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Man traut mir nichts zu

G

GastBS

Gast
Vorweg: ich habe architektur studiert, bin nebenberuflich auch in der branche tätig. Darüberhinaus bin ich auch in anderen bereichen ganz gut informiert, so reise ich zb gerne und habe einiges von der welt gesehn.

man sollte nun annehmen, dass meine freunde/bekannte auch mal auf mein wissen und meine erfahrung zurückgreifen, mich um rat fragen, meine meinung einholen zu bestimmten themen - doch dem ist nicht so. dazu einige beispiele:

wir sitzen bei einem geburtstag mit etwa 10 leuten am tisch, die einzigen, die in sachen handwerk/haus ahnung haben bin ich und ein freund, der tischler ist. nun wollte der gastgeber an seiner terrasse etwas verändern und fragt, zum wiederholten mal, den tischler, mich jedoch nicht ein einziges mal. dazu muss man wissen, dass auf der terrasse gar nichts aus holz ist, der tischler eig auch der falsche ansprechpartner demnach ist und wer zuhörte, der merkte auch, der tischler wusste gar nicht richtig bescheid. ich schaltete mich kurz in das gespräch ein, merkte dann aber, dass meine kenntnisse nicht erwünscht waren und hielt dann meinen mund.
in einem anderen fall bat mich ein bekannter, eine wohnung zu besichtigen, die er mieten wollte. er habe keine ahnung von sowas und brauche jemanden, der sich auskennt. klar sagte ich zu und machte auch gleich deutlich, dass das ganze natürlich nichts kostet für ihn, aber ein eis sei schon ok als dank (das sagte ich, nachdem er fragte, was ich denn für so etwas haben wolle). einen tag später dann schrieb er mir, er gehe dann doch lieber mit seinen eltern die wohnung besichtigen, ich könne mir etwas anderes vornehmen.
als ich mal wieder mit ein paar leuten zuzsammen saß, erzählte der eine, er wolle auf die kanaren fliegen und er wollte wissen, wo es da besonders schön sei. es wusste jeder am tisch, dass ich schon 5 mal auf den kanaren war. jedoch sprach er jemanden an, der erst ein einziges mal dort war, und das war auch bereits über 10 jahre her. er hätte von mir gute tipps bekommen können, aber er wollte sie nicht.
die liste liesse sich immer weiter fortführen. ich verstehe nicht, wieso die menschen in meinem umfeld meinen rat, meine erfahrung nicht schätzen. stattdessen wenden sie sich an personen, die gar keine oder wenig ahnung haben. in der arabischen welt gibts ein sprichwort, das geht in etwa so: wenn du ein geschenk ablehnst, läufst du gefahr, den anderen zu beleidigen. und genau so komme ich mir oft vor, nämlich, dass man mich beleidigt, wenn man sich nie an mich wendet.
ich denke, das passt hier in etwa. ich zumindest habe den eindruck, dass man mir nichts zutraut und glaubt, ich sei dumm, obwohl alle von meiner erfahrung (zb beim reisen) wissen, schließlich kennen mich die meisten schon seit über 10 jahren.
hat jemand eine erklärung dafür oder gibts andere, die das gleiche erfahren haben?
 

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Ondina

Sehr aktives Mitglied
Wieso ist es dir so Wichtig, das man ausgerechnet von dir einen Ratschlag annimmt? Worum geht es dir dabei, geht es dir wirklich nur darum den Anderen in selbstloser Art und Weise zu helfen oder geht es dir darum etwas für dein eigens Wohlbefinden/Seelenleben zu tun?
Ich denke dieser Frage solltest du einmal auf den Grund gehen. Welche Erwartungshaltung steckt dahinter und welchen Zweck verfolgst du , möchtest du dann für deine Ratschläge Bewunderung und Anerkennung einfahren, oder geht es dir wirklich nur darum dein Gegenüber so Gut wie möglich zu beraten?
Eine schwierige Frage. :)
 

Der_um_den_Baum_tanzt

Aktives Mitglied
hat jemand eine erklärung dafür oder gibts andere, die das gleiche erfahren haben?
Irgendetwas studiert zu haben ist die eine Sache ..... etwas vorweisen zu können ist etwas Anderes.

