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Magersucht und Bulimie: sich gegensetig Kraft und Halt geben

Hallo liebe Gleichgesinnte und Gäste von hiferuf.de,

ich musste mir jetzt ewig über die bereits besprochenen Themen, in den anderen Foren, Mut anlesen, um zu sehen wie man das macht und wie man sich am besten ausdrückt. So nun hatte ich den Mut, und sitze jedoch trotzdem da und weiß nicht so recht wie ich es schreiben soll. Aber ich denke so direkt wie möglich ist am besten.

Ich bin auch erst seit kurzem hier registiriert, habe aber als Gast schon sehr oft Beiträge gelesen.
Ich suche gerne Leute für die das Thema Essen mit Problemen behaftet ist und für die es nicht einfach zum Leben bzw. zum Überleben dazugehört. Und natürlich alle anderen die sich dafür interessieren!!! Und den Wunsch haben etwas zu ändern.
Vor einer Selbsthilfegruppe habe ich erhlich gesagt zu viel Angst und hier könnte man vielleicht erste Kontakte aufbauen.

Was gibt es zu meiner Person zu sagen:

Ich bin weiblich, etwas über 30, kämpfe seit dem 14. Lebensjahr mit Orthorexie, Magersucht, Bulimie, Fressattacken. Und mein Leben dreht sich leider sehr viel um diese Thema. Viel zu viel!!!
War schon in Kliniken, bei Therapeuten, hab versucht mir mit Büchern zu diesem Thema weiterzuhelfen, und zuletzt es mit Medikamenten versucht...
Ich denke es wird immer ein Thema in meinen Leben bleiben, für mich ist ein Ziel es nicht mehr aktiv ausleben zu müssen und Gefühle vom Essen einfach trennen zu können, andere Methoden (gesunde!!) zu finden um mich auszudrücken.

Über Antworten würde ich mich sehr freuen,

LG, Charlotta (weiß leider nicht ob man den Benutzername wechseln kann, neuer Besucher war so eine Notlösung)
 

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Dame

Aktives Mitglied
Hallo Charlotta,

bei mir fing es mit dem abnehmen mit 15 an. Ich war richtig stolz auf mich. Leider konnte ich dann, als ich mein Gewicht erreicht hatte, nicht mehr mit dem Abnehmen aufhören. Es war wie eine Sucht und ich wog irgendwann auch nur noch 42 KG. Dann schleppten mich meine Eltern zu einer Therapeutin. Als wir dort waren, konnte sie mit mir nichts anfangen, da ich noch minderjährig war. Also gingen wir wieder heim. Dann fanden sie einen anderen Arzt. Der verschrieb mit apetitanregende Pillen, die ich nicht nahm, weil ich ja Apetit gehabt hätte, wenn ich gewollt hätte. Ich fühlte mich schrecklich alleine gelassen.

Dass ich wieder anfing mehr zu essen lag am Spott Gleichaltriger. Der setzte mir schon heftig zu. Mein Essensproblem war damit aber nicht gelöst. Damit habe ich heute noch zu tun, und ich bin schon 44.

Ich war bei den esssüchtigen Frauen. Dort habe ich gegessen, so viel wie in mir nur reinpasste, alles was mir Spass machte. In letzter Konsequenz wog ich dann so viel, dass ich eine vollständig neue Garderobe brauchte.

Dann machte ich eine Gesprächspsychotherapie, weil das, was ich bei den o.g. Frauen erlebt hatte, das musste ich ja irgendwie verarbeiten. Dort lernte ich verschiedenes auszuprobieren.

Vor ein paar Jahren hatte ich ein paar Stunden Psychologischer Kinesiologie, zu verschiedensten Themen aus meinem Leben. Seit dem ist es mit meiner Esserei und dem ständigen Denken daran deutlich besser geworden. Selbst meine Lieblingsplätzchen mag ich nicht mehr, und das will was heißen.

