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Mein Leben ist sinnlos und ich habe Angst, dass es nicht besser wird

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Gast

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Liebes Forum,

Ich schreibe aus totaler Verzweiflung.
Immer wieder komme ich in Phasen in denen meine Hoffnung wie eine Seifenblase platzt.
Es gibt viele Dinge in meinem Leben, bei denen ich mir wünsche, dass sie sich ändern. Bei manchen kann ich manchmal an nichts anderes denken.
Zu mir: Ich bin 17 Jahre alt und mache in ein paar Monaten mein Abi.

In der Schule läuft es ganz okay. Ich hatte mal einen festen Freundeskreis, aber leider gab es einige Mädchen, die irgendwie ein Problem mit mir hatten und nach dem sie viele Streits zwischen mir und anderen provoziert haben, wurde ich eine Zeit lang nur noch ausgeschlossen. In der Stufe sind inzwischen alle wieder nett zu mir, aber es ist einfach so: Wenn ich da bin, stört es keinen, aber wenn ich nicht da bin fällt es auch keinem auf.
Das macht mir natürlich zu schaffen, denn ich möchte ja auch dass Menschen mich mögen, und nicht einfach nur akzeptieren.
Ich hab es allerdings mittlerweile aufgegeben und nehme es einfach hin. Eingeladen wurde ich seit fast einem Jahr zu niemandem mehr, einfach weil ich vergessen werde wenn sie Gruppen erstellen und mich auch nirgendwo selbst einladen Will. Ich hab auch versucht auf die Menschen zuzugehen und ihnen geschrieben, in der Schule angesprochen. Meist kommen ein paar nette Antworten, dann drehen sie sich weg und reden mit anderen.
Ich hab es aufgegeben, weil ich dieses Gefühl der Abweisung nicht mehr ertragen kann und akzeptiert, dass es so ist. Ich hab eine Freundin, die mir auch eigentlich reicht, aber manchmal ist es mir unangenehm, mit ihr zusammen zu sein. Sie reist, lernt viele Jungs kennen, wird oft eingeladen zu Partys etc sie hat einfach ein buntes Leben, und ich habe rein gar nichts zu erzählen. Wirklich überhaupt nichts. Mit mir schreibt nicht mal eine Person außer ihr und meiner Schwester auf whatsapp.
Ich verstehe eigentlich gar nicht wieso. Ich würde schon sagen, dass ich nicht hässlich oder ungepflegt bin, bin schlank, ich bin recht gebildet weil ich viel lese und zu allem was sage kann, ich tanze Ballett (auch wenn ich nicht so gut bin), ich bringe Menschen zum
Lachen
Aber das Thema Schule habe ich tot geredet, ich werde nie erfahren was falsch an mir ist und werde auch niemals Freunde dort haben.

Jungs interessieren sich überhaupt nicht für mich. Ich wurde einmal geküsst, und er wusste wie verliebt ich war, hat sich aber nie mehr gemeldet und um ein Mädchen aus unserer Schule gekämpft bis sie mit ihm zusammen war. Nachdem mein Herz so gebrochen war hab ich mir geschworen mich nie wieder zu verlieben, aber auch wenn mir jemand irgendwo gefällt, scheint er durch mich durch zu sehen (dabei bin ich als Rassiges Mädchen sicher kein Mauerblümchen). Also was Jungs angeht bin ich mir sicher, da wird nie etwas passieren. Es gab mal einen Jungen der dachte, ich würde was von ihm wollen, und er hat sich direkt von mir abgewandt und jedem gesagt ich hätte ein bisschen zu viel hineininterpretiert. Das war natürlich sehr peinlich für mich, mir hat auch niemand geglaubt dass da nichts dran ist.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nie einen Freund haben werde und nachdem ich jetzt ein paar mal erfahren hab wie es ist abgewiesen zu werden , verzichte ich auch lieber, da ich nicht der Typ Mädchen bin, in den man sich Hals über Kopf verliebt, und da ich eben sehr romantisch bin, möchte ich auch nicht dass mich jemand nimmt weil ich "sympathisch" bin oder so.