Wenn irgendeine Frage im Raum steht und Du meinst einen guten Rat geben zu können, dann beginne Deine Ansage mit einer Einleitung, die Deine Kompetenz hervor hebt wie etwa:

"bei meinem letzten Projekt in Berlin in der Kantstraße hatte ich es mit einem ähnlichen Problem zu tun ..."

oder

"ich habe meinen Bauleitern nahe gelegt in so einem Fall dieses oder jenes zu tun ...."

oder

"das ist eine Fehlerquelle, auf die man uns Architekturstudenten schon im ersten Semester hingewiesen hat ..."

oder

"bei meinem letzten Entwurf für ein Mehrfamilienhaus habe ich die Situation so und so gelöst ....."

Die reine Information über vorhandenes Wissen hat für die meisten Menschen keine besondere Bedeutung.
Sie möchten Bilder, mit denen sie bestimmte Emotionen verknüpfen und hängen daran die dazu gehörenden Informationen unterschiedlichster Art.
 

Bergsteigerin

Aktives Mitglied
Hallo,

ganz ehrlich? Ich glaube, du steckst in einem Teufelskreis... Ich vermute, dass deine Angst, man würde dich nicht ernst nehmen, dazu führt, dass deine evtl. doch vorgebrachten Tipps und Ratschläge nicht so freundlich wirken, wie sie vielleicht sein sollen. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Menschen deine Ratschläge irgendwie als unwillig und genervt wahrnehmen und dich deshalb nicht gern fragen. Weil bei ihnen immer wieder der Eindruck entsteht, du seist genervt, wenn jemand deinen Rat brauchen könnte.

der tischler wusste gar nicht richtig bescheid. ich schaltete mich kurz in das gespräch ein, merkte dann aber, dass meine kenntnisse nicht erwünscht waren und hielt dann meinen mund.
Ich würde sagen "selbsterfüllende Prophezeiung". Du hattest das Gefühl, dass deine Meinung nicht erwünscht war, hast dich dann (gefangen in diesem Gefühl) trotzdem geäußert. Und es kam wie du vermutet hattest, man schenkte dir keine richtige Aufmerksamkeit. Überleg bitte nochmal ganz ehrlich, ob der einzige Grund dafür der sein kann, dass man dir nichts zutraut, oder ob es vielleicht auch möglich wäre, dass du ungewollt einen unwirschen Eindruck dabei machst...

einen tag später dann schrieb er mir, er gehe dann doch lieber mit seinen eltern die wohnung besichtigen, ich könne mir etwas anderes vornehmen.
Warum beziehst du das überhaupt auf dich? Er hat dich zunächst gefragt und das klingt für mich, als würde er was auf deine Meinung geben. Kennst du seine Eltern? Vielleicht sind die recht dominant und drängten sich im gradezu auf... Wenn ihm die Meinung seiner Eltern wichtiger gewesen wäre, als deine, hätte er doch gleich seine Eltern und gar nicht erst dich gefragt. Oder es war auch in dieser Situation so, wie ich beim ersten Beispiel vermute. Vielleicht hat deine Reaktion ungewollt bei ihm den Eindruck hinterlassen, dass du genervt bist und eigentlich keine große Lust hast, ihm zu helfen. Das aber nur anstandshalber nicht sagst... Dann könnte es sein, dass er (obwohl im deine Meinung wichtiger gewesen wäre!) nach jemand anders gesucht hat, um dich nicht zu belästigen.

kanaren [...]
er hätte von mir gute tipps bekommen können, aber er wollte sie nicht.
So wie du die Situation schilderst, finde ich es ehrlich gesagt ein wenig merkwürdig, dass du konkret angesprochen werden wolltest... Grade Urlaub ist doch ein so lockeres und ungezwungenes Thema, dass man da in einer Gruppe eher einfach drauf los redet, wenn man was dazu zu sagen hat. Dass du das nicht getan hast, bestärkt bei mir den Eindruck, dass du wohl sehr verkrampft auf die anderen wirkst und sie deshalb lieber jemanden Fragen, der evtl. weniger Ahnung hat, als dich zu belästigen.

