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Ist mein Leben noch zu retten?

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Gast

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Hallo,

ich möchte hier meine Probleme offen und ehrlich schildern.

Der Text ist etwas lang.

Ich komme aus BW und bin (m) jetzt 23 Jahre alt.

Alles fing irgendwann in der neunten Klasse an (da war ich 15), irgendwann einmal konnte ich nicht schlafen, war am nächsten Tag total fertig in der Schule und auch die nächsten 2 Tage wurden nicht besser, erst am Wochenende konnte ich wieder ausreichend Schlaf finden.

Am Ende des Schuljahres hatte ich das selbe Problem wieder, ich konnte von Sonntag auf Montag nicht schlafen, war total fertig in der Schule, konnte aber am Nachmittag auch keinen Schlaf finden und auch nicht genug in der Nacht. Zudem musste ich das was ich in der Schule mangels an Konzentration nicht verstand zu Hause nachlernen, was aber ebenfalls wegen Schlafmangels nicht funktionierte.
Am Abend ging ich ins Bett und lag wieder ne Stunde wach und bekam dann Angst das ganze könnte sich wiederholen, worauf ich wieder nicht schlafen konnte. Ein Teufelskreis.
Ich weiß nicht warum mich das so mitgenommen hat, mal nen Tag nicht zu schlafen, aber ich bekam echt Angst vor diesen „Phasen“ weil es mir am nächsten Tag immer so dreckig ging, ich zudem daheim wieder keinen Schlaf finden konnte.

In der zehnten Klasse ging es los mit den Bewerbungen für eine Ausbildungsstelle. Mir schwebte Bankkaufmann bzw. Bürokaufmann vor. Ich habe dutzende geschrieben, bekam oft Einladungen zum Einstellungstest und Vorstellungsgesprächen bei manchen aber auch gar nichts.
Es folgte Absage auf Absage, das hat mich extrem runtergezogen, ich als Klassenbester mit nem Schnitt von 1,4 bekam keine Ausbildungsstelle, das Schuljahr schritt voran und die Abschlussprüfungen kamen näher, einen Ausbildungsplatz fand ich immer noch nicht. Ich hab das ungerecht gefunden, es kam wieder eine der „Phasen“ und ne echt schlimme Woche, ich hatte keine klaren Gedanken mehr, schnappte mir ein Messer, hielt es mir an den Arm und stand in der Küche. Meine Mutter hat mich erwischt, es ist nichts passiert, wahrscheinlich hätt ich es nicht tun können. Nach diesem „Selbstmordversuch“ verbrachte ich eine Woche im Krankenhaus. An einem Tag wär wieder ein Einstellungstest gewesen, ich durfte nicht hingehen.
Als ich wieder in der Schule war erfuhr ich dass jemand aus meiner Klasse den Platz bekommen hatte, zwar nicht als Kaufmann sondern als Chemikant aber ein super Job in nem großen Industriebetrieb.
Das ärgerte mich gewaltig, hätte ich es nicht verdient diesen Platz zu bekommen?
Ich schrieb Abschlussprüfung, wurde Jahrgangsbester, hatte keinen Job.
Ich ging auf die Fachoberschule, eigentlich wollte ich das gar nicht, aber es blieb mir nichts übrig. Das erste Halbjahr war relativ gut, ich fand im Praktikum meine Liebe zur Elektronik. Jedoch hörten zum Halbjahr alle meine Kumpels in der Klasse auf, ich war ganz allein, ohne Freunde, von heute auf morgen sozusagen, zu den anderen konnte ich keine Freundschaften aufbauen. Es folgte ein Halbjahr mir vielen „Phasen“ wo ich fast durchgedreht wäre. In der zwölften Klasse wurde es besser, ich fand welche mit denen ich reden konnte, jedoch war die Zwölfte auch stressig und ich hatte viele „Phasen“.
Ich fühlte mich oft als würde alles Pech der Welt nur mir passieren.
Ich war froh als es vorbei war und ich die Prüfungen hinter mir hatte. Ich hatte Fachabitur.
Nun wollte ich eine Ausbildung machen, viele Lehrer konnten das nicht verstehen weil ich doch Abitur habe.
Ich bewarb mich beim gleichen Industriebetrieb wie zwei Jahre zuvor, bekam eine Stelle als Elektroniker. Die nächsten 3 Jahre waren ungelogen spitze, mir machte die Arbeit Spaß, es gab nette Kollegen.
Zwar hatte ich hin und wieder Phasen, aber ich kämpfte dagegen an, riss mich zusammen, wenn ich mal schlecht geschlafen hatte, zog ich den Tag durch und holte daheim den Schlaf nach.
Es machte mir auch nicht mehr so viel aus mal etwas weniger geschlafen zu haben.