Die Ursache davon sehe ich in der Beziehung mit meiner Mutter und der Beziehung zu meiner Weiblichkeit und mir als Person (nicht-geliebt-werden-empfinden). Heute stehe ich dazu, dass ich zur Problemlösung das Essen brauche und dass ich vor schwierigen Situationen einen Trost brauche. Das habe ich früher immer versucht aus dem Weg zu gehen, und als Folge davon habe ich so viel in mir reingestopft, bis ich nicht mehr konnte.

Liebe Grüße von einer Mitleidenden Dame
 
Hallo liebe Dame,

herzlichen Dank für Deine Antwort.

Dass das Essen Trost und Wärme spenden kann, die Erfahrung kenne ich auch. Du hast geschrieben, dass Du die Erfahrungen, die Du bei Esssüchtigen erstmal verarbeiten musstes. Darf ich Dich fragen, was das genau war?
Was mir am meisten Probleme macht ist der Wechsel zwischen den verschiedenen Formen. So richtig gestört hat es mich eigentlich erst, als das mit dem Erbrechen losging. Auch wenn ich jedesmal froh, dass ich mich danach wieder "leer" fühle, ist das für mich sehr belastend. So hab ich zunächst die Bulimie in Angriff genommen, ich dachte wenn ich nur davon wegkomme, geht es mir viel besser. Nur wenn ich das Essen und Erbrechen einigermaßen händeln kann, ziehe ich mich komplett zurück und fange wieder zu Hungern an.
Aber ich schaffe es nur immer eins zu Unterdücken. Du hast geschrieben, dass Du wegen der Hänseleien von Gleichaltrigen wieder angefangen hast zu Essen.
Ich höre immer wieder von Freunden und Bekannten: so dünn zu sein ist doch gar nicht schön und wenn ich weiter abnehmen würde, aber das stoppt mich nicht.
Im Moment starte ich gerade wieder einen neuen Versuch die ES endlich hinter mir zu lassen. Irgendwann muss es doch zu schaffen sein!!

Wünsche Dir eine gute Nacht,
 

Sigi

Sehr aktives Mitglied
Ich denke es wird immer ein Thema in meinen Leben bleiben, für mich ist ein Ziel es nicht mehr aktiv ausleben zu müssen und Gefühle vom Essen einfach trennen zu können, andere Methoden (gesunde!!) zu finden um mich auszudrücken.
Zitatende von "neuer Besucher"


Hallo Charlotta, du hast so viel gelernt, du schreibst obiges und trotzdem hast du das Leiden nicht überwunden.

Magst du schreiben, worauf du das zurückführst?

Welches Gefühl könnte man z. B. statt mit Abhungern besser ausdrücken? (Abhungern? Was sagt das eigentlich? Sagt es nicht, eigen sein zu wollen, sich nicht kriegen lassen zu wollen von einer Umwelt, von der man glaubt, gecasht zu werden, so vielleicht wie als Kind oder so?)

Hoffentlich ist die Frage nicht zu schwer, aber du willst ja reden und nicht nur dran vorbeireden.

Gruß Sigi
 
Hallo Charlotta, du hast so viel gelernt, du schreibst obiges und trotzdem hast du das Leiden nicht überwunden.

Magst du schreiben, worauf du das zurückführst?

Welches Gefühl könnte man z. B. statt mit Abhungern besser ausdrücken? (Abhungern? Was sagt das eigentlich? Sagt es nicht, eigen sein zu wollen, sich nicht kriegen lassen zu wollen von einer Umwelt, von der man glaubt, gecasht zu werden, so vielleicht wie als Kind oder so?)

Hoffentlich ist die Frage nicht zu schwer, aber du willst ja reden und nicht nur dran vorbeireden.

