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Mein Partner hat sich durch seine Behinderung sehr verändert

Elisabeth

Mitglied
Er ist dann ja gestern noch vorbei gekommen und circa 2 Stunden geblieben.

Es war zunächst mal ein größtenteils sehr offenes und ungeschöntes Gespräch. Für unsere Verhältnisse jedenfalls.

Ich habe wiederum angesprochen, dass ich denke, dass ihm eine Therapie doch wirklich helfen könnte. Darauf kam von ihm "Sprüche und Therapien bringen mir mein Bein nicht zurück".

Das ist genau die Situation, bei der ich dann nicht mehr weiß, was ich sagen soll. Denn es stimmt ja, was er sagt und ich will dann nicht altkluge Ratschläge verteilen in Bezug auf etwas, das ich nicht selbst erlebt habe. Das verunsichert mich total.

Ich habe nochmal erwähnt, wie mich unser Umgang miteinander fühlen lässt. Ich hatte ja noch lange über seinen Ausspruch "wir sind doch keine Kinder mehr" nachgedacht, worauf er meinte, ich würde ja jedes seiner Worte auf die Goldwaage legen und das sei das Problem. Ich würde doch wissen, wie er das gemeint hat mit der "Freundschaft", denn für ihn sei unsere Verbindung tiefer als die Beziehungen, die er sonst kenne. Daran habe sich für ihn nichts geändert.

Irgendwie kamen wir dann auf das Sexthema und ich habe mich ähnlich wie hier geäußert. Daraufhin ist bei ihm irgendetwas ganz umgeschwungen. Das sei ihm alles so peinlich und er schäme sich für sich selbst. Er wisse selbst nicht, was mit ihm los sei. Es habe nichts mit mir zu tun, aber er hätte einfach Angst vor Verletzung und er könne sich nicht vorstellen, dass ich ihn langfristig wolle, so wie er jetzt ist. Dass ich ihm da widersprochen habe, hat gar nichts geholfen.

Er ist praktisch zusammen gebrochen, meinte, es ginge ihm wirklich gar nicht gut und weinte. Seit der Krankenhauszeit waren wir uns nicht mehr so nah, aber es hat mich doch auch sehr mitgenommen. Er gestand mir zum Beispiel, dass er in letzter Zeit öfters heimlich getrunken habe und, dass er sich selbst einfach nicht ertragen kann, dass er sich für "alt, dumm und behindert" hält. Er habe ständig Konzentrationsstörungen, könne keine lauten Geräusche mehr ertragen und habe da wohl irgendwas recherchiert, dass das von der Chemo komme. Im Grunde wolle er einfach nur von der Welt und allen Menschen in Ruhe gelassen werden. Vor allem hat er massive Panik, dass die Krankheit zurück kommt. Und dabei hat er am meisten Angst davor, dass er als bettlägeriger Pflegefall enden könnte.

Es war schwierig, da wieder zurück zu Konstruktivem zu finden. Ich kann mich nicht erinnern, ihn überhaupt je so gesehen zu haben. Er ist wirklich komplett fertig.

Um es an der Stelle zu verkürzen: er hat von sich aus irgendwann den Vorschlag gemacht, mich zu meiner Therapie zu begleiten. Er könne das nicht allein, das schaffe er nicht. Wir haben uns darauf verständigt, dass wir das nächsten Donnerstag versuchen wollen. Das ist schon mal was, wobei ich noch nicht meinen Atem anhalte, denn er sagt gern Dinge im letzten Augenblick ab oder schafft es sie zu "verschwitzen".

Am Ende wäre er gern geblieben, aber da war ich dagegen. Das hat ihn überrascht und enttäuscht. Ich kann ihn zwar schlecht auf die Dauer aus seinem eigenen Haus verbannen, aber ich möchte wirklich erstmal Distanz.

