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Mein Leben in der Unwirklichkeit

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Gelöscht 65548

Gast
Ich habe jetzt schon öfter daran gedacht eine art Tagebuch zu führen, in dem ich meine Gedanken zu meinem Leben niederschreibe. Habe mich bisher nicht getraut.

Ich habe in meinem Leben schon sehr viel verschiedenes erlebt, daher werden hier die Unterschiedlichsten Themen thematisiert.

Tja... Wo fängt man an wenn einem tausend verschiedene Gedanken im Kopf herumschwirren?

Ich war schon als Baby komisch und seltsam. Meine späte Autismus diagnose im erwachsenenalter führte dazu, das ich mich schon als Kind unverstanden gefühlt hatte.

Angefangen als schreikind was erst aufhörte zu brüllen wenn mama mich auf den arm herum trug, machte ich meinen überforderten Eltern ziemliche Probleme. Durchschlafen war die ersten Jahre nicht möglich.

Ich hasste es wenn meine Eltern und Geschwister platt-deutsch sprachen. Meine Oma fand es damals schon lustig das ich schon mit 3 jahren die einzige aus der ganzen Familie war die hochdeutsch sprach und jeden berichtigte der platt sprach.

Im gegensatz dazu entwickelte ich seit dem ersten Tag im Kindergarten Mutismus. Die anderen Kinder dachten ich könnte nicht sprechen. Und das tat ich auch die ersten Monate kein Wort.

Ich erinnere mich an die große holz Lampe an der Decke des schlafzimmers. Ich war überzeugt sie würde immer im dunkel hin und her schwingen. Ich nannte sie killer-lampe. Ich hatte grosse Angst vor ihr.

Ich galt immer als sehr verträumt. Ich hatte (und habe) immer noch zwanghafte Tagträume die sich bildhaft als Geschichten in meinen Kopf drängen. Als Kind ließ ich mich davon treiben und malte stundenlang für Jahre ein und die selben Bilder von Dingen die mich zu der zeit interessierten.

Ich hatte schon immer Lebhafte Träume und erinnere mich an Träume die ich als realität wahrnahm.

Ich hatte einige Kindheitsfreunde. Allerdings habe ich mich nie gefühlsmäßig in sie einfinden können.

Gefühlsmäßig habe ich mich immer abgekapselt gefühlt. Ich selbst war und bin sehr emotional und reagiere schnell mal über. Wenn es um andere geht fühle ich nichts.

Zu einem regelrechten zusammenbruch kam es, als ich einmal in einer Trauma Gruppentherapie sitzung den erzählungen der anderen zuhörte. Ich ging bisher immer davon aus das jeder Mensch der emotional auf andere reagiert dies nur tut weil sich das moralisch so gehört.

Wenn ich nichts fühle, fühlen andere doch auch nichts. In dieser Gruppe allerdings wo alle anderen offensichtlich mitweinten/ mit litten war das nicht gespielt. Das konnte doch nicht gespielt sein?

Ich war die einzige die stumm und regungslos da saß. Mir machte nie jemand einen vorwurf. Den machte ich mir selbst.

Was stimmte denn nicht mit mir? War ich ein schlechter Mensch? Das war der moment an dem ich begann meinem eigenem sein auf den Grund zu gehen.
 
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Gelöscht 65548

Gast
Ich glaube es war 2005 als die Schlafprobleme sich verschlimmerten. Ich hatte schon immer einen sehr leichten Schlaf und lag Nachts lange wach. Wenn ich einmal einschlief, wachte ich in den nächsten 2-3 Stunden wieder auf nur um wieder 1-2 Stunden wach zu liegen. Ich war ständig müde und musste mich nachmittags oft hinlegen um zu schlafen. Die Erschöpfung wurde in dieser Zeit immer schlimmer.

2005 dann an einem Nachmittag wollte ich wieder einen Mittagsschlaf halten. Ich lag auf dem Bauch. Ich kann mich noch daran erinnern das ich mit einem Gefühl der Angst aufgewacht bin und dann feststellte, das ich mich nicht bewegen konnte. Egal wie sehr ich mich anstrengte, ich schaffte es nicht mich zu bewegen.

Dann nahm ich Schritte neben mir war - wie jemand um mein Bett herum ging. Ich bekam Panik. Dann zog etwas meine Bettdecke etwas herunter. Das Haargummi welches meine Haare zu einem Pferdeschwanz zusammenhielten - wurde langsam herunter gezogen.

Ich wollte schreien, mich aufbäumen und irgendwann konnte ich meinen Körper wieder bewegen. Ich heulte vor Angst und machte das Licht an und die Rollos hoch. Ich redete mit niemandem darüber. Ich glaubte damals ganz fest das es Geister waren.