Gruß Sigi

Guten morgen lieber Sigi,

herzlichen Dank für Deine Antwort. Ich bin für jede Anregung und Hilfe zum Nachdenken sehr dankbar, da es mich wie gesagt sehr beschäftigt. Ich bin sehr viel alleine (u.a. auch im Berufsalltag) und das hat leider bei mir die negative Eigenschaft, dass ich viel nachdenke, aber mich gedanklich auch sehr viel im Kreis drehe.
Du hast mich gefragt, was ich denke woran es liegen könnte, dass ich noch immer daran leide?
In Bezug auf das Hungern denke ich, ist es einfach Angst:
Angst vor: alleine zu sein, nicht geliebt zu werden, von niemanden geachtet zu werden, davor mich zu verlieren und Angst vor zu großen Veränderungen in meinem Leben.
Ich ertappe mich oft dabei, dass ich wenn ich etwas wichtiges zu tun habe, das mich sehr fordert und vor dem ich auch Angst habe, immer denke, wenn es schief geht, dann bin ich wenigstens noch dünn und habe hier die Macht. (Eigentlich versucht man ja auch mit dem Hungern Naturgesetze zu missachten: Energie kann sich nicht vermehren!!)Man kann mir alles wegnehmen, aber das gehört nur mir allein. Ich bin kein sonderlich selbstbewusster Mensch, lasse mich sehr schell verletzen, rechtfertige mich viel und bin auch sehr von der Meinung anderer abhängig. Und da nur ich beeinflussen kann, was ich esse fühle ich mich dort stark. Das mit der Kontrolle, ist ja immer das Thema bei der Magersucht und auch ich kann es nur so beschreiben. Ich merke es wenn ich meine zuviel oder vor allem das falsche gegessen habe und ich nicht schaffe es schnellstmöglischt wieder zu erbrechen, dass ist es wie wenn ich in einen Strudel gerate und davon gezogen werde. Dann fange ich an neue Diatpläne zu schmieden, alles um mich herum aufzuräumen...
Zusätzlich ist es auch das Gefühl, dass ich durch das dünn sein, weniger von anderen angeriffen und verletzt werde. Wer zart und zerbrechlich ist, dem kann man doch nicht weh tun, oder?
Wenn ich das selber so lese, denke ich, eigenltich müsste ich ja mit meinem Verhalten glücklich sein, ich bräuchte mich ja nicht zu Tode hungern, nur gerade so das alles was ich oben geschrieben habe eintritt. Und trotzdem spüre ich einen starken Leidensdruck, und wünsche mir das meine Gefühle und das Essen getrennt wären. Habe ich den Erfolg, den ich erreichen wollte bekommen? Kann ich nicht sagen, ich weiß ja in dem Moment nicht wie es wäre wenn ich dicker wäre. Auch wenn ich es zu verdrängen versuche, sehe ich trotzdem, wie es einen schwach macht und man ausgelaugt wird.

Ich hoffe ich habe Deine weitere Frage richtig verstanden??!Meintest Du: Welches Gefühl ware besser geeignet um das Gefühl auszudrücken, dass ich mit dem Hungern erreiche möchte?
Hmm, das ist wirklich schwer für mich, aber ich denke ich könnte dieses Gefühl der Kontroll und der Unverletzlichkeit erreichen, wenn mehr zu mir selber stehe, ich bin gewiss nicht perfekt, mache Dinge machen ich überlegter andere weniger und die gehen dann schief, aber wenn man vielleicht doch weiß, dass man auch durch sein bisheriges Leben eine gewisse Stärke erreicht hat.
Ich hoffe ich habe nicht allzu sehr an Deinen Fragen vorbeigeschrieben. Aber ich habe richtige Probleme damit die richtigen Worte zu finden. Auch mich in Bildern, Musik oder in selbst hergestellten Tonfiguren (in verschiedenen Therapien) habe ich das nie geschafft.

Liebe Grüße und einen hoffentlich schönen und erholsamen Samstg wünsche ich Dir!
 

Sigi

Sehr aktives Mitglied
Hallo Charlotta, du hast so viel gelernt, du schreibst obiges und trotzdem hast du das Leiden nicht überwunden.

Magst du schreiben, worauf du das zurückführst?

Welches Gefühl könnte man z. B. statt mit Abhungern besser ausdrücken? (Abhungern? Was sagt das eigentlich? Sagt es nicht, eigen sein zu wollen, sich nicht kriegen lassen zu wollen von einer Umwelt, von der man glaubt, gecasht zu werden, so vielleicht wie als Kind oder so?)

