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Job bzw. Umfeld macht mich krank

Sam1972

Mitglied
Hallo zusammen.
Ich bin seit knapp 14 Jahren im Büro beschäftigt, und inzwischen macht mich das krank. Das ist nicht mal die Arbeit ansich (wobei es jetzt auch nicht mein Traum ist), sondern das Umfeld. Ständig umgeben mit Wichtigtuern, Selbstdarstellern, Egoismus, Verlogenheit und Arroganz. Ich finde es fürchterlich. Ich habe mich da auch schon ziemlich zurückgezogen. Meine direkte Vorgesetzte hatte mich schon immer auf dem Kicker und die würde mir am liebsten permanent eine reinwürgen. Dann sitze ich mit einer im Büro, die quasi zu einer Sekte gehört und mich da immer mit irgendeinem Mist zugetextet hat. Inzwischen ignoriert die gute Frau mich komplett, weil ich mich irgendwann über sie beschwert habe bzw. vorgebracht habe, dass mir das auf den Nerv geht. Andere Kollegen ignorieren einen ebenfalls. War man mal krank, sind selbst Kollegen sauer auf einen und man wird mit dem Ar... nicht angeguckt. Also ich fühl mich da so gar nicht wohl. Das ist einfach ein Klüngel da, da kommt man nicht gegen an. Die, die ne große Klappe da haben, werden gefördert und dürfen sich alles erlauben (genau wie die die schleimen), und jemand, wie ich, der generell ruhiger ist, hat da ein Höllenleben und egal was ich tue, es wird immer negativ ausgelegt. Ich frage mich, ist das generell im Büro so? Auch das da so eine Grüppchenbildung vorherrscht und einzelne Leute ausgegrenzt/gemobbt werden? Ich habe Angst, dass mir sowas noch mal passiert. Und eigentlich überlege ich schon, ob ich mich nicht irgendwie komplett anders orientieren sollte. Sozialer Bereich, aber was? Ich bin eigentlich so gestrickt, dass ich gerne Leuten helfen, die Hilfe benötigen.

Was sagt Ihr?
 

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No_Way_Out

Mitglied
Lieber Sam1972,

ich kann das was du geschrieben hast sehr gut nachvollziehen und fühle mit dir.

Ich denke, dass dieses Phänomen nicht nur im Beruf vorherrscht, sondern dass diese Grüppchenbildung in allen sozialen Bereichen vorkommt. Bei dir betrifft es den beruflichen Bereich.

Gerade die etwas ruhigeren Menschen, die sich nicht gerne darstellen und profilieren wollen oder können, sind oft davon betroffen. Diese Grüppchen, der Klüngel oder auch die Klans wie man sie nennen will halten zusammen. Und du stehst außen vor und wirst gemieden und gemobbt. Nur wenn du dich gut verkaufen kannst, bist du was.

Ich kann das alles sehr gut nachempfinden was du geschrieben hast, aber das hilft dir momentan nicht weiter.

Du schreibst du arbeitest seit 14 Jahren da, ist es von Anfang an so gewesen, oder gab es die entscheidende Wende? Wenn ja warum?

Hast du die Möglichkeit dich woanders zu bewerben oder gibt es Gründe, die dich dort "halten"

Geht es dir darum den Beruf zu wechseln, weil es nicht dein Traumberuf ist oder weil du dort weg willst?

LG No_Way_Out
 

Marleen-1

Mitglied
Ich kenne und erlebe genau das Gleiche im Büro. Auch seit mehr als 14 Jahren. Das Problem ist, nach so langer Firmenzugehörigkeit hat man eine sehr lange Kündigungsfrist. Und man weiß natürlich nicht, was in einer neuen Firma diesbezüglich und anders los ist.

Es ist aber sehr tröstlich zu hören, dass es in anderen Firmen auch so ist.

Zwischendurch zweifle ich immer wieder an mir selber. Dann wieder denke ich, es kann nicht nur an mir liegen. Wieviel ich den Jahren geweint habe - wer weiß es...

Liebe kollegiale Grüße, Marleen
 

Sam1972

Mitglied
Hallo. Lieben Dank für die Antworten.