Heute weis ich das dieses Phänomen eine ganz normale Schlafparalyse war mit einem Hypogenem Zustand.

Dieses Phänomen sollte mich die nächsten 6 Jahre fasst täglich quälen. Ich war seit 2005 auch in Therapie. 2006 bekam ich einen neuen Therapeuten der sich auf Tiefenpsychologie spezialisiert hat. Er erklärte mir dann auch dieses Phänomen.

Das Jahr 2006 war für mich ein Schicksalsjahr welches das Drama meines Lebens auslöste. (Vielleicht gehe ich irgendwann mal näher darauf ein)

Ich hatte große Probleme mit Depressionen, Alpträumen und generell mit mir selbst. Der Therapeut arbeitete mit mir mit Hilfe meiner Träume. Ich legte ein Traumtagebuch an und wir deuteten die meisten Träume die es mir Wert erschienen.

In dieser Zeit beschäftigte ich mich sehr stark mit mir selbst und meinem Unterbewusstsein. Ich begann Luzid zu träumen. Kurioserweise war es mir nur schwer möglich meine Träume nach meinen Wünschen zu gestalten. Ich wusste das ich träumte doch egal was ich versuchte, es war mir nur schwer möglich die Träume zu manipulieren.

2008 waren die Probleme mit meinen Eltern so groß geworden das ich ausziehen wollte. Meine Mutter wollte das nicht. Sie war der Meinung ich könnte nicht für mich alleine sorgen. Also kam ich in ein betreutes Wohnen. Ich wollte einen Hund haben. Ich liebte Hunde schon immer. Wir hatten einen Familienhund, aber jetzt wollte ich einen haben um den ich mich alleine kümmern konnte, in meiner eigenen Wohnung. Als Der Betreuer sein ok gab, begann die suche nach einem Hund.

Ich wollte irgendeiner traurigen Seele ein Zuhause geben. Einen Hund, mit dem ich mich verbunden fühlen konnte. So kam Wolf zu mir. Ein Schäferhund-Husky Mischling der seit 9 Jahren im Tierheim saß und starke Arthrose in den Hinterbeinen hatte. Die Zähne hatte er sich in all den Jahren kaputt geschliffen als er versuchte durch die Gitter zu kommen.

Als er bei mir war, fühlte ich das erste mal in meinem Leben so etwas wie innere ruhe. Ich las alles was ich über Hunde im Internet finden konnte, kaufte ihm Spielzeug, Decken, Halsbänder, Geschirre, Leinen. Jeden Abend gingen wir Stundenlang spazieren. Es schien mir, als ob er das erste Lebewesen war - was mit mir und meiner Liebe nicht überfordert war. Er war einfach da und wir waren zusammen. Leider konnte er mich nur 2 Jahre begleiten. Er wurde schwer krank und selbst die Schmerzmittel nahmen ihm nicht mehr seine Schmerzen. Ich musste ihn gehen lassen.
 
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Gelöscht 65548

Gast
2005 begann die Problematik mit meinen Essgewohnheiten. Im Nachhinein ist mir klar, das ich mich schon immer eher ungesund ernährt habe. Ich hatte dennoch nie Probleme mit meinem Gewicht. Bei einer Größe von 159 lag mein Gewicht immer bei 50 - 55 kg. Ich war damit zufrieden und habe mir niemals Gedanken um Diäten, mein Essverhalten oder meinen Körper gemacht.

Mitte 2006 hatte ich dann plötzlich 64 kg. Das beachtete ich aber nicht, da ich dachte das es vom Stress kommt. Und diese Gewichtszunahme war ja auch noch sehr gering. Als dann im selben Jahr mein Leben einen schlimmen Verlauf für mich nahm und ich in ein tiefes Loch fiel - fing ich an zu essen. Große Mengen. Das führte dazu das ich ende 2006 stolze 95 kg wog. Das waren 31 kg in 4-5 Monaten. Ich hatte diese Monate wie in einer Blase wahrgenommen und kann mich heute auch kaum noch daran erinnern.

Am 23. Dezember 2006 hatte ich einen Selbstmordversuch unternommen. Meine Mutter bekam das mit und ich erklärte mich bereit mich einweisen zu lassen. Das war für die ganze Familie eine schreckliche Erfahrung. Meine Eltern + Schwester brachten mich am Abend noch dort hin.
Ich durfte Anfang Januar wieder raus.

Die folgenden 2 Jahre ging es mir langsam wieder etwas besser. Mein Therapeut brachte mich in einer Gruppentherapie unter die er leitete. Die schrecklichen Alpträume die ich in diesen Zeiten hatte, hat er zusammen mit mir gut aufgearbeitet und diese ließen dann auch irgendwann nach.

