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Mein Vater und ich

Trebor89

Aktives Mitglied
Teil 1

Guten Morgen Zusammen und einen schönen Sonntag erstmal :)

Wer keine Lust hat das sein Kaffee kalt wird der sollte das hier später lesen, es könnte lang werden, ich weiß auch noch nicht wo mich das niederschreiben hinführt und wo ich anfangen soll aber ich setzte jetzt mal den ersten Stich und fange vorn an.
Schonmal danke an alle die sich die Zeit nehmen das hier zu lesen :)

________________________

Frühe Zeit meiner Eltern:

Meine Mutter und mein Vater hatten einen Altersunterschied von neun Jahren.
Sie lernten sich im Alter von 21 und 30 Jahren kennen und wurden ein Paar. (1980)
Beide waren vorher schon mal verheiratet, meine Mutter offenbarte meinem Vater schon früh
dass sie Kinder haben möchte.
Er willigte nur ein, weil er wusste das sie ihn sonst nicht für immer als Partner haben möchte.
(Kam natürlich erst später raus)

Die ersten 6 Jahre mit meiner Schwester:

1983 kam meine Schwester zur Welt, hier kristallisierte sich schnell heraus das mein Vater absolut nicht mit Kindern konnte.
Sie war eher sensibel und ein Mama Kind, war ja auch viel mit Mama alleine.
Damit kam er schon mal gar nicht klar und war beleidigt das seine zweijährige Tochter an Weihnachten lieber mit einer Apfelsine spielt als mit einer elektrischen Eisenbahn.

Meine Mutter ist eine extrovertierte Frau, die immer viel und gern Kontakt zu anderen hatte und brauchte.
Mein Vater war ein Eigenbrötler der an jedem Menschen was auszusetzten hatte und meine Mutter als seinen Besitz ansah und somit quasi alles und jeden der sich ihr nährte vergraulte.

Meine Geburt und weiterer Verlauf:

1989 kam ich zur Welt, Ausruf meines Vaters:
"Das ist mein Sohn, der gehört mir und den erziehst du nicht zu einem Mama Kind wie deine Tochter"

Aus Erzählungen und einigen Erinnerungen weiß ich, dass mein Vater mich von Anfang an wie einen Erwachsenen behandelt hat.
Die ersten drei Lebensjahre verliefen aber relativ seicht und harmonisch würde ich sagen.
Ich erinnere mich das ich meinen Vater im Kindesalter angehimmelt habe, wollte sein Freund sein, Zeit mit ihm verbringen, hatte zwar schon früh auch Angst vor ihm, aber ich wollte unbedingt seine Anerkennung und Liebe.

Ereignisse von Kindergarten bis Grundschule:

Das erste Mal, an das ich mich erinnern kann wo er quasi ausgebrochen ist muss gewesen sein als ich 3-4 Jahre alt war.
Er ging in die Tankstelle zum Bezahlen und ich kletterte vom Beifahrersitz auf den Fahrersitz um "Autofahren" zu spielen wie so oft.
Dabei muss ich in der Mittelkonsole aufgetreten und auf seine Sonnenbrille mit Sehstärke gelatscht sein.
Als er wiederkam und das bemerkte rastete er völlig aus.
Er schrie mich an warum ich so scheiß dämlich bin und nicht aufpassen könnte, dass ich ein kleines A******* bin der nicht begreift das das ganze scheiße Geld kostet und das ich mich sobald wir zu Hause sind verpissen soll und ihm nicht mehr unter die Augen kommen soll.
Als ich dann angefangen habe zu weinen sagte er das, dass mit dem Heulen langsam vorbei ist, ich sei kein Baby mehr und wenn ich weiter so rumflenne gibt er mir einen Grund zum Heulen.

Das komische ist das ich kaum Erinnerungen an meine frühe Kindheit habe, aber viele davon sind glasklar sowie diese.
Ich kann mich bis heute an die stechenden Augen die ganze Mimik erinnern.