Leider haben die Kinder mal wieder einiges mitbekommen und unsere Tochter hat furchtbar geweint. Und unser Sohn fragte uns, ob sein Vater wieder krank sei und deshalb fort müsse. Mein Mann hat ihnen die Sache dann zu erklären versucht. Ich fühle mich da schon mies dabei, weil ich das alles ja jetzt in Gang gesetzt habe und bezüglich der Kinder, da spielt mein Mann schon immer noch seine Spielchen - von wegen, das hätte ja nicht sein müssen, dass die Kinder so verstört sind, wenn er einfach über Nacht hätte da bleiben dürfen.

Aber ich will mich einfach an diese Abmachungen halten jetzt. Wie wir die Wohnsituation regeln, weiß ich noch nicht, aber ich glaube, wir sollten räumlich länger getrennt leben.
 
Zuletzt bearbeitet:

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°°°abendtau°°°

Sehr aktives Mitglied
Wow... das muss ich auch erstmal sacken lassen.
Mein erster Gedanke war, ihr solltet das demnächst wiederholen. Vielleicht an einem neutralen Ort.
Klar kann nichts sein Bein zurück bringen, aber so zu argumentieren, dass ist sein Totschlagargument. Das sollte er sich abgewöhnen.

In der Paartherapie wird, soweit ich weiß, meist die Systemische-Therapieform angewendet. Sehr effektiv und kurz. Dabei geht es um lösungsorientierten Ansätze. Ganz besonderst um die Kommunikation miteinander. Nicht um Schuld etc.....

Insgesamt scheint er jetzt offener zu sein. Finde ich gut.
Das Dir das alles genauso schwer fällt und weh tut wie ihm, hat er mitbekommen.

Die Kinder müssen mitbekommen, dass ihr an der Lösung arbeitet, da ihr Euch nicht trennen wollt. Dein Mann müsste es eigentlich besser wissen, was zu tun ist und was besser nicht.

Und denk dran, die Stärken stärken. Wie das geht, ich finde das habt ihr Euch gestern bewisen.
Respekt, Elisabeth.
Für Euch beide.
 

Typ_xyz

Mitglied
Ich habe wiederum angesprochen, dass ich denke, dass ihm eine Therapie doch wirklich helfen könnte. Darauf kam von ihm "Sprüche und Therapien bringen mir mein Bein nicht zurück".

Das ist genau die Situation, bei der ich dann nicht mehr weiß, was ich sagen soll.
Du bist deinem Mann auf allen Ebenen überlegen. Immateriell hast du im Leben viel mehr Liebe und Geborgenheit gehabt als er und materiell verdienst du auch mehr als er. Dieses Ungleichgewicht hat möglicherweise zu seiner Krankheit bzw. dem Krebs beigetragen. Durch die Amputation des Beines hat sich dieses Ungleichgewicht massiv vergrößert, wodurch sein innerer Schmerz weiter angestiegen ist.

Ein massives Ungleichgewicht in einer Partnerschaft ist nicht sehr gesund. Entweder dein Mann wächst in seinem materiellen und immateriellen Vermögen oder du wirst ärmer in deinem materillen und immateriellen Vermögen, sodass dieses Ungleichgewicht verringert wird.

Was du zu deinem Mann sagen kannst:
Schatz, entweder du kommst mit mir zur Therapie oder ich lasse mir auch mein Beim amputieren, damit ich dich besser verstehen kann. Außerdem werde ich noch meinen Job kündigen und mir einen anderen Job suchen, wo ich weniger verdienen werde als du. Du weißt gar nicht, wieviel du mir bedeutest, aber dass du eine ziemlich große Bedeutung in unserem Leben hast, sollst du zu spüren bekommen. Ich hoffe, dass ich durch diese Maßnahmen dich besser verstehen werde und du in Zukunft spüren wirst, welche Bedeutung du im Leben hast, denn du bist uns sehr wichtig. Wenn du schon keine Therapie machen willst, dann muss ich eben tätig werden, um dich zurück zu gewinnen.
 