Die Gruppentherapie brachte mir leider nicht sehr viel. Ich konnte mich nicht äußern. In den ganzen 3 Jahren die ich in dieser Gruppe war, habe ich vielleicht ganze 10 Sätze gesprochen. Dennoch ging ich zu jedem treffen. Das einzige was ich lernte war, das irgendetwas an mir anders war aber ich konnte nicht sagen was.

Das einzige was ich über mich wusste war, das ich ein großes Problem habe mit meinen Emotionen. Ich konnte mich schon immer schlecht auf andere Menschen einlassen. Ich brauchte immer viel ruhe. Zog mich oft zurück und die wenigen "Freunde" die ich hatte - wendeten sich nach einiger Zeit immer ab.

Die einzigen Kontakte die ich außerhalb meiner Familie hatte, waren online Kontakte. Dort konnte ich mich ausdrücken, konnte eine emotionale Bindung aufbauen, mich unterhalten. Leider konnte ich scheinbar die Grenzen anderer Personen nicht achten.. oder vielleicht auch nicht sehen.

2008 wohnte ich zum ersten mal in meinem Leben alleine. Ich bekam einen sehr lieben Betreuer. Auch hatte ich einen Aufenthalt in einer Trauma Klinik die mir wirklich gut tat. Ab da ging es steil Berg auf für mich. Ich fing an etwas mehr auf meine Ernährung zu achten. Ende 2010 war ich wieder bei 71 kg.

Es war Zeit für einen weiteren Schritt. Ich zog um in eine eigene Wohnung die ich mir selbst aussuchen durfte, wo mein Betreuer nur noch einmal die Woche kam. Vorher wohnte ich in einem Haus wo alle Mieter betreut wurden und die Betreuer unten ihr Büro hatten. Ende 2009 musste ich meinen ersten Hund einschläfern lassen. Als ich dann 2010 in meine eigene Wohnung zog, bekam ich einen Welpen. Ich ging mit ihm zur Hundeschule und bildete ihn aus. Ich baute an Selbstbewusstsein auf. Ich ging jeden Tag stundenlang raus und durch meinen Hund fühlte ich mich trotz Sozialphobie unter Menschen sicher.


Oft hörte ich vor meiner Wohnungstür ein knarren. Ich hatte eine Holztreppe die zu meiner Wohnung führte und der ganze Boden war aus älterem Laminat das sehr stark knarrte wenn man drauf stand. Mein Hund fing regelmäßig an zu knurren. Ich hatte dann immer ein komisches Gefühl. Wenn ich zur Haustür ging, dann war mir als ob eine Person die Treppe wieder herunter ging. Es war als würde jemand regelmäßig einfach vor meiner Tür stehen.

Ich besuchte oft für ein paar Tage meine Eltern. Als ich wieder einmal meine Eltern besuchte, hatte ich unter der Spüle einen Eimer Wasser stehen.
Als ich 3 Tage später zurück in die Wohnung kam, fand ich den Eimer entleert in meiner Spüle.
Ich wusste aber das er mit Wasser gefüllt unter der Spüle stand. Ich fühlte mich unbehaglich. Die nächsten Tage häuften sich die Ereignisse des Knarrens vor meiner Tür. Immer wenn mein Hund knurrte, hörte ich dieses knarren. Ging ich zur Haustür und öffnete sie war niemand da.

Mir wurde plötzlich ganz anders. War jemand in meiner Wohnung gewesen? Ich rief meine Mutter an, da ich eine Panik Attacke bekam. Ich fühlte mich bedroht und nicht mehr sicher. Sie bot mir an erst mal wieder zu ihr zu kommen für einige Tage. Als sie Kam hatte sie eine Tüte Mehl dabei. Sie hatte die Idee das Mehl hinter die Tür zu streuen so würde wenn jemand tatsächlich in meine Wohnung käme, das Mehl zur Seite schieben und wir würden Gewissheit haben.

Als wir 2 Tage später mal nachsahen, war das Mehl tatsächlich zur Seite geschoben. Wir riefen sofort meinen Betreuer an.

Es kam dann spätere heraus das es meine Vermieterin war. Die Dame war schon etwas älter (70 - 80+)
Sie rief wohl jeden Tag im Büro meines Betreuers an um denen von mir zu erzählen. Ich sollte nicht mit nassen haaren raus gehen, ich sollte sie doch mal in die Wohnung lassen sie würde sich sorgen machen, sie hätte angst das ich unten an der Heizung herumspiele und das Haus explodiert.