Hoffentlich ist die Frage nicht zu schwer, aber du willst ja reden und nicht nur dran vorbeireden.

Gruß Sigi

Guten morgen lieber Sigi,

herzlichen Dank für Deine Antwort. Ich bin für jede Anregung und Hilfe zum Nachdenken sehr dankbar, da es mich wie gesagt sehr beschäftigt. Ich bin sehr viel alleine (u.a. auch im Berufsalltag) und das hat leider bei mir die negative Eigenschaft, dass ich viel nachdenke, aber mich gedanklich auch sehr viel im Kreis drehe.
Du hast mich gefragt, was ich denke woran es liegen könnte, dass ich noch immer daran leide?
In Bezug auf das Hungern denke ich, ist es einfach Angst:
Angst vor: alleine zu sein, nicht geliebt zu werden, von niemanden geachtet zu werden, davor mich zu verlieren und Angst vor zu großen Veränderungen in meinem Leben.
Ich ertappe mich oft dabei, dass ich wenn ich etwas wichtiges zu tun habe, das mich sehr fordert und vor dem ich auch Angst habe, immer denke, wenn es schief geht, dann bin ich wenigstens noch dünn und habe hier die Macht. (Eigentlich versucht man ja auch mit dem Hungern Naturgesetze zu missachten: Energie kann sich nicht vermehren!!)Man kann mir alles wegnehmen, aber das gehört nur mir allein. Ich bin kein sonderlich selbstbewusster Mensch, lasse mich sehr schell verletzen, rechtfertige mich viel und bin auch sehr von der Meinung anderer abhängig. Und da nur ich beeinflussen kann, was ich esse fühle ich mich dort stark. Das mit der Kontrolle, ist ja immer das Thema bei der Magersucht und auch ich kann es nur so beschreiben. Ich merke es wenn ich meine zuviel oder vor allem das falsche gegessen habe und ich nicht schaffe es schnellstmöglischt wieder zu erbrechen, dass ist es wie wenn ich in einen Strudel gerate und davon gezogen werde. Dann fange ich an neue Diatpläne zu schmieden, alles um mich herum aufzuräumen...
Zusätzlich ist es auch das Gefühl, dass ich durch das dünn sein, weniger von anderen angeriffen und verletzt werde. Wer zart und zerbrechlich ist, dem kann man doch nicht weh tun, oder?
Wenn ich das selber so lese, denke ich, eigenltich müsste ich ja mit meinem Verhalten glücklich sein, ich bräuchte mich ja nicht zu Tode hungern, nur gerade so das alles was ich oben geschrieben habe eintritt. Und trotzdem spüre ich einen starken Leidensdruck, und wünsche mir das meine Gefühle und das Essen getrennt wären. Habe ich den Erfolg, den ich erreichen wollte bekommen? Kann ich nicht sagen, ich weiß ja in dem Moment nicht wie es wäre wenn ich dicker wäre. Auch wenn ich es zu verdrängen versuche, sehe ich trotzdem, wie es einen schwach macht und man ausgelaugt wird.

Ich hoffe ich habe Deine weitere Frage richtig verstanden??!Meintest Du: Welches Gefühl ware besser geeignet um das Gefühl auszudrücken, dass ich mit dem Hungern erreiche möchte?
Hmm, das ist wirklich schwer für mich, aber ich denke ich könnte dieses Gefühl der Kontroll und der Unverletzlichkeit erreichen, wenn mehr zu mir selber stehe, ich bin gewiss nicht perfekt, mache Dinge machen ich überlegter andere weniger und die gehen dann schief, aber wenn man vielleicht doch weiß, dass man auch durch sein bisheriges Leben eine gewisse Stärke erreicht hat.
Ich hoffe ich habe nicht allzu sehr an Deinen Fragen vorbeigeschrieben. Aber ich habe richtige Probleme damit die richtigen Worte zu finden. Auch mich in Bildern, Musik oder in selbst hergestellten Tonfiguren (in verschiedenen Therapien) habe ich das nie geschafft.

Liebe Grüße und einen hoffentlich schönen und erholsamen Samstg wünsche ich Dir!


