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Mein Partner hat sich durch seine Behinderung sehr verändert

Elisabeth

Mitglied
Wow... das muss ich auch erstmal sacken lassen.
Mein erster Gedanke war, ihr solltet das demnächst wiederholen. Vielleicht an einem neutralen Ort.
Klar kann nichts sein Bein zurück bringen, aber so zu argumentieren, dass ist sein Totschlagargument. Das sollte er sich abgewöhnen.

In der Paartherapie wird, soweit ich weiß, meist die Systemische-Therapieform angewendet. Sehr effektiv und kurz. Dabei geht es um lösungsorientierten Ansätze. Ganz besonderst um die Kommunikation miteinander. Nicht um Schuld etc.....

Insgesamt scheint er jetzt offener zu sein. Finde ich gut.
Das Dir das alles genauso schwer fällt und weh tut wie ihm, hat er mitbekommen.

Die Kinder müssen mitbekommen, dass ihr an der Lösung arbeitet, da ihr Euch nicht trennen wollt. Dein Mann müsste es eigentlich besser wissen, was zu tun ist und was besser nicht.

Und denk dran, die Stärken stärken. Wie das geht, ich finde das habt ihr Euch gestern bewisen.
Respekt, Elisabeth.
Für Euch beide.
Danke, das ist wirklich lieb!

Ich muss auch immer noch viel sacken lassen heute. Es sind ja einfach sehr viele Baustellen, Infos und Aspekte...

Bezüglich der Therapie muss ich auch mal noch überlegen, denn nach der letzten Stunde, die ich hatte, bin ich mir nicht mehr so ganz sicher, ob das Modell das Richtige ist. Aber ich denke irgendwie, wenn er wirklich nächste Woche mitgehen sollte, dann ist das ja doch für unsere beide wieder etwas, das wir zusammen angegangen sind und das ist ein Anfang.

Das mit dem Todschlagargument empfinde ich auch so. Eine Wiederholung solcher Gespräche kann ich mir auch vorstellen. Er hat mir heute einige Male geschrieben, auch mal was Witziges geschickt - da merke ich aber auch dran, dass ihm das gestern so unangenehm war (verständlich), dass er das jetzt gern schon überspielen und so tun würde, als wäre jetzt alles gut. Das war schon immer so seine Art - "ach, ernst. Wer ist denn dieser Ernst eigentlich?" Nun bin ich weiß Gott nicht dafür, sich unnötig im Elend zu suhlen, aber das Verdrängen hat ja doch alles dahin gebracht wo es jetzt ist.
 

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Elisabeth

Mitglied
Du bist deinem Mann auf allen Ebenen überlegen. Immateriell hast du im Leben viel mehr Liebe und Geborgenheit gehabt als er und materiell verdienst du auch mehr als er. Dieses Ungleichgewicht hat möglicherweise zu seiner Krankheit bzw. dem Krebs beigetragen. Durch die Amputation des Beines hat sich dieses Ungleichgewicht massiv vergrößert, wodurch sein innerer Schmerz weiter angestiegen ist.
So riesig ist das Ungleichgewicht zwischen uns nicht - was die Kindheit und Jugend angeht, ist es nicht so, dass ich da die Goldmarie gewesen wäre, es sind nur teils andere Umstände und Themen.

Das Materielle war ihm für sich selbst einfach nie wichtig. Er hätte viel mehr aus sich machen können, wenn er gewollt hätte und könnte das auch jetzt noch, aber er möchte lieber sein Ding als viel Geld machen. Da haben er und ich teils verschiedene Auffassungen, aber jeder muss den anderen da so annehmen wie er ist und einen Konsens finden.

Was du zu deinem Mann sagen kannst:
Schatz, entweder du kommst mit mir zur Therapie oder ich lasse mir auch mein Beim amputieren, damit ich dich besser verstehen kann. Außerdem werde ich noch meinen Job kündigen und mir einen anderen Job suchen, wo ich weniger verdienen werde als du.
Ist das ernst gemeint? Sicher ist es gut gemeint und ich bin wirklich offen für alle Sichtweisen, also verstehe mich nicht falsch, aber ich glaube, wenn ich ihm das sagen würde, würde er selbst im seinem momentanen Zustand noch fragen, ob ich den Überblick jetzt ganz verloren habe.
 