Mein Vater ist ein total mieser Mensch, der uns verlassen hat, meine Mutter beleidigt und bloß gestellt hat, und seit zwei drei Jahren macht er dasselbe mit mir. Neben Freunden anschreien für grundlose Sachen, im Restauranr anspucken, aus dem Auto schmeißen, wir haben alles durch. Zuletzt hat er mir gesagt dass er mich als Tochter gar nicht will und verbringt jetzt dreimal so viel Zeit mit meiner Schwester, die sich für nichts anderes interessiert als ihren Sport, und die mir leider auch keine Stütze im Leben ist.

Was mich zusätzlich belastet ist unsere wohnsituation. Auf meiner Schule sind viele wohlhabend, und auch wenn die meisten wirklich nicht oberflächlich sind, gucken Sie schon erstaunt wenn sie bei mir sind.
Es ist alles zusammen gequetscht, das Haus ist von außen dreckig, und ein Plattenbau. Wir haben in der gesamten Wohnung Schimmel, der immer und immer wieder kommt.
Ich habe ein zwei mal was bei mir zuhause gemacht, und die meisten haben sich leider etwas unwohl gefühlt, das hab ich gemerkt.
Ich würde auch nie wieder freiwillig jemanden zu mir nach Hause einladen. Vor einem Jahr hab ich meine Mutter endlich dazu überredet bekommen, dass wir umziehen. das Problem ist - wir finden nichts. Das einzige was meine Mutter sich leisten kann ist meist zu klein. Endlich haben wir nach etlichen Enttäuschungen eine Wohnung gefunden, die total schön aussieht, aber nachdem die Vermieter den Mieterbogen meiner Mutter gesehen haben haben sie sich für eine andere Familie entschieden. Das war heute. Ich bin unendlich enttäuscht, weil ich schon seit 8 Jahren jeden Tag ans ausziehen denke. Ich hasse unsere Wohnung, und der Schimmel ist furchtbar ungesund.
Ich hatte gehofft, vor Ende der Schule umzuziehen, jetzt müssen wir noch bestimmt ein Jahr warten, da wir während des Abis sowieso nichts suchen brauchen.

Auch möchte ich unendlich gerne reisen. Mein Vater verspricht mir Jahr für Jahr mit mir nach Italien zu gehen, was für ihn finanziell kein Problem wäre, aber dann hat er keine Lust mehr und sagt mir mit irgendwelchen ausreden ab. Für den Sport meiner Schwester kann er allerdings um die Welt reisen.
Ich würde unglaublich gerne was von der Welt sehen, zusammen mit meiner Familie um nicht alleine zu sein, aber meine Mutter hat keine Lust in fremde Länder zu reisen und alleine oder mit fremden schickt sie mich nicht. Ergo ich hab noch nie etwas anderes gesehen als Deutschland und unser Urlaubsziel, welches wir schon seit meiner Geburt haben. Mittlerweile reagiert meine Mutter total genervt wenn ich vom Ausland anfange, aber es mir ermöglichen tut sie auch nicht. Sie geht weder mit mir, noch überredet sie meine Schwester. Meine Freunde fliegen alle mit ihren Familien um die Welt und haben es daher nicht nötig mich zu begleiten, abgesehen davon dass ich ja kaum noch Freunde habe.

Wenn ich mein Abi habe möchte ich Medizin studieren, aber ich werde eine guten Zweischnitt haben. Damit kommt man in Deutschland ja so gut wie nirgends rein. Das ist allerdings mein größter Traum.
Wenn das auch nicht klappt, dann weiß ich nicht was mich noch am Leben hält. Momentan ist es nur der Gedanke Arzt zu werden. Danach bringe ich mich glaube ich um. Ich hab nichts und niemanden für den es sich zu leben lohnt, der mich über alles liebt. Alles was ich mir wünsche, klappt einfach nicht.
Als wäre mein Selbstbewusstsein nicht hin, hab ich auch noch mit 16 erst meine Zahnspange bekommen. Ich hab schon einige Male gehört, dass sie mich hässlicher macht, und das tut sie auch. Ich ekele mich total in den Spiegel zu sehen. Eigentlich hätte ich sie schon längst raus bekommen sollen, aber vorerst bleibt sie bis Januar, und ich will sie einfach nur noch von meinen Zähnen reißen
Ich setze mir immer als Ziel, einen Monat lang nicht zu weinen aber es klappt einfach nicht.
Am Ende bin ich total enttäuscht, denn ich hatte mir mein Leben in meiner Jugend besser vorgestellt. Ich werde bald 18 und bin einfach nur Tod unglücklich.

