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Kann mir jemand die Angst vor beruflicher Veränderung nehmen? Traue mich nichts mehr

W

Wandelnder15

Gast
Ich versuche es so kurz wie möglich zu machen:

mein Werdegang: Wirtschaftsgymnasium, kaufmännische Ausbildung, Betriebswirt (nicht akademisch).
Seit einigen Jahren arbeite ich in einem kleinen Unternehmen als - Mädchen für alles - trifft es wahrscheinich ganz gut.

Das heißt ich mache die Buchhaltung, Bestellungen, Einkauf, Organisation, Logistik, Wareingang, Lieferantenpflege, Angebote, Kundenbetreuung ..... sprich alles was das Kaufmännische angeht und eben gerade von Nöten ist. Das ist aber alles nur im kleinen Rahmen, also Dr. muss man dafür nicht sein.

Leider geht es meiner Firma sehr schlecht, so dass ich mich gezwungen sehe mich zu verändern. Das will ich eigentlich sowieso.

Und wie soll ich sagen: ich habe panische Angst davor, weil ich das was ich tue als recht primitiv und unspektalulär betrachte. Da ich viele verschiedene Dinge auf einmal mache bin ich auch nicht spezialisiert auf ein bestimmtes Gebiet. Ich habe mir jetzt ein paar Stellenanzeigen durchgelesen und mich hat bereits der Mut verlassen die Bewerbungsunterlagen zusammen zu stellen. Was da alles verlangt wird. Ohne Studium scheint man ja heute gar keine Möglichkeit mehr zu haben.

Von anderen werde ich als eloquent, empathisch, selbstbewusst, zuvorkommend und korrekt beschrieben. Im Inneren bin ich aber mittlerweile alles andere als selbstbewusst. Was wird mich an einer potentiellen neuen Arbeitsstelle erwarten? Erfülle ich das was verlangt wird? Ich bringe doch viel zu wenig mit... Angst zu versagen, Vorgaben nicht zu erfüllen, sowieso keine Chance zu haben. Und wenn ich dann so sehe was man da alles können muss, ist meine jetzige Tätigkeit ja gradezu ein Witz.

Trifft das in der heutigen Berufswelt wirklich zu? Ich will und kann etwas leisten, dafür arbeite ich mich auch gern in neue Materien ein, aber mich beschleicht das Gefühl als wären alle Züge irgendwie schon abgefahren. Ich müsste ja in einer neuen Firma quasi bei Null anfangen und stelle somit ja auch keinen Wert für die Firma dar. Zudem weiß ich gar nicht als was und wo ich mich bewerben könnte - als Mädchen für alles...
 

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ResistanceD

Mitglied
Aus meiner Sicht hast Du aber durchaus gute Chancen, weil Du ja eben ein Allrounder im kaufmännischen Bereich bist. Das macht Dich doch aus der Sicht zukünftiger Arbeitgeber flexibel einsetzbar. So hast Du zumindest schon eine gute Basis, um Dich in einem engeren Bereich zu spezialisieren. Auch die persönlichen Eigenschaften, die Dir andere bescheinigen, sind doch eine gute Basis. Oder?

Wen Du im Moment das Mädchen für alles bist und Deine Arbeit gut machst,hast Du schon einiges geleistet. Vergiss das nicht.
 
D

dirk k

Gast
hi,

da wird viel heißes wasser gekocht. ich werkele als externer beim öffentlichen dienst. anforderungen u. a.:
englisch, cisco produkte. ich habe seit einem jahrt dort kein wort englisch gesprochen und cisco produkte sind nicht im einsatz.
mit der ersten bewerbung wird keine neuer arbeitsvertrag im briefkasten landen. zuerst die bewerbung muss sachlich gut sein. hier gibt es genügend ratgeber. hier gibt es für ca. 150 - 300 euro menschen, die bewerbungstrainungs durchführen.

mein dienstleister rät mir immer wieder zum: bleibe authentisch. du bist wie du bist.

stell dir vor du möchtest deine wohnung neu tapezieren lassen. wonach wählst du die firma aus, die das machen soll: die billigste, die die (angeblich) alles kann? oder ...

was möchtest du machen? in welchem umkreis?

man ist heute micht mehr von der lehre bis zur rente in einem unternehmen. klar hat so jedes unternehmen seine macken. mal mehr mal weniger. aber besser du bewirbst dich aus einer festanstellung heraus als mit alg 1 oder 2.
und wenn deine firma keien gehälter mehr zahlen kann - dann ist plötzlich der doppelte druck da.

und wenn es beim ersten gespräch nicht klappt - du hast etwas gelernt. und nach einigen gesprächen erkennst du dann ein muster. und wenn dir eine firma nicht gefällt, dann sag nein.

viel glück
 

stella nigra

Mitglied
"Mädchen für alles" klingt in meinen Ohren irgendwie abwertend. Du stehst doch mit beiden Beinen fest im Berufsleben. Momentan scheint es, als müsstest Du erst einmal Dein Selbstwertgefühl auf Vordermann bringen, bevor Du eine Bewerbung schreibst. Ich finde nämlich, ResistanceD hat recht: Sieh Deinen breiten Erfahrungsschatz als Stärke, denn das ist er. Du fängst nicht "bei Null an".