Von da an fing es eigentlich an das ich von ihm laut seiner Aussage "zu einem Mann geformt werde"

Ich hatte Angst Zeichentrickfilme zu schauen, weil er sie hasste und mich dann runter machte.
Er hasste generell alles, Kino, Zirkus, Urlaub, Vergnügungsparks, meine Freunde, andere Eltern....
Dazu kam das egal was ich gemacht habe, es war nie gut genug.
Er hatte ein Talent mit Holz zu arbeiten, war wohl sein Traum, er musste aber damals eine Elektriker Lehrer machen und hatte später eine leitende Position im Igenieursbereich.
Natürlich werkelte ich auch mal mit, fing früh mit Laubsägearbeiten an und machte alles mit.
Wenn ich dann etwas fertiggestellt hatte wurde es grundsätzlich nieder gemacht.
"Das ist nicht gerade ausgesägt, gescheit abgeschmirgelt, das Anmalen ist auch scheiße, das machst du nochmal"!
Aus Spaß wurde also sofort Zwang und Verpflichtung.

Er wusch jeden Samstag sein Auto, meine Schwester und ich wollten helfen und er "überlies" uns die Felgenreinigung.
Keine Ahnung wann das genau war, denke mal ich war so 6-7 Jahre alt.
Wir wienerten wie die Weltmeister, wussten ja das er pingellich ist und stolz präsentierten wir ihm unser Werk.
Er prüfte natürlich alles ganz genau und schaute uns tief in die Augen
"Wollt ihr mich jetzt verarschen oder was, was ist das denn für ein Mist, das sieht aus als wäre ich vor 2 Sekunden über einen Sack scheiße gefahren"!
Meine Schwester ging sofort auf ihr Zimmer und ich ging in den Keller zu meiner Mutter und fing sofort an zu weinen, ich merkte nicht das er mir nachkam.
Er riss mich von meiner Mutter weg und zerschlug mit einem Schlag zwei Holzleisten auf meinem Rücken und sagte
"Jetzt hast du einen Grund zum heulen"

Einmal hatte ich eine Magen und Darm Grippe, ich wachte nachts auf weil ich merkte das ich ganz dringend aufstehen und zur Toilette muss da ich schrecklichen Durchfall hatte.
Ich war kaum aus dem Bett da schoss es schon wie Wasser aus mir raus und zog sich von meinem Zimmer durch den Flur bis ins Bad.
Das werde ich nie vergessen. Kinderzimmer und Elternschlafzimmer befanden sich zusammen auf der ersten Etage.
Schlagartig bekam ich Panik und dachte
"wenn der Papa jetzt aufwacht und das sieht dann passiert was ganz schlimmes"
Ich habe am ganzen Körper gezittert vor Schwäche und vor Angst, ich habe mich so erniedrigt und hilflos gefühlt.
Aus dem Badezimmer holte ich Klopapier, leider war nicht mehr viel da und es war sofort verbraucht also zog ich meinen Schlafanzug aus und versuchte damit das ganze Unglück zu reinigen und mit meinen Händen etwas aufzuheben und ins Klo zu werfen um den Schaden zu begrenzen.
Es tut mir leid das Bildlich so darzustellen aber es geht nicht anders.
Die ganze Zeit wusste ich das er gleich aufsteht, ich wusste aber nicht was passieren wird und Panik machte sich mehr und mehr breit.
Dann ging die Tür auf und meine Eltern kamen raus, ich erinnere mich daran das ich versuchte wegzulaufen und ausrutschte und mich auf dem Boden zusammenrollte, ich war mir sicher das jetzt was schlimmes passiert.
Aber es passierte nichts ! Mein Vater hob mich auf stellte mich in die Badewanne und sagte
"ist schon gut, du kannst nichts dafür, du brauchst keine Angst haben, ich mache dich jetzt sauber und wir machen alles wieder frisch und dann lese ich dir was vor und bleibe bei dir bis du eingeschlafen bist"
Ich glaube das war die größte Erleichterung in meinem Leben die ich jemals gespürrt habe, gleichzeitig war ich auch noch nie so verwirrt.
Wenn ich ins Bett gemacht hatte wurde mir meist der hintern versohlt, hatte ich meine Zahnbürste vergessen wegzupacken wurde ich Nachts aus dem Bett gezogen.
Dreckige Fingernägel wurden mit einer sehr harten Industriebürste gereinigt.
Ich wusste ab da das ich meinem Vater nicht vertrauen kann, das er in einer Sekunde lieb ist, sich umdreht und mir wütend eine zimmert!
Er war nicht beständig.