Ich war fassungslos. Sie sagte sie kam in meine Wohnung weil sie sich vergewissern wollte das alles in Ordnung ist weil sie sich ja so große sorgen machen würde. Sie stand regelmäßig vor meiner Tür und horchte ob ich Zuhause war. Wenn ich weg war, kam sie rein und sah sich um. Den Eimer Wasser kippte sie aus, da sie dachte der würde da unten stehen und meine Wasserleitungen wären kaputt. Da erfuhr ich auch das sie wieder die Betreuer angerufen hätte und eintritt in die Wohnung verlangte.

Mir sagte sie natürlich nie etwas wenn sie mich sah außer das sie in meine Wohnung wollte. Ich sagte ihr aber immer das ich das nicht jedes mal möchte. Sie könne gerne mal kommen wenn ich sie einlade.

Wir hatten ein Gespräch mit ihr, meiner Mutter und meiner Betreuerin. Wir wollten das sie mir den Schlüssel zur Wohnung gibt. Sie sagte mir ich sollte ausziehen wenn ich das will, sie würde den Schlüssel nicht abgeben wollen da sie sich doch nur sorgen gemacht hatte und sich besser fühlen wollte. Sie verstand nicht was ihr Verhalten in mir auslöste. Sie ging gar nicht drauf ein.

Ich entschied mich die Wohnung zu kündigen.

Diese Erfahrung warf mich stark zurück. Ich fand schließlich eine neue Wohnung. entwickelte unglaubliche Ängste. Traute mich nicht mehr unter Menschen. Als dann die Ereignisse von 2006 wieder in mein Leben kamen für kurze zeit und mich noch mehr kaputt zurück ließen, brach ich komplett zusammen. Ich traute mich nicht einmal mehr auf die Toilette, musste mich Nachts zwingen raus zu gehen damit mein Hund wenigstens etwas Auslauf bekommt. Bei jedem Geräusch in dem hellhörigen Haus bekam ich eine Panik Attacke. Nachts war ich mir sicher es würden Menschen mit einer Leiter durch das Fenster kommen und mir etwas antun.

Ich fing wieder an zu viel zu essen. Schließlich hörte ich mich auf zu wiegen als die Waage 120 kg anzeigte. Ich brach jeglichen Kontakt zu Menschen ab die ich von früher kannte. Nur noch zu meiner Familie hatte ich kontakt.

Mein Körper machte irgendwann einfach nicht mehr mit. Meine Haarstruktur veränderte sich. Ich hatte nur noch dünnes Stroh auf dem Kopf. Meine Haut wurde sehr sehr schlecht. Meine Füße bekamen tiefe risse und schmerzten bei jedem Schritt. Die stärksten Schmerzen hatte ich im Rücken, sie sorgten dafür das mein kompletter Körper sich versteifte.

Natürlich ging ich zum Arzt. Da mich die Krankenkasse rausgeworfen hatte weil ich (angeblich) einmal eine Unterschrift vergesse hätte, war ich nicht mehr versichert. Ich musste mir jedes mal einen Krankenschein beim Amt besorgen.

Bei dem ersten Termin wo ich mit riesigen schmerzen hinging, hatte ich diesen Schein vergessen. Ich wurde nach hause geschickt. Als ich endlich diesen Schein hatte, wurde ich untersucht.

Die Antwort des Arztes war, das ich abnehmen sollte. Natürlich hatte er recht, dennoch fühlte ich mich missverstanden.

Mein zustand verschlechterte sich so stark, das ich nicht einmal mehr stehen konnte. Ich musste mit Hilfe eines Besens sitzend in meiner Wohnung aufräumen da ich nicht mehr stehen konnte.

Ich wusste das ich mich nicht mehr um meinen Hund kümmern konnte. Auch wenn dieses kleine Wesen das einzige war, was mir in meinem Leben noch etwas Freude bereitete. Ich würde in quälen wenn er länger so leben müsste. Ich konnte ihm nicht den Auslauf bieten den er brauchte. Und auch bei meinen Ausrastern wenn ich weinend und schreiend Dinge in meiner Wohnung zerstörte, reagierte er meist Ängstlich und zittern. Das arme Tier .. das hatte er nicht verdient.

Ich redete mit meinen Eltern. Die würden ihn aufnehmen. Also wäre ich bald ganz allein. Und ich fühlte nur noch, wie ich in eine tiefe Dunkelheit fiel. Wenn ich mich schon nicht umbringen würde, würde ich sicher bald trotzdem sterben. Mein Körper baute immer mehr ab. die Probleme die durch das Übergewicht und die fehlende Bewegung kamen, waren gravierend. Ich bekam kaum noch Luft, und bekam immer öfter Herzrasen. Ich schloss mit dem Leben ab. Wenigstens wusste ich das es meinem Hund gut gehen würde.