Zum einen bist Du wie schon angemerkt flexibel einzusetzen. Das will vielleicht nicht jeder Arbeitgeber und Du vielleicht auch selbst nicht. Aber dann kannst Du schauen, was gefragt ist bzw. welche der vielen Bereiche Du selbst gern vertiefen möchtest. Die Bewerbung legst Du dann so an, dass diese Fähigkeiten im Fokus stehen. Sicher ist es dann hilfreich, wenn jemand von außen dann einen Blick auf die Bewerbung wirft und Dir reflektieren kann, ob das so geklappt hat.

Du hast da wirklich ein Pfund, mit dem Du wuchern kannst. Keine falsche Bescheidenheit! Sei stolz auf das, was Du kannst! Du hast jede Menge Berufserfahrung. Das hast Du einem Uniabsolventen voraus.

Und noch ein kleiner Tipp zu den Stellenanzeigen: Du musst nicht alle Kriterien erfüllen, die da aufgeführt sind. Wichtig ist, dass Du rüberkommst als jemand, der den Job vernünftig und zuverlässig machen wird.
 
W

Wandelnder15

Gast
Danke für die Aufmunterung.

Es ist so: klar mache ich vieles und wahrscheinlich auch gut, nur in einem 4-Mann Betrieb sehe ich das nicht als Kunst an, es ist überschaubar und ich muss dazu keine geistigen Höhenflüge vollbringen. Eine Handelsfirma eben. Einkauf und Verkauf. Nicht mehr und nicht weniger.

Jetzt habe ich über eine Freundin erfahren dass ich mich doch mal in der Firma einer Bekannten bewerben könnte. Das ist wohl eine Tochterfirma von Porsche. Angeblich wird ein Studium für die Position nicht benötigt, aber wenn ich folgendes lese:

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Management Consulting
System Integration
Managed Services
Business Solutions

Somit bieten wir Ihnen als Prozesslieferant die Symbiose aus Prozess- und IT-Beratung, eine klare Branchenfokussierung, eine exzellente SAP- und Integrations-Expertise, einen zukunftsorientierten Technologieansatz sowie etabliertes Application Management Know-how. Langjährige, internationale Projekterfahrung runden unser Know-How ab und ermöglicht Ihnen die notwendige Sicherheit für ihr Kerngeschäft.

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Ich dachte ich versteh nur Bahnhof. Und dort soll ich mich bewerben. Wahrscheinlich würde ich mir beim Bewerbungsgespräch wie im falschen Film vorkommen. Gleichzeitig komme ich mir wieder total einfach vor, als hätte der Rest der Welt ganz komplizierte Dinge studiert. Wenn ich das Firmenprofil lese von zweier Dr. Ing. die die Firma gegründet haben und später 80 Millionen Umsatz im Jahr machen.

Ich weiß einfach nicht richtig wo ich hingehöre, jahrelang habe ich eben täglich dieselben Vorgänge gemacht, die mir irgendwann in Fleisch und Blut übergingen. Ich konstruiere aber nichts, entwickle oder erfinde auch nichts, ich bin im Prinzip simpler Sachbearbeiter. Ich weiß auch nicht ob ich das Zeug zu "mehr" gehabt hätte, oder was "mehr" überhaupt sein soll. Überall höre ich immer Karriere hier, Karriere da, du bist nur was wenn du etwas Solides aufgebaut hast. Mein Auto, Mein haus, meine Karriere... Andere argumentieren dann wieder dass alles seinen Preis hätte und sie lieber einen normalen Job mit genügend Freizeit haben.

Und jetzt soll ich mich also in obigem Unternehmen bewerben. Ich habe eher das Gefühl die würden mich auslachen.
 
G

Gast

Gast
Ich verstehe Dich sehr gut. Mir geht es genauso und ich habe ein abgeschlossenes Studium. Bringt mich auch nicht wirklich weiter. Diese Formulierungen in Stellenanzeigen machen mich fix und fertig. Die sagen auch irgendwie gar nichts aus. Was macht den neuen Job wirklich aus? Ich könnte auch meinen aktuellen Job kaum vernünftig beschreiben. Ich mach halt Sachen ... in der IT ... mit Webapplikationen ... wenn die nicht laufen, dann finde ich raus wieso bzw. finde jemanden, der es rausfinden kann. Klingt nur mäßig spektakulär und irgendwie kann das ja jeder 16jährige, der in seinem Kinderzimmer nen Computer hat besser als ich.

Es ist ein Teufelskreis. Je größer die Angst wird umso schlechter fühlt man sich umso größer wird wieder die Angst ...