Die andere Seite ist die Psychische Gewalt, jede noch so kleine verletzung seiner Regeln oder Handlungen die ihm nicht passten wurden bis ins kleinste Detail ausdiskutiert.
Es war gang und gebe das ich wenn ich was ausgefressen hatte nach dem Abendessen am Tisch sitzen bleiben musste.
War dann so 18:30 Uhr, normale Bettgehzeit in diesem Alter war bei mir 20:00 Uhr.
Dann fing die "Diskussion" an.
Meistens musste ich erörtern was passiert ist und sollte das rechtfertigen.
Die Fragen waren aber eigentlich nicht dazu da das ich Stellung beziehen durfte, sondern damit er die Antworten gegen mich verwenden konnte um mich zu brechen.
Er drehte mir ganz bewusst die Wörter im Mund um, stellte mir so lange die gleichen Fragen bis ich die Antworten gab die er von mir hören wollte damit er mich "mit gutem Gewissen" bestrafen konnte.
Schnell fand ich heraus, das es eigentlich keine Rolle spielte ob ich Schuld war oder nicht, ich wurde sowieso immer bestraft.
Diese Spielchen zogen sich oft bis weit nach Mitternacht, wenn er merkte das ich müde wurde zog er alles noch weiter in die Länge.

Auch bei meinen Bestrafungen handelte er willkürlich.
Kleinigkeiten wurden teilweise sehr hart bestraft (z.B. Hausaufgaben vergessen), aber schwerwiegendere Dinge nicht.

- einen Schulkameraden gehänselt weil er dick war
- sich mit Jemandem geprügelt
- Der Religionslehrerinn gesagt das ich nicht singe weil ich keine Schwuchtel bin

Heute weiß ich warum, das sind Werte und Normen die er mir beigebracht und vertreten hat.
Gottseidank habe ich eine Mutter die mir die richtigen Werte und Normen rangetragen hat, vieles habe ich auch erst später selbst abgelegt.
Man glaubt gar nicht wie stark man unterbewusst geprägt werden kann.

Wieder war ich dadurch sehr verwirrt, wusste nicht was richtig und falsch ist. Bestrafung fand eh willkürlich statt.
Ich könnte hierzu noch 1000 und 1 weiteres Beispiel anführen aber das reicht echt!
Springen wir weiter.
 
Zuletzt bearbeitet:

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Trebor89

Aktives Mitglied
Teil 2

12 - 15 Lebensjahr :


Bis zu meinem zwölften Lebensjahr folgte ich meinem Vater aus Angst. Ich war immer seiner Meinung.
Mein Vater griff meine Mutter permanent an, sie stritten sich oft, mein Vater schrie viel rum beleidigte meine Mutter und feindete alles an.
Auch meine Schwester terrorisierte er, er schlug sie nicht und konzentrierte sich auch mehr auf mich, aber auch sie musste viel seelische Grausamkeiten ertragen.
Er terrorisierte die ganze Familie, je älter er wurde umso schlimmer ist es gewesen.
War schon Standard, wie gesagt ich hatte in seiner Gegenwart keine eigene Meinung. Speziell bei einem Streit mit meiner Mutter forderte er von mir Loyalität und das ich ihn bestätige, obwohl ich mit all dem nichts zutun hatte.
Er hetzte wollte mich gegen meine Mutter aufhetzen.
Eines morgens reichte es mir und ich schaute meine Mutter an wie verzweifelt sie war und sagte
" Jetzt lass endlich Mama in Ruhe und iss dein Brötchen"

Ab da änderte sich alles, ich wurde seine Zielscheibe und sein Punchingball. Vorher wurde ich unregelmäßig geschlagen und seltener ins Gesicht.
Nun wurde keine Gelegenheit mehr ausgelassen mich fertig zu machen.
Es war eigentlich mindestens wöchentliche Routine mir in den A**** zu treten, vorzugsweise wenn meine Mutter arbeiten war ( 2x die Woche 17-19 Uhr)
Von der Tür wurde ich zur Begrüßung in die Küche geschubst und getreten und vor eine Wand gestelt.
Dort wurde dann wie ich es nenne "bombadieren" gespielt.
Mir wurden Fragen gestellt (oft kannte ich den Grund weshalb ich mal wieder dieses nette "Gespräch" hatte nichtmal)
auf die ich zu antworten hatte.
Das war schnell vorbei und schwenkte in wüste Beschimpfungen um :
" Denkst du bist eine große Nummer du kleiner Bastard he?"
" Ich dachte immer du bist ein netter Kerl, du bist aber nur so ein richtig kleines mieses A*******"
etc. etc.