Elisabeth

Mitglied
Sorry fürs OT, aber:
Deine Krebstheorie stammt aus der Antroposophie-Ecke.
Die glauben auch dass geistige Behinderung ("leerer Geist") eine Strafe dafür ist, wenn man im Vorleben zu oft gelogen hat.
Und dass man auf dem Weg zur Erleuchtung und zum "weisen Schauen" ist, wenn man als Weißer wiedergeboren wird, weil die Weißen die "Geistrasse" sind.
Wenn irgendwo (meist versteckt) Rudolf Steiner draufsteht, gehe ich immer erstmal davon aus, dass es wirres menschenfeindliches Eso-Geschwurbel ist, bis mir jemand das Gegenteil beweist.
Ja, mit Steiner, Blavatsky, Neugeistbewegung usw. kenne ich mich auch gut aus. Zu gut. Und bin immer wieder erstaunt, wie das überall so seinen Einfluss gefunden hat.
 

Elisabeth

Mitglied
Ich kenne mich mit diesen Theorien nicht aus. Ich glaube einfach nur, dass innerer Stress, der z. B. durch gefühlte Bedeutungslosigkeit verursacht wird, das Immunsystem schwächt und somit den Körper anfälliger für Krankheiten macht.
Ich glaube durchaus, dass die Psyche und das innere Wohlbefinden einen Einfluss auf das Immunsystem und die Gesundheit haben, aber nicht nur. Im Endeffekt hat mein Mann seinen Krebs gekriegt, als es ihm nach eigenen Aussagen so gut wie nie ging.
 

Elisabeth

Mitglied
Es stimmt, eine Therapie bringt nicht sein Bein zurück. Eine Therapie macht vergangenes auch nicht ungeschehen. Das geht nicht. Aber darum geht es in einer Therapie auch nicht. Ein Therapeut ist eine Stütze, Vergangenes und Probleme zu verarbeiten. Ein Therapeut kann helfen, Gedanken und Gefühle des Patienten zu ordnen. Ein Therapeut geht auch auf Ängste ein und kann Tipps geben, wie man angstauslösene Situationen bewältigt.
Wichtig ist auch die Zukunftsplanung. Wie lebt man nach einem einschneidenden Erlebnis oder Trauma weiter? Welche Träume und Wünsche hat der Patient? Wie kann er sich diese erfüllen?
Klar, das Leben ist z.B. nach einem Trauma nicht mehr das, was es mal war. Es ist anders und eventuell mit Einschränkungen verbunden. Nur, es ist auch wichtig zu lernen, den IST-Zustand zu akzeptieren.


Das muss man ihm echt hoch anrechnen, dass er so offen zu dir war. Das ist, finde ich, schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Man merkt hier auch sehr deutlich, dass du ihm durchaus sehr wichtig bist. Ich war mir erst nicht ganz sicher, aber er scheint dich wirklich sehr zu lieben. Nur konnte er es durch sein eigenes Gefühlschaos nicht richtig zeigen und hat dich wohl unbewusst verletzt.


Ich finde es gut, dass er einen Schritt auf dich zugeht. Ich würde dir aber empfehlen, deinen Therapeuten vorher zu informieren, dass dein Mann bei der nächsten Sitzung dabei sein möchte. Oder hast du vorher noch mal einen Termin? Es wäre wahrscheinlich ganz gut, wenn du noch mit dem Therapeuten besprichst, wie er vorgehen würde und über was ihr reden wollt, wenn dein Mann dabei ist. Dein Mann ist zurzeit sehr sensibel - ein falsches Wort und er wird sich endgültig gegen eine Therapie sperren. Der Therapeut sollte da wirklich extrem behutsam vorgehen.


Nimms mir nicht übel, aber ich habe mich schon bei eurem letzten Gespräch gefragt, warum ihr nicht einfach die Kinder für die Zeit in die Obhut von Verwandten oder Freunden gegeben habt. Die Kinder sollten von euren Gesprächen echt nichts mitbekommen! Das stresst sie nur unnötig und ihr müsst euch ihnen gegenüber immer wieder erklären.
Unabhängig davon ist es aber auch wichtig mit den Kindern zu reden und für sie die Situation verständlich zu erklären. Allerdings kann ich dir in dem Punkt keinen Rat geben, wie das gehen soll. Das wäre wahrscheinlich auch ein Thema für die Therapie.
Danke für deine ausführliche Antwort. Träume, ja, die würde ich mir für ihn auch wünschen, irgendetwas, auf das er sich positiv richten kann, für sich selbst. Ich musste ja auch einen Amnamnesebogen ausfüllen und habe dabei bemerkt, wie gut mir die Vorstellung tat, die die Frage "wie würde ihr Alltag aussehen, wenn es Ihnen besser ginge?" auslöste.