Ich hab momentan einfach nur Angst, dass es so bleiben wird. Egal wie sehr ich mir Mühe geben, es gelingt mir nicht positiv zu sein. Ich hab Angst immer in dieser Wohnung stecken zu bleiben, hab Angst immer alleine zu sein so wie ich es jetzt bin, hab Angst das mein Leben immer so langweilig sein wird, dass ich die Welt nie sehen werde, ich will meine Zahnspange los werden und egal wie ich mich versuche zu motivieren ich komme aus meinem Loch nicht mehr raus !
Vielleicht kann mir hier jemand aufmunternde wirr sagen damit ich endlich aufhöre die ganzen Abend zu weinen, denn ich habe auch niemanden mit dem ich über meine Gefühle reden könnte .. :(
 

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Hi,

ich kenne dein Problem, weil es mir ähnlich ergeht. Bin 23 und habe gerade eine Zusage für einen guten Job bekommen. Trotzdem bin ich kein bisschen glücklicher.

Ich will auch Bezug zu anderen finden. Aber egal wie lange man mit Menschen zutun hat. Es entwickelt sich nie ernsteres. Ich bin immer der, dessen Gegenwart nicht als störend empfunden wird, aber auch nicht wirklich notwendig.
Es gab mehrere Chancen bei mir, um engere Beziehungen zu anderen Menschen zu finden. Aber ich werde immer wieder vergessen. Es ist fast so als würde ich einfach aufhören zu existieren.
Würd ich heute sterben, fällt es erstmal keinem auf.

Familliär ist es zwar deutlich besser bei mir. Die Beziehung zu meinen Eltern ist nicht schlecht. Aber eine klassische Vaterfigur hatte ich nicht, dafür lebt er viel zu sehr in seiner eigenen Welt. Meine Mutter ist oft nicht da wegen Schichtarbeit.

Eine Freundin hatte ich noch nicht. Nicht wirklich. Ich weiß oft nicht wie ich mich verhalten soll. Dadurch das ich Bi bin, gestalten sich einige Situationen viel komplizierter als wenn man hetero wäre.

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Zusammengefasst könnte man sagen: Solang ich keine Freunde gefunden habe, mit denen ich eine sehr enge Beziehung pflegem könnte, wird sich auch mein Leben nicht bessern.

Man erwartet evtl. auch zuviel von der Welt. Während ich nach Seelenverwandschaften suche, sind andere nur an Oberflächlichkeiten interessiert.
Manchmal glaube ich, dass ich in die Falsche Zeitepoche geboren wurde. Es gibt zu viele Probleme auf der Welt, die für die Zwischenmenschlichkeit ein großes Hindernis darstellen.
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Wäre ich in deiner Situation, würde ich noch das Abi fertig machen. Falls du nicht als Arzt anfangen kannst, würde ich trotzdem im medizinischen Bereich bleiben, da es ja deine Passion ist.
Du möchtest schnellstmöglich ausziehen. Je nachdem was du nach dem Abi machst, steht die Finanzierung evtl. im Weg. Aber vlt. könntest du dir zunächst eine WG suchen.
Ich habe mir für das Fachabi auch eine WG gesucht. Zunächst lief es dort nicht gut, da es eine reine Zweck WG zu sein schien. Dann sind aber manche aus- und neue eingezogen und es hat sich eine vollkommen neue Situation ergeben.