Kombiniert wurde das ganze mit Backpfeifen, angetäuschten Kopfnüssen und pötzlich kam ein Schlag in den Bauch, Kopf in die Wand gedonnert, sank ich zu Boden wurde ich an den Haaren hochgezogen.
Schläge wurden auch oft nur angetäuscht damit ich auch ja nie wusste wann zugeschlagen wird.
Die Schmerzen an sich waren mir eigentlich schon egal, das schlimme daran war das ich gemerkt habe wie er sich daran aufgeilt.
Er hat sich mächtig gefühlt, kam sich groß vor, er genoß es das ich Angst hatte, ihm unterlegen war, ich habe es in seinen Augen gesehen, ich musste ihm dabei auch die ganze Zeit in die Augen gucken, wenn ich wegsah packte er mich und sagte ich solle ihn anschauen, nur Schlappschwänze schauen weg.
Zu diesem Zeitpunkt hätte ich nichts gegen ihn ausrichten können, ich glaube er hat darauf gewartet das ich mich wehre um mir richtig in den A**** treten zu können.
Ganz wichtig war ihm immer das er mich zum heulen bringt damit er mich als Schwuchtel, Pussy und Weichei betiteln und weiter missachten kann.
Diese "Spielchen dauerten je nachdem zwischen einer halben und zwei Stunden. Später auch länger.
Zum Abschluss sagte er immer " und jetzt verpiss dich bevor ich mich vergesse, LAUF!!!", rannte mir die Treppe hoch nach und trat nach mir. Am Anfang war er noch schneller und trat mir kurz vor meinem Zimmer nochmal in den Rücken oder Hintern.
"Kannst dich ja gleich bei deiner Mama ausheulen"
kam immer noch dazu, wahrscheinlich als Absicherung das ich es nicht mache, was ich auch nicht tat.

Mit ca 13/14 Jahren holte er mich überraschend vom Bolzplatzt ab, wenn mein Vater mich mit dem Auto irgendwo unabgesprochen abholte wusste ich immer das dass nichts gutes bedeutet.
Als ich ins Auto einstieg sagte er zu mir
"heute hast du es überreizt, gleich lernst du mich kennen"
Ich
"was ist passiert"
Er
"Dein blauer Brief in Englisch ist gekommen, ich habe dir gesagt was passiert wenn ich nochmal soetwas in die Finger bekomme"
Ich
"blaue Briefe werden auch verschickt wenn man vier steht, das ist seit letztem Jahr in der Schule bei uns so, du kannst gern meine Lehrerin anrufen, ich stehe nicht fünf"
Er
"das ist mir scheiß egal, blauer Brief ist blauer Brief"

Zuhause angekommen war er so brutal zu mir wie noch nie, meine Mutter war auch da.
Als er meinen Kopf hart in die Wand ramte sagte meine Mutter das er sofort aufhören soll, er drehte sich um und zischte sie aggressiv an
"halt dich da gefälligst raus"
Mein Vater hatte meine Mutter noch nie so angesehen, ich dachte das er auf sie losgeht und bin dankbar das dass nicht passiert ist. Ich bin mir sicher das sonst etwas ganz schlimmes passiert wäre.
Dieser Punkt ist ein Schlüsselerlebnis in meinem Leben, in diesem Moment ist in mir was passiert was sich die Jahre angestaut hat und was mich für immer verändert hat.
Meine Angst, Enttäuschung, Trauer wandelten sich in blanken Hass um, er wendete sich sehr schnell wieder zu mir und ich starrte ihn an.
Das merkte er und fing an zuzuschlagen, da merkte ich das ich nichts mehr spüre. Ich hatte keine Angst mehr.
Ich saugte alles auf wie ein Schwamm und mein einziger Gedanke war
" das zahl ich dir alles heim"
Anstatt mich zu versuchen zu schützen schob ich mein Gesicht zu ihm und nahm die Hände auf den Rücken.
Er wurde immer wütender, ich schätze mal als er merkte das er jetzt so hart zuschlagen müsste das man es im Gesicht deutlich sehen würde um mich k.o zu schlagen oder was auch immer er vorhatte hörte er auf.
Ab diesem Tag schaffte er es nie wieder mich zu brechen. Weder psychisch noch physisch. Kein zucken, kein blinzeln, kein bitten, keine einzige Träne, nichts, vor allem keine Angst mehr.