Ich habe meinen Therapeuten davon schon in Kenntnis gesetzt, dass es sein kann, dass mein Mann beim nächsten Mal mitkommt. Das Problem ist ja auch, dass ich den Therapeuten selbst noch nicht so gut kenne. Ich finde es generell immer schwierig, sich da ein Bild zu machen - ob es wirklich passt und die Therapieform ist, die am geeignetsten ist, merkt man oft ja auch erst, wenn man mittendrin steckt.

Ja, da stimme ich dir absolut zu. Mir wäre es lieber gewesen, wir hätten das Gespräch zu einem Zeitpunkt führen können, an dem die Kinder entweder nicht da sind oder schon schlafen. Sie saßen natürlich nicht dabei, finden aber immer einen Weg, an der Tür zu lauschen etc. Mein Mann drängte aber darauf, am frühen Abend kommen zu wollen, weil er früh ins Bett gehen wollte. Ich finde ja irgendwie immer, dass er das auch so will, dass die Kinder das mitkriegen. Also in dem Sinne, dass er dann wieder ein Argument hat, da zu bleiben und mir den schwarzen Peter zuzuschieben. Klingt jetzt vielleicht heftig, aber so agiert er leider seit einigen Monaten öfters.

Ich habe mir selbst jetzt mal eine Woche Urlaub genommen, da kann ich manches hoffentlich besser organisieren.

Die Kinder, besonders unser Sohn, haben eben schon vor zwei Jahren so vieles miterlebt, das sie auch aus der Normalität gerissen hat. Unser Sohn hat schon recht gut verstanden, dass sein Vater auch hätte sterben können, auch, wenn wir das so nie gesagt haben. Dafür aber die Mutter meines Mannes. Die wäre im Moment auch die einzige Option, wo die Kinder mal etwas unterkommen könnten, aber das halte ich aus diversen Gründen für nicht allzu glücklich... Alles ziemlich kompliziert im Moment.
 
Zuletzt bearbeitet:

Elisabeth

Mitglied
Oh Mann, was bin ich froh, daß er Anstalten macht, sich etwas zu öffnen.
Er muß ja die Monate seit der Diagnose bzw. Reha regelrecht erstickt sein.

Elisabeth, Dein Mann trauert.
Er trauert um sein Bein, er trauert um seine Gesundheit.
Er hätte damals im Mai schon mit Nachnamen Freud heißen müssen, wenn er beim Tod Deiner besten Freundin eine Hilfe für Dich sein hätte können. Es hat ihm bestimmt selbst eine donnernde Angst eingejagt, zwei- und dreifach sogar. Ich verwette ein Schnurrbarthaar.

Es ist gut, wenn er Dich zum Therapeuten begleiten will, das sehe ich vorteilhaft. Aber er darf nicht vergessen, daß er seine eigene Therapie machen muß, um seine eigene Bewältigungsstrategie zu finden. Doch es ist zumindest einmal ein Anfang und für ihn eine Hilfe, wenn er nicht alleine ist.

Weißt Du, wie er zum Besuch eines Psychoonkologen steht?
Die kennen auch in der Regel erfahrene niedergelassene Therapeuten.
P.S.: Du bist eine gute und loyale Partnerin. Ganz bestimmt.
Ja, das glaube ich leider auch. Irgendwie habe ich das alles, was gestern geredet wurde, noch gar nicht so richtig realisiert. Ich meine, ich habe mir einiges davon gedacht, das lag oft unausgesprochen im Raum, aber es ausgesprochen zu hören, ist auch nochmal sehr bitter.

Das stimmt, da muss so vieles in ihm hochgekommen sein, womit er für sich selbst noch nicht klar kommt. Ich hasse diese verdammte Krankheit einfach, die so vielen Menschen das Leben erschwert und kaputt macht.

Das weiß ich leider nicht wirklich. Während seiner Reha habe ich oft zu ihm gesagt, dass es dort doch bestimmt auch einen für seinen Fall spezialisierten Psychologen geben muss und ihn da schon ermuntert, vielleicht mal ein Gespräch zu suchen. Ich weiß aber nicht mal, ob er je mit einem geredet hat, da ist er mir immer ausgewichen. Während der Zeit war es auch so, dass er generell so wenig wie möglich über all diese Sachen reden wollte. Das konnte ich auch gut verstehen, wenn man den ganzen Tag das alles um sich hat, will man ja auch mal Ablenkung. Ich kann mich noch gut erinnern, wie er mir anfangs erzählte, wie ihn das mitnahm, dort in der Reha-Klinik mit Menschen zusammen zu sein, die noch wesentlich schlimmer dran waren als er. Das hatte ihn damals zwar motiviert, dankbar zu sein, dass er schon noch ein verhältnismäßig normales Leben würde führen können, aber was er da so alles gesehen hat, das hat ihn sehr berührt und bestimmt noch mehr traumatisiert.

