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Mein Leben und die Schmerzen..

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Gast

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Ich konnte mich noch nie an die schönen Momente als Kind erinnern. Ich hatte praktisch keine Kindheit. Vor paar Tagen habe ich mir Fotos von meiner Kindheit angeschaut - schrecklich. Ich saß alleine in einem großen Zimmer auf dem Boden und da war nur ein Kinderwagen. Als ich etwas älter wurde (11-12), kam die "schwarze, verantwortungsvolle Zeit" - meine Mutter musste ständig 24 Stunden lang arbeiten, da sie als Köchin und Putzfrau tätig war. Ich musste auf meinem kleinen Bruder aufpassen, ihn szg. groß erziehen. Mein Vater hatte gar keine Interesse an uns - ich kann mich nur als Kind erinnern, dass er mal im Rausch mit einer Pistole kam, meine Mutter hat ihn rausgeschmissen. Er hat sich nie um uns gekümmert. Als Sohn wünscht man sich immer Tipps vom Vater.. - das Leben ist kein Wunschkonzert. Einige harte Monate vergingen, wobei ich sehr aggressiv wurde, mich geschlagen habe, sobald jemand mein Bruder angefasst hat. Er war wie mein Kind - mein Ein und Alles! Anfang 13, fing ich mit den Drogen an (Kiffen, Teile schmeißen, paar Nasen ziehen) - ich wollte in einer anderen Welt sein. Weg vom Schmerz, von der Verantwortung, etwas Zeit für mich! In der Schule war ich nicht der Beste, ich kam immer zu spät, weil ich früh morgens immer Brot geschmiert habe oder einfach geschwänzt habe. Paar Monate vergingen und ich fand' meine erste Liebe. Ich dachte, sie sei meine große Liebe - ich liebte sie vom Herzen, ich habe alles für sie getan. Liebe ist ein mächtiges Gefühl, sagt man.. Leider hat sie mich nach 2 Wochen verlassen, nachdem ich sie mit meinem besten Freund knutschen gesehen habe. "Zwei Schläge auf die Fresse für mich!" 1. die Liebe ist Scheiße und 2. Freunden kann man nicht vertrauen. Am Abend, als ich im Bett lag, habe ich geweint - ich konnte nicht verstehen, was das alles ist. Dass mein Vater weg ist, meine Mutter arbeiten, auf mein Bruder aufpassen, die Liebe und Freunde sind Verräter. Ich habe mich immer gefragt: "wieso nur ICH? Was habe ich getan?" Als ich 14 wurde habe ich noch eine kennengelernt, sie war sehr schön, in der 9. Klasse und ich in der 7. Klasse. Das Niveau kann man vielleicht nicht vergleichen. Sie verlies mich, weil ich zu langweilig war. Das war vielleicht die Schüchternheit. Ich konnte nicht nachvollziehen, wieso Menschen nicht reden, bevor sie handeln. Mein Bruder hingegen hatte ein schönes Leben. Ich habe ihn verwöhnt, sodass er nicht mitbekommt, wie mich das alles überhaupt belastet hat. Meine Mutter merkte auch nichts. Nach und nach isolierte ich mich immer mehr. Ich fing an zittrig zu werden, schlechte Kommunikation, kein Blickkontakt zu Menschen, haute mehrmals gegen die Wand und verletzte mich. Ich war ziemlich aggressiv - das war eine schreckliche Zeit. Meine Mutter hat mich immer gefragt, ob wir nicht umziehen sollen - ich sagte immer "nein". Ich war so bessesen von den Drogen - das war eine ganz andere Welt, wo ich einfach glücklich war. Nach Wochen hin und her kam ein Freund mit der Spritze (Heroin). Ich wollte das nicht und ging sofort weg. Sie nannten mich "Pussy" - ich wollte mir nicht den goldenen Schuss geben, nein! Mein kleiner Bruder war der, der meinem Leben noch einen Sinn gegeben hat. Sein Lächeln, wenn er glücklich und zufrieden ist - das hat meinem Leben einen Sinn gegeben. Also zogen wir nach paar Wochen um. Ich dachte mir nichts Anderes als "neues Leben, neues Glück" - doch mein Schicksal wollte es nicht. Meine Mutter musste nicht mehr viel arbeiten, sie passte auf meinem Bruder auf. Trotzdem, wenn sie ihn angeschrien hat oder so, da bin ich total ausgeflippt. Das hat mir immer mein Herz gebrochen, ich weinte immer und immer. Ich habe viele Mädels kennengelernt, viele Freunde und viele Verräter. Mein Schicksal hat mir gezeigt, wie falsch das Leben doch ist. Das man nach seinem Aussehen beurteilt wird oder wenn man vertrauen schenkt, dass man scharmlos ausgenutzt wird. Ich wurde so oft verarscht, ausgelacht oder beleidigt. Das alles machte mich gefühlskalt. Ich habe es gemerkt, weil ich keine Musik gehört habe, Musik spiegelt eigentlich die jetztige Laune des Menschen ab. Ich war nur ruhig, vertieft in meine Gedanken und wollte nur eins: einmal im Leben glücklich sein. Mein Schicksal wollte das immer noch nicht - ich habe noch eine kennengelernt, schönes Lächeln, sehr arrogant und ich verliebte mich sofort. Mir war klar, dass sie nichts von mir will - ist doch klar, dass die Weiber heutzutage nur auf das Äußerliche achten. Ich lernte sie gut kennen, sie gefiel mir immer noch und nach Monaten frug ich sie, ob sie mit mir ausgehen will. Naja, ein "nein, zu hässlich." war auch ein Schlag in's Gesicht - mir war klar, dass ich mich nie wieder verlieben werde. So ist es auch. Ich habe viele Freunde kennengelernt, die über mich schlecht geredet habe, ich für sie alles getan habe - alles MÖGLICHE! Ich bin einfach zu gut. Mir war klar, dass ich keine Freunde brauche, wenn ich doch mich selbst habe. Und jetzt hocke ich vor dem Laptop, die Rollos sind runter, das Zimmer ist dunkel und meine Hände zittern - vielleicht liegt es daran, dass ich bisjetzt noch niemanden etwas darüber gesagt habe. Außer bis jetzt..