Nach der Ausbildung bekam ich eine Stelle als Elektroniker in nem anderen Bereich. Ich blieb da bis zum September 2011 in etwa 1 Jahr. Es machte mir verdammt viel Spaß, hatte nette Kollegen, einen super Job, normale Arbeitszeiten.
Es gab ein Angebot von der Firma man könne Studieren und danach wieder anfangen. Ich dachte das wär doch toll, viele meiner Freunde studierten und hatten ein schönes Leben, ich habe ne Jobgarantie und wer würde das Angebot schon ausschlagen. Zudem hatte ich die FOS gemacht, warum also nicht.
Zu dem Zeitpunkt hieß es noch ich kann nach dem Jahr nicht in der Abteilung bleiben. Plötzlich wurde jedoch ne Stelle frei und ich musste mich zwischen Job und Studium entscheiden, die härteste Entscheidung meines Lebens, ich habe das Studium gewählt.
Ich wollte Richtung Umwelttechnik gehen, ich hab im Personalbüro angefragt, es ginge alles in Ordnung. Ich hab mich an den FHs beworben, als ich den Vertrag dann unterschreiben wollte, hieß es plötzlich Umwelttechnik ging doch nicht. Ich musste kurzzeitig umschwenken auf einen Studiengang der näher an Maschinenbau liegt.
Der war jedoch nichts für mich, ich habe abgebrochen und bin jetzt wieder seit Januar Elektroniker, jedoch in ner anderen Abteilung. So schön wie meine frühere Stelle ists nicht mehr, fraglich obs jemals so schön wird, auch von den Kollegen her 
Zudem würd ich wohl Schichtarbeiten müssen auch mit Nachtschicht, was überhaupt nicht mein Ding ist. Ich würd viel lieber die normalen Arbeitszeiten machen, 7 – 15 Uhr.
Ich würde gerne zurück aber meine alte Stelle ist schon besetzt. Die müssen zwar jetzt auch Schichtarbeiten aber nur Vor- und Nachmittagsschicht.

Wenn ich jetzt so auf die letzten Jahre zurückblicke ist alles irgendwie scheiße gewesen.

- Ich habe keinen Job in der Realschule bekommen obwohl ich so gut war.
- Ich war so dumm ins Krankenhaus zu kommen und so einen Termin zu verpassen, wo ich vielleicht
Chemikant geworden wäre, eine guter Bürojob mit guter Bezahlung, Sicherheit und normalen Arbeitszeiten.
- Ich hab FOS gemacht obwohl ichs ursprünglich gar nicht wollte, wovon 1 1/2 Jahre davon einfach nur schrecklich waren. Jetzt hats mir nichts gebracht, wenn ich daheim gesessen wäre hätte ich viel weniger Stress gehabt und wär genausoweit gewesen 
- Ich hab ne super Arbeitsstelle aufgegeben weil ich mich zum Studium gedrängt habe (wegen meines Fachabis).
- Ich hab was studiert was ich gar nicht wollte und habs abgebrochen.

Jetzt bin ich genau soweit als hätt ich nach der Realschule eine Ausbildung gemacht.
Ich hab mich durch 2 Jahre FOS gequält was mir überhaupt nichts gebracht hat und wo ich oft traurig war.
Ich hätte Chemikant sein können, hätt drei Jahre eine Ausbildung gemacht, wär mit dem Job zufrieden gewesen, hätte normale Arbeitszeiten gehabt und hätt die FOS nicht machen brauchen bzw. mich nicht zu nem Studium gedrängt.
Ich hätte keine qualvollen Erlebnisse (keine Freunde) von der FOS her gehabt. Wär jetzt glücklich.
Wie solls nun weitergehen?

Wenn mir der Job nicht gefällt dräng ich mich dann wieder zu nem Studium? Diesmal ohne Sicherheit des Arbeitgebers, studiere was in Richtung Umwelt und brichs dann vielleicht wieder ab?

Alles wär so viel einfach gewesen wenn ich in der Realschule nen Job bekommen hätte, weben meiner guten Noten wär das auch wünschenswert gewesen.

Zudem hätt ich wohl nen „Bürojob“, bräuchte nicht über Schichteinsätze nachdenken, bzw. nicht in ner lauten Industriehalle rumlaufen. 



Aber da gibt es noch was, nämlich die Frage meiner sexuellen Selbstfindung.

Auch das fing in der Realschule an. Ich hab irgendwann mal mit nem Banknachbarn Fingerhakeln gespielt, die Lehrerein hat uns erwischt und meinte wir sollen wann anders Händchen halten.
Meine Klassenkammeraden fanden das wohl äußerst lustig und haben mich dann fortan als schwul „beschimpft“.
Am Anfang war mir das noch egal, aber mit der Zeit war es einfach nur schlimm für mich und irgendwann stellte ich mir vor, wie es wäre wirklich schwul zu sein.