Da bin ich nochmal Charlotta, es kann ja auch sein, dass ich an deinen Antworten vorbeigeschrieben habe :eek:. Meine zweite Frage klang schon sehr kompliziert, tut mir leid.

Von dir habe ich nicht den Eindruck, dass du dich nicht ausdrücken könntest, du hast doch anschaulich geschrieben. Und du schreibst auch, was du alles nicht bist, aber eins bist du auch, ein lieber Mensch, so habe ich empfunden, wie du mir das alles berichtet hast :)

Es scheint, dass deine Störung die Folge von Persönlichkeitsstörungen ist, die sich evtl. auch schon in früher Kindheit bildeten (aber dazu müsstest du dich äußern können).

Was hältst du davon, dass ein Mensch sehr früh nicht das bekommt, was er zur gesunden Entwicklung nötig hätte, daran kaputt gehen würde (z. B. weiß man ja, dass Säuglinge ohne Liebe eingehen könne) und sich deshalb zum Überleben Bilder von sich baut, Größenbilder, die ihn halten, auffangen. Das könnten verschiedenste Sachen sein, die in der Gesellschaft nicht mal negativ auffallen, es können aber auch auffallende Sachen sein und zerbrechliche Sachen, die dann durch verschiedene Rituale instand gehalten werden, weil man sonst nicht überleben könnte. Und dann fällt man auf.

Das dünn sein wollen (falls es zu so einer Krankheit gehört, wie in deinem Fall) heißt tatsächlich "ihr kriegt mich nicht" und das hast du mir ja auch bestätigt, dass du so empfindest. Damit bin ich weg, damit kriegt ihr mich nicht, dass bleibt mir usw. Habe mal ein tief beeindruckendes Büchlein dazu gelesen, was es allerdings nur noch über Antiquariate (oder wie das heißt :eek:) gibt. Wenn du willst, sende mir eine Mail (notfalls auch PN), dann können wir uns darüber weiter unterhalten, ich sag dir dann auch das Buch, falls es dich interessiert.

Ich wünsch dir alles liebe

Sigi
 
Hallo lieber Sigi,

Erst mal herzlichen Dank für Deine Antwort und vor allem für die Zeit, die Du zum Lesen und zum Schreiben dafür aufgebracht hast!!
Fühle Dich bitte nicht verpflichtet das weitere hier zu lesen, oder mir zurückzuschreiben, das erwarte ich nicht, ich fand es schon sehr schön wie Du bisher darauf eingegangen bist.
Ich schreibe Dir noch mal hier im „Forum“, vielleicht liest es ja mal irgendjemand, der vielleicht was für sich daraus nehmen kann.