°°°abendtau°°°

Sehr aktives Mitglied
Du bist deinem Mann auf allen Ebenen überlegen. Immateriell hast du im Leben viel mehr Liebe und Geborgenheit gehabt als er und materiell verdienst du auch mehr als er. Dieses Ungleichgewicht hat möglicherweise zu seiner Krankheit bzw. dem Krebs beigetragen. Durch die Amputation des Beines hat sich dieses Ungleichgewicht massiv vergrößert, wodurch sein innerer Schmerz weiter angestiegen ist.

Ein massives Ungleichgewicht in einer Partnerschaft ist nicht sehr gesund. Entweder dein Mann wächst in seinem materiellen und immateriellen Vermögen oder du wirst ärmer in deinem materillen und immateriellen Vermögen, sodass dieses Ungleichgewicht verringert wird.

Was du zu deinem Mann sagen kannst:
Schatz, entweder du kommst mit mir zur Therapie oder ich lasse mir auch mein Beim amputieren, damit ich dich besser verstehen kann. Außerdem werde ich noch meinen Job kündigen und mir einen anderen Job suchen, wo ich weniger verdienen werde als du. Du weißt gar nicht, wieviel du mir bedeutest, aber dass du eine ziemlich große Bedeutung in unserem Leben hast, sollst du zu spüren bekommen. Ich hoffe, dass ich durch diese Maßnahmen dich besser verstehen werde und du in Zukunft spüren wirst, welche Bedeutung du im Leben hast, denn du bist uns sehr wichtig. Wenn du schon keine Therapie machen willst, dann muss ich eben tätig werden, um dich zurück zu gewinnen.
Mit dieser schwarz/weis Denke macht man doch nur alles gleich. Glücklicherweise gibt es genügend Menschen, die mit Ungleichgewichten gesund umgehen können.
Sich generell nur am Minuspol zu orientieren und zu nivilieren, macht für mich keinen Sinn. Schon wegen der Veränderung, denn auf die ist Verlass. Man lehrnt doch immer dazu. Genau das mach die beiden jetzt. Okay... bissle spät, aber hinterher ist man ja immer schlauer. Nicht wahr?

Dieses Ungleichgewicht hat möglicherweise zu seiner Krankheit bzw. dem Krebs beigetragen.
Ich behaupte einfach das Gegenteil. Und schon ist dieseer Un-Sinn wiederlegt. Er hat den Krebs durch den Unterschied überlebt. Der zudem nicht das primäre Thema/Problem ist.
Die Angst das der Krebs zurück kommen könnte, ist doch völlig normal.
Bei Dir wäre das so, als muss er wegen dem Unterschied zwangsläufig wiederkommen.
Sorry, aber so zu denken ist für mich alles andere als gesund.
 
G

Gelöscht 54649

Gast
Ich habe wiederum angesprochen, dass ich denke, dass ihm eine Therapie doch wirklich helfen könnte. Darauf kam von ihm "Sprüche und Therapien bringen mir mein Bein nicht zurück".

Das ist genau die Situation, bei der ich dann nicht mehr weiß, was ich sagen soll. Denn es stimmt ja, was er sagt und ich will dann nicht altkluge Ratschläge verteilen in Bezug auf etwas, das ich nicht selbst erlebt habe. Das verunsichert mich total.
Darum geht es ja: in der Therapie soll er lernen, damit klarzukommen, dass ihm kein Bein nachwächst... egal, wie sehr er trotzt, hadert und seine Umgebung terrorisiert.
 
G

Gelöscht 54649

Gast
Naja, für mich ist es alles andere als gesund, wenn man nicht tolerant und gelassen mit Sichtweisen und Beiträgen Andersdenkender umgehen kann. Es kann doch sein, dass ich recht habe oder ist das völlig ausgeschlossen?
Sorry fürs OT, aber:
Deine Krebstheorie stammt aus der Antroposophie-Ecke.
Die glauben auch dass geistige Behinderung ("leerer Geist") eine Strafe dafür ist, wenn man im Vorleben zu oft gelogen hat.
Und dass man auf dem Weg zur Erleuchtung und zum "weisen Schauen" ist, wenn man als Weißer wiedergeboren wird, weil die Weißen die "Geistrasse" sind.
Wenn irgendwo (meist versteckt) Rudolf Steiner draufsteht, gehe ich immer erstmal davon aus, dass es wirres menschenfeindliches Eso-Geschwurbel ist, bis mir jemand das Gegenteil beweist.
 