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Was ich hier erst einmal heraus gelassen habe, waren die schrecklichen Erfahrungen die ich mit der Liebe gemacht habe und mit Menschen allgemein. Würde wohl hier im Text zu viel sein und überfordert mich auch gerade. Entschuldigt wenn alles etwas willkürlich und zusammenhanglos wirkt.
 
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Gelöscht 65548

Gast
Hier mal ein Beitrag den man wohl eher als Tagebuch Eintrag betrachten kann als die davor. Heute war es ein wirklich schöner warmer Frühlingstag und das hat man auch in meinem Wald in den ich immer mit meinem Hund gehe überall gespürt.

Die Vögel zwitschern, die ersten Blumen blühen und im Hintergrund das rauschen des Flusses der durch den Wald fließt. Abgerundet durch den besonderen Frühlingsgeruch den man hat wenn es nach "warm" riecht.

Ich bin sehr Dankbar und froh das ich solch einen schönen Platz für mich gefunden habe, auch wenn inzwischen mehr Menschen dort unterwegs sind.



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der Hund mag das Wasser nicht so gerne wie ich es tue.

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Im Hintergrund kann man die Burgruine sehen die hier steht.

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Das Flusswasser schmeckt ihm besser als das Wasser aus der Flasche die ich für ihn mitgenommen habe :(

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Das Wasser zieht mich magisch an. Ich könnte stundenlang da sitzen und dem Wasser zuhören.
 
G

Gelöscht 65548

Gast
Irgendwie fühle ich mich schlecht weil ich hier jetzt so viel schreibe. Ich weis auch nicht wieso ich plötzlich das Bedürfnis hatte hier etwas von meiner persönlichen Geschichte nieder zu schreiben. Es sprudelt aus mir heraus. Ich hatte es noch nie jemandem so erzählt außer meinem Partner. Vielleicht liest es irgendwann jemand dem es hilft.

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Ich glaube es war 2012 wo ich an dem Punkt war meinen Hund zu meinen Eltern zu bringen und ich mich aufgegeben hatte. Ich fühlte mich nicht in der Lage mein Leben noch irgendwie zu ändern. Ich wünschte nur die Schmerzen wären verschwunden. Ich wusste ich musste mich bewegen wenn ich aus diesem Teufelskreis raus wollte. Aber jede Bewegung bedeutete große Schmerzen und das versteifen meines kompletten Körpers.

An den letzten Abend den ich mit meinem Hund zusammen verbrachte, wollte ich noch einmal mit ihm raus. Ein letztes mal. Ich wusste ja das er nicht aus der Welt war. Ich könnte ihn ja oft besuchen bei meinen Eltern. Dennoch fühlte es sich irgendwie an wie ein Abschied.

Ich weis selbst nicht mehr wie ich mich mitten in der Sommernacht mit dem Hund raus aufs Feld schleppte. Meine Mutter hatte mir einige Tage vorher einen Gehstock gebracht damit ich überhaupt irgendwie in der Lage war das Haus zu verlassen.

Es war eine sehr ruhige und warme Nacht. Das einzige was ich hörte war das zirpen der Heuschrecken. Ich legte mich auf den Boden des Feldes. Der Boden unter mir war noch warm von der heißen Sommersonne. Während mein Hund in meiner Nähe seinen Interessen nachging schloss ich die Augen um nachzudenken.

Und jetzt? Wars das jetzt? Es gibt keinen Prinzen auf dem weißen Pferd der mich rettet. Es gibt kein Happy End wie es sie in den Disney Filmen und Animes gab die ich mir so gerne anschaute. Jede einzelne Person der ich mein Herz schenkte hat es zerrissen und mich allein gelassen. Und meiner Familie habe ich auch immer nur weh getan und sorgen bereitet.

Ich würde bald einen Rollstuhl brauchen. Jemand der mich betreut. Ich wusste meine Mutter würde das übernehmen wollen auch wenn sie dazu gar keine kraft mehr hatte. Sie hatte mich seit meiner Geburt am Hals und selbst als Erwachsene war ich vom Leben komplett überfordert und konnte mich nicht um mich kümmern.

Ich tat allen immer nur weh. Dabei wollte ich niemandem weh tun. Niemals.
Ich wollte doch nur leben ...

Und dann wurde ich wütend. Ich wusste wenn ich sterbe tu ich allen nur wieder weh. Meiner Familie die alles versuchte um mir zu helfen, auch wenn sie mich so oft nicht verstehen konnten.