Nein, es war nicht von Anfang an so. Als ich dort anfing, war es ne Spur familierer. Da hatte man noch einen Vorgesetzten, der sich beispielsweise bei der Geschäftführung einsetzen konnte bezügl. mehr Geld. Der Laden ist über die Jahre gewachsen, größer geworden, neue Leute, neue Geschäftsführung. Und damit hat sich auch vieles verändert. Es geht nur noch um Umsatz, sich selbst darstellen, sich wichtig tun. Null Zusammenhalt. Keiner hilft irgendwem. Jeder sieht nur sich und sein Ding. Da ist keiner bereit einem anderen mal zu helfen. Ob es jetzt um die Arbeit ansich geht oder sonst irgendwie Hilfe. Es wird gelästert und gehetzt, und die Leute die das machen, setzen sich dann mittags mit denen an den Tisch über die sie sich das Maul zerreißen. Widerlich! Also ich komm da echt mit diesem kompletten Umfeld nicht klar. Mit dem Job ansich kann ich leben. Könnte ich diesen daheim ausführen und hätte die Leute nicht um mich rum, wäre die Welt für mich in Ordnung.
Ich könnte mir aber auch vorstellen einen anderen Job auszuüben. Eben im sozialen Bereich, Menschen helfen. Weil ich mich da gebraucht fühlen würde und weil ich denke, das da dann noch Menschlichkeit zählt.
Ich bin momentan total durcheinander. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Klar da habe ich nach den Jahren eine gewisse Sicherheit. Das ist wohl auch das, was mich die ganze Zeit dort gehalten hat. Zumal ich allein lebe und auch keinen Partner habe. Aber ich merke zunehmend, das ich da nicht mehr kann. Ich bin da nervös, habe inzwischen seit Wochen Magenschmerzen. Habe ständig Angst dahin zu müssen und was jetzt wieder passiert. Ständig Angst, dass man mir mit irgendwas eine reindrücken will. Also es macht echt krank. Mittlerweile ziehe ich mich schon da raus indem ich mich krankschreiben lasse. Weil ich einfach Ruhe brauche. Weil ich fertig bin. Völlig erschöpft. Das ganze laugt mich aus.
Ja, auch ich zweifel immer wieder an mir selbst. Aber dann sag ich mir: Nein, Du bist gut so wie Du bist auch wenn es den anderen da nicht in den Kram passt. Ich will und kann mich nicht verdrehen. Im Grunde will ich nur meine Arbeit in Ruhe machen ohne jeglichen Stress, aber das ist ja leider nicht möglich. Das Schlimme ist man kann nichts dagegen tun. Weil da niemand auf der Seite von einem steht. Diejenigen, die da eben so abgewichst sind, werden geschützt und geschätzt. Denen bietet man auch Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Warum auch immer. Ich, die graue Maus, bin da der Depp und werde es immer bleiben. Ich werde immer auf der untersten Stufe stehen. Das ist mir inzwischen klar. Ist die Sicherheit all diesen Stress wert? Kann man das so die nächsten 20 Jahre aushalten?
Ich glaube nicht. Und ich glaube es ist Zeit für eine Veränderung. Aber ich weiß eben nicht in welche Richtung und klar, ich habe Angst, was dann kommt. Angst irgendwann bei Hartz 4 zu landen.
 

Marleen-1

Mitglied
Leider ist mir mein Text, den ich eben geschrieben habe, abhanden gekommen.

Sam, du sprichst mir aus der Seele... Mich belastet das alles sehr, es macht mich krank und hat mich in den letzten Jahren sehr verändert. Das kostet mich meine ganze Kraft, es ist so wahnsinnig anstrengend.

Bis vor einiger Zeit habe ich noch gedacht, in erster Linie käme es drauf an, gute und sorgfältige Arbeit zu machen. Offensichtlich ist das aber falsch. Diejenigen, die das auch nicht so sehen, werden noch gelobhudelt. Und wir kriegen noch einen reingewürgt.
 
G

Gast

Gast
Hallo,

ich bin jetzt auch seit ca. 15 Jahren im Büro und da ist es genauso wie hier von Gast beschrieben.
Die mit der größten Klappe in Meetings haben die größte Anerkennung beim Chef. Aber genau diese Leute arbeiten im Endefekt am wenigsten. Jeder ist super wichtig, jeder hetzt hinter dem Rücken über den anderen. Total schlechte Stimmung, totale Arroganz untereinander. Die Kollegen wo sich so verhalten, sind aber in Wirklichkeit armselige Menschen, die somit Ihr Geltungsbdürfnis ausleben müssen, weil sie nicht anderes haben, im Privatleben kleine, arme Würstchen sind und nichts zu sagen haben. Das schlimme ist, dies wird auch immer schlimmer und ist auch eine typisch deutsche Mentalität.
Ausserdem gibt es immer mehr Fachidioten, die gleich nach dem Studium einem als Vorgsetzten vor die Nase gesetzt werden. Unglaublich, was es da für Idioten darunter gibt. Absolut keine Kenntniss in Menschenführung, absolute schlechte Allgemeinbildung und null soziale Ader. Es geht bei denen nur noch um Selbstverwirklichung, Machtausübung und Karriere machen um jeden Preis bzw. auf Kosten der Mitarbeiter.
Deutschland geht so langsam aber sicher dem Bach runter und ist kurz vor dem Verdummen.

Das ist die Wahrheit !!
 

Findefuchs

Moderator
Teammitglied
Ich als Selbständige habe meine eigene Meinung zu diesen ganzen Themen :D, finde es aber immer sehr wichtig, etwas zu ändern, wenn ein Leidensdruck entsteht oder man die Frage "Kann ich die nächsten Jahre so weitermachen" mit NEIN beantworten kann.