Ich glaube mit Deiner Vermutung liegst Du ziemlich richtig. Ich kann jetzt gewiss nicht sagen, dass meine Kindheit besonders schrecklich war. Es gab keine körperliche Gewalt, Übergriffe, Tod oder sonst etwas. Aber Du hast ja auch eher die Liebe und Zuneigung gemeint, die ich damals nicht bekommen habe. Und das stimmt. Meine Eltern sind emotional sehr kalt, sie waren schon für mich da, aber ich hatte nie das Gefühl, dass ich Ihnen besonders wichtig bin. Umarmungen gab es nicht. Und meine Eltern haben mich glaub ich auch eher als kleine Erwachsenen gesehen, die mit bei Ihnen lebt. Ich bin auch sehr ängstlich erzogen worden: es lauern überall Gefahr und man muss deshalb immer vorsichtig sein. Ich will meinen Eltern aber keine Schuld geben, sie haben das sicher nicht mit Absicht gemacht, sondern weil sie vielleicht ähnliches erlebt haben und es einfach nicht besser wussten oder einfach nicht konnten..
Zu meinem Vater hab ich keinen Kontakt mehr (das geht aber in erster Linie von mir aus, ich fühle mich auch nicht gut dabei, aber sobald ich mit ihm rede, fühle ich mich total vereinnahmt und lebensunfähig). Zu meiner Mutter habe ich mittlerweile ein sehr enges Verhältnis. Wir streiten uns auch öfters, dabei geht es meistens darum, dass ich mir zu bevormundet vorkomme, oder wenn sie überall nur Bösen und Gefahren sieht und mir das Gefühl gibt, dass ich keine Entscheidungen treffen könnte.
Was mich jedoch immer beschäftigt: Wenn ich mir dessen bewusst bin, müsste ich doch eigentlich es überwinden können. Ich bin eine erwachsene Frau, und hungere mich durch mich Leben, weil dich als Kind nicht genügen Streicheinheiten bekommen habe. Jetzt hätte ich doch alle Möglichkeiten: Ich stehe komplett auf eigenen Beinen und es hindert mich niemand mehr an meine Entscheidungen: Warum kann ich das dann nicht überwinden? Ich hab nicht viele Freude, aber darunter sind schon viele, die mich spüren lassen, dass ich ihnen wichtig bin. Und wenn ich jetzt die Streicheleinheiten bekomme, dann wäre doch alles in Ordnung. Ich hab auch keinen Grund unzufrieden zu sein. Es läuft nicht immer alles rund, aber bei wem tut es das schon. Mir war es auch sehr wichtig beruflich mich von meinen Eltern komplett zu unterscheiden, und hab das auch geschafft. Das sollte mir doch eigentlich die Stäke und das Selbstbewusstsein geben.
Ich hatte auch während meiner Schulzeit immer die Hoffnung, dass wenn ich erst selbständig bin, dann ergibt sich alles. Aber was mir deutlich auffällt, dass ich richtig süchtig nach Anerkennung bin, ein Ex-Freund hat mir mal vorgeworfen, dass ich mich als Nabel der Welt fühlen würde. Aber ich bin zu allen eher freundlich und höflich und dränge mich nie jemandem auf!

Darf ich Dich fragen, ob Du in Deiner Familie oder im Bekanntenkreis derartige Fälle hast, da Du Dich so auf das Thema einlassen kannst?

Ich wünsche Dir einen erholsamen Sonntag!!

Ach ja gerne ich hätte sehr gerne den Titel (Auto)r von dem Buch, das Du erwähnt hast, dann könnte ich mich mal auf die Suche machen.
 

Dame

Aktives Mitglied
Hallo Charlotta,

meine Mutter nahm mir als Kind auch alles mögliche ab. Sie traute mir nichts zu, außer das Lernen. Bis es dann auf das Schulende zuging. Und ich einen Berufswunsch hatte, der ein Studium erforderte. Anstatt mir zu sagen, dass sie dafür kein Geld hätten, haben sie mir diesen Berufswunsch versagt und stattdessen einen nahegelegt, der mich überhaupt nicht interessierte. Letztendlich bin ich doch dort gelandet.

Ich hatte zwei jüngere Brüder und hatte immer den Eindruck, dass diese mir bevorzugt wurden. Einfach weil sie männlich waren und nicht wie ich weiblich.

Was mich jedoch immer beschäftigt: Wenn ich mir dessen bewusst bin, müsste ich doch eigentlich es überwinden können.
Das ist ein Irrtum. Gefühlsmäßig bist du in den beschriebenen Situationen hängengeblieben und noch ein Kind. Solange wir uns im Gefühlshirn im Kreis drehen, gibt es eine Kluft zwischen Gefühl und Verstand. Anders ausgedrückt: wir fühlen nicht, was wir denken.

Hierzu bedarf es spezieller Methoden und natürlich Therapeuten, die von diesen Vorgängen im Gehirn wissen. Es heißt immer wieder, dass Verhaltenstherapie bei Essucht gute Erfolge hätte. Das kann ich nicht so bestätigen. Ist ja auch klar, denn diese Methode interessiert sich nicht für die Vergangenheit, sie interessiert sich nur für zukünftiges.

Liebe Grüße Dame
 

Sigi

Sehr aktives Mitglied
neuer Besucher Charlotta, hallo, habe dir eine PN (private Nachricht) geschrieben, den Hinweis darauf findest du oben rechts beim Willkommensgruß des Forums.

Sigi
 

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