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Kann man/sollte man etwas unternehmen? Geistig behinderter bei uns beschäftigt.

L

.:Lewi:.

Gast
Hallo miteinander,
Leider wird dieser Post sehr lange, um sich einen Überblick zu verschaffen.
Ich hole mal von Anfang an aus:

Wir sind ein kleiner Betrieb, Mein Mann (Chef), ich (Chefin), ein Angestellter der immer mit uns ist und 3 Putzfeen (mit denen aber nur zwischen meinem Mann und mir Kontakt besteht) und.. nennen wir ihn Kai.

Ein Bekannter fragte uns vor gut einem Jahr, ob wir seinen „Kleinen Bruder“ Kai eine Chance in unserem Betrieb geben könnten, da Kai keinesfalls in die Behinderten Werkstatt wolle. Er hat schon mal dort und in anderen Betriebsstätten Praktikas gemacht, aber Kai fühlte sich der Rat nie wohl, bei uns schon, das sagt er uns auch immer wieder.

Kai ist zu 100% Geistig behindert, obwohl wir vermuten, dass starke Vernachlässigung ihn zu diesen 100% bringt. Wir denken immer, für die Förderschule hätte er es schaffen können.

Das Kai Geistig behindert ist, wollen wir gar nicht abzustreiten, allerdings bezweifeln wir alle, dass es wirklich 100% sind – leider hatten wir bis dato nie mit Menschen mit Geistiger Behinderung zu tun gehabt, weshalb das nur Vermutungen unsererseits sind (auch die Meinung des Angestellten), dass Kai von Kindheitstagen an vernachlässigt wurde – bis heute.

Der Bruder von Kai selbst lebt auch nicht in dieser Familie, lieber bei Verwandten und möchte auch kaum Kontakt zu seinen Eltern, mit Kai hat er wohl Mitleid, immerhin ist er auch raus aus dieser Familie.

Als Kai, (der sich in einer Maßnahme von der ibf befindet noch bis Ende diesen Monats) das erste mal zu uns kam, waren wir erst mal etwas erschrocken. Kai kam letztes Jahr zu uns und wirkte sehr ungepflegt (lange und dreckige Fingernägel, gefühlte 1 Woche keine Haare gewaschen und der Geruch ließ erahnen, dass der letzte Badetag auch schon etwas her ist), dennoch wollten wir es mit ihm probieren, ich erwähne dass, weil wir viel bei Kundschaft sind und das natürlich nicht so schön ist, wenn ein junger Mann so auftaucht. Aber um ihn nicht gleich hart ran zu nehmen, warteten wir erst mal ab.
Er war von Anfang an ein wirklich lieber, netter und höflicher Kerl.
Von Anfang an sehr neugierig, wollte lernen, auch wenn es nicht immer klappte.
Manchmal musste man ihm 15 mal sagen, dass man die 13er Nuss möchte und nicht die anderen, die er angeschleppt hatte, aber er war nicht unter zu kriegen (finde ich super, aber geduld muss man haben!).

Kai kann auch nicht richtig sprechen, die Eltern aber auch nicht, manchmal muss man ihn drei mal fragen was er meint. Standart Sprüche wie „Wollen wir wetten?“ kommen als „Wiiii wetten!“ auch werden Dinge oft ohne oder mit falschen Begleiter genannt, also wird aus „das Holz“ einfach mal „der Holz“, wenn man ihn aber fragt, weiß er sofort den richtigen Begleiter. Leider sprechen die Eltern auch so, wie soll er es da auch richtg lernen. Seitdem er bei uns ist, hat es sich gebessert.

Irgendwann haben wir ihn immer mehr gefordert, egal ob Arbeitstechnisch oder vom Kopf her (Rechnen) und neues beigebracht, es hat zwar immer ein paar Anläufe gebraucht, aber mit der Zeit wurde es sogar gut, bis Kai sogar alleine Flex, Bohrmaschine und co. in die Hände nehmen durfte (natürlich in Absprache mit der Betreuerin der Maßnahme, da wir einfach zu wenig Erfahrung haben, ob das in Ordnung ist!).