Wenn man noch einige Jahre bis zur Rente hat, sollte man wenigstens etwas machen, das einem liegt, den Fähigkeiten entspricht und wohinter man stehen kann. Und wenn mich mein Arbeitsplatz dauerhaft nervt und frustriert, finde ich es umso wichtiger, sich entweder umzuorientieren oder eine neue Stelle zu suchen.

Wenn es wirklich nur am Arbeitsplatz liegt, kann man ja immer mal wieder Bewerbungen schreiben und die Fühler ausstrecken. So ein Arbeitsplatzwechsel mit eventuellen neuen Aufgabenbereichen und neuen Kollegen kann wahre Wunder bewirken.

Wenn es aber allgemein an dem Beruf an sich hängt, sollte man wirklich darüber nachdenken, eine neue Ausbildung anzufangen, oder ein ergänzendes Studium/Weiterbildung dranzuhängen.

Dabei ist für mich das genaue Alter auch sekundär, es gibt immer eine Chance und einen Weg zum Neuanfang. Man muss dann halt sehen, wie man das finanziell gewuppt bekommt bzw. ob man Unterstützung bekommt.

Gerade im sozialen Sektor herrscht Fachkräftemangel. Ich habe dort einige Jahre gearbeitet und ich habe viele Neueinsteiger gesehen, die bereits "älter" waren, sich aber trotzdem nochmal umorientieren wollten, weil sie ihren alten Beruf nicht mehr dauerhaft machen wollten oder konnten. Gestört hat es nie einen und ich habe bei einigen Chefs damals mitbekommen, dass bei einigen sozialen Berufen ältere Bewerber sogar bevorzugt worden sind (nicht immer, aber oft), weil man davon ausgegangen ist, dass diese mehr Lebenserfahrung mitbringen und einen gefestigteren Charakter haben, als z. B. jemand mit 16 oder 18 Jahren. Und besagter gefestigter Charakter ist ganz wichtig in diesem Bereich. Und wenn ich "ältere Bewerber" schreibe, meine ich Leute, die schon die 40er geknackt haben oder sogar drüber waren.
 
Ich mag die Stimmung hier :)

Kurzum: Macht-/Profilierungsspiele Bürostrukturen sind sehr schwierig, insbesondere wenn man von Haus aus eher mit einem ehrlichen Charakter behaftet ist der auch gerne unbequeme Dinge direkt anspricht ohne um den heißen Brei herumzureden. Meine größten Probleme sitzen da immer wieder im zwischenmenschlichen Bereich (...wenn man den Ausdruck an dieser Stelle überhaupt noch gebrauchen darf) bzw. in der Subtilität wie diese Machtspielchen und Profilierungsneurosen immer wieder vor dem/den gemeinen Mitarbeitern oder einem selbst ausgespielt werden.

Ich finde es z.T. auch äußerst seltsam und befremdlich wie diese sog. selbsterklärten "Macher und Denker" diese Maske den ganzen Tag aufrechterhalten können, so etwas kostet doch ungemeine Mühe und Energie...also ich könnte das in der Form nicht aber vielleicht gehört diese ekelhafte Persönlichkeitsattitüde auch heute schon zur ach-so-teuer bezahlten Ausbildung dazu...

Einen wirklichen Rat wie man damit am besten umgeht habe ich auf die Schnelle zwar auch nicht parat aber ich für meinen kleinen Teil versuche nach wie vor (mittlerweile auch schon im achten Jahr) mir gegenüber irgendwo treu und auch authentisch zu bleiben bzw. meine Seele nicht in der Form zu verkaufen wie es heute dem Anschein nach im Buisnessbereich überall gewünscht wird. (ständige Erreichbarkeit, unzählige Überstunden im Monat, "Ja"-Sager-Mentalität etc/pp). Das ich mir dabei in meinem Umfeld keine "Freunde" mache und wohl auch nie den steilen Weg der Karriereleiter emporklimmen werde...geschenkt...aber ich kann abends noch wenigstens in den Spiegel schauen und nachts noch etwas Schlaf finden.

Ich hätte auch kein Problem damit wenn hinter all diesen Facetten eine gewisse Qualität in der Ausführung (und v.a. der Delegation) der Tätigkeiten stecken würde aber in meiner langen Zeit hier auf meinem Arbeitsplatz habe ich wirklich gelernt dass das Schicksal ein ziemlich mieser Verräter ist und Menschen eine Richtung vorgeben (sollen) oder eine große Schar von Mitarbeitern führen (sollen) bei denen ich mich ernsthaft frage wie es denjenigen gelingt sich morgens die Hosen anzuziehen.

Ich weiß nicht ob es in anderen Wirtschaftsbereichen in Deutschland mittlerweile genauso finster aussieht, ich kann es wie gesagt nur auf meinen kleinen Mikrokosmus und meine Tätigkeit hier beziehen aber für mich ist es dabei irgendwo kein Wunder dass die gesellschaftliche Schere auch (...oder gerade?) im Arbeitsbereich immer größer wird und die generelle Unzufriedenheit bzw. die Empfindung der sozialen Ungerechtigkeit in der Mittelschicht immer größer ansteigt.

Just my two cents ;)
 

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