Ich brauche sehr lange um zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen, und wenn ich sie eingehe, will ich intensive Beziehungen.
Genau das ist auch eingetroffen. Wir haben zusammen gekocht, sind schwimmen gegangen, oder einfach nur Filme zusammengeschaut. Auch die Gespräche und die Gesamtatmosphäre war unfassbar gut.

Die Kehrseite daran ist aber. Das WGs in der Regel nur für Übergangssituationen gedacht sind. Als ich ausgezogen bin und die anderen auch, war diese Zeit vorbei. Ein erneutes Treffen ist auch ziemlich schwierig, da alle durch Beruf usw. auch mit anderen Dingen beschäftigt sind. Ich vermisse diese Zeit. Und weil man nun etwas sehr Wertvolles hatte, das man vermissen kann, wird man nur noch süchtiger danach. Süchtig nach Emotionen.

Auch wenn ich mir eine eigene Wohnung leisten könnte, würde ich evtl. sogar wieder in eine WG gehen. Denn es könnte ja sein, dass man wieder Leute findet mit denen man sich sehr gut versteht. Aber die Chance auf sowas ist denk ich sehr gering. Und es besteht die Gefahr, dass es auch eine schlechte WG ist.


Welche Möglichkeiten bleiben dir noch, falls du nicht Arzt werden kannst? Der medizinische Bereich ist doch auch breit gefächert. Braucht man dort überall einen 1er Schnitt? Wenn du eine gute Alternative gefunden hast, geht es dir unter Umständen deutlich besser, sodass du mit mehr Zuversicht in die Zukunft schauen kannst.
 

MissHeisenberg

Mitglied
Dass man, gerade als junger Mensch, panische Angst vor der Zukunft hat, kann ich sehr gut nachvollziehen. Auch mir geht es richtig oft so, ich bin allerdings auch erst 21. Bitte versuch alles etwas optimistischer zu sehen. Kämpfe für deine Träume, lass dich von niemanden unterkriegen und schei* darauf, was andere über dich denken und sagen. Du bist stark, du kannst alles schaffen, wenn du es nur wirklich willst. Mach dich nicht selbst so fertig. Alles wird gut. ;)
 
G

Gaaatze

Gast
In der oberflächlichen "Leistungsgesellschaft" ist es schon irgendwie schwierig mit den Menschen, weil viele in ihren eigenen Welten leben und mit anderen wenig bis nichts zu tun haben wollen - man müsste ja über den eigenen Tellerrand blicken und die heimeligen Privatwelten verlassen. Aber du bist jung und hast das Studium noch vor dir. Mein Leben hat quasi erst mit dem Studium begonnen, und da war ich schon 25. Davor war so ziemlich alles mehr oder weniger eine Katastrophe, inklusive der Familie bzw. Eltern. Im Studium, weg vom Elternhaus, fühlte ich mich zum ersten Mal angenommen und richtig. Dort lernte ich auch sehr nette Menschen mit ähnlichen Interessen kennen. Damit hatte ich wirklich nicht mehr gerechnet, weil die Dinge und Erfahrungen zuvor prägend waren und sich die pessimistische Grundhaltung schon zu schweren Depressionen gesteigert hatte. Die jetzige Situation ist auch wieder eine andere. Jedenfalls solltest du die Hoffnung nicht aufgeben, denn in deinem Alter können sich die Dinge wirklich noch ändern, auch wenn die momentane Lage vielleicht anderes vermuten lässt. Falls es mit dem Medizin-Platz zunächst nichts werden sollte, kämen vielleicht auch andere, ähnliche Studiengänge und Ausbildungen in Frage. Alles Gute jedenfalls.

@Gast: Ich kann deine Ausführungen vor allem zum Thema Freunde sehr gut nachvollziehen. Bei mir ist das alles ganz ähnlich, sogar die Sache mit der WG. Manchmal frage ich mich, ob meine Ansprüche und Erwartungen wirklich zu hoch sind, oder ob ich eben in einer durchökonomisierten Ego-Gesellschaft lebe, die meinen Interessen fundamental entgegenläuft.
 

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