Wir leben leider in einem ziemlich verschlafenen Gebiet mit allgemein dürftigem Angebot, so dass ich mich frage, ob es in der Nähe überhaupt einen Onkopsychologen hat. Mein Mann hat eine doppelte Abneigung gegen das hiesige Krankenhaus, weil er dort zuerst auch noch falsch diagnostiziert wurde.

Und danke, das ist sehr nett von dir zu sagen. Ich hoffe, dir geht es im Moment einigermaßen gut.
 
G

grauerKater

Gast
Ja, das glaube ich leider auch. Irgendwie habe ich das alles, was gestern geredet wurde, noch gar nicht so richtig realisiert. Ich meine, ich habe mir einiges davon gedacht, das lag oft unausgesprochen im Raum, aber es ausgesprochen zu hören, ist auch nochmal sehr bitter.
Das glaube ich Dir. Konntest Du Dich in der Zwischenzeit etwas sortieren?
Und...ganz wichtig...es geht hier nicht um Schuld. Weder Du noch er habt Schuld an der momentanen Situation.
Das stimmt, da muss so vieles in ihm hochgekommen sein, womit er für sich selbst noch nicht klar kommt.
Das ist richtig, das denke ich auch. Denn mir ging es ähnlich. Du hast ja geschrieben, Dein Mann war während der Behandlung verhältnismäßig gut drauf. Das war ich auch. Das waren recht bizarre Geschichten. Als jemand dann im näheren Bekanntenkreis auf einmal von kurativ auf palliativ umgestellt wurde, kam ich damit überhaupt nicht zurecht, aber so gar nicht. Man bemüht sich dann immer, das vor der Familie (und auch vor sich selbst, da sogar noch mehr) zu verstecken, das gelingt aber meistens so gar nicht.
Während der Zeit war es auch so, dass er generell so wenig wie möglich über all diese Sachen reden wollte. Das konnte ich auch gut verstehen, wenn man den ganzen Tag das alles um sich hat, will man ja auch mal Ablenkung.
Ich kann mir nicht vorstellen, daß es Ablenkung war, die er gesucht. Es ist immer schwierig, mit Nichtbetroffenen zu reden, Elisabeth, mich hat mein Mann damals ab und zu an den Rand des Wahnsinns gebracht. Ich konnte mich oft aus diesen Situationen herausziehen - Dein Mann konnte das nicht: mit Frau, zwei kleinen Kindern und dann lebt die eigene Mutter auch noch und dreht am Rad.
Ich kann mich noch gut erinnern, wie er mir anfangs erzählte, wie ihn das mitnahm, dort in der Reha-Klinik mit Menschen zusammen zu sein, die noch wesentlich schlimmer dran waren als er.
Hast Du das ernst genommen? Ich hoffe schon. Schlimmer geht immer. In welcher Reha-Einrichtung war er denn? Ging es da hauptsächlich um Amputationen oder geschah das im Rahmen der Post-Chemo-Sorge?
Ich glaube ihm das auch zu 100%, daß er Nachwirkungen von der Chemo hat (die angesichts des sehr aggressiven Krebses entsprechend ausgefallen sein dürfte). Ich hatte früher mal eine Chemo, die dagegen sehr mild dosiert war, aber trotzdem Neben- und Nachwirkungen zurückließ.
Dein Mann hat drei miteinander verwobene Baustellen:
1. der fiese Krebs, er kann zurückkommen. Muß nicht, aber kann.
2. die extreme Amputation...er kann nie mit seinen Kindern herumtoben, er kann mit Dir nicht mehr tanzen, er kann ja nicht einmal mehr gehen
3. die Nachwirkungen der Chemo...die hat er gar nicht so auf dem Schirm, nicht wahr?
und 4., daß er sich unzulänglich fühlt seiner Familie gegenüber.
Das hat nichts mit Opferhaltung zu tun. Er hat versucht, damit klar zu kommen, auf seine Weise...die aber nicht die ganz richtige ist.
Wir leben leider in einem ziemlich verschlafenen Gebiet mit allgemein dürftigem Angebot, so dass ich mich frage, ob es in der Nähe überhaupt einen Onkopsychologen hat. Mein Mann hat eine doppelte Abneigung gegen das hiesige Krankenhaus, weil er dort zuerst auch noch falsch diagnostiziert wurde.
Die Psychoonkologie, die in dem KH sitzt, in dem er behandelt und operiert wurde (*flüster* in unserem hiesigem KH würde ich mir nur Notfallsachen behandeln lassen *psst*).
Und danke, das ist sehr nett von dir zu sagen. Ich hoffe, dir geht es im Moment einigermaßen gut.
Bei mir ist alles roger in Kambodscha.
 
