näher wir der Klinik kamen, desto mehr sträubte er sich plötzlich. Dann habe ich an ihm gebeten mir zu vertrauen und das hat er dann auch gemacht.

Du musst Deine Mutter irgendwie zu einem Arzt bekommen. Das ist sehr schwer und belastend. Als ich seinerzeit meinen Bruder abgeliefert hatte, bin ich erstmal heulend zusammengebrochen. Aber was tut man nicht alles für Menschen, die man liebt.
 

manoli3007

Mitglied
Hallo:)

Dein Post ist ja schon etwas länger her, aber er hat mich sehr berührt. Ich kann mir wirklich gut vorstellen was für sorgen du dir um deine Mutter machst, ich habe ähnliches im freundeskreis erlebt. Jedoch muss ich auch sagen, dass du dich selber in der ganzen sache nicht vernachlässigen darfst!vielleicht können wir uns ja noch mehr über das thema austauschen, ich würde dir gern noch ein paar tipps und ratschläge geben. Wenn du lust hast dann kannst du mir ja eine private nachricht schreiben !!


Liebe Grüsse, Manoli
 

katze21

Mitglied
Hallo,
danke für eure Antworten!
Das Problem ist, dass meine Mutter sich nicht überreden lässt. Wenn ich nur andeute, dass es sich vielleicht um eine psychische Sache handeln könnte oder dass sie mit jemandem sprechen sollte, macht sie komplett dicht, ist nicht mehr ansprechbar oder wird sehr wütend.


Wenn ich mir sicher wäre, dass es das Beste ist für sie, in eine Klinik zu kommen, auch gegen ihren Willen, dann würde ich das versuchen. Aber solange ich dabei noch Zweifel hab, schaff ich das nicht.



@Sisandra: ja, versorgen kann sie sich, sie arbeitet halt nicht und braucht für alles sehr lange.



@Eisi, ich bin mir sicher, dass es wahnsinnig schwer war für dich. Ging es Deinem Bruder denn langfristig besser nach der Einweisung?



@Manoli, ich hätte Dir sehr gern eine Nachricht geschrieben, aber ich glaube das geht erst nach einer bestimmten Anzahl von Beiträgen. Danke aber! Ich würde mich sehr gerne mit dir austauschen und erfahren was du dazu denkst.


Liebe grüße!
 

kultgirl

Neues Mitglied
Hallo "Katze",
ich habe seit längerem ein komisches Gefühl bei meiner Mutter so das ich nach langem Suchen im Internet die Vermutung habe, das Sie auch eine Psychose hat. Dann habe ich hier Deinen Beitrag entdeckt und Du sprichst mir damit genau aus der Seele. Gibt es denn bei Dir Neues bzw. wie gehst Du weiter damit um?
Also vielleicht noch zu mir und meiner Mutter. Meine Mutter ist sowies eine sehr schwierige Person, das war Sie schon immer. Ihre Meinung zählt und die der anderen nie. Sie hat leider schon viel erlebt, Scheidung meines Vaters (was sehr unschön ablief), schlimmer Streit mit Ihrer Schwester (Erbrecht) und jetzt aktuell auch wieder was aufwühlendes. Ich habe das Gefühl,diese ganzen Dinge haben Sie mürbe gemacht. Seit einem halben Jahr merke ich im Gespräch mit Ihr immer seltsamere Behauptungen. Sie hatte einen Rechtsstreit mit Ihrem alten Vermieter auf den Sie sehr sauer ist und jetzt steckt hinter allem ihr Vermieter. Das meine Schwester Ihren alten Job nicht mehr hat, ist eine Verschwörung von Ihrem Vermieter. Ihre Ärzte behandeln und beraten Sie nicht richtig, weil die auch schon gemeinsame Sache mit dem Vermieter machen und und und. Die letzten 2 Monate kann ich auch kaum mehr mit Ihr telefonieren. Sie legt ständig auf, immer wenn ich sage das etwas nicht stimmt was Sie sagt, dann hagelt es nur Vorwürfe von ihr was ich für eine Tochter sei und das ich auch schon mit "ihm" gemeinsame Sachen mache und dann legt sie auf.

