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Jemand, dem ich geholfen habe, schwebt in Lebensgefahr

Mozu

Aktives Mitglied
Ich weiss nicht, ob ich jetzt so viele Details erzählen kann.. die Polizei hat mich gestern Abend befragt und ich bin jetzt eine Zeugin in einer Sache, von der offenbar noch nicht klar ist, ob es ein Unfall mit Fremdeinwirkung war oder nicht. Ich bin aber gerade so fertig, und habe Angst, ich möchte es ein bisschen aufschreiben.

Gestern habe ich beim Spazieren eine Person auf dem Weg sitzen sehen, neben einem Fahrrad. Ich dachte, sie sei gestürzt, sprach sie an, ob sie Hilfe brauche. Sie sagte nein, alles in Ordnung.. sah aber blass aus und so, als ob sie unter Schock stünde. Ich wartete noch ein bisschen, fragte nochmal, ob sie sich ganz sicher sei, und sie bejahte wieder. Und dann bin ich halt weitergegangen.
Doch der Gedanke an die Person liess mich nicht los, also bin ich nach 20 oder 30 Minuten wieder zurück.. und sie sass immer noch da, diesmal ging es ihr VIEL schlechter. Sie hatte zwar ein Handy, sagte sie, jedoch wollte sie nicht, wirklich unbedingt nicht, dass ich einen Arzt rufe.. selber hatte ich kein Handy dabei. Sie wollte auch nicht, dass ich jemand anders anrufe.. oder konnte mir keine richtige Antwort geben, weil sie so starke Kopfschmerzen hatte. Sie sagte immer nur, sie wolle nach Hause, einfach nur nach Hause, und sich hinlegen. Also bin ich so schnell ich konnte nach Hause gerannt, habe meine Schwiegermutter geholt, und mit dem Auto sind wir dann zu ihr gefahren, haben sie eingeladen, und nach Hause gefahren (sie wohnte nur 5 Minuten entfernt, zum Glück, näher als das nächste Krankenhaus).. wir gaben sie bei ihrer Familie ab und fuhren nach Hause.

Später kam die Polizei, um mich zu befragen und eine Zeugenaussage aufzunehmen. Ich wusste nicht warum, und die Polizisten durften mir keine weiteren Informatinoen über ihren Gesundheitszustand geben.

Nun erfahre ich heute über eine Bekannte meiner Schwiegermutter, welche die Familie offenbar kennt.. dass sie gestern Abend noch mit dem Hubschrauber in die Landeshauptstadt geflogen wurde.. sie hat eine lebensgefährliche Kopfverletzung.

Leute, ich habe solche Angst. Ich wusste doch nicht.. dass es sowas schlimmes ist. Sie sagte, sie braucht keine Hilfe. Sie sagte, sie will einfach nur nach Hause, sie hatte auch keine Platzwunde oder Blut am Kopf oder sonst was.. wie hätte ich das wissen sollen. Ich habe doch ein paar Mal gesagt, und meine Schwiegermutter auch, dass wir besser keine Zeit verlieren und gleich einen Notarzt anrufen, aber sie wollte halt nicht, und.. wir wollten sie doch nicht zwingen. Ich dachte, sie hat vielleicht eine Gehirnerschütterung oder sowas!

Ich wünschte, ich wäre gleich Hilfe holen gegangen.. ich wünschte ich wäre nicht erst weiter spaziert. Sie hat dadurch so viel wertvolle Zeit verloren. Ich wünschte, ich hätte ein Handy dabei gehabt und hätte einfach gleich den Krankenwagen gerufen. Ich hätte nicht auf sie hören dürfen.. ich hätte daran denken müssen, dass man unter Schock ganz unemotional wird und es dann so wirken kann.. als wäre man klar im Kopf, obwohl man eigentlich total weggetreten ist.

Vielleicht wirkt das albern, aber ich mache mir einfach Sorgen und bin erschrocken darüber, dass es nun doch etwas so schlimmes ist. Und frage mich, ob ich das nicht hätte vorhersehen oder zumindest in Betracht ziehen können.
 
Zuletzt bearbeitet:

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D

dirk k

Gast
hätte vorhersehen
wie du kannst nicht hellsehen. tsts

sehr viel hätte, hätte, hätte.

und hättest du einen anderen weg genommen
und hätten andere nicht auch helfen können
und hättest du ein handy dabei gehabt

und hätte man sie früher in die landeshauptstadt geflogen.

nein du hast geholfen, du hast nachgehakt.
wie viele von 100 / 1 000 / 10 000 wären vorbeigegangen? wahrscheinlich sehr viele.
du bist ein ganz toller mensch weil du geholfen hast.
 
Zuletzt bearbeitet:

PsychoSeele

Urgestein
Huhu,

das konntest du nun wirklich nicht ahnen.

Ihr habt sie nach Hause gefahren, wo sie dann schließlich Hilfe erhielt. Somit ist das so ok. Mach dir da jetzt keinen Vorwurf.

Jetzt kann man nur hoffen, dass die Frau sich wieder vollständig erholt.

Liebe grüße
SchwarzeSeele
 

das Gefühl

Aktives Mitglied
Weißt Du was? Ich schreibe hier schon sehr lange nicht mehr, aber bin jetzt so ergriffen und gerührt von Deinem Beitrag, dass ich schreiben muss:

Du hast Dich vorbildlich verhalten!!! Ich finde das superklasse. Natürlich kann ich verstehen, dass Du Dir Gedanken machst. Das würde ich auch. Aber Du hattest keinerlei Chance, zu erkennen, dass es dieser Person so viel schlechter ging. Sie war ansprechbar und hat ihre Situation ebenso wenig begriffen wie Du (wie solltest Du das denn auch?) Und trotzdem warst Du unruhig, bist zurück und hast Dich bestens gekümmert. Mehr konntest DU nicht tun! Oder bist Du Arzt/Ärztin? Und selbst dann,...