Blaumeise

Aktives Mitglied
Ich habe wiederum angesprochen, dass ich denke, dass ihm eine Therapie doch wirklich helfen könnte. Darauf kam von ihm "Sprüche und Therapien bringen mir mein Bein nicht zurück".

Das ist genau die Situation, bei der ich dann nicht mehr weiß, was ich sagen soll. Denn es stimmt ja, was er sagt und ich will dann nicht altkluge Ratschläge verteilen in Bezug auf etwas, das ich nicht selbst erlebt habe. Das verunsichert mich total.
Es stimmt, eine Therapie bringt nicht sein Bein zurück. Eine Therapie macht vergangenes auch nicht ungeschehen. Das geht nicht. Aber darum geht es in einer Therapie auch nicht. Ein Therapeut ist eine Stütze, Vergangenes und Probleme zu verarbeiten. Ein Therapeut kann helfen, Gedanken und Gefühle des Patienten zu ordnen. Ein Therapeut geht auch auf Ängste ein und kann Tipps geben, wie man angstauslösene Situationen bewältigt.
Wichtig ist auch die Zukunftsplanung. Wie lebt man nach einem einschneidenden Erlebnis oder Trauma weiter? Welche Träume und Wünsche hat der Patient? Wie kann er sich diese erfüllen?
Klar, das Leben ist z.B. nach einem Trauma nicht mehr das, was es mal war. Es ist anders und eventuell mit Einschränkungen verbunden. Nur, es ist auch wichtig zu lernen, den IST-Zustand zu akzeptieren.

Er ist praktisch zusammen gebrochen, meinte, es ginge ihm wirklich gar nicht gut und weinte. Seit der Krankenhauszeit waren wir uns nicht mehr so nah, aber es hat mich doch auch sehr mitgenommen. Er gestand mir zum Beispiel, dass er in letzter Zeit öfters heimlich getrunken habe und, dass er sich selbst einfach nicht ertragen kann, dass er sich für "alt, dumm und behindert" hält. Er habe ständig Konzentrationsstörungen, könne keine lauten Geräusche mehr ertragen und habe da wohl irgendwas recherchiert, dass das von der Chemo komme. Im Grunde wolle er einfach nur von der Welt und allen Menschen in Ruhe gelassen werden. Vor allem hat er massive Panik, dass die Krankheit zurück kommt. Und dabei hat er am meisten Angst davor, dass er als bettlägeriger Pflegefall enden könnte.
Das muss man ihm echt hoch anrechnen, dass er so offen zu dir war. Das ist, finde ich, schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Man merkt hier auch sehr deutlich, dass du ihm durchaus sehr wichtig bist. Ich war mir erst nicht ganz sicher, aber er scheint dich wirklich sehr zu lieben. Nur konnte er es durch sein eigenes Gefühlschaos nicht richtig zeigen und hat dich wohl unbewusst verletzt.

Um es an der Stelle zu verkürzen: er hat von sich aus irgendwann den Vorschlag gemacht, mich zu meiner Therapie zu begleiten. Er könne das nicht allein, das schaffe er nicht. Wir haben uns darauf verständigt, dass wir das nächsten Donnerstag versuchen wollen.
Ich finde es gut, dass er einen Schritt auf dich zugeht. Ich würde dir aber empfehlen, deinen Therapeuten vorher zu informieren, dass dein Mann bei der nächsten Sitzung dabei sein möchte. Oder hast du vorher noch mal einen Termin? Es wäre wahrscheinlich ganz gut, wenn du noch mit dem Therapeuten besprichst, wie er vorgehen würde und über was ihr reden wollt, wenn dein Mann dabei ist. Dein Mann ist zurzeit sehr sensibel - ein falsches Wort und er wird sich endgültig gegen eine Therapie sperren. Der Therapeut sollte da wirklich extrem behutsam vorgehen.

