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Lebenskrise: Job, Freunde, Beziehung ... wie geht es weiter?

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Gast

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Hallo allerseits,

ich hätte nicht gedacht, dass ich mal in einem Forum über meine Probleme schreibe. Aber letztlich kennt jeder meiner Freunde nur einen Teilbereich meines Lebens und kann die Gesamtheit der anstehenden Entscheidungen nicht vollends bewerten. Gesprochen habe ich bereits mit vielen, einen wirklich brauchbaren Ratschlag, wie ich mein Leben in die für mich richtige Bahn lenken kann, habe ich jedoch nicht erhalten.

Also fangen wir mal an:

Ich bin 27, habe was Technisches studiert und bin mangels Jobaussicht nach dem Studium vor knapp 2 Jahren in eine 280 km entfernt liegende Stadt gezogen. In meiner Heimat gibt es zwar ein paar Jobs in der Branche, aber als Absolvent gab es damals keine Möglichkeit irgendwo rein zu kommen.

Damals, am Ende meines Studiums, wollte ich unbedingt in die Nachbarstadt ziehen, da ich dort viele Freunde und Bekannte hatte und es einfach eine sehr lebenswerte, aufregende Stadt ist. Leider hatte es nicht geklappt und ich stand vor der Wahl: dauerhafte Arbeitslosigkeit (die Lücke im Lebenslauf betrug schon fast 6 Monate) in der Heimat oder Einstieg ins Berufsleben knapp 300 km entfernt. Die Entscheidung, die ich traf, hätte wohl fast jeder so getroffen. Viele meiner Freunde sagten, zieh es durch, in 1 bis 2 Jahren (aus gesicherter Festanstellung) kannst du dich immer noch in der Heimat bewerben ohne Torschlusspanik.

Nach nun fast 2 Jahren im Job, wurde ich kürzlich zum Teamleiter befördert, was in einer kleinen Firma wie dieser, nach nur 1,5 Jahren ein großer Erfolg ist. Doch das Mehr an Geld und etwas mehr Freiheit wird durch extreme Unorganisiert der Firma sowie einer cholerisch, senilen Geschäftsführung mehr als relativiert. Jeder Versuch, die verkalkte Struktur zu verbessern wird vom Chef abgeschmettert, benötigte Software als nicht relevant abgetan. Ständig werden Mitarbeiter über 2 Führungsebenen hinweg zu anderen Projekten beordert, vollkommen unabhängig von deren Qualifikation bzw. der Situation im aktuellen Projekt.

Das Einzige, dass mich momentan hier hält ist meine Freundin, mit der ich jetzt seit Jahresbeginn zusammen bin. Mittlerweile wohnen wir zusammen in einer echt schönen Wohnung. Bei ihr habe ich das Gefühl, so sein zu können, wie ich wirklich bin. Wir haben viele gemeinsame Interessen, treiben viel Sport zusammen, und können auch viele Tage hintereinander miteinander verbringen, ohne uns auf die Nerven zu gehen. So eine harmonische Beziehung hatte ich bisher noch nicht. Eigentlich alles perfekt, leider musste ich vor einigen Wochen entdecken, dass sie fremdgechattet hat mit früheren Dates und dabei schon recht konkret wurde. Darauf angesprochen, meinte Sie, dass sie unser Glück niemals wirklich gefährdet hätte und nur zur Selbstbestätigung gechattet hat. Da ich nichts Gegenteiliges beweisen konnte, und es irgendwie auch zu ihrem Charakter passt, habe ich das erstmal akzeptiert. Aber ein mulmiges Gefühl bleibt ... man ertappt sich oft, zu hinterfragen, ob mehr dahinter steckt, wenn die Frage kommt: "Wann kommst du von Arbeit heim?" ...