Ich habe viel Respekt vor Deinem Verhalten. Klasse! Und die anderen haben es DIr ja auch schon geschrieben.:daumen::blume:
 

Landkaffee

Urgestein
DAS ist genau der Grund, weshalb viele Menschen an Unfallorten gaffen und nicht helfen.





Sie wollen die Furcht, Angst, den Zweifel nicht spüren.... .
Und auch sonst keinen Stress mit Behörden und Co. .


Du warst da. Ob Du eine Situation richtig oder falsch eingeschätzt hast, das weiss ich nicht zu beurteilen.

"Als ob sie unter Schock stünde"... ? Das Problem: Du warst Dir auch nicht sicher.


Vielleicht hättest Du ihr Handy an Dich nehmen und gegen ihren Willen telefonieren können?

Wie heisst es doch:"Hätte, hätte, Fahrradkette..."



Jedenfalls hast Du getan, was Du in Deiner und Eurer Situation an Möglichkeiten gesehen hast.

Sie mag unter Schock gewesen sein. - Und Du? Ist es unser Alltag, mit solchen Situationen adäquat um zu gehen?


Meiner nicht.
Obwohl: Unfälle häufen sich.... . Wünsche mir da nicht nur Erste-Hilfe-Kurse..... .



Ich verstehe Deine mehrfache Sorge.... .


Und da ist nichts aber auch gar nichts albern.... .



GLG
Landkaffee

Ich hoffe sehr: alles wird besser!
 

Markian

Mitglied
Zunächst einmal ist dein Verhalten sehr lobenswert, viele an deiner Stelle wären einfach weitergegangen. Von rechtlicher Seite aus kann dir nichts passieren. Moralisch hast du dich auch nicht schuldig gemacht, du konntest nicht wissen wie stark die Verletzung ist. Du bist kein Arzt woher sollst du wissen, wann ein Krankenhausaufenthalt notwendig ist und wann nicht? Dein Nachdenken zeigt, dass du ein mitfühlender Mensch bist und sich selber zu hinterfragen ist auch sehr gut nachvollziehbar. Bedenke jedoch, dass du dein bestes gegeben hast und mehr geht eben nicht. Du solltest eher stolz auf dich sein, dass du etwas getan hast, denn schließlich ist die Person über den Umweg nach Hause, dann doch noch im KH gelandet. Wer weiß ob die Person, nicht auf der Straße verstorben wäre, wenn du nicht gehandelt hättest.
 

Mozu

Aktives Mitglied
Vielen Dank für eure tröstenden Worte und euer Lob! Ihr seid lieb.

Ihr habt natürlich recht.. ich kann nicht hellsehen, und bin auch kein Arzt, ich konnte nicht wissen, wie schlimm es um sie stand. Aber ich habe schon einmal davon gehört, dass es Kopfverletzungen gibt, denen man die Schwere nicht gleich durch äussere Wunden ansieht.. nur in dem Moment habe ich nicht daran gedacht, weil ich so nervös war. Vielleicht hätte ich etwas besser machen können, oder kann es nächstes Mal besser machen, wenn ich in so eine Situation komme. Aber ich habe getan, was ich konnte, und vermutlich schlimmeres verhindert.

dirk k meinte:
wie viele von 100 / 1 000 / 10 000 wären vorbeigegangen? wahrscheinlich sehr viele.
Ich weiss nicht, ich bin da optimistisch :) War ein recht schmaler Weg, und es braucht schon ziemlich viel Frechheit, um einfach so an einem am Boden liegenden Menschen vorbeizugehen, wenn man allein auf weiter Flur ist.

Landkaffee meinte:
Obwohl: Unfälle häufen sich.... . Wünsche mir da nicht nur Erste-Hilfe-Kurse..... .
Ja, ich auch! Auch solche, harmloseren Situationen (wäre da alles voller Blut gewesen und ich hätte anpacken und erste Hilfe leisten müssen.. bei dem Gedanken rutscht mir schon ein bisschen das Herz in die Hose) sollten geübt werden. Vielleicht würden dann auch mehr Leute nicht nur gaffen.


Markian meinte:
Wer weiß ob die Person, nicht auf der Straße verstorben wäre, wenn du nicht gehandelt hättest.
Diesen Gedanken finde ich sehr gruselig: Wie viele "Zufälle" nötig waren, um der Person zu helfen.. so viele "wer weiss".. aber es ist natürlich auch müssig, darüber nachzudenken, und sich selber traurig zu machen, bringt ja nichts. Besser, daraus lernen und hoffen, dass diesmal alles gut ausgeht.


Danke nochmal, für euren Zuspruch. Das hat mir gut getan.

Gute Nacht!
 

Mozu

Aktives Mitglied
So, ich habe schon wieder völlig zufällig Neuigkeiten erfahren: habe nämlich gestern im Dorf ein Familienmitglied der verunglückten Person getroffen und es hat mir erzählt: sie hatte einen Schädelbruch mit Hirnblutung und ein gebrochenes Schlüsselbein. Gestern sei sie aber aus der Intensivstation entlassen worden und "wahrscheinlich" würden keine Schäden zurückbleiben.
Also halbwegs gute Nachrichten, denke ich?

Merkt euch bitte mit mir: wenn ihr mal so jemanden trifft, der eigentlich noch ganz gut aussieht und redet, und ihr seht kein Blut oder grössere Verletzungen, aber es könnte ein Sturz gewesen sein.. dann könnte es trotzdem etwas richtig schlimmes sein, also besser gleich einen Arzt holen, auch wenn die Person das nicht möchte :) Das jedenfalls werde ich das nächste Mal machen.
 

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