Meine Mutter trennte sich ein paar Monate später von meinem Vater, sie ging fast vor die Hunde.
Ich hätte mitkommen können, wollte aber mein Zuhause und meine Freunde nicht verlassen. Aus heutiger Sicht Schwachsinn aber so war ich als Jugendlicher.
Sie hätte meinen Vater auch aus dem Haus schmeißen können da sei alleine im Grundbuch steht, hatte dazu aber keine Kraft und glaube ich Angst das er seine "Drohung" wahr macht sich in diesem Fall mit dem Haus in die Luft zu jagen oder niederzubrennen.

Meine Schwester ist zu diesem Zeitpunkt schon quasi dauerhaft bei ihrem Freund gewesen.
Am Anfang versuchte mein Vater mir Honig ums Maul zu schmieren, war ja auch keiner mehr da.
Als das nicht fruchtete brach schnell wieder sein altes Verhalten durch und ab da ging es täglich rund.
Bei unserem letzten Gespräch sagte er mir das er mich und meine Schwester jederzeit eine Klippe runtergeschmissenwürde um unsere Mutter zu retten, Kinder könnte er ja neue machen eine Frau bekommt er nie wieder und eröffnete mir somit das er uns nur gezeugt hat um meine Mutter zu halten.

Dazu sagte ich ihm das er aufpassen soll was er in nächster Zeit tut, es würde nicht mehr lange dauern und er kann einpacken.

Seine Antwort dazu war
" Sei dir mal nicht so sicher das ich dich überhaupt bis dahin kommen lasse"

Einen oder zwei Tage später fuhr er auf Geschäftsreise und starb an einer Lungenembolie.
Zu diesem Zeitpunkt war ich 15 Jahre alt.

Soweit zur Vorgeschichte.
 

Trebor89

Aktives Mitglied
Teil 3

_____________________________
Fragen die ich mir stelle, Dinge die mich beschaäftigen.

Natürlich war sein Tod ein Schock und Einschnitt in die Famile.
Es gab nicht nur schlechte Zeiten mit meinem Vater, er hatte durchaus gute Seiten.
Mir hat es als Kind an nichts gefehlt, Materiell hatte ich alles, auch ein schönes zu Hause,
hat mein Vater mir was versprochen hat er es gehalten.
Er hat mir durch seine strenge Erziehung für die ich ihm auf eine Art dankbar bin sehr viel beigebracht.
"Ein Mann ein Wort"
hat sich bei mir eingebrannt und wird von mir gelebt.
Handwerklich bin ich für meine Generation gut aufgestellt, kann eigentlich fast alle anfallenden Arbeiten
selbst erledigen und habe von ihm methodische Kompetenz erlernt (sich selber Hilfestellung geben usw.)

Auch verneine ich nicht einige Eigenschaften von ihm mitbekommen zu haben:

- Alles muss an seinem Platz sein
- Ich bin immer pünktlich
- ich bin sehr hygienisch und habe liebe zum Detail
- Perfektionistisch, wenn ich etwas mache, dann auch richtig
- ich bin quasi Einzelgänger, ich kann gut Kontakte knüpfen und bin nicht unbeliebt, pflege aber keine Freundschaften seit ich erwachsen bin.
- bin sehr gern zu Hause

Mein Problem ist das in mir zwei Altersgruppen leben.
Es gibt den kleinen Jungen in mir der mich ab und an daran erinnert das er seinen Vater geliebt hat und wie ein geprügelter Hund immer wieder bei ihm ankommt weil er ihn liebt und sich Lob und Annerkennung mehr als alles andere von ihm wünscht.

Auf der anderen Seite gibt es das Kind, den Jugendlichen der nur Hass und Verachtung übrig hat und dessen Rachedurst nie gestillt wird.
Ich weiß nicht ob das Jemand versteht, aber durch seinen Tod ist mein Vater mir durch die Lappen gegangen.
Er hat sich meiner Rache entzogen! Das war das was mich das ganze hat überstehen lassen, der Gedanke daran das ich irgendwann am Zug bin.
Es war in greifbarer Nähe, jedesmal hab ich gedacht
" und wieder ein Tag rum, ein Tag näher am Ziel ihm in Ruhe alles heimzuzahlen"
Fast jede Nacht lag ich im Bett und habe mir ausgemalt was ich alles mit ihm anstellen werde, wie schön es sein wird ihm alles heimzuzahlen was er meiner Mutter, meiner Schwester und mir angetan hat.
Was es für ein Gefühl ist endlich seine Macht über ich zu brechen, ihn zu brechen.
Dieser Moment wurde mir für immer genommen, ich habe das lange Zeit, manchmal auch heute noch, als grob unfair angesehen.
Auf einer anderen Seite denke ich mir das es vielleicht so sein sollte, wie gesagt wäre er meiner Mutter oder Schwester gegenüber handgreiflich geworden hätte er das mit großer Wahrscheinlichkeit nicht überlebt, bzw. hätte ich das vielleicht nicht überlebt.
Auch kann ich nicht sagen was ich ihm angetan hätte, leider weiß ich aus späteren Zeiten wozu ich im Stande bin, dazu gleich mehr.