Es ist total schrecklich für mich. Sie wird auch von einer Sekunde auf die andere gereizt und zur Furie. Sie hätte nie Einsicht, das etwas nicht stimmt. Und ich bin manchmal auch schon am überlegen, ob Sie evlt. nur ein schwieriger Mensch ist oder ob es schlimmer ist.

Würde mich sehr über ne Nachricht von Dir und gerne auch anderen freuen!
 

Sisandra

Moderator
Teammitglied
Hallo kultgirl,

in jeder Stadt gibt es einen Sozialpsychiatrischen Dienst. Such dir den für deine Mutter zuständigen heraus und lass dich dort beraten.

Was du schilderst hört sich schon sehr seltsam an.

Ich wünsche dir viel Kraft.

Alles Gute
Sisandra
 

katze21

Mitglied
Hallo kultgirl,


was du schreibst kann ich sehr gut nachvollziehen und ich weiß, dass es sehr hart für dich sein muss. Und gerade wenn man seine Mutter ohnehin als schwierige Person kennt, ist es besonders schwer zu erkennen, ab wann das Verhalten nicht mehr im normalen Rahmen ist. Alles was du beschreibst klingt aber schon sehr nach einer Psychose, gerade dieses Verknüpfen von allem und jedem, sodass es immer wieder zu den eigenen paranoiden Ideen passt, das kenne ich auch von meiner Mutter und häufig fehlen einem die Worte und man denkt nur noch , "das kann sie doch einfach nicht ernsthaft glauben", so absurd ist es teilweise.



Ich war in der Zwischenzeit beim Sozialpsychiatrischen Dienst und habe mich dort beraten lassen. Im Endeffekt haben sie dort allerdings auch gesagt, dass man ohne ihr Einverständnis nicht viel tun kann, das Gespräch hat mir aber auf jeden Fall Kraft gegeben. Außerdem hatte ich ein gutes Gespräch mit meiner Mutter, in dem ich ihr noch deutlicher als bisher einige Dinge gesagt habe, z.B. dass andere Menschen auch Stimmen hören und dass es dafür bestimmte körperliche Erklärungen gibt. Ich hatte erwartet dass sie wie sonst immer wütend wird aber sie hat mir tatsächlich zugehört und ich hatte den Eindruck dass ich bei ihr einen kleinen Zweifel ausgelöst habe. Mehr ist noch nicht passiert, aber ich habe vor, dass noch häufiger ruhig anzusprechen und vielleicht ganz vielleicht kann ich sie ja doch noch dazu bewegen mit mir zu einem Therapeuten oder Arzt zu gehen. Jedenfalls war es gut klipp und klar zu sagen dass viele Menschen ähnliche Sachen empfinden und dass es dafür bestimmte Erklärungen gibt anstatt immer nur zu sagen ich weiß, was du glaubst aber ich glaube das nicht. Das hatte ich bis jetzt nicht getan weil ich Angst hatte, sie würde mir nicht mehr vertrauen wenn ich von körperlichen Ursachen usw. anfange.



Ich weiß nicht ob das bei deiner Mutter ähnlich ist, aber vielleicht gibt es ja irgendwann mal einen ruhigen Moment, in dem Du versuchen kannst ein Gespräch mit ihr zu führen, ohne dass es sofort zu Streit kommt.



Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und alles Gute!
 

kultgirl

Neues Mitglied
@katze

vielen dank für deine nachricht. das hört sich ein wenig motivierend an was du schreibst. aber wie ist es denn bei dir im alltäglichen mit ihr, hast du täglich irgendwelche komischen sachen die sie erzählt oder kommt es nur ab und zu vor?

also ich habe es vor einigen tagen mal wirklich mit langsamen guten zureden bei meiner mutter versucht, ich habe ihr sogar direkt gesagt das ich die vermutung habe, das der ganze stress und die probleme bei ihr auf die nerven geschlagen sind. sie meckerte dann zwar gleich wieder zwischendurch los aber etwas zuhören tat sie schon aber im endeffekt war sie doch eher empört und wollte mich für den moment sogar fast aus ihrer wohnung haben. so nach dem motto, wie kann ich denn sowas sagen. dann konnten wir aber doch noch weiterreden. dann ein paar tage später hatte ich eine andere situation mit ihr, wo ihr einfach was nicht passte und auf einmal sagte sie, das sie eh nicht mehr auf mich zählen kann ständig erniedrige ich sie und zu allem was sie erzählen würde hätte ich immer eine gegendarstellung und würde sie für doof verkaufen und da steigerte sie sich auch total rein.

ich bin echt am verzweifeln, ich weiß nicht wie das weitergehen soll. immer wenn ich zu ihr komme oder mit ihr telefoniere geht es mir vorher gut und hinterher fühle ich mich ausgesaugt und leer.

darf ich fragen wie alt du bist und hast du noch geschwister die auch deine mutter unterstützen und dein vater? meine eltern sind getrennt und meine schwester hat für alles nicht viel übrig daher bleibt die verantwortung an mir hängen.

ich habe heute auch bei sozialpsy. dienst angerufen - werde dort auch mal hingehen. aber ich habe totale angst vor dem termin. und das es eigentlich keine lösungen gibt.

würde mich freuen wieder von dir und deinem alltag damit zu hören.
 

katze21

Mitglied
Hallo kultgirl,
sehr vieles von dem du erzählst kann ich wirklich gut nachvollziehen und ist mir sehr vertraut.

„aber wie ist es denn bei dir im alltäglichen mit ihr, hast du täglich irgendwelche komischen sachen die sie erzählt oder kommt es nur ab und zu vor?“

da ich in einer anderen Stadt als meine Mutter lebe habe ich nicht wirklich einen Alltag mit ihr, aber wir telefonieren häufig- sie ruft sehr oft an. Aber das Thema ist eigentlich fast immer präsent- wir können zwar auch manchmal normal über anderes sprechen oder etwas zusammen machen aber ich habe seit langem keinen Tag oder auch nur ein Gespräch mehr mit ihr erlebt, in dem nicht in irgendeiner Form ihre Vorstellungen und Ansichten zur Sprache kommen. Also es ist auf jeden Fall nicht nur ab und zu.

„darf ich fragen wie alt du bist und hast du noch geschwister die auch deine mutter unterstützen und dein vater? meine eltern sind getrennt und meine schwester hat für alles nicht viel übrig daher bleibt die verantwortung an mir hängen.“

Ja, das darfst du:) ich bin 22 und leider ist da keine Familie, die helfen könnte. Meine eltern sind schon seit ich 5 bin getrennt und es besteht kein Kontakt zu meinem Vater, zu den anderen Familienmitgliedern ist das Verhältnis auch abgebrochen. ich habe zwar Menschen die mich unterstützen aber ich denke es wäre gut jemanden zur seite zu haben der genauso wie ich betroffen ist und sie auch kennt, sodass sich das ganze auf mehrere schultern verteilt. Also kann ich gut nachvollziehen wenn du dich mit der situation allein und überfordert fühlst- ich hoffe du hast Menschen denen du dich anvertrauen kannst und magst- ich wollte am Anfang niemandem davon erzählen weil ich es als Verrat an meiner Mutter empfunden habe, aber das darüber sprechen mit Menschen denen man vertraut hilft mir sehr.
Hattest du schon deinen termin beim sozialpsychiatrischen dienst? Hat dir das Gespräch vielleicht
weitergeholfen?

Liebe grüße!
 

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