Die Betreuerin der Maßnahme kommt jede Woche und führt mit Kai, mit Kai und uns und nur uns alleine ein Gespräch. Sie war begeistert, dass Kai wohl seitdem er bei uns ist pünktlich kommt, da er in der Schule noch nie zuvor pünktlich war. Aber auch das Kai wohl in der Lage ist so viel zu machen, wenn man ihn lässt. Inzwischen kann man ihn sogar mal Arbeitsaufträge geben, die er alleine ausführt – zwar langsam, aber das ist kein Problem.

Mit der Zeit haben wir ihm auch beigebracht, sich mal zu pflegen, also dass er nicht mit den Komplett verstaubten Klamotten, Haaren und Gesicht am nächsten Tag auftaucht oder das er sich die Nägel mal schneiden solle (die waren richtig lange).
Einfach etwas das normal ist auf dem Bau und vor allem wenn man zu Kunden geht.

Nach und nach wurde Kai offener und immer mehr kristallisiert sich heraus, dass unserer Meinung nach (alle die Kai kennen, inklusive großer Bruder) raus aus der Familie muss. Kai wird manipuliert, finanziell ausgenutz und wie Kai‘s Cousine mal sagte „So über Wasser gehalten, dass er nicht verhungert und verdurstet“.

Mit der Zeit kamen immer mehr Dinge raus, weshalb ich hier schreibe, da ich heute am liebsten Kai‘s Mutter an die Gurgel gegangen wäre (was ich natürlich nicht gemacht habe).
Kai hat keinen Sinn für Geld, die Eltern auch nicht. Anfang des Monats, ist immer Ende des Monats. Theorie geht es uns nichts an, ich weiß..
Aber die Dinge die er kauft oder angeblich kaufen will (für die Eltern), machen uns Sorgen!

Kai wollte eine Schlange, die er nicht anfassen will und eigentlich auch finanziell nicht halten kann, sie lebt jetzt in Heimtierstreu in einem viel zu kleinem Terrarium.
Wir fragen uns, ist das richtig für den Jungen?

Kai‘s Eltern haben ihm so lange eingeredet, dass sie ihm doch schon so viele Dinge im zum Geburtstag gekauft haben, er könne ruhig mal etwas von seinem Gehalt kaufen.
Kai hat dann seinen Eltern einen Rasenmäher im Wert von fast 400€ gekauft.

Als ich Kai fragte (er hatte vor wenigen Monaten Geburtstag), was er denn von seinen Eltern bekommen hat, konnte er keine Antwort darauf geben. Er meinte er glaubt nichts. Aber die Eltern haben zu Kai gesagt sie hätten ihm natürlich etwas gekauft, aber sie wissen auch nicht mehr was.
Zu Weihnachten bekommt Kai auch nichts, laut ihm hat er auch noch nie etwas
bekommen.

Zum Thema Gehalt – Kai kam auf die Idee, das Gehalt mal für was anderes auszugeben, als zum Zocken für den Bruder, ein Handy, einen Gaming Stuhl oder eine weitere von vielen Bass Boxen, nämlich eine Armbrust.

Und die Eltern waren so begeistert von der Idee, dass er seinem Bruder auch noch eine von seinem nächsten Gehalt kaufen soll – denn der Vater verkündet immer wieder (auch uns), wir sollen doch diverse Waffen kaufen, da bald die große „Abschlachtung“ kommt. Er schnappt jede Rechte Einstellung (die Ausländer sind an allem schuld und Merkel) so wie allerlei Verschwörungstheorien von Chemtrails, Echsenmenschen und weiß der Geier was vom Vater auf und verkündet das stolz.
Wir regen ihn immer wieder mal zum denken an, ob das denn wirklich so toll ist, was der Vater da von sich gibt – meistens stellt er fest, dass wohl doch nicht so viel Wahrheit dran ist.