Ich wollte leben. Ohne Schmerzen. Ich wollte wieder laufen können. Mich wohl fühlen in meiner Haut. Meine Eltern sollten stolz auf mich sein können. Nicht mehr von bekannten bemitleidet werden - weil ihr Kind im Leben nicht zurecht kommt und ja so schlimm krank ist.
Ich wollte jemanden finden der mich liebt und den ich lieben kann. Jemanden der mit meinen Gefühlen zurecht kommt. Eine gesunde Partnerschaft.

Aber was war eine gesunde Partnerschaft überhaupt? und wäre ich in der Lage dazu? Ist das was ich für liebe hielt vielleicht niemals liebe gewesen?

Wenn ich gesund werden wollte, musste ich endlich aufhören nach "Der einen" Person zu suchen. Ich musste mich auf mich konzentrieren und nur auf mich. Sonst... Rollstuhl...

Als ich aufstand fühlte ich die wärme des Bodens in mir. Es fühlte sich an als wäre die Energie der Erde in mich gegangen. Ich musste etwas ändern wenn ich leben wollte. Und zwar sofort denn es war ja schon fasst zu spät. Ich nahm den dummen Gehstock und schleppte mich mit meinem Hund nach hause.

Am nächsten Tag als meine Mutter kam um meinen Hund zu holen, bat ich sie um ein Gespräch. Das erste mal bat ich sie von mir aus um Hilfe. Ich sagte ihr das ich das alleine nicht mehr schaffe. Ich bat sie mich noch einmal zurück zu nehmen so das ich wieder bei ihnen wohnen konnte. Ich musste aus dieser Wohnung raus..

So startete ich in mein neues Leben. Mit gepackten Koffern zusammen mit meinem Hund. Ich wusste es würde jetzt eine harte Zeit werden. Ich hatte keine guten Erfahrungen mit Ärzten gemacht. Allerdings wusste ich auch, das ich Ärztliche Hilfe brauchen würde.

Die erste Zeit zuhause bei meinen Eltern war nicht gut. Mit mir ging es körperlich rapide abwärts. Selbst mit Gehstock konnte ich nicht mehr gut gehen. Die schmerzen waren zu groß. Meine Mutter brachte mir die Gehhilfe meiner Oma. "geh damit im Garten spazieren" sagte sie mir.

Trotz dummer Blicke der Nachbarn ging ich also jeden Tag mehrere runden mit der Gehhilfe spazieren. Ich schämte mich unglaublich. Aber ich hatte keine Wahl. Zusätzlich fing ich an 2 mal die Woche schwimmen zu gehen.

Von meinem Hausarzt wurde ich zu einem Endokrinologen überwiesen. Ich hatte etwas erhöhte Cortisol Werte, zu viele männliche Hormone und eine Insulin Resistenz. diese Ergebnisse las mir mein Hausarzt vor. Auf meine Frage was ich nun tun sollte, sagte er ich sollte wegen der Hormone zu einem Frauenarzt gehen und das näher untersuchen lassen.

Wegen der Insulin Resistenz sagte er nichts. Und ich hatte mich auch nicht näher damit beschäftigt.

Körperlich ging es mir immer besser. Ich war wieder in der Lage einige Meter alleine zu gehen. Zwar mit schmerzen, aber das war ok. Und ich zog in eine eigene Wohnung.

ich weis nun gar nicht mehr was der Frauenarzt wegen der Hormone sagte, aber wir kamen auf das Thema Insulinresistenz und das ich das unbedingt näher untersuchen lassen müsste, da ich an einem metabolischen Syndrom leiden könnte. (kann sein das ich das jetzt falsch wiedergegeben habe, ich erinnere mich nicht mehr genau)

Ich kam mit meinem Hausarzt nicht mehr zurecht. Ich suchte mir einen neuen Hausarzt bei dem ich mich gut aufgehoben fühlte. Und tatsächlich fand ich eine sehr liebe Ärztin die mich sofort von oben bis unten Untersuchte. Auch bei ihrem Bluttest kam die Insulin Resistenz zum Vorschein. Sie überwies mich zu einem Diabetologen.

Dort fand man dann heraus das ich Diabetes Typ 2 hatte. Wenn ich nicht abnehmen würde, müsste ich bald Insulin spritzen.

Bisher hatte ich vielleicht 9 kg abgenommen. Mein damaliges Gewicht lag bei 111 kg.

Während dieser ganzen Zeit der Veränderung spielte ich wenn ich Zeit hatte ein Online Spiel. Dort lernte ich meinen heutigen Partner kennen. Auf das kennenlernen an sich gehe ich vielleicht ein anderes mal näher ein. Jedenfalls ging das mit uns sehr schnell. Lustigerweise war er eine Person, die ich eigentlich immer ausgeschlossen hatte. Irgendwas zog mich dann doch zu ihm. Zumal ich vorher immer Partnerschaften mit Frauen hatte.