Meine Probleme damit :

Mir wurde die Chance genommen mich zu revanchieren, diese Wut wird den Rest meines Lebens in mir lodern, ich weiß einfach nicht wie ich diese Wut loswerde.
Niemals werde ich von meinem Vater eine Erklärung bekommen, keine Antwort auf die Frage

"warum?"

Was habe ich dir getan?

Warum hast du dir keine Hilfe geholt, du warst offensichtlich psychisch schwer krank, ich denke sogar Schizophren und schwer depressiv.

Wieso hast du mir das gleiche angetan was du in deiner Kindheit erlebt hast ? Du müsstest doch wissen wie man sich fühlt, du hast mir selber gesagt das du deinen Vater den ich nie kennengelernt habe gehasst hast.


Ich bin fast 31 Jahre alt und erwische mich noch heute dabei wie meine Gedanken darum kreisen es ihm heimzuzahlen.
Gewaltphantasien, nur er gegen mich, obwohl die Erinnerung verblasst und das ganze in der Schublade immer weiter nach hinten verschwindet. Es ist in mir drin.

Sein Vermächtnis an mich sind das er aus mir das gemacht hat was er gerne sein wollte. Einen Mann der keine Angst hat.
Mein Vater ist zeit seines Lebens nur auf andere losgegangen die ihm unterlegen waren, egal ob seelisch oder körperlich.
Vor allem aber körperlich, ich habe ein paar Situationen mitbekommen, wo erwachsener Männer ihn gefragt haben ob er ein Problem hat, wo offensichtlich war das sie keine Angst vor ihm haben, obwohl körperlich augenscheinlich teilweise deutlich unterlegen.
Ich habe meinen Vater beobachtet, er hatte Angst, guckte auf den Boden, entschuldigte sich, zog wörtlich den Schwanz ein.
Mein Gott habe ich mir gewünscht das er das Maul aufreist und richtig vermöbelt wird.
Aber nein, wie ein kleiner Hund hat er die Hand geleckt die ihm hingestreckt wird und sich mit eingekniffenem Schwanz verzogen.
Aber macht ja nix, dann verprügel ich zu Hause halt den Hund weil er falsch eingeatmet hat, oder meinen Sohn der die Gabel beim Essen falsch hält.
Seine ganzen "Kriegsgeschichten" was er doch früher für ein harter Kerl war, alles Geschwätz.
Bei mir ist das anders, ich hasse Gewalt, hatte aber in der Vergangenheit Probleme siehe Thread

„quasi Lebensgeschichte, brauche von euch eine Einschätzung“

Diesen Zorn ihm gegenüber den er in mir gesät hat werde ich nicht los. Ich kann vergeben, aber nicht vergessen.

Ich spüre diese Wut nicht immer, aber wenn dann ist sie sehr intensiv, wie ein Vulkan der jede Sekunde ausbrechen kann.

Das Gute ist, dass ich mich gut im Griff habe. Mir wäre es vollkommen egal ob mich jemand beleidigt oder schubst, dann gehe ich halt weg.

Sollte es aber passieren das mich Jemand schlägt oder noch schlimmer meine Frau anfasst bin ich mir sicher das sich alles entladen wird.

Je älter ich werde umso ruhiger werde ich, aber desto größer wird der Zorn. Ich weiß das es nur eine kurzzeitige Entladung sein würde die den ursprünglichen Zorn nicht ausschalten könnte, ich habe aber Angst das ich ausraste, wie schon vor Jahren, nur noch schlimmer.

Meine Wut richtet sich ausschließlich gegen Männer, ich habe mal einen Kerl im Supermarkt aufgefordert mit mir rauszugehen weil er beim Einkaufen seine Frau angeschrien hat.