Ja weswegen ich jetzt eigentlich dazu gekommen bin, das ganze zu schreiben: Mir fiehl schon lange auf, dass Kai immer nur 1,5L trinken dabei hat und NIE mehr, egal wie heiß es ist, selbst wenn man ihm noch mal sagt „Nimm dir genug trinken mit! Es wir heiß und wir arbeiten morgen sehr viel!“

Gestern fragte ich, wieso er nicht mehr zu trinken dabei hat. Die Antwort von ihm: „Die Eltern hätten nicht so viel Geld und mehr als eine Flasche am Tag darf er nicht trinken!“ (Er muss sich 1,5 L für den ganzen Tag einteilen!!!)
Im nächsten Atemzug erzählt er davon, dass die Eltern alles versaufen, so viel, bis er beide Abends nicht mehr verstehen kann!
Als ich die Mutter angerufen und darauf angesprochen habe, tat sie so, als wäre das natürlich kein Problem, meine Hinweise, dass es die Nieren schädigen kann und er hart Arbeitet und mehr braucht, hat sie gar nicht interessiert.

Auch reden sie Kai ein, er soll in Rente gehen (mit 20), er will bei uns arbeiten, er sagt das immer wieder einfach so, wie schön er es bei uns findet und dass er gerne bei uns ist.

Wir ärgern uns so, er hat in dieser Zeit bei uns so unendlich viel gelernt, was mit 20 Jahren einfach grundlegendes Zeug sein sollten – wie die Körperpflege.

Kai hat nicht mal ein anständiges Bett, sein Zimmer hat er oder seine Eltern noch nie gesaugt oder gekehrt (hat er mal erzählt), die Betreuerin der Maßnahme machte mal so eine Andeutung, wie dort war sie einmal und will da auch nie mehr hin, weil es so dreckig sei. Wenn er etwas spezielles zu essen oder zu trinken will, muss er sich das selbst kaufen. Er kriegt nur 1 Portion zu essen, er hat einfach Pech, wenn er noch Hunger hat. Das sind Zustände.. auch kann man ihm doch keine Armbrust in die Hand drücken! Unser Problem ist, die Eltern haben keinerlei Interesse. Wir glauben alle in einem betreuten wohnen, würde Kai ein besseres Leben haben und vor allem endlich mal lernen sich selbst zu versorgen und vielleicht besser mit dem Geld umzugehen. Nur sind halt die Eltern der Vormund und somit würde Ihnen Geld fehlen.

Kann man etwas machen? Kann man/sollte man ihm helfen?
Kümmert sich bei so was das jungendamt? Oder jemand anderes? Oder habt ihr sogar die Meinung man solle alles so belassen? Irgendwann sterben seine Eltern und dann muss er ja auf eigenen Beinen stehen, wir denken aber, dass es dann zu spät wäre. Die Betreuerin hat das Reden mit den Eltern auch schon aufgegeben..
Kai‘s Tante, Cousine, Bruder kommt auch nicht an die Familie ran.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

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L

.:Lewi:.

Gast
Es ist wohl eher Sache der Betreuerin. Du weisst einiges nur von ihm und ob er das so richtig erzählt, kann ich nicht beurteilen.
Danke für deine Antwort, allerdings ist die Betreuerin dafür da, ihn schulisch auf Arbeit vorzubereiten bzw. Zu vermitteln an Arbeitsstellen.
Wie ich oben schon genannt hatte befindet er sich in der Maßnahme vom „ibf“.

Unseres Erachtens lügt er nicht bzw. Lügt er so schlecht, dass wir es sofort bemerken, da er sich in Widersprüche verwickelt oder unglaubliche Geschichten erzählt – letzte Woche hatte er verschlafen und kam 1 Std. Zu spät zur Arbeit, die Antwort war: „Er musste noch Zähne putzen“
Als wir ihn darauf angesprochen haben, dass es nicht sein kann, gab er zu, seine Mutter sagte er solle das erzählen und hat eigentlich verschlafen.
 

CabMan

Aktives Mitglied
Unseres Erachtens lügt er nicht bzw. Lügt er so schlecht, dass wir es sofort bemerken, da er sich in Widersprüche verwickelt oder unglaubliche Geschichten erzählt – letzte Woche hatte er verschlafen und kam 1 Std. Zu spät zur Arbeit, die Antwort war: „Er musste noch Zähne putzen“
Als wir ihn darauf angesprochen haben, dass es nicht sein kann, gab er zu, seine Mutter sagte er solle das erzählen und hat eigentlich verschlafen.
Seine Mutter scheint nicht wirklich Interesse an ihrem Kind zu haben, sonst würde sie ihm nicht so eine peinliche Lüge mit auf den Weg geben.
 