Hinzu kommt, dass ich bisher keinen beständigen Freundeskreis in der neuen Stadt aufgebaut habe bzw. es sich nicht ergeben hatte. Bevor ich meine Freundin hatte, ergaben sich nur oberflächliche Bekanntschaften beim Sport oder der Arbeit, aber nie etwas wirklich Richtiges. Seitdem ich meine Freundin habe, bleibt fast gar keine Zeit für eigene Kontakte. Nach der Arbeit sind wir oft beim Sport oder mit ihren Freunden zusammen unterwegs. Das ist auch alles schön. Aber wirklich gute Freunde, mit denen man über alles reden kann, sind das nicht. Das ist ja auch verständlich, da es ja ihre Leute/Kommilitonen sind. Auf Arbeit (kleine Firma) oder beim Training sind einfach nicht die richtigen Leute dabei, die so ticken wie ich. Die Mentalität in der Region ist sowieso merkwürdig. Die einheimischen Leute bleiben abseits vom Small Talk lieber unter sich, haben ihre Freunde teilweise seit der Kindheit.
Letztlich bleiben mir nur 1 Wochenende im Monat, in denen ich Heim fahren kann zu meiner Familie und meinen eigenen Freunden. Für das Pflegen der Kontakte in meiner Traumstadt (Nachbarstadt meiner Heimatstadt) bleibt leider gar keine Zeit mehr (außer um vielleicht Weihnachten mal). Dieses monatsweise Kontakthalten ist leider auch nicht das Wahre, besser als nix - aber nichts Befriedigendes.
Auf lange Sicht fehlt es mir einfach, spontan nach der Arbeit mit meinem besten Freund Billiard zu spielen, mit anderen Freunden mal Café zu trinken und dabei tiefsinnige Unterhaltungen zu führen.

Nun habe ich im Zuge meiner Beförderung ein sehr gutes Zwischenzeugnis erhalten. Auch habe ich 2 bis 3 gute und passende Stellen im Umkreis meiner Heimatregion gefunden. Die Versuchung, jetzt einfach ein paar Bewerbungen in die Heimat zu schicken, ist sehr groß.

Letztlich hält mich in der aktuellen Stadt nur meine Beziehung, die mich glücklich macht. Wobei auch hier Zweifel berechtigt sind, ob meine Freundin wirklich bei der Sache ist oder nur das Leben, was ich ihr ermögliche, so gut es geht ausnutzt und mich im Zweifelsfall hintergehen würde. Ich weis es ehrlich gesagt einfach nicht.
Auch sehe ich beruflich keine langfristige Zukunft in der Firma oder der aktuellen Stadt (wenig Industrie), so dass sowieso in den nächsten 1 bis 3 Jahren ein Job- und Ortswechsel anstünde.

Ich bin mir aber auch bewusst, dass ich ich nach 2 Jahren, die ich von Zuhause weg war, auch im Freundeskreis eine geänderte Situation vorfinden werde, und nicht jeder wieder soviel zeit haben wird, wie im Studium. Dennoch hätte ich meine Familie, die immer für mich da ist, direkt um die Ecke. Und letztlich würden mir 1 bis 2 Treffen mit Freunden und Bekannten die Woche schon wesentlich mehr geben als die jetzige Situation.

Am liebsten würde ich jetzt jeden Tag eine Bewerbung schreiben und mich damit Anfang des Jahres in meiner Wunschregion beruflich neu orientieren, die Nähe zur Familie genießen und meine Freunde treffen und neue Kontakte schließen. Letztlich müsste ich dies über die Bedürfnisse meiner Freundin stellen, und im Notfall alleine weggehen (Fernbeziehung kommt für mich aber nicht in Frage). Meine Freundin könnte eventuell (ist nicht sicher) am Ende jeden Semesters wechseln, müsste aber sicher ein halbes Jahr mehr fürs Studium einplanen wegen verschiedener Module.
Sie weiß von meinen Problemen im Job und dem Mangel an eigenen Freunden in der aktuellen Stadt. Aber explizit durchgespielt haben wir das Szenario nicht. Zumal ich wegen der besagten "Vorfälle", auch nicht weis ob ich ihr überhaupt von meinen möglichen Plänen erzählen soll, oder sie dann einfach vor vollendete Tatsachen stelle (wäre nicht die feine Art, aber ich weis wie gesagt nicht, woran ich bei ihr bin).

Jetzt stellt sich mir die Frage, soll/kann ich jetzt so egoistisch denken? Alle Sinne streben nach Veränderung und Umsetzung meiner Lebensträume, wenn die Beziehung nicht wäre ...
Freue mich auf eure Ratschläge!
 

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