M

Mogi

Gast
Danke sehr!

Er ist oberschenkel-amputiert und gehört leider zu den "ultra kurzen", sein Stumpf hat nur 7 cm, was es schwierig macht, da noch eine Prothese anzupassen, mit der er guten Halt hat. Er kann seine aber auch nicht tragen, weil es zu sehr schmerzt und alles in allem findet er, dass sie ihn mehr behindert.

Trotzdem könnte die richtige Prothese natürlich eine große Entlastung sein, sein Rücken und seine Schultern hätten die wirklich nötig. Er hätte sich längst schon vorstellen sollen, um diverse Korrekturen durchführen zu lassen und eventuell könnte man mittels eines Implantats verlängern. Aber, dass er auf so ein langwieriges und unangenehmes Procedere nicht besonders scharf ist, kann ich ihm absolut nicht verdenken.
Mist, das ist wirklich eine hohe Amputation. Das macht einiges schwieriger, ABER.... nicht hoffnungslos! Im Gegensatz zu deinem Mann war ich jahrelang in Selbsthilfegruppen und habe da ganz unterschiedliche Verläufe gesehen. Ich kenne welche, die sogar mit Hüftexartikulation gut klar kommen. Das Positive ist, dass wir in einer Zeit leben, in der sich so vieles dank Hightech schnell weiter entwickelt. Er sollte nie den Mut verlieren und einfach alles ausprobieren, was sich ihm bietet. Falls er aber ohne Prothese besser klar kommt, ist das auch okay. Wichtig ist auch die Physio, da muss man in den ersten Jahren beharrlich dran bleiben. Seid ihr bei einem guten Orthopäden?

Falls du und dein Mann das wollt, kann ich euch vielleicht mit ein paar Adressen weiter helfen. Ich hoffe, dass es dir inzwischen etwas besser geht und sich die Dinge positiv weiter entwickelt haben.
 

Kommentar

Mitglied
Liebe FS,

erst einmal: Es tut mir wirklich leid für Euch, das ist eine sehr schwierige Phase, die Ihr gerade durchlebt. Und ich hoffe, dass Ihr auch irgendwann darauf als vergangene schwierige „Phase“ zurückschauen könnt.

Sein Gefühlsleben ist komplex und die eine Erklärung dafür wird es nicht geben. Eine große Rolle spielt sicherlich, dass man sich gerade als Mann ohne Bein nicht mehr stark und dadurch unmännlich fühlt. Man sieht sich nicht mehr in der Lage, die Familie zu beschützen. Kommt ein Einbrecher, ist er noch hilfloser als Ihr. Dann sieht es nicht gut aus, er ist im Alltag stark eingeschränkt usw. Das nagt am Selbstwert, am allgemeinen Wohlbefinden und es kommt die Angst auf, nicht mehr attraktiv zu sein und nicht mehr zu genügen. Umso größer ist dann das Bedürfnis, sich seiner eigenen Männlichkeit und Attraktivität zu versichern. Was eignet sich dazu besser als positivr Resonanz von anderen Frauen und v.a. Sex mit der Partnerin? Das ist die Bestätigung für den Mann, dass er „gewollt“ und „angenommen“ ist. Ich glaube, Männer ticken da häufig anders als Frauen und brauchen nicht viele schöne Worte, sondern direkte Bestätigung.