Ich hoffe, du verstehst meine Antwort nicht zu sehr als Kritik oder gar Vorwurf. Ich kann gut nachvollziehen, dass das "Nicht-gefragt-werden" dich so enttäuscht, aber ich bin wirklich ziemlich sicher, dass du auf dem falschen Dampfer bist, wenn du glaubst, dass man dich für dumm hält, dir nichts zutraut und dich deshalb nicht fragt.

Ich halte es für völlig normal und verständlich, dass jemand, der immer wieder solche Ablehnung erfährt wie du, unbewusst etwas ausstrahlt, was erst recht wieder Ablehnung hervorruft. Eben ein Teufelskreis...

Liebe Grüße
M.
 

Kolya

Aktives Mitglied
Ich dachte die ganze Zeit, daß Du Dich einsam fühlst. Warum ist Dir das denn wichtig?

Dazu muß ich aber sagen, daß ich Dich gut verstehen kann. Ich habe auch leider sehr oft das Gefühl, mir traut man nix zu und so weiter.

Also, ich kann mir nicht helfen, ich habe immer wieder den Eindruck, daß Du "eigentlich" gar nicht so richtig "irgendwo" eingebunden bist.

Hast Du Familie? Partnerin? Freundeskreis?

Weißt Du, ich leide teilweise auch sehr darunter. Als Hilfestellung: ich tue nix mehr dagegen, außer, daß ich einfach weiter mein Ding mache, was mir Spaß macht. Dem bin ich treu.

Hinsichtlich "Beziehungen" jeglicher Art habe ich festgestellt, daß mir Menschen gut tun, die mich loben, schätzen. Aber weil mir das gut tut, mache ich es "zuerst". Wenn ich Menschen toll finde, dann sage ich es ihnen oder frage selbst nach und zeige Interesse. Selbstverständlich muß das auch ernst gemeint sein. Aber wenn man von anderen Menschen "was möchte", dann geht man auf die Menschen ein. Du hättest auch den "Terassen-Menschen" direkt fragen können und sagen, daß genau das, was Dich brennend interessiert...erzähl doch mal...wie sind Deine Vorstellungen und warum...Dann kommt möglicherweise ein interessantes Gespräch rüber.

Wahrscheinlich hast Du tiefsitzende Minderwertigkeitsgefühle. Die habe ich auch. Bei mir ist das beim Musizieren. Zuhause bin ich am Abrocken, aber wehe, ich spiele was vor...ein Vertipper nach dem anderen. Das verletzt mich sehr und macht mich fürchterlich traurig (by the way: wenn da jmd einen Tip für mich hätte).

Bei dem Beispiel hättest Du Dich auch melden können: Kreta war ich 5 mal (Begeisterung steckt an).

Kein Mensch kommt und nimmt Dir Deinen Job ab.

Also, ich würde Dir vorschlagen: Locker werden. Anerkennung ist auch nicht alles! Auf Menschen zugehen und gucken, was ist bei dem Menschen interessant und nachfragen. Dich zeigen, aber um Deinetwillen nicht beleidigt sein, wenn jmd Deinen Rat nicht will.

Wie gesagt, irgendwie habe ich das Bild einer einsamen Person von Dir. Ist daran etwas Wahres?


Liebe Grüße

Kolya
 

Nordrheiner

Sehr aktives Mitglied
Hallo, GastBS,

wenn Du ein Schild um den Bauch trägst mit einer Übersicht über Deine Kenntnisse und Erfahrungen, haben es andere Menschen leichter, Deine Kompetenzen zu erkennen.

Ich selbst halte es nicht für gut, wenn "ich" immer nach meiner Meinung gefragt werde - und das ist selbst dann so - wenn ich wirklich kompetent bin. Wer antwortet, übernimmt auch eine gewisse Verantwortung für die Richtigkeit seiner Antwort. Und sag mir mal, warum ich Verantwortung übernehmen soll?