Leider haben die Kinder mal wieder einiges mitbekommen und unsere Tochter hat furchtbar geweint. Und unser Sohn fragte uns, ob sein Vater wieder krank sei und deshalb fort müsse.
Nimms mir nicht übel, aber ich habe mich schon bei eurem letzten Gespräch gefragt, warum ihr nicht einfach die Kinder für die Zeit in die Obhut von Verwandten oder Freunden gegeben habt. Die Kinder sollten von euren Gesprächen echt nichts mitbekommen! Das stresst sie nur unnötig und ihr müsst euch ihnen gegenüber immer wieder erklären.
Unabhängig davon ist es aber auch wichtig mit den Kindern zu reden und für sie die Situation verständlich zu erklären. Allerdings kann ich dir in dem Punkt keinen Rat geben, wie das gehen soll. Das wäre wahrscheinlich auch ein Thema für die Therapie.
 

Typ_xyz

Mitglied
Sorry fürs OT, aber:
Deine Krebstheorie stammt aus der Antroposophie-Ecke.
Die glauben auch dass geistige Behinderung ("leerer Geist") eine Strafe dafür ist, wenn man im Vorleben zu oft gelogen hat.
Und dass man auf dem Weg zur Erleuchtung und zum "weisen Schauen" ist, wenn man als Weißer wiedergeboren wird, weil die Weißen die "Geistrasse" sind.
Wenn irgendwo (meist versteckt) Rudolf Steiner draufsteht, gehe ich immer erstmal davon aus, dass es wirres menschenfeindliches Eso-Geschwurbel ist, bis mir jemand das Gegenteil beweist.
Ich kenne mich mit diesen Theorien nicht aus. Ich glaube einfach nur, dass innerer Stress, der z. B. durch gefühlte Bedeutungslosigkeit verursacht wird, das Immunsystem schwächt und somit den Körper anfälliger für Krankheiten macht.
 
G

grauerKater

Gast
Er ist dann ja gestern noch vorbei gekommen und circa 2 Stunden geblieben.

Es war zunächst mal ein größtenteils sehr offenes und ungeschöntes Gespräch. Für unsere Verhältnisse jedenfalls.

Ich habe wiederum angesprochen, dass ich denke, dass ihm eine Therapie doch wirklich helfen könnte. Darauf kam von ihm "Sprüche und Therapien bringen mir mein Bein nicht zurück".

Das ist genau die Situation, bei der ich dann nicht mehr weiß, was ich sagen soll. Denn es stimmt ja, was er sagt und ich will dann nicht altkluge Ratschläge verteilen in Bezug auf etwas, das ich nicht selbst erlebt habe. Das verunsichert mich total.

Ich habe nochmal erwähnt, wie mich unser Umgang miteinander fühlen lässt. Ich hatte ja noch lange über seinen Ausspruch "wir sind doch keine Kinder mehr" nachgedacht, worauf er meinte, ich würde ja jedes seiner Worte auf die Goldwaage legen und das sei das Problem. Ich würde doch wissen, wie er das gemeint hat mit der "Freundschaft", denn für ihn sei unsere Verbindung tiefer als die Beziehungen, die er sonst kenne. Daran habe sich für ihn nichts geändert.

Irgendwie kamen wir dann auf das Sexthema und ich habe mich ähnlich wie hier geäußert. Daraufhin ist bei ihm irgendetwas ganz umgeschwungen. Das sei ihm alles so peinlich und er schäme sich für sich selbst. Er wisse selbst nicht, was mit ihm los sei. Es habe nichts mit mir zu tun, aber er hätte einfach Angst vor Verletzung und er könne sich nicht vorstellen, dass ich ihn langfristig wolle, so wie er jetzt ist. Dass ich ihm da widersprochen habe, hat gar nichts geholfen.