Zur Therapie: Ich finde es gut, dass er nun mitkommen will und vielleicht hilft ihm das auch. Ich möchte aber 2 Aspekte zu bedenken geben:

1. Menschen sind verschieden und verarbeiten Dinge unterschiedlich. Ich kann ihn da schon verstehen. Ich ticke da ähnlich und würde mir denken: „Was soll ein Therapeut mir Neues sagen, was ich nicht selbst schon weiß? Fakt ist: Das Bein ist weg, das Leben ist vergänglich und ich muss damit klarkommen. Was soll all das Blabla bringen, außer dass man sich selbst noch mehr reinsteigert und in Selbstmitleid suhlt und sich überlegt, wie man weiterleben könnte, anstatt zuhause damit zu beginnen? Ein Therapeut ist auch nur ein Mensch mit seinen eigenen Lebenseinstellungen und Wertungen, die genauso subjektiv sind wie meine und nicht richtiger. In der Zeit gehe ich lieber aus oder nehme ein heißes Bad, anstatt mein Leben durch nervige Termine noch unangenehmer zu machen.“ Ich sage nicht, dass diese Sichtweise allgemeingültig richtig ist. Aber ich halte es für ebenso verfehlt, eine Therapie als Patentrezept für jeden Menschen zu verkaufen. Manche Menschen verarbeiten, indem sie viel mit anderen Menschen reden und nachdenken. Andere verarbeiten, indem sie sich gerade nicht stundenlang im Unglück suhlen, sondern versuchen, das Leben „zu leben“. Nachdem meine langjährige Beziehung in die Brüche ging, wollte ich nicht ewig nachdenken und reden, sondern ich schob das Thema beiseite, machte schöne Dinge und auch ich bin nun darüber hinweg, einfach weil ich gesehen habe, dass das Leben weitergeht und trotzdem noch schön ist.
Da er aber ohnehin anscheinend nur in seiner Trauer versinkt, kann eine Therapie helfen, zurück zu einer positiveren Lebenseinstellung zu finden.

2. Das hängt mit obigen Ausführungen zusammen. Man sollte die Therapie und auch die Gespräche unter Euch nicht als alleine ausreichendes Heilmittel betrachten. Zentral ist doch, dass er zurück zu Lebensfreude finden muss. Er selbst ist depressiv. Du bist depressiv und machst Dir Gedanken über die Beziehung, die Stimmung ist angespannt, Du konfrontierst ihn. Dann geht Ihr ggf. noch zur Therapie, die auch nicht spaßig, sondern anstrengend wird. Dann weiterhin Gespräche, Gespräche, Gespräche über die Beziehung. Das mag Dir helfen. Menschen wie mich (und vielleicht auch ihn) stresst das nur noch mehr. Da frage ich mich: Wo bleiben denn die positiven Aspekte des Lebens? Im Endeffekt findet man doch nur über sie wieder zu Lebensfreude. Also vielleicht mal weniger Krisensitzungen, weniger Reflexion. Zusammen Cocktails machen und trinken (vielleicht auch alkoholfrei, falls er ein Alkoholproblem haben sollte). Gemeinsam ausgehen. Zu zweit laut Musik hören. Ein Bad nehmen. Massagen. Alte Fotos ansehen. Gute Bücher lesen, Filme ansehen...Was auch immer Euch Spaß macht. Woran hattet Ihr denn früher Freude? Wie stellt Ihr Euch ein erfülltes Leben vor? Gerade weil das Leben kurz ist, muss man es doch genießen. Eine angenehme Atmosphäre schaffen. Keine Vorwürfe, nicht immer der besorgte oder sogar mitleidige Blick. Ihn Mann sein lassen. Ihn um Hilfe bitten bei verschiedenen Aufgaben, die er noch machen kann. Er soll merken, dass er gebraucht wird und noch „etwas taugt“. Auch wert auf Paaraktivitäten legen, das kommt den Kindern im Endeffekt auch zugute. Als Trennungskind weiß ich, dass die schlechte Grundstimmung schlimmer ist als eine Abwesenheit der Eltern und sogar als die Trennung. Das Problem ist, dass anscheinend auch Du Päckchen mit Dir herum trägst, weswegen Du ihn nicht mit Deiner Lebensfreude anstecken kannst. Deshalb auch darauf konzentrieren, was Du dafür brauchst, abgesehen von der Beziehung. Hobbies? Freunde? Wenn es auch nur Glühwein bei Kerzenlicht ist. Das macht Dich glücklicher und nicht zuletzt auch interessanter für ihn. Dann sieht er vielleicht auch wieder die lebensfrohe Frau, in die er sich verliebt hat und nicht mehr nur Mutter, gebeutelte Frau und Therapeutin. Und wird vielleicht aufgeweckt und mitgerissen.

Das sind nur meine Gedanken dazu. Ein Patentrezept wird es nicht geben. Ich wünsche Euch beiden von Herzen alles Gute!
 

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