Immer mehr und mehr bekam ich "Schläge" auf die Fresse. Das nicht von Menschen. Vom Schicksal! Mir wurde alles gezeigt - ich sehe die Welt mit anderen Augen. Ich sehe die Welt nicht mit Pferden und hüpfenden Menschen. Ich sehe nur Schwarz für die Welt, nur Schwarz. Ich sehne mich nach einer Person, die ich liebe kann, mit der ich reden kann und meine Gefühle teilen kann. Doch ich weiß schon voraus - sowas gibt es nicht für mich. Für mich nicht..
 

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Gast-0101

Gast
Natürlich gibt es einen Menschen, der dich lieben kann.

Und natürlich wirst du ihn nicht sehen können, weil du selbst dich nicht liebst. Du hockst in deiner Bude, hast dich gegen die Welt verschlossen und die Welt findet dich nicht. Viel schlimmer noch, die Welt weiß nicht, daß es dich gibt, weil du dich versteckst. In deiner Wohnung, viel mehr noch in deinem inneren Gefängnis.

Ich habe keine Ahnung, wie alt du bist. Aber eines kann ich dir sagen. Vor vielen Jahren war ich in einem vergleichbaren Zustand wie du. Ich hatte mich vergraben und aufgegeben und ich habe die Welt und alle Menschen manchmal gehaßt.

Du wirst viele Ratschläge bekommen, die sagen, daß du nach draußen gehen sollst, daß du dich lieben sollst und daß du lernen sollst, an das Gute im Menschen zu glauben und so weiter. Das wird dir nicht helfen, es hat mir damals auch nicht geholfen, obwohl all diese Ratschläge richtig wären.

Du mußt erst einmal entscheiden, ob du leben willst, wirklich leben. Das geht. Es ist eine schwere Entscheidung, denn sie wird Konsequenzen haben. Wenn du dich für das Leben entscheidest, wirst du nämlich Verantwortung übernehmen müssen, das ist wie wenn du die Patenschaft für dich übernimmst. Ein schwerer Job, und vielleicht fragst du dich, wofür das gut sein soll, wo doch die Menschen und die Welt überhaupt so verlogen und schlecht sind.

Ich kann dir sagen, wofür es sich lohnt. Weil sich das Leben einfach saugut anfühlen kann, wenn man sich traut, gegen diesen Riesenberg an Schmerzen, Enttäuschungen und Haß anzukämpfen. Das dauert, das kostet viel Kraft und du hast keine Erfolgsgarantie. Trotzdem verspreche ich dir aus meiner eigenen Erfahrung, daß es sich lohnt. Einfach zu erleben, daß das Leben sich toll anfühlen kann, glücklich und sicher. Nicht immer, aber oft.

Überleg dir, ob du dich traust, die Patenschaft über dein eigenes Leben zu übernehmen. Und wenn du JA gesagt hast, dann mach dich an die Arbeit. Überlege dir, was dein "Patenkind" als erstes braucht. Wieviel Verständnis es braucht, wieviele Tritte in den Hintern, wenn es sich hängen läßt. Ob es mit professioneller Hilfe weiterkommen kann. Ob es hassen darf und wie lange. Alles wichtige Entscheidungen, die du treffen mußt, und ein sehr langer Weg, den du auf dich nehmen wirst.

Es ist zu schaffen. Dafür wünsche ich dir alle Kraft, allen Mut und alles Glück!
 
H

Häsin

Gast
Gast-0101 hat es wunderbar ausgedrückt. DU bestimmst, ob du endlich zum LEBEN anfängst oder aufgibst.

Mein erster Gedanke war, als ich deinen Text gelesen habe, dass du nie das Urvertrauen erlebt und erlernt hast. Es ist verdammt schwer, diesen Lernprozess nachzuholen. Vermutlich wirst du dabei allerdings professionelle Hilfe annehmen müssen.

Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Weg.
 

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