Er selbst war im Untergewicht und beschäftigte sich sehr stark mit Ernährung da er einfach nicht zunehmen konnte. Er half mir dabei mir einzugestehen, das ich eine gravierende Essstörung hatte. Mit seiner Hilfe schaffte ich es abzunehmen. 7 Monate nach dem ich ihn kennenlernte war ich im oberen Normalgewicht gelandet. Und er hatte es geschafft zu zunehmen und wog nun mehr als ich.

Die Essstörung ist nicht besiegt und ich muss jeden Tag dagegen kämpfen. Er unterstützt mich so gut er kann. Nach dem wir uns 1 Jahr kannten, zog er bei mir ein. Er verschaffte meinem Leben eine 180 grad Wendung.

Auch ließ ich mich endlich in einem Autismus Zentrum Diagnostizieren. Die Diagnose gab meinem Leben die letzte positive Änderung die ich gebraucht habe. Nun habe ich regelmäßig eine Autismus spezialisierte Therapie. Mein Therapeut kommt zu mir nach hause und mein Partner ist auch oft dabei.

Endlich hatte ich Erklärungen für so viele Dinge die ich nicht verstand.

Heute kann ich wieder ganz normal laufen. Stundenlang mit meinem Hund spazieren gehen. Aus meinen dünnen Stroh-Haaren sind nun gesunde Locken geworden und meine Haut war noch nie so gut.

Innerlich habe ich durch meinen Partner endlich ruhe gefunden.

Natürlich gibt es immer noch die ein oder anderen Probleme wie z.B. die Essstörung. Aber kein Vergleich mehr zu meiner Vergangenheit.
 
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Binchy

Sehr aktives Mitglied
Hallo, ich weiß nicht, ob Du Kommentare möchtest oder nur für Dich schreibst.

Jedenfalls habe ich das alles gelesen und muss sagen, dass ich Dich bewundere, Du bist wirklich eine bemerkenswerte Frau und hast Dich von ganz unten hochgearbeitet und nicht aufgegeben. Und ich freue mich für Dich, dass Du einen lieben Partner hast und einen wunderbaren Hund und es Dir besser geht.

Deine Geschichte ist wirklich eine Mutmacher-Geschichte und ich hoffe, dass viele Leute sie hier lesen und manche sich davon inspirieren lassen, wenn sie kurz davor sind, aufzugeben.
 
G

Gelöscht 65548

Gast
Jedenfalls habe ich das alles gelesen und muss sagen, dass ich Dich bewundere, Du bist wirklich eine bemerkenswerte Frau und hast Dich von ganz unten hochgearbeitet und nicht aufgegeben. Und ich freue mich für Dich, dass Du einen lieben Partner hast und einen wunderbaren Hund und es Dir besser geht.

Deine Geschichte ist wirklich eine Mutmacher-Geschichte und ich hoffe, dass viele Leute sie hier lesen und manche sich davon inspirieren lassen, wenn sie kurz davor sind, aufzugeben.
Hallo

Gerne kann hier jeder kommentieren so viel er will.
Deine Worte tun gerade sehr gut. Vielen Dank dafür. Das alles aufzuschreiben war doch etwas emotional.
Ich dachte das ich das alles hier schreibe um genau denen Mut zu machen, die vielleicht in einer ähnlichen Lage sind wie ich selbst einmal war.
 

Northern Light

Sehr aktives Mitglied
Ich muss auch sagen - Chapeau! In der Situation nicht aufzugeben war sicher nicht leicht. Ich freue mich sehr für dich, dass du deine Familie, deinen Hund und jetzt auch deinen Partner an deiner Seite hattest und hast und weißt, wo du dir Kraft her holen kannst. Wobei das Entscheidende dein eigener Wille war. Ich bewundere dich, wie du dein Glück selbst in die Hand genommen hast und finde es großartig, dass du nun die Früchte ernten kannst. Wünsche dir weiterhin alles erdenklich Gute!

Und dein Hund ist übrigens zum Klauen 💕
 
G

Gelöscht 65548

Gast
Heute hat mich wirklich die Schreibwut gepackt. Aber was raus will soll raus.

Hier möchte ich mal näher darauf eingehen wie ich es geschafft habe insgesamt 55 Kg abzunehmen und vor allem wie ich den Diabetes Typ2 los geworden bin. (komplett Symptoms lebe ohne spezielle ernährungsform)

Als erstes möchte ich aber betonen bitte niemals selbst an sich herumzudoktern. Ich hatte alles mit meinem Diabetologen abgesprochen. Meine Werte wurden dort regelmäßig überprüft und ich habe noch einmal zur Sicherheit mehrmals täglich meine Zuckerwerte gemessen.