Bin gespannt wie es hier weiter geht, ob jemand einen richtig hilfreichen Tipp hat. Vielleicht sollte man sich wirklich einen professionellen Coach suchen ...
 

stella nigra

Mitglied
Management Consulting
System Integration
Managed Services
Business Solutions

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Das ist das Portfolio der Firma, nicht die Stellenbeschreibung. Was sagt denn der Ausschreibungstext, bzw. was für eine Stelle ist da zu besetzen? Oder sollst Du Dich als "Consultant" bewerben? Ist das wirklich der Job, den Du machen möchtest? Die Firma, um die es geht, hat einiges mehr zu bieten. Im Finanzbereich haben sie so etwas:

Stellenbeschreibung


  • Operative Verantwortung und Bearbeitung eines Kunden-Clusters
  • Projekt- und Auftragsanlage mit SAP CRM und SD
  • Überwachung der fristgerechten Zeiterfassung auf den Projekten sowie aller abrechnungsrelevanten Informationen
  • Monatliche vertrags- und leistungsbezogene Fakturierung der Projekte
  • Ansprechpartner für Vertrieb und Projektleiter zur Projektabbildung und -abrechnung
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Bereichen Finance und Controlling zur Optimierung des Cash In
  • Erstellung von Sonderauswertungen und des Berichtswesens
  • Durchführung von Monats- und Jahresabschlussarbeiten
  • Umsetzung interner Projekte
  • Koordination von Shared Service Mitarbeitern und Studenten



Qualifikation:


  • Erfolgreich abgeschlossenes Studium der Wirtschaftswissenschaften, eines vergleichbaren Studiengangs oder eine erfolgreich abgeschlossene kaufmännische Berufsausbildung
  • Mehrere Jahre Berufserfahrung in einem Vertriebsbackoffice, in der Debitorenbuchhaltung oder dem Projektaccounting
  • Gute SAP Anwenderkenntnisse
  • Sicherer Umgang mit MS Office
  • Gute Englischkenntnisse
  • Ausgeprägte Team- und Kommunikationsfähigkeit
  • Professionelles Auftreten und Durchsetzungsvermögen

Ich bin nicht vom Fach, aber für mich klingt das, als könnte das ein Job für Dich sein. Was genau verunsichert Dich dabei? Welche Qualifikationen meinst Du fehlen Dir?

Vielleicht passt aber dieser Arbeitgeber tatsächlich nicht zu Dir. Trotzdem lohnt es sich, sich zu bewerben, quasi als Übung. Wenn man lernt, was einem nicht gefällt, kann man gezielter suchen. So man zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wird, kann man ganz befreit auftreten, gewinnt aber Sicherheit durch die Übung. Man bekommt eine Vorstellung von den Fragen, die gestellt werden und kann sich für die nächsten Gespräche besser auf die Antworten vorbereiten.

"Karriere" meint häufig das eingedeutschte "career" in Buisnesssprech. "Career" bedeutet eher "Berufslaufbahn" und die ist nicht zwingend mit ständigem Aufstieg verbunden. Das wird aber auch häufig von denen, die es benutzen, falsch verstanden ;) Als Consultant bei McKinsey gilt allerdings tatsächlich "up or out", aber längst nicht alle Beraterfirmen funktionieren so.
 
Zuletzt bearbeitet:

ResistanceD

Mitglied
"Karriere" meint häufig das eingedeutschte "career" in Buisnesssprech. "Career" bedeutet eher "Berufslaufbahn" und die ist nicht zwingend mit ständigem Aufstieg verbunden. Das wird aber auch häufig von denen, die es benutzen, falsch verstanden ;) Als Consultant bei McKinsey gilt allerdings tatsächlich "up or out", aber längst nicht alle Beraterfirmen funktionieren so.
Interessant, so hab ich das noch gar nicht betrachtet. So macht also eigentlich jeder Karriere...
 

Guppy

Aktives Mitglied
Trotzdem lohnt es sich, sich zu bewerben, quasi als Übung. Wenn man lernt, was einem nicht gefällt, kann man gezielter suchen.
Dieser Punkt ist ganz wichtig. Diesen verstehen leider nur die wenigen
und versinken in ihrem Mitleid, da sie sich ausgeliefert fühlen. Jedes
Unternehmen, das einem nicht gefällt verhilft einem ein besseres zu
finden.

Ich sehe es immer als Erfahrung an. Guter Hinweis!

L.G.uppy
 

ResistanceD

Mitglied
Dieser Punkt ist ganz wichtig. Diesen verstehen leider nur die wenigen
und versinken in ihrem Mitleid, da sie sich ausgeliefert fühlen. Jedes
Unternehmen, das einem nicht gefällt verhilft einem ein besseres zu
finden.

Ich sehe es immer als Erfahrung an. Guter Hinweis!

L.G.uppy
Heute, so scheint mir, ist ein guter Tag im Forum! Auch dieser Beitrag ist sehr gut!
 

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