Ich kann das auf den Tod nicht leiden!


Kennt das Jemand?

Kann mir Jemand helfen oder einen Rat geben?

Ich bin absolut gegen Gewalt, ich bin ein friedliebender Mensch, deswegen frisst mich das alles auf.

Gibt es einen Weg wie ich das Abschalten oder das Ventil umleiten kann?


Ich bedanke mich herzlichst für das Lesen!


PS:

Ich bin nicht gut mich im Bezug auf meine Person zu äußern, mich kostet das gerade alles viel kraft das zu schreiben und nochmal zu erleben, entschuldigt deswegen die schlechte Rechtschreibung und die Formulierungen, ich korrigierre nichts weil ich das nicht nochmal lesen will, sonst schicke ich den Text nicht ab!


Zum Schluss wer noch nicht die Nase voll hat verweis auf Thread

"quasi Lebensgeschichte"
die beiden Themen hängen eng zusammen

 
Zuletzt bearbeitet:
N

Nico

Gast
Wir waren zwei Brüder und haben ähnliches erlebt,
mein jüngerer Bruder lebt heute nicht mehr (Selbstmord),
da er nie darüber hingweggekommen ist, trotz Therapie.
Ich geb dir trotzdem den Rat zu einem Therapeuten zu gehen.
Allein wegen deines Zorns. Zeig ihm das alles hier.
 

Amory

Aktives Mitglied
Hallo Trebor!

Zuerst möchte ich Dir sagen, dass ich sehr betroffen bin, was Du als Kind und Jugendlicher schreckliches mit Deinem Vater erleben musstest. Es ist unglaublich, dass es solche Menschen gibt. Vielleicht hast Du auch mal die Themen von Sadie02 gelesen. Sie hat eine ähnliche Geschichte hinter sich. Vielleicht könnt Ihr Euch ja gegenseitig mal kurzschliessen?

Ich kann es nachvollziehen, dass Du wütend bist, dass sich Dein Vater einfach aus Deinem Leben verabschiedet hat, ohne dass Du Dich an ihm rächen konntest. Aber als ich gelesen habe, dass er gestorben ist, waren meine Gedanken "das hat er verdient, da hat eine höhere Macht gerichtet und Dich und Deine Familie gerettet". Denn stell Dir mal vor, wenn es wirklich soweit gekommen wäre, dass jemand von Euch den anderen umgebracht hätte... dann wärst Du jetzt entweder tot, oder im Knast. War doch also für alle die sauberere Lösung, dass sich das Problem mit einer Lungenembolie von selbst gelöst hat!

Und so hattest Du die Gelegenheit, nach vielen schweren Jahren, Deine Ausbildung nachzuholen, eine Frau zu finden und jetzt ein "normales" Leben zu führen. Und dafür möchte ich Dir wirklich meine grosse Bewunderung ausdrücken! Du hattest einen extrem schweren Start ins Leben. Und trotzdem hast Du es dahin geschafft, wo Du heute bist! Einfach nur bravo!! Du kannst echt stolz auf Dich sein.

Ich habe auch Dein anderes Thema in der Rubrik "Ich" gelesen. Die Probleme, die Du dort beschreibst, hängen ganz bestimmt mit Deiner Vergangenheit zusammen. Es wäre fast abnormal, wenn das keine Spuren in Dir hinterlassen hätte. Ich rate Dir zu einer Therapie. Dein einziger Misserfolg bezüglich Therapie sollte Dich nicht davon abhalten, es nochmals zu versuchen. Braucht vielleicht ein wenig Geduld, bis Du die für Dich passende Person gefunden hast. Aber ich denke es wird sich für Dich und Dein weiteres Leben echt lohnen!

Ich wünsche Dir alles Gute!
 
M

Mindaugas

Gast
Ptbs? Ich kenne diese Art von Vater und ich kenne meine Wut und meinen Hass auf meinen Erzeuger und auch meine Rachegedanken. Ich kenne meine Unfähigkeit meine Kinder zu netten liebenswerten Menschen zu erziehen und das ist das schlimmste an der ganzen Sache. Ich habe eine komplexe Ptbs und wenn irgendwie Schwierigkeiten mit den Kindern sind werde ich ziemlich merkwürdig und muss erstmal in mich gehen denn richtige Vorbilder in Erziehung hatte ich nicht
 

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