Ich fand die Vorstellung nicht wirklich schlimm, ich war vorher auch nicht sonderlich an Frauen interessiert, aber auch nicht an Jungs (da war ich etwa 14/15).
Die nächsten Jahre kämpfte ich mit mir, dachte immer wieder ich hätte mir das Ganze nur eingeredet, was ja auch teilweise stimmte.
In meiner Klasse fand ich anfangs aber niemanden süß, nur mit der Zeit 1nen oder 2.
Nach der Realschule wechselte ich wie gesagt auf die FOS. Weil es da so stressig für mich war, mit vielen „Phasen“, vor allem in der Zwölften hatte ich auch wohl daheim nicht wirklich den Sinn danach das weiter zu erforschen (oder kam es langsam von selbst?).
Ich denke aber dass ich mit Mitte der zwölften Klasse (18) so weit war zu sagen ich bin schwul.
Meinen ersten Freund und das erste Mal hatte ich aber erst mit 19 ½.
Die Beziehung hielt 1 Jahr und 2 Monate, in dieser Zeit stellte ich mir aber auch die Frage ob ich wirklich schwul war oder ich mir das in meiner Pubertät nur eingeredet hatte, was zu einer gestörten Selbstfindung geführt hätte.

Dieses Problem konnte ich aber selbst lösen, ich erinnerte mich, dass ich mich in meiner Kindheit immer zu männlichen Figuren hingezogen gefühlt hatte.
Trotzdem wurde ich in der Schule beleidigt, bevor ich überhaupt einen Gedanken an das Thema schwul-sein verschwendet habe.
Mein eigentliches Problem ist das:

- Ich hatte damals nie die Möglichkeit mich mit dem in Ruhe auseinanderzusetzen. Ich wurde in der Klasse verspottet und habe nur auf Grund dessen darüber nachgedacht.
- Wir hatten lange Zeit kein Internet und ich bin in einer eher ländlichen Gegend aufgewachsen, es gibt keine Großstadt in der Nähe, ich hatte keine Möglichkeit meine Gefühle zu erforschen.
- In der stressigen FOS-Zeit mit vielen „Phasen“ hab ich wertvolle Zeit vertan.

Wenn man heute junge Leute sieht, die schon mit 15/16 geoutet sind, die erste Liebe erleben und selbstbewusst im Leben stehen werde ich jedes mal traurig dass es bei mir nicht so gelaufen ist.
Ich finde diese Jungs auch total süß, und würd mich am liebsten in einen verlieben, aber damit würd ich doch auch nur die Zeit nachholen wollen was letztendlich nicht funktioniert 


Natürlich hab ich auch Fortschritte in meiner Persönlichkeitsentwicklung gemacht, ich wurde viel offener und bekam mehr Selbstvertrauen.
Aber wenn ich jetzt so zurückblicke wie schön ich es hätte haben können wie es dann doch gelaufen ist, ist das einfach nur traurig.
Wie viel Zeit ich durch die „Phasen“ vergeudet habe, wichtige Zeit die unwiederbringlich verloren ist.
Ich habs mal geschätzt, von 15 ½ bis jetzt 23 etwa 10% der Gesamtzeit.
Mein spätes Outing, viele verpasste Gelegenheiten.
Die Schocks, gute Noten aber keine Ausbildungsstelle, keine Freunde in der FOS/Stress, streben nach Studium und dann Abbruch, FOS-Zeit umsonst obwohl die so schrecklich für mich war, Chance auf gute Stelle sausenlassen wegen Krankenhaus, gute Stelle aufgegeben.
Wie soll ich mich jemals glücklich an meine Jugendzeit zurückerinnern wenn alles so gelaufen ist. Schönreden hilft da wenig.
Und wie solls jetzt weitergehen? Wieder ein riskantes Studium? In der Abteilung bleiben, Schichtarbeiten und viele Wochenenden keine Zeit haben um was zu unternehmen?
Wenige Chancen auf nen Aufstieg?
Für das hab ich mich also so in der Schule angestrengt, dass ich jetzt so nen Job habe, während andere mit weniger guten Noten normale Bürojobs gekriegt haben? Schon viel früher und jetzt mit mehr Aufstiegsmöglichkeiten gesegnet sind?

So viel Zeit und auch viel Geld vertan. Die Jahre muss ich doch auch später nacharbeiten während andere schon in Rente sind.
Warum musste ich das alles miterleben, ich hab doch niemandem was getan, wärs nicht gut gewesen mal das zu bekommen was ich wollte oder wenigsten nicht immer so zu leiden?!
Und der Schaden an meiner Gesundheit?! Die vielen Wochen an Schlafmangel die sich zu Monaten addieren?! Die schlechten Gedanken? Jetzt bin ich gesund aber was wenn sich das mal rächt? Was wenn ich schon jetzt meine Zukunft (Gesundheit) vertan habe?
Ist mein Leben noch zu retten mit der Vergangenheit und dieser Zukunft.
Hätt ich doch mit 16 nen Job bekommen.
Bitt e keinen abgedroschen Sprüche wie dein „Leben liegt noch vor dir.“ oder „Du weißt nicht ob ein Bürojob das richtige gewesen wäre“.

Danke für eure Meinungen

:,-(
 

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