Lukram
Mitglied
Was erwartest du denn im Verein? Natürlich sind da Leute, die den Sport mit Leidenschaft machen. Deshalb sind sie ja in einem Verein.
Neben neuen Menschen erwarte ich von einem Verein erstmal etwas Neues kennenzulernen. Eine Sportart ausprobieren und sehen wie sie mir gefällt. Wie erwähnt war da bisher nichts dabei, was mich gehooked hat.
Mir scheint eher, das Problem liegt woanders als der nicht so großen Begeisterung für die Sportarten.
Wenn du die immer ähnliche Erfahrung machst, macht es vielleicht Sinn, dein Kommunikationsverhalten anzusehen?
Kannst du auf Leute zugehen?
Wirst du in Kreisen, die du ein Weilchen kennst, nie angesprochen, eingeladen, mitgenommen?
Wegen Wettkampf kam man ja auf dich zu. Du konntest das leider nicht nutzen, die Chance, darüber mehr in Kontakt zu kommen, zog vorbei.
Zumindest in den Sportvereinen kam niemand direkt auf mich zu. Viele dort waren dort anscheinend seit Jahrzehnten miteinander befreundet oder redeten nur über den Sport und nichts anderem.
Zu Wettkämpfen musste man sich ja anmelden und da kamen auch die Trainer nie auf mich zu. Auch waren die Zeiten häufig sehr komisch und ich konnte sie nicht wahrnehmen.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass ich eine gewisse Distanziertheit an mir habe. Ich mag es anderen zuzuhören, sie sprechen zu lassen und Nachfragen von meiner Seite kommen meist überhaupt nicht auf. Es braucht wohl eine Weile bevor ich mit jemanden warm werde.
Künstlerkreise hieß für mich früher Szenekneipe. Da kam ich ohne Schwierigkeiten in Kontakt. Bin da raus, zu jetzt kann ich nichts sagen, wird aber nicht so völlig anders sein.
Häufiger Zusammenarbeit mit anderen Künstlern - es ergeben sich Kontakte. Gibt es da keine Projekte, organisierte Gruppen in deiner Ecke, an die du dich anschließen und mitwirken könntest?
Findet man doch fast überall?
Selbst etwas zu gründen, Leute zu begeistern, damit sie dabeibleiben, bist du wirklich der Typ dafür? Da steckt viel Einsatzbereitschaft dahinter und du bist nicht der Mensch, der andere mitreißt.
Es wirklich etwas verhext hier.
Es gibt die Kindergruppen des Kulturhauses, wo ich ja offensichtlich nicht mitmachen kann.
Es gibt ein Künsterkollektiv, was nie auf meine Mails geantwortet hat, dessen Clubhaus immer zu ist ohne Öffnungszeiten und die mir allgemein zu sehr aktivistisch unterwegs sind.
Es gibt eine geschlossene Gruppe, die keinerlei Onlinepräsenz hat und deren Kontakt ich auch nur über ein Mitgleid im Kulturverein bekam. Da bekam ich als Antwort, dass sie eine sehr fest zusammengewachsene Gruppe sind, die über ihre Kunst ihr Innersten ausdrücken und momentan keine Fremden suchen, die die Dynamik stören könnten.
Ich habe dann ja mit dem einen Studenten versucht einen Club zu gründen, der offen für alle ist, aber entweder gibt es hier kein Publikum dafür oder wir schafften es nicht die Leute vor die Tür zu locken.
Eine wirkliche Szenenkneipe, wo ich mich wohlfühle, konnte ich bisher nicht finden. Dafür muss ich schon ins ferne Berlin, wo Hin- und Rückweg wirklich ätzend sind.
Die Szenekneipe suchte ich auf, weil ich mich dort wohlfühlte, die Atmosphäre mochte; nicht zuletzt dem Publikum geschuldet. Nicht, weil ich Kontakte suchte. Noch nicht mal, weil ich mit Künstlern zu tun hatte. Es ging mir nur um den Ort, an dem ich mich wohlfühlte.
Absichtslosigkeit.
Ich war da, zufrieden, entspannt, schon auch offen, aber nicht suchend. Und strahlte das sicher aus.
Möglicherweise wäre das ein Ansatz?
Dass du den ganzen Käse mal vergisst und herausfindest, was du gerne tust, wo du dich wohlfühlst, unter welchen Leuten.
Und mal einfach machst.
Mit offenem, flüchtigen Blickkontakt, wenn er sich gibt. Unterstützend, wenn Hilfe angesagt ist, dich dabei aber nicht zum Fußabtreter machend.
Und ansonsten genießt, was du tust. Wo du bist. Wie es sich anfühlt.
Ich habe zwei Orte, wo ich immer sehr gerne bin. Mein Lieblingscafe wo ich lese und die Bibliothek wo ich an privaten Projekten arbeite.
Ich gehe seit Jahren zu beiden Orten regelmäßig und sie sind der Highlight der Woche. Aber ich kann nicht nachvollziehen wie man dort mit jemanden in Kontakt treten soll. Flüchtiger Augenkontakt kam nur mit der Bedienung im Cafe zustande, wenn ich bezahlen wollte. Ansonsten sind ja alle mit ihren Gesprächen, Dates etc. beschäftigt. Und in der Bibliothek arbeiten alle an ihren Laptops, machen Hausaufgaben oder kommen und gehen schnell.
Über die Bibliothek wollte ich auch mal einen Lesekreis aufbauen. Die Mitarbeiter waren begeistert, ich habe ein Plaket aufgehangen, wieder im Internet Gruppen dafür gegründet, aber wie immer keine Reaktion von niemanden.
Vielleicht brauchst du einen etwas anderen Ansatz in deiner Ecke als deinen bisherigen?
Was geht dort? Wie leben die Leute?
Das versuche ich herauszufinden. Ein Bekannter meinte zumindest, dass die Menschen hier sich vor allen in den Wohnzimmern, Vorgärten treffen und man als Außenstehender schwer reinkommt. Er meinte, dass er 20 Jahre brauchte (!), bis er hier einen richtigen Freundeskreis aufbauen konnte, wo er auch zu Geburtstagen eingeladen wurde.
Vielleicht muss ich wirklich etwas an meiner Ausstrahlung und Herangehensweise ändern, aber ich weiß einfach nicht wie. Jemand hat gemeint, ich solle mal zu einem Psychotherapeuten, der mit mir an meinem Verhalten und Selbstbild arbeitet, aber die sind alle hier so ausgelastet, dass ich nichtmal auf Wartelisten gesetzt werde...