Eva

Aktives Mitglied
So viel liebevolle Fürsorge, ich bin echt gerührt.

Ich würde es auch besser finden, wenn Kai ins betreute Wohnen geht. Was und wie man das hin bekommt, weiß ich leider auch nicht, aber wenn Kinder vernachlässigt werden, schreitet ja auch jemand ein; in dem Fall Jugendamt.

Gibt es nicht auch so etwas wie Behindertenbeauftragte? Ob die dafür zuständig sind, weiß ich leider auch nicht. Hast du schon mal Onkel Google gefragt?
 
L

.:Lewi:.

Gast
So viel liebevolle Fürsorge, ich bin echt gerührt.

Ich würde es auch besser finden, wenn Kai ins betreute Wohnen geht. Was und wie man das hin bekommt, weiß ich leider auch nicht, aber wenn Kinder vernachlässigt werden, schreitet ja auch jemand ein; in dem Fall Jugendamt.

Gibt es nicht auch so etwas wie Behindertenbeauftragte? Ob die dafür zuständig sind, weiß ich leider auch nicht. Hast du schon mal Onkel Google gefragt?
Hallo Eva,

Danke, ich habe schon ein wenig gegoogelt, aber komme irgendwie nicht zum richtigen Ergebnis.
Wir suchen momentan, welche Begründung man braucht oder wie es dazu kommt, dass entschieden wird, ab wann ein Junger Mann lieber in ein betreutes wohnen sollte.
Wir wollen uns nicht mit den Eltern streiten oder das Kai Probleme mit Ihnen bekommt, ich hoffe die Situation wird dann sogar besser.
 

Q-cumber

Mitglied
Liebe TE,

Ich finde es großartig, dass Dein Mann und Du diesem jungen Mann eine solche Chance gegeben habt. Und es ist schön, zu lesen, wie sehr er durch die Tätigkeit in Eurem Betrieb aufblüht.
Wahrscheinlich wird es sehr schwierig werden, an seiner häuslichen Situation etwas zu verändern.

Du schreibst, dass seine Eltern die Vormundschaft = gesetzliche Betreuung inne haben?
Dann sind sie vermutlich befugt, die finanziellen, gesundheitlichen und behördlichen Angelegenheiten ihres Sohnes zu regeln, im schlimmsten Fall beinhaltet dies auch Wohnungsangelegenheiten und Aufenthaltsbestimmung.
Wenn dies tatsächlich so ist, ist es für den Jungen überhaupt nicht möglich, ohne Einverständnis der Eltern in ein betreutes Wohnen zu ziehen.

Du sprichst von einer weiteren Betreuerin. Ist diese Dame ausschließlich eine Praktikumsbetreuerin oder steht sie Kai auch sonst zur Seite?

Mit 20 Jahren fällt Kai noch in den Bereich der Jugendhilfe. Du könntest Dich ggf. beim Jugendamt oder einer psychosozialen Beratungsstelle informieren, inwieweit Du ihm helfen kannst.

Ich sehe da mehrere große Probleme auf Dich zukommen:

1) Wenn die Eltern gesetzliche Betreuer sind, müsste man beim zuständigen Amtsgericht (Betreuungsgericht) einen Betreuerwechsel anregen. Da die Eltern sich vermutlich mit Händen und Füßen wehren werden, wird das nicht leicht.
2) Kai scheint aufgrund seiner Erkrankung sehr leicht manipulierbar zu sein. Das heißt, wenn seine Eltern ihm einen Auszug nach Kräften schlecht reden, wird er wahrscheinlich sagen, dass er gar nicht ausziehen möchte. Er kennt ja leider auch nix anderes als dieses elende Leben.
3) Wenn die Eltern bemerken, dass Du "gegen sie arbeitest", könnten sie Kai evtl. verbieten, weiter bei Euch zu arbeiten und dann ist sogar dieser Lichtblick wieder aus seinem Leben verschwunden.

Was auch immer Du tust - ich finde es toll, dass es noch Menschen wie Dich und Deinen Ehemann gibt!
LG
 

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