Meine Antwort: Ich übernehme dann Verantwortung, wenn ich es so will und entscheide. Und "ich" will es...., weil mir der andere Mensch wichtig ist oder "ich durch Darstellung meines Wissens mich in den Vordergrund stellen kann" oder "ich" dadurch Geld verdiene.

Wenn sich der Ratsuchende in Sachen Architektur an einen Metzger wendet, so ist das sein gutes Recht. Er hat ein Recht darauf, jeden zu befragen, ohne auf die Kompetenz zu achten. Vielleicht will er auf diesem Wege herausfinden, welche Erfahrungen der Metzger mit Handwerkern und Architekten machte und es geht dem Ratsuchenden mehr um Tipps aus der Kundenecke als um fachmännischen Rat.

Auch gibt es genügend Menschen, die wahllos andere um Rat fragen. Das ist dann die try-and-error-Methode. Erscheint mir umständlich - aber soll auch mal mehr oder weniger funktionieren.

Wenn Du Dich wunderst, warum jemand etwas tut, was Dir als wenig sinnvoll erscheint, dann stelle einfach Fragen. Z.B. frage: "warum fragst Du XY und nicht einfach einen Fachmann?"

Und wenn Du mitbekommst, dass jemand als Laie eine richtige Sachaussage tätigt, dann freue Dich über das hohe Bildungsniveau. Und wenn Du mitbekommst, dass ein Laie eine völlig falsche Sachaussage tätigt, dann hinterfrage diese falsche Sachaussage. An den guten Fragen erkennt man oft den Fachmann.

Zu einer falschen Sachaussage eines Laien könntest Du Deine Meinung hinzufügen und so die Qualität der Gesamtantwort steigern, wenn Du gefragt wirst. Und genau darauf solltest Du achten - dass Du gefragt wirst.
Eine solche Frage könntest Du provozieren, indem Du z.B. sagst: "wenn meine unmaßgebliche Meinung gefragt wird, könnte ich die Antwort von X ergänzen." Und wirst Du dann immer noch nicht gefragt, dann sei nicht sauer sondern wundere Dich nur und freue Dich, dass Du Deine Antwort nicht an jemanden verschwendest, dem es auf Qualität der Antwort anscheinend nicht ankommt.

Ergänzend gebe ich Dir den Tipp, Dich selbst nicht als Fachmann anzupreisen. Selbstlob stinkt sehr schnell.
Wenn eine Rat suchende Person den Wert meiner Antwort bzw. meine Kompetenz erkennt, dann antworte ich gerne. Und wenn eine Rat suchende Person den Wert meiner Antwort nicht erkennt, dann habe ich überhaupt nichts dagegen, wenn diese Person weiterzieht.

LG, Nordrheiner
 
Zuletzt bearbeitet:

Nordrheiner

Sehr aktives Mitglied
Wahrscheinlich hast Du tiefsitzende Minderwertigkeitsgefühle. Die habe ich auch. Bei mir ist das beim Musizieren. Zuhause bin ich am Abrocken, aber wehe, ich spiele was vor...ein Vertipper nach dem anderen. Das verletzt mich sehr und macht mich fürchterlich traurig (by the way: wenn da jmd einen Tip für mich hätte).

Also, ich würde Dir vorschlagen: Locker werden.

Kolya
Mein Tipp für Dich: Wenn Du beim Vorspielen versagst und einen Vertipper nach dem anderen hast, dann wirst Du locker, wenn Du z.B. locker verkündest: "Ich bin etwas aufgeregt, weil ich so ein nettes und verständnisvolles Publikum habe. Ich mache dann ungewollt Tippfehler, weil ich nicht locker bin. Ich brauche ca. 10-35 Versuche, aber dann klappt es. Hört einfach die ersten 35 Male nicht so genau hin."

Irgendwann, vielleicht nach dem 7. Versuch, hast Du das Publikum vergessen und Deine Übung wird fehlerfrei. Es liegt einfach oft an der Konzentration. Du konzentrierst Dich vermutlich beim Publikum auf das Publikum oder darauf, keine Fehler zu machen.... und schon passieren die Fehler. In der Änderung dessen, worauf Du Dich konzentrierst, liegt der Erfolg.
 

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