Er ist praktisch zusammen gebrochen, meinte, es ginge ihm wirklich gar nicht gut und weinte. Seit der Krankenhauszeit waren wir uns nicht mehr so nah, aber es hat mich doch auch sehr mitgenommen. Er gestand mir zum Beispiel, dass er in letzter Zeit öfters heimlich getrunken habe und, dass er sich selbst einfach nicht ertragen kann, dass er sich für "alt, dumm und behindert" hält. Er habe ständig Konzentrationsstörungen, könne keine lauten Geräusche mehr ertragen und habe da wohl irgendwas recherchiert, dass das von der Chemo komme. Im Grunde wolle er einfach nur von der Welt und allen Menschen in Ruhe gelassen werden. Vor allem hat er massive Panik, dass die Krankheit zurück kommt. Und dabei hat er am meisten Angst davor, dass er als bettlägeriger Pflegefall enden könnte.

Es war schwierig, da wieder zurück zu Konstruktivem zu finden. Ich kann mich nicht erinnern, ihn überhaupt je so gesehen zu haben. Er ist wirklich komplett fertig.

Um es an der Stelle zu verkürzen: er hat von sich aus irgendwann den Vorschlag gemacht, mich zu meiner Therapie zu begleiten. Er könne das nicht allein, das schaffe er nicht. Wir haben uns darauf verständigt, dass wir das nächsten Donnerstag versuchen wollen. Das ist schon mal was, wobei ich noch nicht meinen Atem anhalte, denn er sagt gern Dinge im letzten Augenblick ab oder schafft es sie zu "verschwitzen".

Am Ende wäre er gern geblieben, aber da war ich dagegen. Das hat ihn überrascht und enttäuscht. Ich kann ihn zwar schlecht auf die Dauer aus seinem eigenen Haus verbannen, aber ich möchte wirklich erstmal Distanz.

Leider haben die Kinder mal wieder einiges mitbekommen und unsere Tochter hat furchtbar geweint. Und unser Sohn fragte uns, ob sein Vater wieder krank sei und deshalb fort müsse. Mein Mann hat ihnen die Sache dann zu erklären versucht. Ich fühle mich da schon mies dabei, weil ich das alles ja jetzt in Gang gesetzt habe und bezüglich der Kinder, da spielt mein Mann schon immer noch seine Spielchen - von wegen, das hätte ja nicht sein müssen, dass die Kinder so verstört sind, wenn er einfach über Nacht hätte da bleiben dürfen.

Aber ich will mich einfach an diese Abmachungen halten jetzt. Wie wir die Wohnsituation regeln, weiß ich noch nicht, aber ich glaube, wir sollten räumlich länger getrennt leben.
Oh Mann, was bin ich froh, daß er Anstalten macht, sich etwas zu öffnen.
Er muß ja die Monate seit der Diagnose bzw. Reha regelrecht erstickt sein.

Elisabeth, Dein Mann trauert.
Er trauert um sein Bein, er trauert um seine Gesundheit.
Er hätte damals im Mai schon mit Nachnamen Freud heißen müssen, wenn er beim Tod Deiner besten Freundin eine Hilfe für Dich sein hätte können. Es hat ihm bestimmt selbst eine donnernde Angst eingejagt, zwei- und dreifach sogar. Ich verwette ein Schnurrbarthaar.

Es ist gut, wenn er Dich zum Therapeuten begleiten will, das sehe ich vorteilhaft. Aber er darf nicht vergessen, daß er seine eigene Therapie machen muß, um seine eigene Bewältigungsstrategie zu finden. Doch es ist zumindest einmal ein Anfang und für ihn eine Hilfe, wenn er nicht alleine ist.

Weißt Du, wie er zum Besuch eines Psychoonkologen steht?
Die kennen auch in der Regel erfahrene niedergelassene Therapeuten.
P.S.: Du bist eine gute und loyale Partnerin. Ganz bestimmt.
 

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