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Meine Eltern sind traurig

G

Gast

Gast
Hallo :)
Ich habe momentan eine Menge Kriesen. Man könnte sagen, ich hab alle Kategorien einmal durch, von Gesundheit, Schulischer Leistung über Mobbing bis hin zu Trauer wegen Verlust und auch alten Situationen, ist von allem was dabei. Meine Eltern sind die besten, die ich mir vorstellen kann, aber ich weiß auch, dass im Moment beide unglücklich wegen finanziellen Problemen sind und unter einander streiten sie sich. Dazu ist meine Mutter krank und ich weiß einfach nicht, wie ich ihr helfen kann. Meine Schwester hatte Depressionen und mit ihr hatten sie eine sehr Kraftkostende Zeit hinter sich. Ich bin sehr dankbar dafür, dass es ihr momentan wieder gut zu scheinen geht und sie endlich wieder glücklich wirkt. Aber ich weiß auch, dass meine Eltern langsam merken, dass ich traurig bin und es belastet sie. Ich will ihnen aber nicht noch einmal etwas ähnliches, wie bei meiner Schwester zumuten. Ich glaube, das würden sie nicht noch einmal durchstehen. Ich kann es nicht ertragen sie so unglücklich zu sehen, auch wenn sie es mit aller Kraft vor mir verstecken. Das alles belastet mich immer mehr, und auch wenn ich es ungern zugebe, habe ich langsam Angst, dass ich das alles nicht mehr durchhalte.
Liebe Grüße
 

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GrayBear

Gast
Hallo lieber Gast,

Kinder haben manchmal die Tendenz, sich für die Situation in ihrer Familie schuldig zu fühlen und alle Verantwortung auf ihre Schultern zu laden. Du scheinst so jemand zu sein. Ich bin ein Vater und möchte Dir sagen: lass das sein, das ist nicht Deine Aufgabe und nicht Dein Job. Der Mörtel zwischen den Steinen zu sein, ist ein echter Scheißjob. Er hält zwar alles zusammen, aber Du kriegst den ganzen Druck ab und wenn Du irgendwo rausschaust, wischt man Dich weg. Verzeih mir dieses einseitige Bild. Jeder Mensch bekommt in seinem Leben immer wieder Aufgaben gestellt, an denen er/sie wachsen muss/kann. Aber ein Kind darf nicht in die Schuhe von Erwachsenen gestellt werden, das ist zu viel. Ich tue mich immer schwer, wenn jemand sagt: "Es wird schon zu etwas gut sein." und kann mich dann kaum beherrschen, den Sprecher dieser wichtigen Nachricht am Kragen zu packen und zu schütteln. Manchmal kommt einfach ganz viel Mist zusammen und dann stellt sich die Sinnfrage irgendwann nicht mehr, weil es nur noch darum geht, den Kopf oben behalten zu können. Du hast ja schon einiges "durch", wie Du schreibst. Nun, es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht: Was Du schon "durch" hast, hat im Idealfall Dein Selbstbewußtsein gestärkt, Deine Intelligenz gefördert und hat Dir geholfen, flexibler auf diesen Mist zu reagieren. Die andere Nachricht lautet: da kommt noch mehr. Also verhalte Dich klug. Wenn dann die Frage "Warum passiert mir/uns das?" gestellt wird, gibt es darauf nur eine Antwort: weil das Leben so läuft, es gibt gute und es gibt schlechte Tage. Manchmal gibt es keine Lektion, keine Schuld, keinen tieferen Sinn, sondern "shit happens".

Eines der wichtigsten Erkenntnisse erfolgreicher Marathon-Läufer ist, dass das Rennen erst am Schluss gewonnen wird. Ein schneller Spurt zu Beginn bedeutet gar nichts. Was will ich Dir damit sagen? Wenn Du alles gibts und immer Dein Möglichstes tust, bleibt am Ende für Dich zu wenig, um weiter machen zu können. Du musst Dich schlau verhalten, Kräfte einteilen, Spaß haben, ausruhen, auch Deinen Weg gehen. Tust Du das nicht, setzt Du Dich selbst irgendwann an den Wegesrand und bist zu kaputt, um noch etwas bewirken zu können. Es ist das Vorrecht der Jugend, die eigenen Kräfte zu überschätzen, aber nicht deren Pflicht.

Es ist sehr schön, zu lesen, dass Du gute Eltern hast. Hast Du Ihnen das in letzter Zeit gesagt? Hast Du das Vertrauen, auch mit Ihnen über Deine Ängste zu reden? Nein, damit lädst Du Ihnen nicht noch mehr auf, sondern Du stärkst das Band zwischen euch. Ja, finanzielle Probleme sind heutzutage nicht leicht zu regeln und die Sorgen führen zu Streitereien und Gefühlswallungen. Um so wichtiger ist es, dazu einen Gegenpol zu bilden: "Ja, Du hast Sorgen, aber ich liebe Dich und vertraue Dir. Was auch passiert, wir suchen gemeinsam eine Lösung." Nicht immer geht es ohne Veränderungen, eine andere Wohnung, Umzug, was auch immer. Das kann einem große Angst machen. Manchmal finden auch gute Menschen keinen Weg, um alles zu erhalten, auch das sind bittere Lektionen des Lebens, die Du überstehen kannst und das hast Du ja schon gezeigt.

Dass Du Angst hast, ist ein gutes Zeichen. Denn damit kannst Du mit Mut, Verstand und dem Feuer, dass Dir die Angst unter Deinem Hintern macht (denn dazu ist sie da) nach Wegen suchen. Angst ist nichts Reales, sie soll Dich nur aufwecken und Dir Kraft geben. Redet miteinander, habt Vertrauen zu einander und unterstützt euch, aber lass die Verantwortung Deine Eltern tragen, das ist deren Job. Du kannst Ihnen das nicht abnehmen und musst es auch nicht.

Alles Gute
 
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