Angefangen hatte es in der Diabetes-Schulung. Dort wurde uns erklärt, das die Krankheit dadurch zustande kommt, das sich Fett um die Zellen legt und das Insulin so nicht mehr die Zelle öffnen kann für den Zucker. (einfach erklärt)

Empfohlen wurde uns dort eine gemischte Ernährungsform mit Fokus auf Low Carb und keine oder nur wenigen Süßigkeiten und Obst.

Für mich war Low Carb schrecklich. Ich hatte diese Ernährungsform schon oft ausprobiert. 5 kg weg.. 10 kg wieder drauf. Ich wurde einfach nie satt und habe mich dann an den dingen vollgefuttert.

Mein Partner machte mich auf Studien aufmerksam wo der Diabetes durch eine Vegane Ernährungsform verbessert wurde.

Vegan? Heißt das ich kann meine Kartoffeln, meinen Reis und mein Brot essen? das versuche ich.
Fleisch brauch ich nicht zwingend und Milchprodukte kann man ja inzwischen gute alternativen finden.

Ich besprach das mit meinem Diabetologen und er gab mir das ok das ich es versuchen darf solange meine Zuckerwerte nicht verrückt spielen.

Ich bekam das Medikament Metformin und als ich das Medikament in voller Dosis einige Woche nahm, begann ich mit der Ernährungsumstellung. Anfangs war ich unglaublich ängstlich. Doch zu meiner Verwunderung waren meine Blutzucker Werte immer im grünen Bereich. die Pfunde purzelten das erste Mal in einer Geschwindigkeit wie ich es mir niemals hätte vorstellen können.

Ich ernährte mich High Carb. 80/10/10. Das heisst 80 % kohlenhydrate , 10 % Fett und 10 % Eiweis. Ich versuchte allerdings das Fett so gut es ging runter zu drücken so das es oft nur 3 % Fett war.

Ich achtete darauf nicht zu viele kcal zu essen. Aber das war auch nicht schwer denn ich aß vor allem Kartoffeln und selbstgemachte Bohnensuppe mit Brot. Aber auch Obst gehörte zu meinen Mahlzeiten.

Und natürlich kaufte ich mir auch ab und zu (vegane) Süßigkeiten da ich nicht ganz davon ablassen konnte. Die Essstörung war in dieser Zeit relativ gut im Griff auch wenn ich damals noch nicht so ganz der Wahrheit ins Gesicht blicken wollte das ich überhaupt eine hatte. Meine Portionen waren monströs. Aber das essen machte mich Satt und glücklich.

Bei meinen Terminen waren die Ärzte dort im Diabetes Zentrum immer sehr verblüfft da sie selbst mit erlebten wie ich immer weniger wurde. Meine Werte waren Perfekt. Mein Diabetologe sagte wir könnten mit dem Medikament nun wieder runter gehen. Nach gut 7 Monaten war ich dann komplett ohne Medikament. Mit der Begründung das ich zu Gesund sei, wurde ich nun nicht mehr im Diabetes Zentrum betreut.

Das Verunsicherte mich so das ich immer noch selbst meine Zucker Werte maß. Aber alles gut ...
Ich war nun im oberen normal Gewicht und mein Diabetes war im Bluttest nicht mehr nachweisbar und ich hatte keinerlei Symptome mehr.

Bis heute hatte ich keine Probleme mit Zucker mehr. Es läuft so gut das ich gar nicht mehr daran denke Diabetes zu haben. Diese Krankheit ist sozusagen komplett aus meinem Gedächtnis gestrichen. Ich esse was ich will und wann ich will. Auch mal 2 Tafeln Schokolade oder eine ganze Tüte Gummibärchen.

Die vegane Ernährung habe ich nicht mehr komplett durchgehalten. Heute esse ich relativ normal mit Fokus auf selbst gekochten gesunden Essen aus frischen Gemüse und wenig Fleisch.

Da ich immer noch unter der Essstörung leide gibt es was meine Ernährung angeht immer wieder Entgleisungen. Es kostet mich daher sehr viel kraft mein Gewicht zu halten. Bisher schwanke ich immer ca. - + 5 Kg.

Ich bin jetzt im 4. Jahr Normalgewicht und Diabetes Symptomlos. Mein Partner hat für mich das kochen übernommen. Er kocht für mich frische Gerichte die mich Satt machen und keine Fressanfälle auslösen. (dennoch habe ich ab und an welche. So ist das leider mit Essstörung.)
 

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